Das Entsetzliche an der Gewaltkultur Brasiliens ist, daß man immer wieder Freunde durch Mord verliert - und zwangsläufig, angesichts der lächerlich niedrigen Aufklärungsrate, immer mehr Mörder persönlich kennt.
Attentate auf Systemkritiker: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/10/gestaltungsmacht-brasilien-erneut-systemkritischer-journalist-erschossen-nationale-journalistenvereinigung-protestiert-reporter-ohne-grenzen-zur-pressefreiheit-unter-lula-rousseff-bundesau/

http://odia.terra.com.br/portal/rio/html/2010/1/morre_o_diretor_teatral_vicente_maiolino_58021.html
Karl Brugger, ein guter Kollege: 1985 war unweit von Vidigal, im Strandstadtteil Ipanema, der deutsche ARD-Korrespondent Karl Brugger erschossen worden. Die Hintergründe des Anschlags werden bis heute vertuscht, Täter und Hintermänner wurden nie gefaßt. Brugger war ein exzellenter Kenner Brasiliens und recherchierte immer wieder politisch unbequeme Themen, darunter die Rolle von Kriegsverbrechern und Altnazis in dem Tropenland.
Tim Lopes, ein brasilianischer Kollege: Wie starb der mehrfach preisgekrönte TV-Reporter Tim Lopes? Laut Polizeibericht entdeckten ihn Banditen in der Favela Vila Cruzeiro - Tim Lopes wurde zuerst gefoltert, dann rammten ihm die Gangster einen Spieß in den Brustkorb, hackten seine Füße ab und verbrannten ihn lebendig in Autoreifen - siehe Szene aus ”Tropa de Elite. http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/13/scheiterhaufen-morder-des-tv-journalisten-tim-lopes-verkauft-in-rio-de-janeiro-schwerbewaffnet-harte-drogen-wie-crack-und-kokain-in-slum-laut-landesmedien-resultate-der-lula-regierung/
Fotodokumentation: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/

Ludmila Fernandes Fragoso, 24, eine gute Freundin, Menschenrechtsaktivistin in Rio de Janeiro: 2006 wird die junge schwangere Zivilpolizistin nachts von Banditen gestoppt und lange sadistisch gefoltert, danach mit ihrem Wagen verbrannt. Fernanda trat in die Fußstapfen ihrer Mutter Zoraide Fernandes, einer bekannten brasilianischen Menschenrechtsanwältin. Gemäß deren Angaben erhielt die Tochter Mordrohungen eines Rio-Politikers, gegen den sie wegen Mordes und Mittelabzweigung ermittelte. (Mehr über Zoraide Fernandes: Buchkapitel “Anatomie eines Slums. Das organisierte Verbrechen hat längst die Straßenkinder rekrutiert.” Unter dem Zuckerhut. Brasilianische Abgründe, Picus-Reportagen, Picus-Verlag Wien.)
Menschenrechtsanwältin Zoraide Fernandes.
2 Website-Interviewpartner: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/19/afroreggae-chef-evandro-joao-da-silva-in-city-von-rio-de-janeiro-erschossen/

Ein guter Bekannter: Menschenrechtsaktivist Luiz Carlos da Silva, Favela Vidigal in Rio de Janeiro, durch drei Gewehrschüsse von Banditenkommando schwer verwundet, vermutlich daran gestorben, nicht mehr auffindbar: http://www.ila-web.de/brasilientexte/vidigal.htm
Chico Buarque: Angesichts lodernder Scheiterhaufen in den wuchernden Slums bekennt er erstmals:”Carioca zu sein, war früher Motiv des Stolzes. Das ist vorbei. Diese Stadt ist geliefert, verkommen. Rios Politiker sind die schlechtesten des Landes, die Mittelschicht lebt hier in Angst und Schrecken, wegen der ständigen Schießereien. Die Slumbewohner behandelt man wie Untermenschen. Der Drogenhandel führte zu einer Tragödie. Jungen schnupfen und verkaufen Kokain schon mit sieben Jahren!Das gibt es weder in Europa noch in den USA. Immer dieser Lärm von Schüssen in Rio - das sorgt für Panik, ständige Spannung, man ist nirgendwo mehr sicher. In den Karnevalssambaschulen wird schon lange kein Samba mehr gelehrt, tanzt doch keiner mehr echten Samba no Pé. Was man dort komponiert, interessiert mich längst nicht mehr. hat mit Sambakultur nichts zu tun. Das sind Märsche, man merkt es an Struktur und Melodie.”
Raubüberfall 2007
Wenn er so, aus allernächster Nähe abdrückt, bin ich tot. Aus mit Leben, Liebe, Website. Jeden Tag registriert Sao Paulos Polizei wenigstens einen Teil der Raubmorde, die Medien picken sich täglich ein paar der spektakulärsten Fälle raus, nicht mal alle Chaçinas, Blutbäder, wenn es gleich fünf, sechs und mehr Personen  trifft. Auf den Straßen sieht man überall bewaffnete Gelegenheitsverbrecher, die auf ihre Chance lauern. Ich bin heute nicht so „antenado”, so aufmerksam, alle Antennen ausgefahren wie sonst, komme nachmittags grade von der
Pressekonferenz der Rede Social de Justiça e Direitos Humanos, Vorstellung des alljährlichen Menschenrechtsberichts. Alles bedrückend, entsetzlich im Folter-und Scheiterhaufen-Land - die Fakten, Beschreibungen rumoren noch lange im Kopf. An der Bushaltestelle der Rua Consolaçao, nur etwa hundert Meter von der Polizeiwache der Praça Roosevelt, sieht und spürt der lauernde Killer sofort, daß ich unaufmerksam, abwesend, mit den Gedanken woanders bin. Ich habe den jungen Mann mit dem Banditenausdruck zwar reflexhaft sofort bemerkt, aber denke, vielleicht ein Vorurteil. Jetzt weiche ich, wie sonst üblich, deshalb dieser gefährlichen Situation nicht aus, mache mich nicht rasch aus dem Staub, gehe beispielsweise nicht in den fließenden Verkehr hinein. Der Mann steht vor mir, will Geld, und wenn ich aus seiner Sicht eine falsche Bewegung mache, drückt er ab, bin ich tot, Banditen-Ehrenkodex. An der Bushaltestelle stehen zwanzig, dreißig Mittelschicht-Studenten der nahen Privat-Unis - alle sehen die Szene, alle schauen sofort weg wie hier üblich, keine Chance der Hilfeleistung, gar des Entkommens für mich. Ich gebe das Geld, er greift es sich, ich springe in einen gerade anfahrenden Bus, renne zum Fahrer vor:”Wenn sie die Polizei rufen, kriegt die den Banditen, der ist zumindest noch ganz in der Nähe, leicht zu erkennen.” Der Fahrer grinst, absurde Gringo-Idee - im Land der Rache-Kultur würde ein Anruf bei der Polizei ihm Tage, Wochen später womöglich das Leben kosten. Er läßt mich ein paar Stationen gratis mitfahren. ARD-Radiokorrespondent Karl Brugger wird in Ipanema tagsüber auf offener Straße erschossen, beinahe jeden Tag trifft es in Brasilien Ausländer. In dem Tropenland werden jährlich keine fünf Prozent der Morde aufgeklärt, noch weniger gesühnt. Viele Attentate auf politisch Mißliebige, auch Journalisten, werden als Raubmorde getarnt.
Meinen wievielten Überfall habe ich heute überlebt? Wars der fünfzehnte, achtzehnte dieser Art? Na, wenigstens keine Verletzungen, Wunden diesmal. Wieviele brasilianische Bekannte, Freunde wurden bereits ermordet? Im Moment fehlt mir für solche Überlegungen der klare Kopf.
Am nächsten Tag melden Zeitungen, daß ganz in der Nähe, fast zur gleichen Zeit, ein 34-jähriger Mann in den Rücken geschossen wurde, der sich bei einem Raubüberfall wehrte. Er wurde operiert, heißt es, ist außer Lebensgefahr, wird nach Angaben der Familie aber möglicherweise Arme oder Beine nicht mehr bewegen können. Er hat eine Frau und eine vierjährige Tochter.
Im Oktober 2012 wird in Sao Paulos Stadtteil Higienopolis die 15-jährige Caroline Silva Lee von Banditen bei einem Raubüberfall erschossen, neben ihrem Freund. Zufällig bin ich zur Tatzeit ganz in der Nähe - es hätte mich ebenfalls treffen können.
TV-Globo-Fotograf erschossen: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/21/brasilianischer-fotograf-von-tv-globo-in-rio-de-janeiro-mit-mpi-salve-exekutiert/
http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html
5 Umweltaktivisten bei Curitiba ermordet: http://www.hart-brasilientexte.de/2011/04/26/funf-umweltaktivisten-in-brasilien-ermordet-serie-von-gewalttaten-gegen-umweltschutzer-des-tropenlandes/
Köln schließt eine Städtepartnerschaft mit Rio de Janeiro:
Hintergrund Favelas - Österreichs Südwind-Magazin:
http://www.suedwind-magazin.at/start.asp?ID=234729&rubrik=31&ausg=200304

Ausriß, Rio. Das Kleinkind, die schwangere Mutter, die Mordopfer.
2013 startet Deutschlandjahr in Brasilien: http://www.alemanha-e-brasil.org/de

Ausriß, Rio-Lokalzeitung, Scheiterhaufen-Opfer, 7.11.2012. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/668242/
« Buchkirchen in Österreich: “Buchkirchner Schüler helfen Kindern in Brasilien.” Spenden für die achtgrößte Wirtschaftsnation, als “Wirtschaftswunder” gepriesen. Österreichischer Gefangenenpriester Günther Zgubic. Schüler in Österreich - und Brasilien…Kindersoldaten. Weltsozialforum 2010. José Zapatero, EU-Ratspräsident, Brasiliens viele Milliardäre. “…das Land die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 vergleichsweise unbeschadet überstanden hat.” BDI 2011 – Brasilien, “Oscar Niemeyer - Das Leben ist ein Hauch.” PR-Film über den Stalin-Fan nun auch in den deutschsprachigen Kinos. Was alles fehlt… Lob für Film in Europa, Verrisse in Brasilien(”Huldigungsfilm”, “Beleidigung des Kinos”). Keine Diskussion über die mehr als 500 CIEP-Schulen von Rio - Niemeyers Hauptwerk. “Meine schlimmste Zeit” - Paulo Lins(City of God) als CIEP-Lehrer. Peter Scholl-Latour. “Stalin war phantastisch.” Wie Niemeyer mit der Militärdiktatur zusammenarbeitete…Wahlhilfe für Diktaturaktivist. »
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