http://www.youtube.com/watch?v=vEZHaibU5Hk
Pech für den, der zufällig im Bereich der Schlägereien war…
Auffällig, daß viele der „blocos“ des Rio-Karneval keinerlei oder kaum noch Samba spielen – stattdessen Pop, Rock, Rap, Tecno, Rio-Funk – wie auf Festen außerhalb des Karnevals. Brasiliens populäre Musikkultur entbrasilianisiert sich immer mehr in den letzten Jahren – selbst auf traditionellen Tanzbällen sind brasilianische Rhythmen immer weniger zu hören – stattdessen zumeist anglo-amerikanische Popmusik wie beispielsweise in Europa.
Brasilianerinnen über den Karneval in Rio de Janeiro 2012: „Der Karneval ist nicht mehr sexy, Sex spielt im Karneval von Rio immer weniger eine Rolle.“
„Feiern“ in Bahia: http://www.youtube.com/watch?v=ozLmoJxQflQ
http://www.youtube.com/watch?v=H1DOLRhFdq8&feature=endscreen&NR=1
http://www.youtube.com/watch?v=4siE7ptOO4Q
http://www.youtube.com/watch?v=9QUQvJnesQ4
http://www.youtube.com/watch?v=dORhtucK4O4&NR=1&feature=endscreen

Karnevalsparade kein Karneval: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/22/karneval-in-rio-2012-parade-im-sambodromo-ist-kein-karneval-urteilt-absolut-korrekt-janio-de-freitas-chefkommentator-und-karnevalsexperte-von-brasiliens-groster-qualitatszeitung-folha-de-sao-paul/
Laut nationalen Qualitätsmedien führten Schlägereien und Attacken zu den außerordentlich vielen Kopfverletzungen – die Präfektur von Salvador da Bahia hat daher fünf Chirurgenteams nur für derartige Operationen ständig im Einsatz. Wer den Straßenkarneval von Bahia kennt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit bereits öfters gesehen, wie große Bierflaschen auf Köpfen zerschlagen, Bierflaschen wahllos in die Menge geworfen werden. Zudem ist die Zahl der Morde weit höher als die offiziellen Daten.
„Konferenzpause in Kopenhagen“ – Angeli in Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“, Ausriß.
http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/27/ney-matogrosso-por-debaixo-dos-pano/
Hintergrund:
Theodor Fontane:
Das Trauerspiel von Afghanistan.
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
„Wer da!“ – „„Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.““
5
Afghanistan! er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Commandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.
Sie führen in’s steinerne Wachthaus ihn,

Copacabana, 2012.
Tags: Landlosen-Karneval, Landlosenbewegung MST, Unidos da lona preta
http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/11/karnevalisten-in-sao-paulo-2012-gesichter-brasiliens/
Wulff in Synagoge von Sao Paulo.
Bau des jüdischen Museums – deutsche Finanzhilfe 2013: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/14/brasilien-bau-des-judischen-museums-in-sao-paulo-deutsche-regierung-beteiligt-sich-mit-rund-300000-euro-prasident-des-museums-dr-sergio-simon-und-der-deutsche-generalkonsul-friedrich-dauble-unte/
Willy Brandt und sein Diktatur-Amtskollege José Magalhaes Pinto: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/19/brasiliens-folter-diktatur1964-1985-mit-wem-bundesausenminister-willy-brandt-damals-bilaterale-vertrage-unterzeichnet-das-massaker-an-stahlarbeitern-unter-gouverneur-jose-magalhaes-pinto/
Wie die brasilianische Militärdiktatur Frauen folterte: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/03/26/brasiliens-komplizierte-vergangenheitsbewaltigung-maria-amelia-de-almeida-teles-grauenhaft-gefolterte-regimegnerin-heute-mitglied-der-wahrheitskommission-des-teilstaats-sao-paulo-zur-aufklarung-der/

Ausriß: Folterdiktator Ernesto Geisel und sein für die Operation Condor(länderübergreifende Jagd auf Regimegegner) zuständiger Geheimdienstchef Joao Figueiredo.
Joachim Gauck 2013 in Brasilien: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/05/17/brasilien-historischer-besuch-des-deutschen-bundesprasidenten-joachim-gauck-im-tropenland-trotz-gravierender-menschenrechtslage-folter-todesschwadronen-gefangnis-horror-sklavenarbeit-etc-b/
Vorgänger Köhler 2007 in Sao Paulo.
ThyssenKrupp in Rio de Janeiro – Erfahrungen mit großen deutschen Entscheidern: http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/02/thyssenkrupp-in-rio-de-janeiro-stahlkonzern-gesteht-erst-jetzt-ein-was-selbst-laien-bereits-vor-baubeginn-wustenkatholische-kirche-brasiliens-kritisierte-das-stahlwert-katholische-kirche-deutsc/
http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html
Wulff und Menschenrechtspriester Julio Lancelotti.
Deutscher Bundespräsident Christian Wulff und die Obdachlosen Brasiliens: http://www.hart-brasilientexte.de/2011/05/05/erneut-obdachloser-sao-paulos-verbrannt-polizei-ermittelt-wegen-verbrechenshintergrund-deutscher-bundesprasident-wulff-besucht-obdachlosengemeinde-der-megacity/
Überreste des Mannes und des Müllkarrens, Zeitungsausriß.
Beim Karneval in Rio de Janeiro 2012 ließ sich vielerorts beobachten, daß von angeblich befriedeten Favelas, mit Einheiten der Befriedungspolizei(UPP) schwerlich die Rede sein kann. Im Hangslum Sao Carlos am Ausgehviertel Lapa kam es zu einer heftigen Schießerei zwischen Banditenkommandos und der Polizei – der Schußwechsel war sogar während der Karnevalsparade im Sambodromo zu hören. Daß die Polizei angesichts der Zehntausenden von Menschen ganz in der Nähe die Schießerei nicht zu verhindern wußte, Ungezählte von verirrten Kugeln hätten getroffen, getötet werden können, spricht Bände.
Vor dem Karneval waren nach Ermittlungen der Bundespolizei der die UPP von Sao Carlos führende Offizier der Militärpolizei sowie weitere Beamte festgenommen worden, weil sie mutmaßlich von den dortigen Banditenkommandos Bestechungsgelder angenommen hatten. Die gleiche Situation gilt dem Vernehmen nach auch für andere Slums – die Macht des organisierten Verbrechens über die Elends-und Armenviertel von Rio de Janeiro wurde also keineswegs gebrochen. Selbst während des Karnevals war es den Banditenkommandos des Complexo do Alemao möglich, Bailes Funk zu veranstalten, die dem Drogenhandel ebenso dienen wie der Kinderprostitution.Wie im Spielfilm „Tropa de Elite“ zu sehen, wimmelt es auf diesen Freiluft-Discos von Bewaffneten mit MGs und Mpis.
http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/27/ney-matogrosso-por-debaixo-dos-pano/
Der für das gesamte UPP-Programm zuständige Polizeioffizier wurde gar Opfer einer der seit langem in Rio de Janeiro üblichen Wegelagerer-Aktionen von Banditenkommandos, wobei mitten in der Stadt der Verkehr gestoppt und Autos sowie deren Insassen serienweise ausgeraubt werden, die Banditen mit den wertvollsten Wagen davonfahren. Der Wagen des UPP-Kommandanten wurde laut Lokalmedien nur 280 Meter von einer großen Polizeiwache gestoppt – die Banditen nahmen außer dem Fahrzeug, Geld und Handys auch die Waffen des Offiziers und seines Fahrers mit. In europäische Medien wurde wie üblich durchgeschaltet, die Polizei habe in Rio die Sicherheit und natürlich auch die Karnevalssicherheit im Griff – indessen galt just das Gegenteil, wie die vielen selbst von Medien dokumentierten Beispiele zeigen.
In Leserbriefen der Lokalpresse beschweren sich Bewohner über den Banditen-Terror in allen Favelas von Niteroi.
Junger Bandit mit Maschinengewehr auf Patrouille in Rio de Janeiro – Ende Dezember 2011. Die Besonderheiten der Spezialdemokratie Brasiliens. Ausriß.
Der Karneval von Rio de Janeiro, mit absurd überteuerten Preisen, war 2012 von sehr viel Gewalt geprägt – die Polizei der Stadt schien sich im Streik zu befinden, nie zuvor waren sowenige Beamte zum Schutz des Festes im Einsatz zu sehen. Entsprechend aggressiv waren die Aktionen der zahllosen, teils sogar mit Revolvern bewaffneten Straßenräuber, sogar in unmittelbarer Nähe von Polizisten – täglich wurde man zwangsläufig Zeuge von Überfällen, die nicht selten uninformierte Ausländer trafen. Rios Polizei hatte die Lage entgegen den Versprechen keineswegs im Griff – in den Leserbriefspalten der Zeitungen hagelte es entsprechende Kritik vieler Betroffener. Nicht ungewöhnlich, das Aufschnappen von Klappmessern kurz vorm Überfall etwa in den Straßen und Gassen von Santa Teresa zu sehen und zu hören. Im Straßenkarneval erschoß ein Mann eine Frau, die sich nicht küssen lassen wollte und konnte unerkannt fliehen. Offenbar gab es auch Blitz-Entführungen von Ausländern.In der Metro und auf Straßen kam es zu zahlreichen Schlägereien verfeindeter Gangs, das Ausmaß an Vandalismus, mutwilligen Zerstörungen war selbst gemäß Lokalmedien enorm.Laut Metro gab es 30 Prozent mehr Vandalismus-Fälle als beim Karneval 2011.Viele Karnevalisten vermieden, in die Metro einzusteigen, weil sie Attacken und Überfälle befürchteten.
Viele Bewohner Rio de Janeiros scheinen geborene Super-Verdränger zu sein – tun alle derartigen Vorfälle, Verbrechen als „casos isolados“, Einzelfälle ab.
Brasilien stürzt auf Pressefreiheit-Ranking 2013 weiter ab: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/01/30/brasilien-unter-lula-rousseff-auf-pressefreiheit-ranking-weiter-abgesturzt-nur-noch-platz-108-mali-platz-99-uganda-platz-104-guatemala-platz-95-nicht-zufallig-soviel-lob-aus-mitteleuropa-fur-bra/
Die Morde an zwei brasilianischen Journalisten im Februar 2012 sind nach in-und ausländischen Presse-und Menschenrechtsorganisationen nun auch von der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur verurteilt worden. In einer Note wurden intensive polizeiliche Ermittlungen gefordert,“um die Freiheit des Ausdrucks und der Presse zu schützen“. Journalisten müßten kontinuierlich informieren können, ohne um ihr Leben und die Sicherheit ihrer Familien fürchten zu müssen.
Brasiliens wichtigster Befreiungstheologe Frei Betto über die Präsenz hochbewaffneter Banditen in Slums von Sao Paulo:
„Ao percorrer a favela, por becos e vielas, avistei a barreira humana formada pelo pessoal do narcotráfico, que em plena tarde de uma sexta-feira exibia armas.“ (2012)http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/27/ney-matogrosso-por-debaixo-dos-pano/
Ausriß.
Mord an Fotograf: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/21/brasilianischer-fotograf-von-tv-globo-in-rio-de-janeiro-mit-mpi-salve-exekutiert/
2011, im ersten Amtsjahr von Präsidentin Dilma Rousseff, waren mindestens fünf brasilianische Journalisten liquidiert worden.Lut INSI liegt Brasilien unter den für Journalisten gefährlichsten Ländern auf Platz 8.
Ausriß.
Aus neoliberalen Ländern wie Deutschland kommt angesichts schwerster Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter, Todesschwadronen und Sklavenarbeit, viel Lob für die Situation in Brasilien.
Der Journalist Paulo Roberto Cardoso Rodrigues, 51, ist in der südwestbrasilianischen Stadt Ponta Porà von zwei Männern getötet worden, die mehr als zehn Schüsse auf ihn abfeuerten. Rodrigues gab eine Zeitung sowie den Internetdienst “Mercosul-News” heraus. Brasiliens nationale Zeitungsassoziation ANJ verurteilte den Mord ebenso wie im Falle des im Februar bei Rio de Janeiro liquidierten systemkritischen Journalisten Mario Randolpho Lopes.ANJ betonte in einer Note, 2011 sei die Zahl der exekutierten Journalisten alarmierend in die Höhe geschnellt. Straflosigkeit stimuliere zu solchen Verbrechen.
In der Liste der für Journalisten gefährlichsten Länder rangiert Brasilien auf Platz 14, in Lateinamerika auf Platz 3.
Auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat unterdessen in einer Note auf den Mord reagiert.
“Reporter ohne Grenzen” erklärte, die Gewalt gegen Journalisten bestätige das jüngste Ranking, auf dem Brasilien um 41 Plätze auf den 99. Rang abfiel.
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1624771/
Auf dem jüngsten Pressefreiheit-Ranking von “Reporter ohne Grenzen” war Brasilien vom 58. auf den 99. Platz zurückgestuft worden – die Einschränkungen, denen brasilianische Journalisten unterliegen, zeigten sich besonders deutlich beim neuesten Polizeistreik von Bahia.
Wie in vorangegangenen Mordfällen fehlen aus Mitteleuropa aus den bekannten Gründen entsprechende Reaktionen, ebenso wie im Falle von Folter und Todesschwadronen.
http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-
http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/
Tags:
http://en.rsf.org/brazil-online-journalist-killed-in-rio-de-10-02-2012,41840.html
Bundesaußenminister Westerwelle nach Brasilien: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/02/10/bundesausenminister-westerwelle-reist-nach-brasilien-weiht-am-1422012-in-sao-paulo-das-deutsche-zentrum-fur-wissenschaft-und-innovation-ein/
In Brasilien ist der systemkritische Journalist Mario Randolpho Lopes von drei bewaffneten Männern verschleppt und danach an einer Straße zusammen mit seiner Frau erschossen worden. Lopes führte das Online-Journal “Vassouras na Net” in Barra do Pirai, Hinterland des Teilstaats Rio de Janeiro. Vor vier Monaten hatte ein Unbekannter bereits ein Attentat auf Lopes verübt, ihn mit mehreren Kopfschüssen verwundet. Die Polizei nahm danach niemanden fest.
http://www.bpb.de/publikationen/JU16H0,0,Vom_Umgang_mit_der_Diktaturvergangenheit.html
Ausriß.
http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ewelten/1651902/
Granate gegen Sambaschule Portela:

Copacabana, 2012.
Os Morenos – Marrom Bombom: http://www.youtube.com/watch?v=XrbyAl4WGWA
Kommentator und Cineast Arnaldo Jabor 2012:“Karneval wird nicht mehr erlebt, sondern man schaut ihm zu.“
Der Karneval von Rio de Janeiro, mit absurd überteuerten Preisen, war 2012 von sehr viel Gewalt geprägt – die Polizei der Stadt schien sich im Streik zu befinden, nie zuvor waren sowenige Beamte zum Schutz des Festes im Einsatz zu sehen. Entsprechend aggressiv waren die Aktionen der zahllosen, teils sogar mit Revolvern bewaffneten Straßenräuber, sogar in unmittelbarer Nähe von Polizisten – täglich wurde man zwangsläufig Zeuge von Überfällen, die nicht selten uninformierte Ausländer trafen. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn genau hinter einem ein Straßenräuber die gerade mit Waffengewalt erbeutete Geldbörse eines Touristen inspiziert, das Geld herauszieht, die Börse dann wegwirft. Rios Polizei hatte die Lage entgegen den Versprechen keineswegs im Griff – in den Leserbriefspalten der Zeitungen hagelte es entsprechende Kritik vieler Betroffener. Nicht ungewöhnlich, das Aufschnappen von Klappmessern kurz vorm Überfall etwa in den Straßen und Gassen von Santa Teresa zu sehen und zu hören. Im Straßenkarneval erschoß ein Mann eine Frau, die sich nicht küssen lassen wollte und konnte unerkannt fliehen. Offenbar gab es auch Blitz-Entführungen von Ausländern.In der Metro und auf Straßen kam es zu zahlreichen Schlägereien verfeindeter Gangs, das Ausmaß an Vandalismus, mutwilligen Zerstörungen war selbst gemäß Lokalmedien enorm.Laut Metro gab es 30 Prozent mehr Vandalismus-Fälle als beim Karneval 2011.Viele Karnevalisten vermieden, in die Metro einzusteigen, weil sie Attacken und Überfälle befürchteten.
Viele Bewohner Rio de Janeiros scheinen geborene Super-Verdränger zu sein – tun alle derartigen Vorfälle, Verbrechen als “casos isolados”, Einzelfälle ab.
Karneval in Rio 2012: Parade im Sambodromo ist kein Karneval, urteilt absolut korrekt Janio de Freitas, Chefkommentator und Karnevalsexperte von Brasiliens größter Qualitätszeitung “Folha de Sao Paulo”. “Nao é Carnaval, simplesmente.” Der deutschsprachige Mainstream und die unausrottbaren Brasilienklischees.

Eine Carioca aus Zeiten, als der Karneval noch phantastisch war…
Über 80 Minuten immer dasselbe Lied:http://www.hart-brasilientexte.de/2011/02/24/karneval-in-rio-einfach-mal-im-selbstversuch-80-minuten-lang-immer-dasselbe-lied-singen-so-funktioniert-die-beruhmte-parade-der-sambaschulen-mit-dem-unentwegt-geschmetterten-samba-enredoanderung/
http://das-blaettchen.de/2008/02/karneval-in-leipzig-und-rio-6222.html
Karneval 2014:
Sänger und Komponist Zeca Pagodinho 2013 in Rio de Janeiro: “Der Karneval ist tot”. (”O carnaval morreu”.)
In Analysen der nationalen Qualitätszeitungen zum Karneval von 2013 in Rio de Janeiro hieß es, dort hätten sich enorme Menschenmassen versammelt, die indessen weder tanzten noch sangen. Als besonders eindrucksvoll wurde die Dekadenz des früher so zauberhaften Straßenumzugs des Karnevalsvereins „Cordao da Bola Preta beschrieben – jetzt nur noch eine gigantische Menschenmenge, mit Tumulten und Panik, entsetzten Erwachsenen und Kindern, Frauen in Ohnmacht. Das Leben verändere sich halt manchmal zum Schlechten hin, so ein Kommentator.
Der brasilianische Karneval ist inzwischen auch ein Opfer unverantwortlicher Bevölkerungsexplosion und daraus folgender Binnenmigration geworden. Karnevalsexperten betonten 2015 in Medieninterviews, daß der berühmte traditionelle brasilianische Karneval zu einer Zeit stattgefunden habe, als die Bevölkerungszahl weit geringer war, nicht einmal die Hälfte der heute über 200 Millionen Menschen erreicht hatte. Damals sei ein köstliches Austoben auf Straßen und Plätzen problemlos möglich geworden, heute werde dies durch übles Gedränge der Menschenmassen verhindert. Wer möglicherweise noch den famosen Karnevals-Bloco de Bola Preta Rio de Janeiros aus den 80er Jahren kennt, wird sich daran erinnern, daß sich die mehreren hundert Teilnehmer zumeist sogar persönlich kannten – und sich zum Abschluß des traumhaften, köstlichen Umzugs am Tiradentes-Platz stets auch persönlich voneinander verabschiedeten. Inzwischen strömen u.a. dank Bevölkerungsexplosion etwa zwei Millionen Menschen zu dem Umzug, der daher kaum noch Karnevaleskes an sich hat – Geschubse, Gedränge, ekliger Uringeruch dominieren. Vor allem wegen der Bevölkerungsexplosion des Nordostens sind Millionen von Brasilianer in zuvor überschaubare südliche Großstädte wie Rio und Sao Paulo migriert, haben dort größtenteils illegal ihre Behausungen errichtet, damit u.a. enormes urbanes Chaos sowie Umweltzerstörung verursacht. Durch die weiterhin große Vermehrungsrate in diesen provisorischen Vierteln bei fortdauerndem Zufluß von Migranten kippte das Sozialgefüge der betroffenen Städte völlig um, zumal entsprechende Gesetze, etwa gegen illegale Bebauung, außer Kraft gesetzt wurden.
Militärdiktatur, Folter, Karneval in Rio de Janeiro, Kulturpolitik: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/10/06/brasilien-populares-glucksspiel-wuchs-in-rio-de-janeiro-mit-hilfe-von-folterknechten-der-militardiktatur-laut-o-globo/
Janio de Freitas betont, daß die authentische, unverfälschte und legitime Bezeichnung „Carnaval carioca“ ihren Sinn verloren hat. Was im Sambodromo von den Sambaschulen gezeigt werde, könne man auch an jedem anderen beliebigen Tag des Jahres aufführen. „Von Schulen, wie man die Samba-Organisationen nennt, haben sie nichts an sich – vom Samba ebensowenig.“ Auffällig ist indessen, daß in den Fotogalerien, etwa von Google, fast nur Bilder von der offiziellen Parade enthalten sind.
Medienkundlich Interessierte können beobachten, wie der mitteleuropäische Mainstream die in Rio de Janeiro während des Karnevals gespielten Rhythmen gemäß Berichterstattungsvorschriften als Samba definiert, während in Brasilien selbst von vielen Experten klargestellt wird, daß es sich bei diesen Rhythmen nicht um Samba handelt. In vielen anderen Bereichen der brasilianischen Kultur wird vom Mainstream genauso bemerkenswert verfahren.
Schließlich handelt es sich in der Tat um eine Aufführung mit Musik, das Karnevaleske ist gestellt und nicht spontan wie früher, alles verlangt den Teilnehmern wegen des Wettbewerbsprinzips viel Konzentration ab, wie von Schauspielern auf der Bühne. Entsprechend gespannt wirken die Defilierer bereits vorm Start, nur zu oft total kaputt, fertig am Ende der Parade.Das Publikum macht nicht mit, sondern schaut, von Ausnahmen abgesehen, nur zu, konsumiert.
Früher indessen, so Freitas, war der Rio-Karneval eine außerordentliche Ansammlung bezaubernder Originalität, freier Kreativität, spontan, glückselig, im wahrsten Sinne des Wortes volkstümlich. Das Sambodromo von Oscar Niemeyer nennt Freitas einen schweren, häßlichen Betonklotz.

Zwei Männer im Karneval von Rio.
Karneval in Rio – sogar viele Brüste und Hintern sind nicht mehr echt.
Kommentator und Cineast Arnaldo Jabor 2012:“Karneval wird nicht mehr erlebt, sondern man schaut ihm zu.“
Auffällig, daß viele der „blocos“ des Rio-Karneval keinerlei oder kaum noch Samba spielen – stattdessen Pop, Rock, Rap, Tecno, Rio-Funk – wie auf Festen außerhalb des Karnevals. Brasiliens populäre Musikkultur entbrasilianisiert sich immer mehr in den letzten Jahren – selbst auf traditionellen Tanzbällen sind brasilianische Rhythmen immer weniger zu hören – stattdessen zumeist anglo-amerikanische Popmusik wie beispielsweise in Europa.
Brasilianerinnen über den Karneval in Rio de Janeiro 2012: „Der Karneval ist nicht mehr sexy, Sex spielt im Karneval von Rio immer weniger eine Rolle.“http://www.hart-brasilientexte.de/2010/10/15/tropa-de-elite-2-neuer-film-uber-menschenrechtspolitik-in-brasilien-unter-lula-steuert-zuschauerrekord-an/
Der Kommentator analysiert auch die Straßenumzüge, die sogenannten Blocos von Schubserei und Gedränge ohne Ende:“Diese blocos sind keine blocos von Rio de Janeiro.“ In der Form handele es sich um eine schlechte Adaptation des Karnevals von Recife, habe nichts mit dem authentischen Karneval von Rio zu tun. Jetzt komme zudem noch ein Karneval im Stile von Salvador da Bahia hinzu, eine Art von Freiluftkonzert – was ebenfalls dem Rio-Karneval fremd sei. Freitas betont zudem, daß es sich beim früheren Samba der Straßenumzüge und Paraden heute um einen grauenhaften unidentifizierbaren Rhythmus handele.
Außerhalb des Kommerz-Exhibitionismus von Parade und Shows passiert heute auf Rios-Straßen kaum noch Aufregendes, gar Frivoles – die allermeisten trinken ihr Bier und gehen dann brav nach Hause. Gerade Rio de Janeiros Karneval hat sich in den letzten Jahren, wie auch brasilianische Frauen konstatieren, auf ganz erstaunliche Weise enterotisiert, ist u.a. auf den früher so frivolen Bällen direkt asexuell geworden – das Klima von Flirt und Verführung ist nahezu verschwunden, eine soziokulturell anders gepolte junge Generation, die Sex und Erotik kaum noch viel abgewinnen kann, drückt auch dem Karneval zunehmend ihren Stempel auf. Nicht zufällig sprechen Studien von der starken Zunahme des „sexo casual“. In Abwandlung der Festellung von Arnaldo Jabor ließe sich überspitzt sagen, Sex wird nicht mehr erlebt, sondern man schaut ihm zu – in den in Brasilien massenhaft konsumierten Pornofilmen, an jeder Straßenecke spottbillig angeboten. Rios Karnevalsparade ist inzwischen alles andere als frivol-pikant, wie früher.
Auffällig zudem 2012 in Rio, wie stark der Anteil von Transvestiten, Gays im Straßenkarneval abgenommen hat – die früher geradezu berühmten Bälle wie „Gala Gay“ sind heute nicht mehr der Rede wert. Brasilianer mutmaßen, daß ein Großteil der brasilianischen Transvestiten nach Europa überwechselte.

Eine Carioca aus Zeiten, als der Karneval noch phantastisch war…
Vor dem Hintergrund der Analysen brasilianischer Karnevals-und Musikexperten war auch im Karneval von 2013 umso aufschlußreicher, welche Schwerpunkte die heutige mitteleuropäische Kultur-Auslandsberichterstattung setzte. Danach handelt es sich landesweit um einen Samba-Karneval, obwohl in großen Teilen Brasiliens davon keine Rede sein kann, Samba nicht oder kaum gespielt wird. Städte wie Rio de Janeiro sind diesen Medienangaben zufolge völlig vom Samba erfaßt gewesen – was schlichtweg nicht den Tatsachen entspricht. Schließlich ist gemäß zahlreichen Studien Fakt, daß sich nur noch eine Minderheit der Brasilianer, selbst in Rio de Janeiro, am Karneval beteiligt – die übergroße Mehrheit dem Fest fernbleibt bzw. sogar Karnevalsstädte wie Rio während der Karnevalstage verläßt. Von Feierstimmung konnte auch im Sambodromo von Rio de Janeiro keine Rede sein – die allermeisten Besucher schauten der Parade lediglich passiv zu. Die früher so beliebten traditionellen Karnevalssambas und Marchinhas sind vor allem der jüngeren Generation kaum noch bekannt, werden immer weniger gespielt und gesungen. Dafür hat auch 2013 die musikalisch viel simpler gestrickte, einfacher zu spielende, größtenteils monotone Axé-Musik aus Bahia weiter an Boden gewonnen, auch im Hinterland von Rio und Sao Paulo.
Von mitteleuropäischen Medien unbemerkt, verlief in ungezählten brasilianischen Städten 2013 der Karneval völlig anders als üblich: Wegen der Nachtclub-Katastrophe von Santa Maria, mit bisher 239 Todesopfern, wurden von den Präfekturen angesichts fehlender, gesetzlich vorgeschriebener Genehmigungen die geplanten Karnevalsaktivitäten abgesagt, darunter die vielen Karnevalsbälle. In vielen Städten verzichteten die Präfekturen sogar darauf, Straßen und Plätze zu schmücken.

Angesichts der Qualität von Beija-Flor ist der vierte Platz ein schlechter Witz – angemessen wäre der erste oder zweite Platz. Völlig unverständlich, wie Salgueiro u.a. mit im Vergleich zu Beija-Flor so auffällig schwachen Allegorienwagen, der für jedermann sichtbaren Defilier-Probleme, auf dem zweiten Platz landen konnte.
Tags: Landlosen-Karneval, Landlosenbewegung MST, Unidos da lona preta
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