In Europa werden offizielle Statistiken Brasiliens gewöhnlich für bare Münze genommen - im Tropenlande selbst folgen auf beinahe jede neue amtliche “Datensammlung” Kritik und Relativierung von Fachleuten. Geschönt, so heißt es, werden zumeist jene Statistiken, die mit Landes-und Politikerimage in Verbindung stehen, beispielsweise im Sozialbereich.
http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/

Ausriß: “Köpfe rollten in Del Castilho”(Stadtteil von Rio de Janeiro)
Joao Trajano Sento-Sé, Leiter des Laboratoriums für Analysen der Gewalt, an der Rio-Universität UERJ, erläutert dies 2008 am Beispiel der Mordrate in der Zuckerhutmetropole, die vom Ausland, von Brasilieninteressierten besonders genau beäugt wird. “In absoluten Zahlen hatte der Teilstaat Rio de Janeiro gemäß offiziellen Informationen, 6438 Morde im Jahre 2004, 6620 im Jahre 2005, 6323 im Jahre 2006 und 5451 im Jahre 2007. Diese Zahlen beziehen sich lediglich auf vorsätzlichen Mord - die Fälle von Raubmord, Fund einer Leiche und von verdächtigem Tod bleiben indessen ausgeklammert. Würden diese mitgezählt, hätten wir eine viel höhere Rate. Das ist indessen nur eine Seite des Problems. Denn wir haben bei Mord lediglich eine Aufklärungsquote, die laut Schätzungen nicht einmal fünf Prozent erreicht. Solche Zahlen lehren uns etwas offensichtliches: Es ist ziemlich gefahrlos, in Rio de Janeiro jemand zu ermorden, ohne vom System der Kriminaljustiz erfaßt zu werden. Es ist klar, daß diese Kombination als Verstärker des Gebrauchs von tödlicher Gewalt funktioniert - zwecks Konfliktlösung und illegaler Durchsetzung von Rechten.” Entsprechende Expertenanalysen werden regelmäßig auch in Bezug auf die Gewaltrate in Sao Paulo veröffentlicht - daß sehr viele Morde schlichtweg nicht in den Polizeiberichten auftauchen, fällt sogar dem Normalbürger auf, der nur zu oft Zeuge ist. In Brasilien werden jährlich weit über fünfzigtausend Menschen ermordet. Eine deutsche Reiseexpertin erklärte auf einem Tourismuskongreß in einem Luxushotel der Copacabana, in Rio de Janeiro fühle sie sich sicherer als am Frankfurter Hauptbahnhof.
In Sao Paulo wird 2008 heftig diskutiert, daß die Polizei delikate Kriminalstatistiken mit dem Argument nicht veröffentlicht, falsche Interpretationen sowie negative Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, auf die Preise für Versicherungen sowie auf das Selbstwertgefühl der Bevölkerung verhindern zu wollen.
Geschönte Statistiken über die Umweltsituation in Amazonien, insbesondere über das Ausmaß der Brandrodungen und der illegalen Abholzung von Urwald,  sind  für die Umweltaktivisten und Naturschutzexperten ein Uralt-Thema seit Jahrzehnten. So schaltet Brasilia seit vielen Jahren regelmäßig auch in die europäischen Medien durch, daß aber nun auch wirklich alles nur Erdenkliche zum Schutze Amazonien unternommen werde - die Faktenlage ist indessen anders: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/07/18/umweltjournalist-norbert-suchanek-aus-rio-de-janeiro-brasilien-ist-weltgroster-regenwaldvernichter/
Bekannt sind auch die “Ungereimtheiten” in Gesundheitsstatistiken - Beispiel Lepra: Ein öffentliches Hospital an Sao Paulos Peripherie, umgeben von Elendshütten und Katen. Die junge Ärztin Maria Paim diagnostiziert dort geradezu serienweise Lepra, startet deshalb aus eigener Initiative Aufklärungskampagnen, macht sich damit bei Kollegen und Vorgesetzten unbeliebt. ”Unser öffentliches Gesundheitswesen ist sehr schlecht, gegen die Lepra müßte viel mehr getan werden. Schließlich sind Millionen von Brasilianern betroffen. Wir haben mehr Fälle von Lepra als von Aids in Brasilien “ nur werden die Leprafälle eben nicht korrekt registriert. All das ist eine Schande. Ich meine, die Lepra wird in Brasilien nie ausgerottet. Andernfalls müßte man ja die Slums beseitigen, die Lebensbedingungen der Armen und Verelendeten durchgreifend verbessern. Doch unsere Autoritäten wollen sich diesem sozialen Problem nicht stellen, das ist ihnen unbequem, lästig. Man denkt “ sollen diese Leprakranken doch ruhig in den Slumsvor die Hunde gehen, sterben “ denn dort sind sie ja eingesperrt. Menschen, die dringend behandelt werden müßten, werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Es gibt so viele arbeitslose Mediziner, die man zur Leprabekämpfung einsetzen könnte!” Nach Ansicht der Ärztin fehlt schlichtweg politischer Wille, die Lepra auszurotten, fehlt es an Forschung sowie an Aufklärung schon in den Schulen. Probleme machen zudem die Sekten, aber auch das organisierte Verbrechen, das die Slums beherrscht. „Lepra betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche, selbst die Religion. Denn wir haben Infizierte, die sich nicht behandeln lassen, weil sie glauben, Lepra sei eine Strafe Gottes, die man eben aushalten müsse. Und in den Gangsterkommandos der Slums gibt es viele Banditen mit Lepra, die einer Therapie fernbleiben, weil sie nicht gesehen werden wollen. Auch dadurch wird die Krankheit weiter übertragen. Ich arbeite in einer sehr gewalttätigen Stadtregion “ in meinem Hospital wurden bereits fünf Raubüberfälle auf Ärzte verübt, wurde ein Kollege sogar entführt. Bei der Leprabekämpfung läuft wirklich alles falsch.” Rosane Vieira ist Krankenpflegerin und Aktivistin des Lepraopferverbandes MORHAN “ zum wöchentlichen Treffen ihrer Gruppe in Sao Paulo kommen auch viele Leprageschädigte. ”Nur durch gesellschaftlichen Druck wird sich die Lage ändern. Der Staat tut alles, um die Leprabekämpfung zu stören, zu erschweren. Man will möglichst niedrige Krankenzahlen. Ist der Bazillus bei den Infizierten nach kurzer Zeit abgetötet, fliegen sie aus der offiziellen Leprastatistik. Doch genau dann beginnen erst die schweren Gesundheitsprobleme. Wer mit offenen Wunden, mit deformierten Händen und Beinen zu einem Gesundheitsposten geht, wird dort nicht als Kranker registriert.”
Widersprüchliche Informationspolitik über Amazonien ein Fall für Medienexperten
Medien: Lula-Regierung spielt der Öffentlichkeit Theater vor
Das neue Maßnahmenpaket der brasilianischen Regierung gegen die zunehmende Regenwaldvernichtung ist von nationalen Umweltexperten und den Qualitätsmedien scharf kritisiert worden. Staatspräsident Luis Inacio Lula da Silva wurde vorgeworfen, vergangenen September vor der UNO die Unwahrheit über die gravierende Lage in Amazonien gesagt zu haben. Lula, so hieß es in ersten Analysen, habe vor dem Weltforum einen Rückgang der Abholzungsraten gefeiert, obwohl seine Regierung bereits über einen starken Anstieg der Urwaldzerstörung bestens informiert gewesen sei.
Auf dem UNO-Klimagipfel vom Dezember 2007 in Bali habe die brasilianische Delegation entgegen den Tatsachen sogar weitere Rückgänge angekündigt. Auch die neuesten Gegenmaßnahmen Brasilias würden ebensowenig realisiert wie die in den Vorjahren verkündeten Schritte. Fachleute von Greenpeace sowie renommierten brasilianischen Umweltorganisationen erklärten, das Maßnahmenpaket komme viel zu spät und wiederhole Kontrollvorschriften früherer Schutzpläne, die indessen nie verwirklicht worden seien. So existiere sogar seit langem ein Gesetz, das staatliche Kredite an Farmbesitzer verbiete, die Urwald vernichteten, um Anbauflächen für Soja oder Zuckerrohr bzw. Weideflächen für Rinder zu schaffen. Das Gesetz werde jedoch schon seit 2002 nicht eingehalten. Daß sich die Regierung von den neuen Rekordraten der Abholzung überrascht zeige, sei scheinheilig. Die Qualitätszeitung ”Folha de Sao Paulo: ”Beeindruckend, welches Theater die Regierung spielt, um so zu tun, als sei sie empört über ein Verbrechen, dessen erklärter Mittäter sie selbst ist.Der für Amazonien zuständige Greenpeace-Experte Paulo Adario betonte, Brasilia sei seit dem Mai vergangenen Jahres vor einer rapiden Zunahme der Regenwaldvernichtung gewarnt worden. Die brasilianischen Medien hatten über diese Zunahme ausführlich berichtet, große Vor-Ort-Reportagen veröffentlicht. Die einer Wunderheilersekte angehörende Umweltministerin Marina Silva hatte indessen wiederholt vor der Presse einen solchen Anstieg bestritten. Die Lage sei keineswegs außer Kontrolle geraten. 2007 werde die Abholzungsrate weiter zurückgehen. Entsprechende Positivmeldungen wurden kurioserweise auch in Medien Europas durchgeschaltet. Marina Silva hatte im April 2007 den UNO-Umweltpreis „Champions of the Earth” erhalten “ begründet wurde dies vor allem mit ihren Taten zum Schutze Amazoniens. In Marina Silvas erster Amtsperiode unter Lula waren gemäß WWF-Angaben rund 85000 Quadratkilometer Urwald vernichtet worden “ ein Rekord, denn dies sei mehr als unter jeder Vorgängerregierung.
Wie die Qualitätszeitung ”O Globo in Rio jetzt betonte, hatte die Regierung noch zum Jahresende 2007 offizielle Resultate über einen Abholzungsrückgang veröffentlicht. Erst danach habe Umweltministerin Silva die von den Umweltorganisationen nachgewiesene Zunahme der Vernichtungsraten eingeräumt. Silva hatte stets bekräftigt, 2007 würden etwa 9600 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt - jetzt wird mit rund 15000 Quadratkilometern gerechnet. Seit den achtziger Jahren hatten brasilianische Umweltexperten immer wieder erklärt, daß Regierungsangaben über den Zustand von Umwelt und Natur sehr häufig falsch bzw. geschönt seien.
Das Pilotprojekt der G-8-Staaten zum Schutze der Amazonas-Regenwälder, hauptsächlich von Deutschland finanziert, sei völlig ineffizient. Die Vernichtungs-Fakten zeigten, daß die Gelder gar nicht für wirksame Schutzaufgaben verwendet würden.
Franziskanerbischof Luiz Flavio Cappio, der letztes Jahr einen 24-tägigen Hungerstreik gegen ein umstrittenes Flußumleitungsprojekt geführt hatte, warf der Lula-Regierung völlige Unsensibilität gegenüber der Natur sowie eine umweltfeindliche Politik vor. Brasiliens Natur werde nicht geschützt, sondern mißhandelt. Wie bei der vom Militär begonnenen Umleitung des Rio Sao Francisco sehe man in der Natur lediglich eine Quelle des Profits. Die Schöpfung müsse im Interesse des Volkes, künftiger Generationen erhalten werden. Umweltzerstörung komme Brasilien seit langem sehr teuer zu stehen und bewirke einen spürbaren Klimawandel.
« Aids in Brasilien nicht unter Kontrolle - Gesundheitsministerum weist auf deutlichen Anstieg bei jungen Homosexuellen. Aids-Infizierte von Banditenkommandos mit Gewalt aus Slums vertrieben. – Konjunkturanalyse der Bischofskonferenz(CNBB) Brasiliens - Auszug.(1) »
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Pingback: Klaus Hart Brasilientexte » Brasiliens nutzlose offizielle Statistiken - Landesmedien kritisieren Geheimhaltung von Verbrechensdaten. “Fehlen vertrauenswürdiger Informationen”. – 03. März 2011 @ 14:18
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