http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/11/brasilia-50-und-das-massaker-an-bauarbeitern/
http://www.art-magazin.de/architektur/23057/oscar_niemeyer_das_leben_ist_ein_hauch
Neben seiner Abneigung gegen lebensfeindliche Zweckbauten ist Niemeyers Bewunderung für die Schönheit der Natur entscheidend für seinen außergewöhnlichen Stil. Und da scharfe Kanten und strikte Formen in der Natur nun einmal nicht vorkommen, nimmt Niemeyer sich alles als Vorbild, was schön geschwungene Rundungen hat. “Das können die Berge sein, aber auch der Körper einer geliebten Frau”, erklärt er. “Das Universum ist eben geschwungen und nicht eckig.” (Zitat Art - das Kunstmagazin) http://www.art-magazin.de/div/heftarchiv/2007/11/OGOWTEGWPPCOOPOGSCRTTGCECSHGROETEACE/Kurven-in-Zeit-und-Raum
Niemeyer-Bauten in Sao Paulo - Fotos: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/31/oscar-niemeyer-gebaude-in-sao-paulo-california-eiffel-montreal-copan/
“Während der Militärdiktatur (1964-1985) wurde Niemeyer verfolgt und mit einem Arbeitsverbot belegt.” (deutscher Medientext)Niemeyer und die Militärdiktatur: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/04/13/wie-oscar-niemeyer-mit-der-brasilianischen-militardiktatur-zusammenarbeitete-die-liste-aller-projekte-in-den-jahren-des-folterregimes-von-1964-bis-1985/
“Brasilia - ein teurer Fehler”: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/04/21/brasilia-50-eine-postkartenansicht-umzingelt-von-misere-brasiliens-qualitatszeitung-o-estado-de-sao-paulo/

Niemeyer-Gebäude “California” in Sao Paulo.
Die Folha de Sao Paulo gibt 2012 die Position des Herausgebers des Mondadori-Verlags in Milano über Oscar Niemeyer, den Architekten des Verlagsgebäudes, gegenüber einer brasilianischen Journalistin wieder:
“Sage ihm, daß es eine Folter ist, in diesem Ambiente zu sein. Das Licht von draußen knallt einem direkt ins Genick, die Belüftung ist unerträglich und thermisch, von der Wärmeregulierung her, ist es die Hölle.”

Niemeyer-Konzertsaal in Sao Paulo. http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/30/oscar-niemeyer-bauten-in-sao-paulo/
Chris Dercon, Direktor des Hauses der Kunst in München: “Aber immerhin erreicht er mit seiner Ideologie unglaublich sinnliche Architektur.”
“Stalin war phantastisch”: http://diariodonordeste.globo.com/materia.asp?codigo=494208
Niemeyer und die Kurven: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/11/brasiliens-staatsarchitekt-oscar-niemeyer-die-kurven-idee-hat-er-vom-barock-nicht-von-den-frauen/
Niemeyers vielkritisiertes Hotel in Ouro Preto: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/17/oscar-niemeyer-hotel-vielkritisiert-in-der-weltkulturerbe-stadt-ouro-preto/
Niemeyers “Memorial da Ameria Latina” in Sao Paulo: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/02/07/oscar-niemeyer-memorial-da-america-latina-in-sao-paulo-architekturkritik-von-joaquim-guedes-fotoserie/
Architekt Joaquim Guedes, bestinformierter Niemeyer-Kritiker: ”In der Menscheitsgeschichte gab es keinen anderen Architekten, für den der Staat soviel nationale und internationale Reklame organisierte wie für Niemeyer - denn Niemeyer machte ja auch kräftig Reklame für den Staat. Über Niemeyer wurde nur verbreitet, was dieser selber hören wollte. Er arbeitete für das Militärregime, obwohl er es gleichzeitig kritisierte. Gerade während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 realisierte Niemeyer viele Projekte. Ich bin traurig - mit dieser formalistischen Prestigearchitektur, die nichts taugt, aber furchtbar teuer ist, hat Niemeyer meiner Architektengeneration objektiv sehr geschadet. Doch leider leben wir heute in einer Zeit, in der die Erscheinung, die Fassade, das Spektakel, die Propaganda so ungemein wichtig genommen werden. ”
“Neues Deutschland”: http://www.neues-deutschland.de/artikel/162948.die-rundung-8211-mass-aller-dinge.html

Telepolis: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31883/1.html
http://www.pnn.de/potsdam-kultur/252869/
Eingang zu Niemeyer-Konzertsaal in Sao Paulo.
Deutschlandfunk: - Der Betonmythos bröckelt -
Brasilien stürzt das Archi-
tektendenkmal Oscar Niemeyer
vom Sockel http://www.podcast.de/episode/1467036/Der_Betonmythos_br%C3%B6ckelt_-_Oscar_Niemeyer
http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/11/brasilia-50-und-das-massaker-an-bauarbeitern/

Joaquim Guedes
Niemeyer-Kritiker Joaquim Guedes: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/11/staatsarchitekt-oscar-niemeyer-und-sein-kritiker-joaquim-guedes/
Wurde der sehr unbequeme Guedes aus dem Weg geräumt? http://www.hart-brasilientexte.de/2008/07/29/groser-brasilianischer-architekt-joaquim-guedes-wichtigster-kritiker-von-oscar-niemeyer-tot-in-sao-paulo-von-stadtjeeplenker-uberrollt-der-fahrerflucht-beging/
Einer von über 500 Niemeyer-CIEP in Rio de Janeiro.
Niemeyer und Brasiliens jüngere Geschichte:
”1992 gehen Brasiliens Studenten, die Sozialbewegungen massiv auf die Straße, um die Absetzung des verhaßten rechten Staatschefs Fernando Collor zu fordern, der Korruption und Machtmißbrauch auf die Spitze getrieben hatte. Zum Jahresende wird er tatsächlich amtsenthoben. Ein historischer Moment für Brasilien. Oscar Niemeyer indessen gibt kund, wie er zur Korruptionsbekämpfung steht. ”Ich bin gegen dieses Impeachment. Ich hasse dieses Klima der Denunzierung, das sie unter uns einpflanzen wollen. Niemeyer steht zu seiner Position, die zu Zeiten des Korruptionsskandals der Lula-Regierung, in ”Conversa de Arquiteto, einem seiner Selbstdarstellungsbücher, nachzulesen ist.Ende 2005 werden José Dirceu, Parlamentsabgeordneter der Arbeiterpartei, vom Nationalkongreß mit großer Mehrheit das Abgeordnetenmandat und die politischen Rechte entzogen - wegen Machtmißbrauch, maßgeblicher Beteiligung an Regierungskorruption(Mensalao-Skandal, Dirceu - 2012 vom Obersten Gericht u.a. wegen Bandenbildung zu über zehn Jahren Gefängnis verurteilt ). Oscar Niemeyer indessen verteidigt öffentlich Dirceu als Ehrenmann, ist sogar prominentester Unterzeichner eines Manifests gegen den Mandatsentzug. Dirceu war bis 2004 rechte Hand Lulas, als Chefminister des Zivilkabinetts der starke Mann der Mitte-Rechts-Regierung. Doch dann fliegt Dirceus langjähriger enger Freund und Regierungsassessor Waldomiro Diniz auf, wird beim Eintreiben von Bestechungsgeld ertappt. Dirceus Stuhl wankt, doch Lula behält ihn im Amt. Erst nach den Enthüllungen über Regierungskorruption von 2005 hält Lula seine rechte Hand für nicht mehr tragbar auf diesem Posten - Dirceu wechselt zurück ins Abgeordnetenhaus.Im Januar 2006 startet der TV-Konzern Globo eine Telenovela über den verstorbenen Präsidenten Juscelino Kubitschek, enger Freund Oscar Niemeyers. Kubitschek steht für Korruption, Vetternwirtschaft, Machtmißbrauch, Hochtreiben der Außenverschuldung, unverschämte Begünstigung von Baukonzernen, wie Brasiliens Landesmedien hervorheben. Die Telenovela werde all dies zeigen, heißt es in den Vorankündigungen. Oscar Niemeyer hat für Kubitschek weiterhin nur Lob, nennt ihn eine beispielhafte Persönlichkeit.
Rogerio Reis - brasilianische Fotografie: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/07/rogerio-reis-microwaves-microondas-fotoinstallation-uber-scheiterhaufen-brasiliens-vom-maison-de-la-europeenne-de-la-photographie-in-paris-angekauft/

Buch zum Dokumentarfilm über das Massaker an Bauarbeitern von Brasilia.
Oscar-Niemeyer-Hotel, vielkritisiert, in der Welterbe-Barockstadt Ouro-Preto.
COPAN von oben - in der City von Sao Paulo - Gebäude mit etwa 5000 Bewohnern.
New York Times über Niemeyer: “Outro exemplo de um aspecto da cultura brasileira elogiado muito mais do que ele provavelmente merece é a obra do arquiteto Oscar Niemeyer. Sei que isso pode soar chocante, porque há um consenso quase universal aqui no Brasil de que Niemeyer é um gênio. (…) Deixando de lado a polÃtica stalinista de Niemeyer, que é execravel, há uma contradiçáo fundamental e irreconciliavel entre o que ele professa e a obra que ele produziu. Ele afirma querer uma sociedade baseada em princÃpios igualitários, mas sua arquitetura, para usar a linguagem do mundo da computaçáo, náo é user-friendly. Ao contrario: ela é profundamente elitista e mesmo egoista, concentrada principalmente em fazer declaraçoees grandiosas e eloqüentes por si mesmas, para satisfaçáo de Niemeyer e seus admiradores, mesmo que cause desconforto ou inconveniencia ao usuario”.

Abelardo da Hora - Ausstellung in Sao Paulo.
ThyssenKrupp und Niemeyer: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/20/thyssenkrupp-in-rio-de-janeiro-neffe-von-architekt-oscar-niemeyer-entwarf-verwaltungsgebaude-laut-presseberichten-projekt-hat-den-segen-von-oskar-niemeyer/
“Der Neoliberalismus haßt Kultur”: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/09/16/der-neoliberalismus-hast-kultur-deshalb-zwingt-er-unterhaltung-auf-brasiliens-wichtigster-befreiungstheologe-frei-betto/
Brasilia, UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit, wird 50 – und im Tropenland erinnert man sich des Massakers an Bauarbeitern, des Terrors der Bauplatzpolizei damals, als Chefarchitekt Oscar Niemeyer, der sich immer Kommunist nennt, die Errichtung beaufsichtigt. Und wie er nach dem Militärputsch von 1964 mit den Folter-Diktatoren zusammenarbeitet, ihnen in Brasilia den Generalstab der Regime-Streitkräfte und noch vieles andere hinstellt. Obwohl doch bis heute in ungezählten deutschsprachigen Gazetten steht, Niemeyer sei während der 21 Jahre währenden Militärdiktatur verfolgt und mit einem Arbeitsverbot belegt worden. Schon 1960, bei der Einweihung Brasilias, sind kritische Brasilianer über die vielen Baufehler, die Pfuscharbeit entsetzt: Risse in Beton und Asphalt, bröckelnder Putz allerorten, sodaß Nachbesserungskolonnen noch jahrelang zu tun haben – genauer gesagt, bis heute. Daß die Hauptstadt so überstürzt in nicht einmal vier Jahren errichtet wird, damit sie der damalige Präsident Juscelino Kubitschek noch in seiner Amtszeit einweihen kann, hat zudem offenbar en masse Architektenfehler begünstigt.
Nach scharfer Kritik der neuen Nutzer muß Oscar Niemeyer schon wenige Jahre später einräumen, daß in den offiziellen Gebäuden viel mehr Platz benötigt wird, zahlreiche nicht eben schöne Anbauten angeklebt werden müssen. Gleiches gilt für hingeschusterte, überaus hellhörige Wohnhäuser – sogar per Aushang wird aufgefordert, doch bitte, bitte beim Geschlechtsverkehr leiser zu sein, schon wegen der Kinder im Block. Wie es heißt, wurde der Präsidentenpalast für etwa 100 Menschen entworfen, doch heute arbeiten dort an die 700. Bereits jetzt, zum Stadtjubiläum am 21. April, fürchten sich den hiesigen Medien zufolge die Stadtbehörden vor dem Besuch von UNESCO-Experten im Juni, die zahlreiche Niemeyer-Bauten in sehr schlechtem Zustand oder sogar gesperrt antreffen werden. Womöglich droht die Aberkennung des Welterbe-Titels.
50 Jahre später bezeichnet Brasiliens führende Qualitätszeitung Folha de Sao Paulo dieses von Slums umzingelte Brasilia als „projektierte Apartheid“ und die brasilianischen Architekturkritiker erinnern an entsetzliche Wahrheiten, dunkle Punkte der Errichtung Brasilias. Dort, wo die Bauarbeiter massakriert wurden, gibt es heute ein Kreuz und eine Gedenktafel, zeigte man gar im Freien jenen mehrfach im In-und Ausland preisgekrönten Dokumentarfilm vom Vladimir Carvalho. Der Regisseur befragt darin Niemeyer eingehend über das Blutbad, doch dieser sagt immer wieder höchst irritiert: davon weiß ich nichts, davon habe ich noch nie etwas gehört und will deshalb darüber auch nicht reden. Carvalho läßt im Film, wie Niemeyer ärgerlich wird, herumschimpft, das Abstellen der Scheinwerfer befiehlt, im Dunkeln weiterredet – ein ganz außergewöhnlicher Streifen, das Centre Pompidou in Paris hat ihn parat. Andere Zeitzeugen berichten in dem Film vom Massaker an bis zu 500 Bauarbeitern. „Der Bauplatz von Brasilia war damals ein Wilder Westen“ sagt Carvalho im Interview, „alles mußte schnell gehen, die Fristen waren kurz. Es gab damals viele Unfälle, viele Bauarbeiter fielen von den Gerüsten. Tote wurden rasch beseitigt, damit die Lebenden nicht die Lust verloren und der Bau in hohem Tempo fortgesetzt werden konnte. Die Bauarbeiter konnten nur wenige Stunden schlafen, sich nur wenig ausruhen, waren schlichtweg fix und fertig – deshalb kam es zu den Unfällen.
Eines Tages war das Essen wieder verdorben – das brachte das Faß zum Überlaufen. Die Arbeiter protestierten – doch nachts kam die Bauplatzpolizei.“ Was dann geschah, hat eine Zeitung Brasilias inzwischen noch genauer rekonstruiert. Danach feuerte diese berüchtigte Spezialgarde zuerst mit Maschinenpistolen in die Bretterbaracken, bildete danach einen „polnischen Korridor“, zwang die überlebenden Arbeiter, dort durchzulaufen, grauenhaft mißhandelt zu werden. Zum Schluß, so das Blatt gemäß den aufgetriebenen Zeugen, mußten die Arbeiter ihre Toten und Verwundeten auf zwei LKW laden – die Opfer, sogar die Verwundeten, habe man dort, wo heute der TV-Turm Brasilias stehe, verscharrt – die LKW-Fahrer als lästige Zeugen ebenfalls liquidiert.
„Für Niemeyers Biographie ist das nicht gut“, meint Regisseur Carvalho. Völlig egal – wer weiß davon schon, in deutschsprachigen Medien oder Biographietexten beispielsweise wird seit 50 Jahren so gut wie ausnahmslos das Massaker, der Dokumentarfilm nicht erwähnt.
Eigentlich sollten die Reparaturen an prägenden Gebäuden wie dem Präsidentenpalast oder der Kathedrale rechtzeitig vor den 50-Jahr-Feiern fertig sein – doch nun dauern sie noch Monate, Staatschef Lula muß weiter vom Kulturzentrum einer Bank aus regieren. Zudem landete ausgerechnet der federführende Hauptstadtgouverneur wegen Abgeordnetenkauf im Gefängnis.
Doch an offiziellen Huldigungen für Oscar Niemeyer fehlt es natürlich nicht, wenngleich die brasilianischen Architekturkritiker und zahllose Leserbriefschreiber Brasilias die mangelnde Funktionalität der Niemeyer-Bauten betonen. So sind die eckigen Blöcke der Ministerien alle gleich und zudem in Ost-West Richtung aufgereiht. Das gilt für ein Tropenland als schlechteste Lösung, weil dann die Morgen-und Nachmittagssonne direkt auf die großen Fenster knallt, furchtbare, unerträgliche Hitze erzeuge, gegen die keine Klimaanlage ankomme. Staatsangestellte würden dann eben eher nach Hause geschickt, kriegen sozusagen hitzefrei.
Besonders vertrackt wird es, wenn man sich Niemeyers Aktivitäten zur Diktaturzeit widmet. Gemäß den deutschen, aber auch vielen brasilianischen Quellen haßte der famose Kommunist die nazistisch orientierten Putschgeneräle natürlich aus tiefstem Herzen, wollte mit ihnen nichts zu tun haben, ging flugs in Exil – das Arbeiten hatten sie ihm ohnehin verboten. „Gerade während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 realisierte Niemeyer viele Projekte“, sagt mir vor einigen Jahren der angesehene Architekt und Universitätsprofessor Joaquim Guedes, bestinformierter Niemeyer-Kritiker, in Sao Paulo. Ich will es anfangs kaum glauben, doch eine seriöse Werke-Liste des „Stararchitekten“ und brasilianische Fachtexte bestätigen Guedes: 1967, drei Jahre nach der Machtübernahme, projektiert Niemeyer in Brasilia eine imposante, nach Diktator Costa e Silva benannte Brücke. Und ausgerechnet in der grausamsten, schwärzesten Phase der Folterdiktatur, unter Generalspräsident Medici, entwirft der „Kommunist“ den Generalstab in Brasilia, 1973 wird er mit großem Pomp eingeweiht. „Und dies unter dem Säbel der Medici-Regierung“, bemerkt der brasilianische Autor Marcos Sá Correa zu Niemeyers damaligem Wirken. 1971 realisiert dieser in der nordostbrasilianischen Millionenstadt Recife sogar ein Stadion, das just nach dem berüchtigten Diktator Medici benannt ist – und für die Fußball-WM 2014 genutzt wird. Laut Werke-Liste projektierte Niemeyer allein in Brasilia während des Militärregimes über 20 Bauten, auch eine Militärschule ist darunter. Guedes übrigens kann an ihm nichts Kommunistisches entdecken, nennt ihn einen Stalinisten.
2001 wird Niemeyer gefragt, warum er zwar Villen baue, aber keine einfachen Wohnhäuser, keine Viertel für die Armen. „Weshalb verzichteten Sie darauf, für jene, deren Schicksal Ihnen am Herzen liegt, ein architektonisch ansprechendes Zuhause zu errichten?“ Der Pritzker-Preisträger mag mit seiner Antwort manchen perplex machen:“Weil sich unsere Brüder in den Slums wohler fühlen als in geplanten Siedlungen, die keinerlei Komfort bieten und oft noch öder sind.“Komisch, daß europäische, darunter deutsche Architekturexperten, gar Architekturfeuilletonisten und Fernsehteams, dem in Brasilien wegen seiner originellen, umfassenden Niemeyer-Kritik so hochgeschätzten Guedes nicht die Bude einrannten. Jetzt ist es zu spät. 2008 wird Guedes auf nie geklärte Weise getötet. Direkt vor seinem Büro rast ein Stadtjeeplenker auf ihn zu, überrollt ihn, prescht gemäß den Zeugenberichten davon, und wird nie gefaßt. „In der Menschheitsgeschichte gab es keinen anderen Architekten, für den der Staat soviel nationale und internationale Reklame organisierte wie für Niemeyer“, sagt mir Guedes, „denn Niemeyer machte ja auch kräftig Reklame für den Staat. Über Niemeyer wurde nur verbreitet, was dieser selber hören wollte.“ Besonders deutlich wird das im Propagandafilm “Oscar Niemeyer – das Leben ist ein Hauch”, der auch in den deutschen Kinos läuft. In Brasilien erntete der Film Verrisse, in Deutschland dagegen höchstes Lob.
« Lula-Regierung verwässert unter Druck der Militärs das Dekret über Vergangenheitsbewältigung. Neues Dekret ist “gravierendste Tat” der Lula-Regierung, betont “Folha de Sao Paulo. “Diktaturgegner den Folterern, Mördern gleichgestellt.” Peter Scholl-Latour, Günter Nooke. Ex-Guerrilheiro Alfredo Sirkis über Folter und “lokale Militärdiktatur” heute. Brasilia und 2. Weltkrieg. – Brasilien, Oscar-Niemeyer-Hotel, vielkritisiert, in der Weltkulturerbe-Barockstadt Ouro Preto. “Die Kurven-Idee hat er vom Barock, nicht von den Frauen.” Fotograf Rogerio Reis. »
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