Klaus Hart Brasilientexte

Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz

“Die Lula-Regierung war bei den Menschenrechten eine Enttäuschung.” Tim Cahill, Brasilienexperte von Amnesty International in London. “Weiter alltägliche Folter, Todesschwadronen, Sklavenarbeit, Scheiterhaufen, paramilitärische Milizen.” Lula in Berlin und Hamburg.

Tim Cahill sagte in Sao Paulo im Website-Exklusivinterview weiter, klar erkennbar sei der fehlende politische Wille der Lula-Regierung bei den Menschenrechten. Gepflegt werde ein “leerer Diskurs”, die politische Praxis sei aber völlig anders. Unter der Lula-Regierung habe es zwar viele Versprechen, Pläne und Projekte gegeben, in der Realität seien die Probleme indessen tief eingewurzelt geblieben. Diese Situation laufe jener Anerkennung zuwider, die Brasilia derzeit weltweit suche. Besonders in Bezug auf die Slumbewohner sagte Tim Cahill:”Ein Teil der Brasilianer wird behandelt, als sei es Wegwerf-Bevölkerung.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2010/03/17/in-den-brasilianischen-gefangnissen-sind-die-opfer-des-politisch-wirtschaftlichen-systems-eingekerkert-anwalt-bruno-alves-de-souza-29-prasident-des-menschenrechtsrates-im-teilstaat-espirito-san/

“Lula steht rechts”: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/01/07/lula-steht-rechts-ich-habe-ihn-immer-fur-einen-rechten-gehalten-ele-e-da-direitafrancisco-de-oliveira-renommierter-brasilianischer-soziologe-in-caros-amigos/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/23/die-zeit-interviewt-lula-der-pr-witz-aus-hamburg-was-alles-fehlt/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/11/riesen-medieninteresse-fur-stromausfall-in-brasilien-fur-alltagliche-folter-sogar-folter-von-landlosen-kindern-und-scheiterhaufen-dagegen-nicht-herzenskalte/

Bei den wenigen von der Polizei besetzten Vorzeige-Slums von Rio de Janeiro handele es sich lediglich um “Inseln”, während in den restlichen weit über 1000 Favelas die Menschen weiterhin unter Gewalt und Diskriminierung litten. http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/03/tim-cahill-amnesty-international-derzeit-gibt-es-weltweite-euphorie-um-brasilien-doch-wenn-brasilia-wirklich-internationalen-respekt-will-mus-es-die-menschenrechtsverletzungen-im-eigenen-land-b/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/01/bewohnerin-eines-der-uber-2000-slums-in-lateinamerikas-reichster-stadt-sao-paulo-gesichter-brasiliens/

Die von Amnesty International krisierte Politik der Lula-Regierung hat in Ländern wie Deutschland sehr viele Freunde und erntet zunehmend Lob.

timcahillpatrickwilcken.jpg

Tim Cahill(Mitte) und Patrick Wilcken(vorn) vom Londoner AI- Brazil-Team in Slum von Sao Paulo.

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/22/lula-am-3-und-4-dezember-in-deutschland-folter-scheiterhaufen-slum-diktatur-und-andere-gravierende-menschenrechtsverletzungen-thema-der-offiziellen-gesprache-lula-in-berlin-und-hamburg/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/16/scheiterhaufenstadt-rio-de-janeiro-der-grausame-tod-einer-48-jahrigen-frau-in-der-microondas-laut-lokalzeitung/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/29/crack-kinder-in-brasilien-wegen-drogenschuld-von-umgerechnet-zwei-euro-von-handlerbanden-haufig-ermordet-berichten-landesmedien/

Deutscher Menschenrechtsbeauftrager Günter Nooke, Website-Exklusivinterview: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/04/07/unsagliche-folterpraxis-in-brasilien-gunter-nooke-menschenrechtsbeauftragter-der-deutschen-bundesregierung-kritisiert-in-brasilien-folter-und-andere-menschenrechtsverletzungen-druck-ist-noti/

Folterung von Kindern: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/05/erschiesung-des-landlosen-aktivisten-elton-brum-folterung-von-kindern-youtube-video-uber-raumungsaktion-der-militarpolizei-von-rio-grande-do-sul-policia-torturou-criancas-diz-governo-folha/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/22/proteste-gegen-erschiesung-des-landlosen-aktivisten-elton-brum-in-sudbrasilien/

 Die Kritik der katholischen Kirche Brasiliens an den gravierenden Menschenrechtsverletzungen in der größten Demokratie Lateinamerikas wird auch von Amnesty International geteilt. Die Organisation prangerte jetzt in Sao Paulo die fortdauernde Folter, Todesschwadronen und paramilitärische Milizen ebenso an wie die Verletzung internationaler Menschenrechtsabkommen durch die Regierung in Brasilia.“Die brasilianische Regierung hat zwar die Anti-Folter-Konvention unterzeichnet, doch wie wir hier vor Ort sehen, fehlt jeglicher politischer Wille, Folterer zu bestrafen“, sagt der Brite Tim Cahill, Brasilienexperte von Amnesty International, im Elendsviertel Paraisopolis von Sao Paulo. „Die Polizei ist landesweit zunehmend in kriminelle Aktivitäten verwickelt, bildet Todesschwadronen und paramilitärische Milizen. Ein beträchtlicher Teil der Brasilianer, vor allem jene in den Slums, wird wie Wegwerf-Bevölkerung behandelt.“Paraisopolis ist einer von mehr als 2000 Slums in der reichsten Stadt Lateinamerikas. In einem unüberschaubaren Gassenlabyrinth hausen in Holz-und Backsteinkaten auf engstem Raum rund einhunderttausend Menschen. Anstatt dort das organisierte Verbrechen, den Drogenhandel wirkungsvoll zu bekämpfen, verletzt die Polizei permanent Grundrechte unschuldiger Bewohner. Ein schwarzer Bürgerrechtler beschreibt Folterpraktiken: „Die Beamten rissen zwei Lichtdrähte aus der Wand und versetzten meinem Freund in seiner eigenen Kate damit immer wieder Elektroschocks. Dann wurde er auf den Kopf geschlagen, zu Boden getreten. Dann haben sie ihn in Ruhe gelassen, sind weggegangen – man kann nichts dagegen machen. Folter mit Elektroschocks zu sehen, sind wir hier im Slum schon richtig gewöhnt. “Eine junge Frau beschreibt Polizeiwillkür: “Die Beamten pressen den Leuten Geld ab, rauben aus den Katen sogar Fernseher. Ja – die  Polizisten behandeln uns wie Tiere. Hier verteidigt uns nur der katholische Padre – der hat schon viele Festgenommene aus dem Gefängnis rausgeholt, der hilft uns.“Außergerichtliche Exekutionen seien weder in Paraisopolis noch in den anderen Slums von Sao Paulo oder Rio de Janeiro eine Seltenheit. Auch deshalb prangert die bischöfliche Slumseelsorge immer wieder an, daß die Bewohner der Elends-und Armenviertel ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt werden.Tim Cahill von Amnesty International erinnert daran, daß die Regierung von Staatspräsident Luis Inacio Lula da Silva zu Beginn der Amtszeit 2003 sowohl den Vereinten Nationen als auch den Menschenrechtsorganisationen versprochen hatte, die eigenen Gesetze und internationalen Abkommen strikt einzuhalten. Gegen Ende von Lulas zweiter Amtszeit vermißt Cahill indessen ebenso wie die Kirche echte Fortschritte: “Die Lula-Regierung war eine Enttäuschung. Es gab große Versprechen, Pläne und Projekte, sogar einen konstruktiven Diskurs – doch die Probleme sind tief verwurzelt geblieben. Es wird weiter gefoltert und exekutiert, die Lage in den Gefängnissen ist nach wie vor grauenhaft, und es gibt sogar weiterhin Todesschwadronen und Sklavenarbeit. Echte Reformen werden durch wirtschaftliche und politische Interessen verhindert.“Gilmar Mendes, Präsident des Obersten Gerichts, sagte unlängst, Brasiliens Gefängnissystem ähnele nazistischen Konzentrationslagern. Und Paulo Vannuchi, Brasiliens Menschenrechtsminister, räumt ein, daß tagtäglich außergerichtliche Exekutionen  und Blutbäder von Polizisten sowie Todesschwadronen verübt würden. Tim Cahill: “Dies zählt zu den unglaublichen Dingen in Brasilien – Teile der Autoritäten erkennen diese Tatsachen an – aber tun so, als seien sie dafür nicht verantwortlich. Das große Problem Brasiliens ist heute, daß der offizielle Diskurs nichts mit der politischen Praxis zu tun hat. Wenn die Regierung in Brasilia weltweit mehr Anerkennung und Respekt will,  muß sie sich für die Menschenrechte der eigenen Bevölkerung einsetzen, besonders der Unterprivilegierten.“   http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/01/bewohnerin-eines-der-uber-2000-slums-in-lateinamerikas-reichster-stadt-sao-paulo-gesichter-brasiliens/

Krieg auf dem Morro dos Macacos: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/17/krieg-auf-dem-morro-dos-macacos-von-rio-de-janeiro-youtube-anklicken-bope-im-einsatz/

Kopenhagen-Klimakonferenz: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/30/kopenhagen-klimakonferenz-und-brasilia-vorschlage-in-brasilien-werden-sogar-bindende-vorgaben-nicht-eingehalten-man-kann-sich-vorstellen-was-mit-freiwilligen-passiert-jose-goldemberg-uni-pro/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/01/schlechte-medizinische-betreuung-von-aids-infizierten-in-brasilienhaufig-fehlen-medikamente-das-todesurteil-fur-die-betroffenen-bischofliche-aids-pastoral-prangert-nachlassigkeit-der-politis/

Frei Betto: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/01/23/weltsozialforum-2009-und-linke-the-pasteurization-of-the-left-brasiliens-wichtigster-befreiungstheologe-frei-betto/

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http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-sem-fim-brasiliens-soziologiezeitschrift-sociologia-uber-folter-unter-der-lula-regierung/

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 02. Dezember 2009 um 14:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kultur, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

« César Benjamin begründet erneut Text über Lula(sexuelles Verhalten in Gefangenenzelle zur Diktaturzeit). “Das Motiv ist der Lula-Spielfilm.” “Warnung vor Banalisierung des Personenkults” um Lula. “Story that Lula tried to rape someone was just a joke.” – César Benjamin und “der Preis eines Ideals” - Nachrichtenmagazin “Veja” über umstrittene Verfolgtenpensionen. Benjamin wollte keine, trotz dreieinhalb Jahren Diktatur-Haft, Exil. Und Lula? »

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