Klaus Hart Brasilientexte

Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz

Tropa de Elite - Berlinale-Gewinner 2008, brasilianischer Filmhit überraschend doch noch in den deutschen Kinos. Für Brasilieninteressierte, weltoffene Schüler und Studenten(beinahe) ein Muß. Dokumentarischer Spielfilm über die politischen und soziokulturellen Zustände unter Lula, bei Deutschlands “strategischem Partner” Brasilien. Scheiterhaufen, Folter, Slums, Korruption…Michael Jackson: “They don´t care about us.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/16/tropa-de-elite-gewann-goldenen-baren-der-berlinale-politisch-korrekte-mainstream-kritiken-blieben-auf-jury-ohne-wirkung/ 

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/11/04/tropa-de-elite-elite-squad-trailer-englisch/#more-1156 

Reales Kriegs-TV-Video aus Rio de Janeiro: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/17/krieg-auf-dem-morro-dos-macacos-von-rio-de-janeiro-youtube-anklicken-bope-im-einsatz/

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/22/brasiliens-kindersoldaten-junge-kinder-mit-waffen-die-einfach-anderre-kinder-erschossen-haben-die-sie-gerade-mal-schief-angeschaut-habenlesermail/

Michael Jackson: “They don´t care about us.”  http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/23/michael-jackson-they-don%c2%b4t-care-about-us-brasiliens-medien-erinnern-an-aktualitat-des-1996-rio-de-janeiro-gedrehten-videoclips-basta-abrir-os-jornais-e-ler-as-noticias-como-diz-o-tit/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/23/unesco-zeichnet-lula-in-paris-wegen-forderung-des-friedens-und-der-rechtsgleichheit-aus-preis-mit-150000-dollar-dotiert-jury-von-henry-kissinger-gefuhrt/

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Scheiterhaufenszene in “Tropa de Elite”: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/17/lynchland-brasilien-meiste-opfer-lebendig-verbrannt/

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Scheiterhaufen “Microondas” real  in Rio de Janeiro, laut Lokalzeitung “Volk”. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/668242/

Brasiliens Zeitungen haben in den letzten Jahrzehnten noch weit grauenhaftere Nahaufnahmen von Scheiterhaufen-Opfern veröffentlicht. Siehe auch Rogerio Reis: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/07/rogerio-reis-microwaves-microondas-fotoinstallation-uber-scheiterhaufen-brasiliens-vom-maison-de-la-europeenne-de-la-photographie-in-paris-angekauft/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/05/02/gewalttaten-gegen-frauen-in-rio-de-janeiro-nehmen-stark-zu-2008-um-37-prozent-gegenuber-2007-lulas-sicherheitspolitik-gewalt-machismus-gewalt-pornos/#more-2168

 http://www.hart-brasilientexte.de/2009/02/13/hunger-tut-weh-und-macht-wutend-garapa-von-jose-padilha-auf-der-berlinale-2009/#more-1792

SWR - Paulo Lins(City of God): http://www.swr.de/swr2/programm/extra/lateinamerika/stimmen/beitrag21.html

Pressetext des Senator-FilmverleihsKURZINHALTTROPA DE ELITE zeigt ein beklemmendes, ungewöhnliches Bild der Favelas Rio de Janeiros, dieser sich ständig vergrößernden Slums an den Rändern der Stadt. Der Film wurde 2007 gedreht und gewährt einen auch zwei Jahre später immer noch äußerst aktuellen, verstörenden Einblick in das gewaltige, schier undurchdringliche Netz der Korruption, das über der gesamten Stadt liegt.Captain Nascimento (Wagner Moura), Chef des BOPE, der Elitetruppe der brasilianischen Militärpolizei, ist am Ende. Immer häufiger überfallen den Polizisten während seiner Einsätze im Kampf gegen den Drogenhandel in den Elendsvierteln von Rio aus heiterem Himmel Panikattacken. Die brutalen Einsätze übersteht der Offizier nur noch mithilfe von Beruhigungstabletten. Seine junge Frau erwartet ein Kind von ihm und drängt ihren Mann, den gefährlichen Job endlich aufzugeben. Seine Entlassung, um die Nascimento daraufhin tatsächlich bittet, wird ihm allerdings nur gewährt, wenn er einen adäquaten Nachfolger präsentieren kann. Die seit Kindertagen befreundeten Polizisten Neto (Caio Junqueira) und Matias (André Ramiro) leiden unter der alles erstickenden Korruption in ihren Einheiten und bewerben sich beide für den Posten bei der Elitetruppe. Einer von ihnen soll Nascimentos Nachfolger werden. Aber wer, das muss erst ein extrem hartes Auswahlverfahren ergeben, in dem die Kandidaten auf Herz, Ehre und Durchhaltevermögen geprüft werden.PRESSENOTIZAutor, Regisseur und Produzent José Padilha seziert in seinem Spielfilmdebüt TROPA DE ELITE das Treiben einer Eliteeinheit der Militärpolizei von Rio de Janeiro. Der brasilianische Regisseur, der bereits mit hochkarätigen und sozial engagierten Dokumentationen wie dem ergreifenden BUS 174 sein Können auf eindrucksvolle Weise unter Beweis stellte, packt auch diesmal ein heißes Eisen der brasilianischen Gesellschaft an: Korrupte Polizisten, skrupellose Drogenbosse, die in den Favelas am Stadtrand mit erbarmungsloser Gewalt regieren und dazu eine stählerne, in sich selbst verliebte Elitetruppe mit einer kaum verborgenen Neigung zur Brutalität und einer stets offenen Hand für das Schmiergeld. Aus der Sicht des jungen Captain Nascimento, des scheidenden Chefs dieses Elite-Einsatzkommandos, beleuchtet Padilha den erschütternd harten Alltag eines Polizeibataillons, der auch die physisch und psychisch stärksten Naturen langsam aber sicher zermürbt. TROPA DE ELITE ist ein brisanter, packender und zugleich nachhaltig verstörender Spielfilm, der 2008 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. 7 INHALTRio de Janeiro. 1997. Korruption ist an der Tagesordnung. Hunderttausende leben in den Favelas, den riesigen Slums der Stadt. In diesen verwahrlosten Vorstädten leben die Ärmsten der Armen, die Milizen der örtlichen Drogenbarone kontrollieren das gesamte Leben in den Vierteln. Die Polizei sieht machtlos von außen zu und beschränkt sich auf kleine, meistens sinnlose Einsätze, um den Schein von Recht, Ordnung und Kontrolle zu wahren.TROPA DE ELITE gewährt einen beklemmenden, ungewöhnlichen Blick auf die Slums von Rio: Den der Polizei. Die beiden frisch gebackenen Polizisten Neto (Caio Junqueira) und Matias (André Ramiro) müssen schnell einsehen, wie nachhaltig Idealismus und Ehrlichkeit einer Karriere im Polizeidienst schaden können. Der vom Ehrgeiz zerfressene Neto erweist sich als besonders lernfähig, sobald es darum geht, die kleinen Deals am Rande mitzubekommen. Der besonnene Matias dagegen will eigentlich Rechtsanwalt werden. Seinen Freunden an der Uni möchte er seinen Job bei der Polizei so weit wie möglich verheimlichen. Doch diese Studenten, das muss Matias bald erkennen, stehen ebenfalls in einer gewissen Beziehung zum alles dominierenden Drogenhandel in der Stadt. Im Gegensatz zu Matias, der dagegen ankämpft, jedoch als Konsumenten und Dealer. Captain Nascimento (Wagner Moura) gehört zur BOPE, einer handverlesenen Elite-Truppe der Polizei von Rio. Zusätzlich zu dem alltäglichen, brutalen Kampf gegen die Drogenbosse und ums eigene Überleben versucht der psychisch kranke junge Mann, einen Nachfolger für sich selbst zu finden. Einen, der die Einheit ähnlich integer weiterführen wird.Gerade als Neto und Matias in eine Schießerei in den Favelas verwickelt sind, trifft zur Verstärkung das Elitekommando ein. Die beiden sind begeistert von der Loyalität und dem Ehrenkodex der Männer und setzen alles daran, aus dem korrupten Sumpf ihrer eigenen Polizeieinheiten heraus zu kommen und zu dieser Truppe befördert zu werden. Sie absolvieren ein knallhartes Ausbildungslager für die BOPE und dürfen schon bald an ersten Einsätzen der Einheit teilnehmen. Einer davon besteht darin, die Favela Turano zu schützen. Aus einem Grund, der dem BOPE-Chef Nascimento komplett unsinnig erscheint: Angeblich soll das Elendsviertel unter Kontrolle gehalten werden, solange sich Papst Johannes Paul II. auf Besuch in Rio de Janeiro befindet. Tatsächlich stecken ganz andere, weitaus weniger ehrenhafte Gründe dahinter, für die Nascimento und seine Leute ihr Leben riskieren sollen.Mit derselben Effizienz und Brutalität wie ihre schwer bewaffneten Gegner gehen die BOPE-Soldaten gegen das Drogenkartell vor. Im Verlaufe der unendlich brutalen Auseinandersetzung verschwimmen die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, Gerechtigkeit und Rache immer mehr – bis am Ende niemand mehr unschuldig ist. 8 PRODUKTIONSNOTIZENSeit der Gründung ihrer Firma Zazen Produções 1997 ist es stets dasselbe: Alle Filme, die José Padilha und sein enger Freund Marcos Prado bisher produziert haben, lösen in breiten akademischen Kreisen heftige Diskussionen um notwendige Sozialreformen in Brasilien aus. Auch TROPA DE ELITE sorgte mit seiner drastischen Darstellung von Drogenhandel, Gewalt und Folter erwartungsgemäß für heftige Kontroversen. Schon bevor der Film tatsächlich in die Kinos kam, galt er als Phänomen: Denn über elf Millionen Brasilianer sahen TROPA DE ELITE bereits auf illegal gebrannten DVDs – und später gingen nochmals 2,5 Millionen Menschen ins Kino. Das machte TROPA DE ELITE trotz der immensen Verbreitung via Raubkopie zum erfolgreichsten brasilianischen Film 2007.Die Idee zu TROPA DE ELITE entstand schon 2002 während der Dreharbeiten von Padilhas international gefeierter Dokumentation BUS 174. In diesem Jahr kamen einige Filme zum Thema Gewalt in Großstädten in die Kinos. „Filmemacher und Kritiker überall im Land begannen darüber zu räsonieren, ob diese Geschichten nicht allmählich überhand nehmen würden”, erinnert sich Padilha. „Aber das stimmt nicht. Man hatte sich bisher dem Thema nur jedes Mal aus demselben Blickwinkel heraus genähert. Immer wurde die Geschichte aus der Sicht eines kleinen Dealers oder Kriminellen erzählt. Keiner sah es vom Standpunkt der Polizei aus. Ich bin der Ansicht, man kann in Brasilien nicht über Gewalt sprechen, ohne auch diese Perspektive hinzuzuziehen. Es handelt sich dabei nämlich nicht nur um ein nebensächliches Detail sondern um einen wichtigen Faktor der Diskussion.” „Der Film bildet die Heuchelei ab, die einen in einer Stadt wie Rio de Janeiro tagtäglich umgibt. Überall lauert die Gewalt. Wenn man den Kindern in den Elendsvierteln helfen möchte, muss man sich erst mit den dort herrschenden Drogenbossen anfreunden. Um etwas Gutes zu tun, begibt man sich rasch auf dubiose Pfade. Ein ehrlicher Polizist, der seine Einheit neu organisieren möchte, benötigt dafür Geld. Aber die Polizei hat keines. Woher also nehmen? Ein Offizier der BOPE (Batalhão de Operações Policiais Especiais), der im Film dargestellten Spezialeinheit der Militärpolizei von Rio de Janeiro, will eigentlich nur das Gesetz schützen, aber dafür wird er unter Umständen eine Menge Menschen töten müssen, weil sie sich ihm schwer bewaffnet in den Weg stellen. Alles ist grau – in unterschiedlicher Intensität. Nichts im Leben ist einfach nur schwarz oder weiß. Jeder von uns lebt inmitten dieser unterschiedlichen Grautöne, als ob es das Normalste auf der Welt wäre.”2004 begannen Padilha und er gemeinsam am Drehbuch zu arbeiten. „Ohne Pimentel würde der Film überhaupt nicht existieren – ein großer Teil des Plots setzt sich aus den Erlebnissen zusammen, die Pimentel in seiner Zeit als Militärpolizist und BOPE-Soldat hatte”, merkt Padilha an. „Als mich José fragte, ob ich Interesse hätte an diesem Thema, dachte ich, er wäre nicht ganz  dicht”, erklärt Rodrigo Pimentel. „Noch nie zuvor hat sich jemand getraut, einen Film zu drehen, in dem die brasilianische Polizei als Karikatur dargestellt wird. Aber ich sagte ihm, unter meinen Bedingungen würde ich daran mitarbeiten und zeigte ihm gleich einen Film, der meinen Vorstellungen sehr nahe kam: BLACK HAWK DOWN von Ridley Scott. Außerdem sorgte ich dafür, dass die Schauspieler ein wirklich hartes Trainingscamp durchzustehen hatten, damit ihre Darstellung auch ernsthaft überzeugen kann. Und José versprach es mir”.Obwohl das Drehbuch bereits von Padilha und Pimentel verfasst wurde, setzte der Regisseur noch einen weiteren Mann zusätzlich auf das Skript an: „Wir brauchten unbedingt noch einen absoluten Profi mit an Bord, der unseren Ideen den notwendigen Schliff verleihen konnte. Deswegen wandte ich mich an Bráulio Mantovani, Brasiliens besten Drehbuchautoren und einen der besten weltweit.” Padilha gesteht, dass die Zusammenarbeit mit Mantovani, der für sein erstes Buch zu CITY OF GOD gleich eine Oscar-Nominierung erhielt, ihm in manchen Punkten erst die Augen öffnete. „Ich lernte von Bráulio, dass ich absolut kein Drehbuchautor bin. Ich saß schon seit drei Monaten an einem Treatment, für das er dann nur zwei Wochen benötigte – und seines war wesentlich besser!”Autor Rodrigo Pimentel war zwölf Jahre lang Offizier bei der Militärpolizei und diente noch sieben weitere Jahre als BOPE-Captain. „Es ist das Tollste überhaupt, zu einem derart elitären Kreis dazuzugehören. Der Stolz, den man empfindet, Teil einer so erlauchten Truppe zu sein, die die Gesellschaft von der Korruption befreien will, das ist einfach großartig. Es geht nicht ums Geld. Die BOPE-Leute verdienen genauso viel wie normale Polizisten. Es geht nur um die Ehre.”Es ging aber während der Dreharbeiten auch um das Durchhaltevermögen. Ein knallhartes Boot Camp hatten die Schauspieler durchzustehen. Mit dem früheren Polizisten Pimentel gab es einen unerbittlichen Kritiker am Set, dem auch der kleinste Fehler in Sprache, Mimik oder Bewegung auffiel. Caio Junqueira, der den Neto spielt, erinnert sich: „Man brachte uns wirklich alles bei. Vom theoretischen Überbau der Militärpolizei bis hin zu den einzelnen Kampftechniken. Zwei Wochen lang saßen wir im Nirgendwo mit sechs BOPE-Offizieren, die uns das Schießen und sämtliche Nahkampftechniken beibrachten. Wir marschierten stundenlang in verdreckten Mänteln. Wir aßen Dreck. Wer nicht mehr konnte, war draußen. Das war wie im echten BOPE-Trainingslager.” „Sie schliffen uns, als ob wir wie sie selbst lebenslang die Uniformen tragen würden. Und als wir in perfekter Aufstellung eine Favela stürmten, war jeder Ellbogen am richtigen Platz”, ergänzt Wagner Moura.Verständlicherweise reagierte die Militärpolizei ziemlich stark auf den Film und verbot, dass auf ihrem Gelände gedreht werden durfte. „Ich sehe das als eine weitere Ausformung dieser allgegenwärtigen Heuchelei an”, sagt Padilha dazu. „’Es gibt doch keine Zensur in Brasilien, oder?’, dachte ich mir.” Am Ende siegten glücklicherweise die etwas toleranteren Polizisten über 10 die strikten Gegner des Filmprojekts und Padilha wurden die Aufnahmen an vielen Originalschauplätzen der BOPE gestattet.Wirklich gefährlich waren die Drehtage in den Elendsvierteln der Stadt. „Als Polizist verkleidet in den Favelas zu stehen, das war schon heftig”, erinnert sich Junqueira. „Wir mussten immer Jacken mit der Aufschrift „Filmteam” tragen, sobald die Kameras nicht liefen. Trotzdem beobachteten uns die Dealer und Drogenbosse am Ort ziemlich genau. Dass uns in einem unbedachten Moment innerhalb weniger Minuten sofort das Auto mit den ganzen Waffen darin gestohlen wurde, machte die Situation auch nicht gerade angenehmer.”Laut einer Studie von Amnesty International (Brasilien auf der Suche nach Sicherheit: Von brennenden Bussen zu gepanzerten Fahrzeugen – 2. Mai 2007) sind mit den schwer bewaffneten Polizeieinsätzen auch die Todesopfer bei diesen Einsätzen sprunghaft angestiegen. In Situationen, die später in offiziellen Berichten als „Widerstand mit Todesfolge” bezeichnet werden, stieg die Zahl der Getöteten von 300 Opfern 1997 auf 1195 Personen im Jahr 2003 und sank 2005 nur unmerklich auf 1098 Personen. Neben den vielen Erfolgen, die man der brasilianischen Polizei zugutehalten muss, gibt es immer auch noch sehr viele Ausfälle. Möglicherweise kann TROPA DE ELITE, so zumindest die Hoffnung seiner Produzenten, einen Anlass geben für eine ernst gemeinte Veränderung der derzeitigen Zustände. „Ich drehe Filme, um etwas zu verändern oder wenigstens eine Diskussion anzustoßen”, fasst Padilha zusammen. „Welchen anderen Grund kann es geben, einen Film zu drehen?” 11 BESETZUNGWAGNER MOURA (Captain Nascimento)Wagner Maniçoba de Moura, am 27. Juni 1976 im brasilianischen Bundesland Bahia geboren, hatte eigentlich eine Karriere als Journalist im Sinn und studierte Kommunikationswissenschaften an der Federal University of Bahia. Nach dem Examen gründete er mit einigen Freunden eine Presseagentur und moderierte eine regionale Fernsehshow. Gleichzeitig besuchte er einen Theaterkurs und entpuppte sich bald als äußerst talentierter Schauspieler.Wagner trat in mehr als zehn Spielfilmen auf, in zwei Seifenopern, einer Mini-Serie und noch einigen anderen TV-Produktionen. Für TV Globo, den größten Fernsehsender Brasiliens, spielte er den allseits bekannten Bösewicht Olavo Novaes in der Seifenoper „Paraíso Tropical”. Außerdem sah man ihn in den Miniserien „JK”, „Programa Novo” und „Sexo Frágil”.Auf der Theaterbühne stand er in letzter Zeit sieben Mal, darunter beispielsweise in „Dilúvio em tempos de seca”, „Os Solitários” und „A Máquina”.FILMOGRAFIE (Auswahl):Titel: Regie:2008 ROMANCE Guel Arraes (Romance)2008 BLACKOUT Daniel Rezende2007 TROPA DE ELITE José Padilha2007 Ó PAI, Ó Monique Gardenberg2005 CIDADE BAIXA Sérgio Machado2003 CARANDIRU Hector Babenco2001 ABRIL DESPEDAÇADO Walter Salles(Behind the Sun)2000 WOMAN ON TOP Fina Torres 12 ANDRÉ RAMIRO (André Matias)André Ramiro, Jahrgang 1981, stammt aus einen Armenviertel Rio de Janeiros. Seine ersten Kontakte mit der Arbeitswelt waren, wie für die meisten Kinder und Jugendliche aus den Slums, Bonbonverkaufen und Botendienste. Bis er einen Job als Kartenabreißer in einem Kino ergattern konnte, das noch dazu in einem sehr exklusiven Stadtviertel lag. Daneben startete er eine Karriere als Rapper. Bei einem seiner Auftritte lernte er den Schauspieler João Velho kennen, der ihm vom Vorsprechen für TROPA DE ELITE erzählte.Dieser erste Auftritt in einem Spielfilm brachte ihm viel Anerkennung. Trotzdem behielt er weiterhin seine Karriere als Musiker fest im Auge. 2008 erschien seine erste CD „As Crônicas de Um Rato Careta”. Alle Lieder darauf hat er selbst komponiert.FILMOGRAFIE:Titel: Regie:2007 TROPA DE ELITE José PadilhaCAIO JUNQUEIRA (Neto)Wie schon sein Vater Fábio Junqueira und sein Halbbruder Jonas Torres arbeitet der 1976 in Rio de Janeiro geborene Caio Junqueira sehr erfolgreich als Schauspieler in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Zur Zeit sieht man ihn in der beliebten Krimiserie „A Lei e o Crime”.FILMOGRAFIE (Auswahl):Titel: Regie:2008 DOMINGO DE PÁSCOA Pedro Amorim(Easter Sunday)2007 TROPA DE ELITE José Padilha2006 ZUZU ANGEL Sergio Rezende(Zuzu Angel)2002 VIVA SAPATO! Luiz Carlos Lacerda(Someone Like You)2001 ABRIL DESPEDAÇADO Walter Salles(Behind the Sun) 13 1998 CENTRAL DO BRASIL Walter Salles(Central Station)MILHEM CORTAZ (Captain Fábio)Milhem Cortaz startete seine Karriere als Schauspieler 1991 am Piccolo Teatro in Mailand. Mit dem Ensemble zog er über drei Jahre lang quer durchs Land. 1994 kehrte Cortaz wieder in seine Heimat Brasilien zurück, wo er mit Antunes Filho, einem der bekanntesten Theaterregisseure Brasiliens, zusammen arbeitete. Von diesem Punkt an startete der vielseitige Schauspieler richtig durch, sowohl auf der Bühne als auch in Kino und Fernsehen und gewann unzählige Preise.Inzwischen hat der 37-Jährige aus São Paulo mehr als 20 Spielfilme gedreht, über 30 TV-Spiele und Seifenopern, dazu noch eine stattliche Anzahl an Theaterstücken. Er spielte unter der Regie aller Top-Regisseure Südamerikas von Hector Babenco über Fernando Meireles, José Eduardo Belmonte, Jeremias Moreira, Francisco Cesar Filho, José Padilha, Carlos Reichenbach, Tata Amaral und Walter Carvalho. Im Fernsehen war er zuletzt in „Bicho do Mato”, „Vidas Opostas” oder „A Diarista” zu sehen.FILMOGRAFIE (Auswahl):Titel Regie2008 SE NADA MAIS DER CERTO José Eduardo Belmonte(If Nothing Else Works Out)2008 DANGKOU Nelson Yu Lik-wai(Plastic City)2007 ROAD MOVIE Donald Hyams2007 TROPA DE ELITE José Padilha2003 CARANDIRU Hector BabencoFERNANDA MACHADO (Maria):Die am 10. Oktober 1980 geborene Schauspielerin Fernanda Machado wollte schon als kleines Mädchen unbedingt Schauspielerin werden und nahm auch sehr früh ersten Unterricht. Um die Ausbildung fortzusetzen, verließ sie bald ihre Heimatstadt Maringá im Bundesland Paraná und zog erst nach Curitiba. Kurz darauf darauf wurde ein Talentscout auf sie aufmerksam, und TV Globo, der wichtigste brasilianische Fernsehsender, holte sie nach Rio de Janeiro. 14 Bisher ist TROPA DE ELITE Machados einziger Kinofilm. Doch im brasilianischen Fernsehen läuft kaum noch eine Serie von „Paraíso Tropical” bis „Alma Gêmea” ohne die überaus beliebte Darstellerin. FILMOGRAFIE:Titel Regie2007 TROPA DE ELITE José PadilhaMARIA RIBEIRO (Rosane)Maria do Amaral Ribeiro, Jahrgang 1975, stammt aus Rio de Janeiro. Nach einem Journalismus-Studium entschied sie sich gegen diesen Beruf und für den der Schauspielerin. Seitdem arbeitete sie mit den wichtigsten brasilianischen Filmemachern zusammen. Mittlerweile hat sie in 15 Theaterstücken, sieben Spielfilmen und fünf Seifenopern auf Globo TV und Record TV mitgespielt. Darunter Straßenfeger wie „Luz do Sol” und „Prova de Amor”.Aber auch im Kino taucht Maria Ribeiro immer öfter auf.FILMOGRAFIE (Auswahl):Titel Regie2007 TROPA DE ELITE José Padilha2005 CARREIRAS Domingos de Oliveira2000 TOLERÂNCIA Carlos Gerbase(Tolerance)OS IDIOTAS MESMO Allan Sieber1999 ORFEU Carlos Diegues 15 STABJOSÉ PADILHA (Regisseur, Autor, Produzent)José Padilha wurde am 1. August 1967 in Rio de Janeiro geboren. Er studierte dort Betriebswirtschaft an der Pontifícia Universidade Católica und anschließend Politikwissenschaften und Anglistik in Oxford.Mit dem Medium Kino kam Padilha erstmals 1990 als Ausführender Produzent von BOCA DE OURO in Berührung. In Brasilien lief der Film von Walter Avancini in den Kinos, und in den USA strahlte ihn HBO aus. Die zweite Produktion, bei der Padilha als Autor und Produzent fungierte, war THE CHARCOAL PEOPLE von Regisseur Nigel Noble. Seine US-Premiere erlebte die Dokumentation über südamerikanische Bauern, die sich in den Bergwerken verdingen müssen, 2000 in Sundance, seine Europa-Premiere im selben Jahr auf dem Internationalen Dokumentarfilm-Festival in Amsterdam (IDFA). Kurz danach gewann der Film den Preis für die Beste Dokumentation beim LA Latino International Film Festival.Für National Geographic Television produzierte und inszenierte Padilha noch weitere Dokumentationen, PANTANAL COWBOYS und FACING THE JAGUAR sowie anschließend OS PANTANEIROS für den brasilianischen TV-Sender GNT.BUS 174 aus dem Jahr 2002 war Padilhas erster Kinofilm. Die beklemmende Dokumentation über die Entführung eines Linienbusses in Rio lief auf unzähligen Filmfestivals von São Paulo über Sundance und Miami bis Rotterdam und wurde mit Preisen geradezu überschüttet. Neben vielen anderen etwa mit der Ehrung durch die Director’s Guild Of America und dem Preis der Jury der FIPRESCI.TROPA DE ELITE ist der erste Film, den Padilha geschrieben, produziert und auch selbst inszeniert hat. Im Februar 2008 gewann er dafür den Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.Derzeit bereitet Padilha den Spielfilm THE SIGMA PROTOCOL vor, einen Actionthriller, der noch in diesem Sommer gedreht werden soll. Gerade fertig gestellt ist die Dokumentation GARAPA. FILMOGRAFIE als Regisseur (Auswahl):Titel2009 GARAPA2007 TROPA DE ELITE2002 Ônibus 174(Bus 174) 16 BRÁULIO MANTOVANI (Autor, Produzent)Bráulio Mantovani, diplomierter Literaturwissenschaftler für Portugiesisch, war nach dem Studium bei verschiedenen freien Theatergruppen in Sâo Paulo als Schauspieler und Autor beschäftigt. Ab 1987 konzentrierte er sich überwiegend auf das Drehbuchschreiben. Der 1963 in Sâo Paulo geborene Mantovani war Gründer des Drehbuchautoren-Lehrgangs von Telecurso 2000, der wichtigsten Fernschule Brasiliens.Mit seinem ersten Entwurf für das Drehbuch von CITY OF GOD (Regie: Fernando Meirelles) nahm er am Drehbuchautoren-Kurs des Sundance Instituts teil. Der überall hoch gelobte Spielfilm hatte später bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2001 Premiere und gewann zahlreiche Preise. Mantovani wurde unter anderem mit einer Oscar-Nominierung 2004 für das Beste adaptierte Drehbuch belohnt.FILMOGRAFIE als Autor (Auswahl):Titel Regie2008 ÚLTIMA PARADA 174 Bruno Barreto(Last Stop)2007 TROPA DE ELITE José Padilha2006 O ANO EM QUE MEUS PAIS SAIRAM DE FÉRIAS Cao Hamburger(The Year My Parents Went On Vacation)2005 NANOILUSÃO Francisco + José Wagner Garcia2002 CIDADE DE DEUS Fernando Meirelles, Kátia LUnd(City Of Gods)MARCOS PRADO (Produzent)Marcos Prado, eigentlich ein studierter Volkswirtschaftler und ausgebildeter Fotograf, ist José Padilhas Produzenten-Kollege. Gemeinsam gründeten die zwei College-Freunde und engste Vertraute vor neun Jahren ihre Firma Zazen Produções, die sich inzwischen mit vielen hoch dekorierten Filmen einen guten Namen gemacht hat. Im Augenblick bereitet sich Prado gerade auf sein Debüt als Spielfilmregisseur vor. 17 FILMOGRAFIE als Produzent (Auswahl):Titel Regie2007 TROPA DE ELITE José Padilha2004 ESTAMIRA Marcos Prado2005 BRAZIL’S VANISHING COWBOYS José Padilha, Marcos Prado2002 Ônibus 174 José Padilha(Bus 174)

Ebenfalls in den europäischen Kinos: “Birdwatchers” - http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/13/film-birdwatchers-taz-interview-mit-regisseur-marco-bechis-die-leute-von-survival-wollten-ihre-vorstellungen-durchsetzen/ http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/13/greenwashing-fur-biosprit-aufgedeckt-befreiungstheologe-frei-betto-zu-todessprit/

Trailer des Films “Salve geral” über Gewaltkultur in Sao Paulo: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/02/salve-geral-der-trailer-anklicken-marisa-feffermann-tribunal-popular-ferrez/

Website-Fotos bei images.google: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/01/website-fotos-bei-wwwimagesgooglecombr/

Hintergrundtext zur Lage kurz vor dem Papstbesuch von 1997:

Nur rund zwei Wochen vor dem Rio-Besuch des Papstes liefern sich rivalisierende Verbrecherkommandos der Sieben-Millionen-Stadt weiterhin heftige Feuergefechte,die auch mit schweizerischen Sig-Sauer-Sturmgewehren ausgetragen werden.Polizeieinheiten wurden sogar im Formiga-Slum nahe der Bischofsresidenz attackiert, in der Papst Johannes Paul der Zweite während seiner Visite nächtigt. Laut Polizeiangaben verfügen die dortigen Gangstergruppen neben tragbaren Geschoßwerfern über Sig-Sauer-Sturmgewehre, die auch in den anderen rund 8oo vom organisierten Verbrechen dominierten Elendsvierteln zunehmend zur Standardausrüstung gehören. Wie es heißt, lösen die schweizerischen Präzisionsfabrikate vor allem die bislang verwendeten nordamerikanischen Heereswaffen ab, sind indessen weit teurer. Auf dem illegalen Waffenmarkt Rio de Janeiros kostet danach ein Sig-Sauer-Sturmgewehr derzeit umgerechnet etwa elftausend Franken. Die Tageszeitungen der Stadt bezeichnen es als “neuen Star der Drogengangster”- sofern der Polizei gelingt, ein Exemplar zu erbeuten, werden davon großformatige Fotos veröffentlicht.Soweit bekannt ist, wurden schweizerische Sturmgewehre an die brasilianische Luftwaffe, aber auch an ein Geschäft in Paraguay geliefert. Über das Nachbarland werden traditionell moderne Feuerwaffen der Ersten Welt eingeschmuggelt.Der schweizerische Generalkonsul in Rio,Conrad Marty, hat sich mehrfach besorgt über den Einsatz der Sturmgewehre durch Banditen geäußert.Nachdem Marty bei Kontakten mit den lokalen Polizeichefs auf das Problem angesprochen worden war, erklärte er wörtlich:”Es gefällt mir nicht, daß in Rio de Janeiro Leute mit Schweizer Waffen getötet werden.”Das Außenamt in Bern wurde von ihm entsprechend unterrichtet. Der bisherige Zivilpolizeichef Helio Luz nannte es im August besonders gravierend, daß moderne Waffen wie die Sig-Sauer-Sturmgewehre von Minderjährigen eingesetzt würden:”Wir steigen in die Hangslums, um mit Kindern zu kämpfen.” Laut Helio Luz sind die Gesetze der Ersten Welt gegen die illegale Waffenausfuhr zu schwach.Die Verwendung weittragender Sturmgewehre durch Banditeneinheiten hat in Rio dazu geführt,daß immer mehr Stadtbewohner durch verirrte Kugeln getötet oder verwundet werden . US-Ärzte mit Vietnam-Kriegserfahrung trainierten ihre brasilianischen Kollegen im Behandeln der neuartigen und besonders schwerwiegenden Schußverletzungen.

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/06/08/jurandir-freire-costa-therapeut-professor-an-der-staatsuniversitat-von-rio-de-janeirouerj-in-brasilien-herrscht-ethisch-moralische-schizophrenie/

Goethe-Gesellschaft Brasilien,  Präsident Marcus Mazzari: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/22/prof-dr-marcus-mazzari-prasident-der-goethe-gesellschaft-brasiliens-associacao-goethe-do-brasil-gesichter-brasiliens/

Hintergrund von 2002:
Topsold für Kindersoldaten/Hochbezahlte Gangster-Kids/Kinderarbeit mit NATO-Mpi

Erstaunlich spät hat jetzt die Internationale Arbeitsorganisation erstmals untersucht, wie Slumkinder im Arbeitsmarkt der Verbrechersyndikate integriert sind

Lufthansa-Maschinen mit deutschen Politikern, Konzernmanagern und Touristen steuern niedrig über Rio de Janeiros Slumhütten den nahen Airport an - unten, im Gassenlabyrinth der Favelas, gehört die „Mikrowelle“(Microonda) für den knapp dreizehnjährige Joao mit zum Banditenjob: Das Opfer wird angebunden, Autoreifen werden bis in Kopfhöhe drübergestülpt. Aus einem Kanister reichlich Benzin über den modernen Scheiterhaufen – und dann Streichholz dran. Joao fühlt sich bereits stolz als Herr über Leben und Tod. Barfuß, nur mit Shorts bekleidet, doch am Gürtel zwei Armee-Handgranaten und eine zweite Pistole, die andere demonstrativ in der Hand, dazu ein Sprechfunkgerät. Joao von Brasiliens mächtigster Verbrecherorganisation „Comando Vermelho“/CV(Rotes Kommando) bewacht ein Drogendepot, hat ein Auge auf die Slumausgänge, vorübergehende Bewohner, erwartet Respekt. Nahten Soldados des rivalisierenden Terceiro Comando/TC(Drittes Kommando) oder gar Militärpolizisten zu einer Razzia, hätte Joao per Walky-Talky rasch einige hundert CV-Leute mobilisiert, fast alles Minderjährige, die mit deutschen oder nordamerikanischen NATO-Mpi ihre Posten beziehen würden. Brasiliens Mindestlohn liegt bei umgerechnet neunzig Euro, doch Joao hat monatlich weit mehr als der Durchschnitt, über fünfhundert, kann damit locker die ganze Großfamilie unterhalten, von der die meisten arbeitslos sind. „Klar bin ich Bandit, na und? Was soll unsereiner denn sonst machen, um ordentlich Kohle zu verdienen?“ Lesen und schreiben kann Joao nicht, aber Schießen hat er bereits gut gelernt. „Wenn sich ein Polizist mit mir anlegt, feuere ich zuerst!“ Leute durch Kugeln oder Granatenexplosionen sterben sehen, Exekutionen von Gegnern zuschauen, oder der „Microonda“, ist für ihn längst nichts Neues mehr. Zehntausende Rio-Kids wie er müßten frühmorgens aus den Hangslums zu den öffentlichen Schulen hinuntersteigen – aber bleiben lieber oben. Schule ist langweilig, bringt nichts, finden auch die Eltern. Anstatt in total überfüllten Klassenzimmern zu hocken, erleben die Kids lieber richtige Abenteuer, Spannung, wie in den importierten Brutalo-Filmen aus der Ersten Welt – und haben auch noch weit mehr Real in der Tasche als die Eltern. Merkwürdig spät wollte die Internationale Arbeitsorganisation/IAO in Genf genauer wissen, wie diese Art von Kinderarbeit in der immerhin achtgrößten Wirtschaftsnation, dem laut Kanzler Schröder wichtigsten deutschen Industriestandort Lateinamerikas funktioniert, welche Motive die Minderjährigen antreibt. Auffälligstes Resultat: obwohl es in Millionenstädten wie Rio de Janeiro inzwischen mehr Schulen für Slumkinder gibt, hat das die Attraktivität des organisierten Verbrechens nicht vermindert, ihm keine jugendlichen „Arbeitskräfte“ entzogen. Ganz im Gegenteil – jeden Tag werden mehr angeworben. In zweiundfünfzig Rio-Slums befragten die IAO-Experten junge Gangster und hörten immer dasselbe:“Warum soll ich jahrelang zur Schule gehen, wenn mir das später weder beruflichen noch finanziellen Nutzen bringt?“ Denn der Unterricht hat ein extrem niedriges Niveau – kein Vergleich mit den unerschwinglichen Privatschulen für die Kinder der Mittel-und Oberschicht, die folgerichtig später alle besserbezahlten Jobs besetzen. Brasilien hat rund 170 Millionen Einwohner - die Hälfte der brasilianischen Beschäftigten verdient monatlich nur umgerechnet bis zu 170 Euro, fünfunddreißig Millionen kommen sogar nur auf höchstens vierzig Euro. Kanzler Schröder schritt in Sao Paulo am arbeitsfreien Aschermittwoch mit Unternehmertroß forsch durch leere Fabrikhallen von VW do Brasil, Lateinamerikas größtem Privatunternehmen, gezeichnet von Konflikten mit den Automobilarbeitern, die nur rund ein Fünftel des Lohns ihrer deutschen Kollegen haben. Da ist die Gehaltstabelle der global verzahnten Verbrechersyndikate in den rasch wachsenden Slums aber verlockender: Wer etwa als Acht-bis Neunjähriger dazu eingeteilt ist, als „Olheiro“ oder „Soldado“ Rauschgiftdepots zu bewachen, Ausschau nach Polizisten, „verdächtigen“ Personen zu halten, kann bereits in der Woche umgerechnet bis zu fünfhundert Euro verdienen – wer als „Endolador“ harte Drogen abpackt, kommt sogar auf siebenhundert. Und wer sie als „Vapor“ mitverkauft, etwa zur Hauptkundschaft in den Mittel-und Oberschichtsvierteln bringt, hat auf jeden Fall monatlich noch weit mehr in der Tasche, für brasilianische Verhältnisse ein Topgehalt. Weit mehr als Mutter und Vater zusammen zu verdienen, sofern diese irgendwo fest angestellt sind, ist schon einem Zehn-bis Vierzehnjährigen absolut garantiert.Job-Motiv : viel Geld und „Adrenalina“Immer ausreichend Geld zu haben, ob für teure Markenklamotten oder neue Tennisschuhe, gilt daher als Hauptmotiv, die Schule sausenzulassen – gefolgt vom Faktor „Adrenalina“. Normale kindliche Abenteuerlust, sagen selbst katholische Padres, wird von den Banditen schamlos ausgenutzt, „in den Köpfen der Jungen werden diese zu Helden und Vorbildern.“ Bereits als Minderjähriger Prestige und Macht zu haben, ist ein weiteres Motiv. Denn außerhalb, in den Cities, in den schicken Strandvierteln Ipanema, Leblon und Barra da Tijuca spüren die Heranwachsenden die „soziale Apartheid“ Brasilien, unnütz, ein Nichts, überflüssig zu sein und entsprechend behandelt zu werden. Doch mit der NATO-MPI umgehängt, lässig durch die Favela zu schlendern, Respekt und Unterwerfung zu fühlen – das wertet auf, stärkt das Selbstbewußtsein. Außerdem sind die meisten Slummädchen richtig scharf auf die Jungbanditen, suchen mit ihnen bevorzugt eine Partnerbeziehung. „Für die Mädchen verkörpert der Gangster Attraktivität, Schönheit, Erstrebenswertes, gar ein Lebensideal.“ Zwei Vierzehn-Fünfzehnjährige, Bikini-Oberteil, superkurze Shorts, wachsende Bäuche, erklärten stolz, von zwei Top-Gangstern schwanger zu sein. „Hier oben ist es spannend, geil, richtiges, echtes Abenteuer!“
Selbst laut offiziellen Statistiken der Mitte-Rechts-Regierung des FU-Berlin-Ehrendoktors Fernando Henrique Cardoso besucht über die Hälfte der Fünfzehn-bis Vierundzwanzigjährigen in den rund achthundert Slums von Rio keinerlei Bildungseinrichtung, gab zumeist jegliche Arbeitssuche auf, hängt nur rum. „Eine fabelhafte Arbeitskraft-Reserve fürs organisierte Verbrechen“, wie die Experten konstatierten. Etwa neunzig Prozent der befragten Kindersoldaten rauchen zwar Haschisch, aber nur fünfzehn Prozent nehmen Kokain:“Die Kinder sagen, diese Droge mache unruhig, verhindere klares Denken – könnte also bei der Arbeit stören.“ Daß CV und TC Kinder einstellten, sei ein neues Phänomen, habe es vor 1995 noch nicht gegeben. Komplett falsch, mindestens seit Mitte der achtziger Jahre werden selbst Straßenkinder rekrutiert.„Kriegerin des Lichts“ in deutschen KinosAuch Yvonne Bezerra de Mello, Künstlerin, verheiratet mit dem schwerreichen Besitzer der Othon-Hotelkette, weiß es besser, widmet sich schließlich seit Jahrzehnten den Straßen-und Slumkindern Rio de Janeiros, wurde zur Sozialexpertin, schreibt systemkritische Bücher, spricht auf internationalen Konferenzen. Und weiß, was mit Minderjährigen passiert, die bei kriminellen Aktionen nicht mitziehen, schwer drogensüchtig werden, statt Profit Verluste einbringen. „Die werden eliminiert, die Leichen läßt man verschwinden“, sagt sie . „In den Slums gibt es Ställe mit Schweinen, die Überreste von Kindern auffressen. Oder auch das: Ein Junge, oft nur dreizehn Jahr oder jünger, muß dem an einen Baum gefesselten Opfer mit einer Rasierklinge solange ins Fleisch schneiden, bis es stirbt, sogar das Herz wird herausgetrennt – alles zur Einschüchterung der Slumbewohner.“ So nahe dran an dieser gerne verdrängten Brasilienrealität, kennt sich Yvonne Bezerra de Mello natürlich auch mit den Heereswaffen der „Soldados do Morro“ aus, sagte schon vor Jahren:“Wenn mir hier in Rio ein Schweizer was über Neutralität erzählt, lache ich laut auf. Die hochmodernen schweizerischen Sig-Sauer-Sturmgewehre werden jetzt von den Gangstern am meisten importiert.“Klischee und RealitätYvonne Bezerra de Mello kennt auch die anderen Normendiktate von Rios Taleban, die denen der echten nicht nachstehen: Diebstähle werden mit Handabhacken bestraft, Vergewaltigungen durch Kastrieren oder Erschießen. Jedermann muß Drogen, Waffen, Raubgut, bei Razzien selbst Banditen in seiner Kate verstecken, zeitweilige Ausgangssperren ab zweindzwanzig Uhr einhalten. Und vor allem – zu niemandem ein Wort über interne Slumvorgänge, über die Banditen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Derzeit ist die mutige, eigenwillige Sozialarbeiterin in den deutschen Kinos zu sehen – die avantgardistische Regisseurin Monika Treut hat im Streifen „Kriegerin des Lichts“ wenigstens einen Teil ihres Rio-Alltags nachgezeichnet. Teile der Oberschicht feinden Dona Yvonne an – Monika Treut ist das natürlich aufgefallen. Über die Verbindungen von Politik, globalisierter Wirtschaft und organisiertem Verbrechen weiß die Filmheldin mehr als genug, reagiert nur zu oft zwangsläufig tiefironisch. „Die wirklich großen Gangster, die eigentlichen Bosse, wohnen nicht in Slums, sondern in den Nobelvierteln Rios, bleiben ungestört, unangetastet.“ Und die sind die eigentlichen Arbeitgeber der Kindersoldaten.Linkspopulisten politisch mitverantwortlichDirekter Nachbar des größten Othon-Hotels der Copacabana ist Leonel Brizola, schwerreicher Vizepräsident der Sozialistischen Internationale, mehrfacher Gouverneur des Teilstaates Rio de Janeiro, Parteichef der linkspopulistischen Arbeitspartei PDT. Menschenrechtler werfen ihm vor, das organisierte Verbrechen hochgepäppelt zu haben – im Tausch gegen politische Unterstützung. Schließlich stellen die leicht manipulierbaren Slumbewohner ein wichtiges Wählerpotential dar, kreuzen auf dem Wahlzettel an, was der Slumboß befiehlt. Derzeit ist in Rio die linkssozialdemokratische Arbeiterpartei PT mit am Ruder – die auch in der deutschen drittweltbewegten Szene hochgelobte schwarze PT-Politikern Benedita da Silva wurde sogar Gouverneurin. Was in ihrer mehrjährigen Amtszeit unternommen wurde, um die Herrschaft der neofeudalen Banditenmilizen über die Slums zu brechen, aus Kindersoldaten wieder Schulkinder zu machen, zeigt die neue IAO-Studie – nichts. Unter Benedita da Silva floriert, was die IAO zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählt. Sogar Vierzehnjährige erreichen inzwischen Chefposten, mit Traumgehältern. Und selbst große Unternehmen unterwerfen sich den Terror-Regeln, Mitarbeiter nutzen sie makabrerweise manchmal für ihre Zwecke: Letztes Jahr stehlen Frauen in einem Supermarkt der französischen Carrefour-Kette einige Flaschen Sonnenschutzmilch, werden erwischt und Banditen des angrenzenden Slums zur „Bestrafung“ übergeben. Die richten die Frauen per „Microonda“hin.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit die Militäraktionen in Afghanistan begannen, kamen dort weniger Menschen gewaltsam ums Leben als zur selben Zeit in Brasilien. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland laut BKA 1015 Personen ermordet, in Brasilien, mit etwa doppelter Bevölkerungszahl, jedoch über vierzigtausend – zumeist in den rasch wachsenden Slums.
„Die Slumbewohner sind Geiseln der Banditenmilizen, werden unterdrückt, weil der Staat abwesend ist“, konstatiert erst unlängst Marcelo Itagiba, Chef der Bundespolizei in der Zehn-Millionen-Stadt Rio de Janeiro, deren Bruttosozialprodukt immerhin das von ganz Chile übertrifft.Brasilien zweitgrößter KokainmarktDaß schon Kinder zu Topverdienern werden, erklären allein schon die immensen Profite aus dem Drogenhandel: Selbst laut Polizeiangaben setzen CV und TC allein in Rio de Janeiro monatlich sechs Tonnen Kokain um; in Sao Paulo, mit über eintausend deutschen Firmen, etwa ebensoviel. Gleich nach den USA ist Brasilien zweitgrößter Kokainverbraucher. Selbst Brasiliens Bischofskonferenz prangert an, daß in den Slums ganze Generationen von Minderjährigen mit völlig verzerrten ethisch-moralischen Werten aufwachsen, „nämlich Gangsterwerten der Gewalt, des Unrechts und der Rache“. Kindersoldaten, andere gravierende Menschenrechtsprobleme – alles kein Thema, wenn Schröder oder Fischer in Rio, Sao Paulo, Brasilia einfliegen. Prinz Charles hielts beim März-Besuch in zwei Favelas von Rio genauso, ließ sich von Karnevalsmulattinnen umtanzen, der übliche Zirkus wie immer, wenn europäische Politiker kommen. Prinz Charles, wie Schröder von Unternehmern begleitet, hatte schließlich Wichtigeres in Brasilien vor – britische Militärjets verkaufen.

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Oscar-Niemeyer-Film: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/14/oscar-niemeyer-das-leben-ist-ein-hauch-pr-film-nun-auch-in-den-deutschsprachigen-kinos-was-alles-fehlt/

http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/14/art-das-kunstmagazin-uber-oscar-niemeyer-das-leben-ist-ein-hauch/

“Tropa de Elite 2″ - Trailer anklicken, Filmstart Oktober 2010: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/29/tropa-de-elite-der-berlinale-gewinner-trailer-des-zweiten-teils-uber-die-lage-in-rio-de-janeiro-anklicken/

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 09. Juli 2009 um 11:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kultur, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

« Hans Magnus Enzensberger, Sao Paulo, Goethe-Institut: “Die Krise gehört zum Betriebssystem des Kapitalismus - denn es gibt keinen Kapitalismus ohne Krisen. Die Krise ist nicht Ausnahme, sondern Regel. Wenn diese Krise vorbei ist, bereitet das System seine nächste Krise vor. Die Amnesie der führenden Ökonomen ist ein Problem.” Scheiterhaufen in Sao Paulo. – “Lula hat Hoffnungen nicht erfüllt.” Amnesty International Schweiz zur dramatischen Menschenrechtslage in Brasilien. Jair Krischke widerspricht üblichen PR-Thesen über den “strategischen Partner”. »

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