„Seit über zwei Monaten dauern die Schülerstreiks in Chile an, werden diese von über 70 Prozent der Bevölkerung unterstützt. Es ist paradox, daß just das beste Bildungssystem Südamerikas eine Krise durchlebt, während Brasilien zufrieden scheint, obwohl es viel schlechtere Bildungsdaten aufweist. Je mehr Menschen in einer Gesellschaft Zugang zu Bildung haben, umso größer ist die Forderung nach Qualität. Insofern wurde Chile offenbar zum Opfer seines eigenen Erfolgs.“ (Folha de Sao Paulo)
Chile steht in der UNO-Statistik für menschliche Entwicklung auf Platz 45, Brasilien nur auf Platz 75. In der UNO-Statistik für Bildung wird es noch krasser. Chile Platz 48, Brasilien nur Platz 93.
“Von 100 Schülern, die in Sao Paulo die Mittelschule verlassen, können nur 5 Prozent richtig lesen und schreiben. Es ist eine Tragödie.” Gilberto Dimenstein, Journalist der Folha de Sao Paulo, Bildungsexperte, 2010
Warum in Brasilien nur so schwache Proteste? Qualitätszeitung „O Estado de Sao Paulo“:
“In Chile organisierten die Studentenorganisationen alle Proteste. In Brasilien, ganz im Gegenteil, funktionieren die Studentenorganisationen als verlängerter Arm der Arbeiterpartei von Lula. Finanziert durch die Regierung, beweihräuchern diese Studentenverbände ihre Herren und applaudieren sogar unserer Bildungs-Apartheid. Unser Studentenverband UNE zieht die Paläste den Straßen vor.“
Nicht zufällig bekommt daher die Rousseff-Regierung viel Lob aus Europa.
Ausriß, 28.August 2011.
http://www.hart-brasilientexte.de/2008/12/10/brasilianisierung/
Neues AKW bei Rio:
Doppelseitige Angra-3-Werbung, Nuklearteile aus Deutschland. Ausriß.
Scheiterhaufen und Kunst:
Hintergrund Favelas – Österreichs Südwind-Magazin:
http://www.suedwind-magazin.at/start.asp?ID=234729&rubrik=31&ausg=200304
http://www.riodepaz.org.br/home.html
http://www.youtube.com/watch?v=ZthNYozVwNM
Copacabana – Protest gegen Scheiterhaufenpraxis in Rio. Ausriß. In mitteleuropäischen Kommerz-Reiseführern sowie der gängigen Reisepropaganda ist von Scheiterhaufen nicht die Rede.
Bauarbeiterstreik im Fußballstadion Maracaná:
Laut nationalen Wirtschaftsmedien gelten die Angaben für Milchprodukte aller Art, auch Käse und Joghurt. In Uruguay liege der Pro-Kopf-Verbrauch um 74 Liter höher, in den USA um 82 Liter. Nötig sei eine höhere Produktion, eine bessere Qualität, ein attraktiverer Geschmack. In der Tat schmecken Brasiliens Supermarkt-Milchprodukte, verglichen mit den deutschen, häufig direkt grauenhaft, schlecht – sind jedoch sogar trotz des viel niedrigeren Einkommensniveaus zumeist deutlich teurer. Bei nur ganz wenigen Joghurt-Marken, darunter von Nestle, handelt es sich tatsächlich um Joghurt – und nicht um Milch-Abfallprodukte.

Wie die größte Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ kommentiert, endete jene Säuberungsaktion, die es in Wahrheit niemals gegeben habe. „Doch es blieb der Marketinggewinn für Präsidentin Dilma Rousseff. Internationale Publikationen werden heimgesucht von Interpretationen über die `feste`Haltung der Arbeiterpartei-Politikerin in ihrem Kampf gegen die Korruption und die schlechten Sitten.“ Drei Minister seien indessen wegen Medienenthüllungen entlassen worden – und nicht wegen Ermittlungen durch die Regierung selbst. Weitere schwer belastete Minister würden aber von Rousseff nicht mehr entlassen. Wer hätte sich im Januar vorstellen können, daß Antonio Palocci im Juni stürzen würde?
Auffällig ist, daß Staatschefin Dilma Rousseff stets den hoch belasteteten Ministern, angefangen mit Antonio Palocci, ihr vollstes Vertrauen bestätigte und lange zögerte, bis unter dem Druck der Enthüllungen und der öffentlichen Meinung nur noch die Entlassung übrigblieb.
Der Folha-Kommentar trägt den Titel „Image ist alles“.
Brasiliens vertiefte Wirtschaftskrise erschreckt die Welt nicht, weil Brasilien irrelevant geworden ist, analysieren nationale Qualitätsmedien 2016. Die Option für die Irrelevanz habe Brasilien in der Welt von heute noch unwichtiger gemacht. Brasilien nehme an den Welt-Debatten über aktuelle Herausforderungen nicht teil, sei von diesen Debatten ausgeschlossen. Brasiliens internationaler Einfluß sei stark gesunken – das Land modernisiere sich nicht, integriere seine Wirtschaft nicht in die Weltwirtschaft. Auffällig ist, daß in der mitteleuropäischen Lügenpresse jahrelang von einem angeblichen internationalen Bedeutungszuwachs Brasiliens gefaselt wurde.
Rousseff-Wirtschaftspolitik:
Was die Korruption unter Lula-Rousseff die brasilianischen Steuerzahler kostet:
Ausriß. Folha-Karikaturist Angeli.
Ausriß – Erenicegate.
Lula und Impeachment:
http://g1.globo.com/mundo/noticia/2011/09/trabalhadores-de-obras-do-maracana-fazem-nova-greve-1.html
http://www.youtube.com/watch?v=ZthNYozVwNM
Reisewarnungen westlicher Staaten, darunter USA und Deutschland vor der Fußball-WM 2014: http://www.hart-brasilientexte.de/2014/01/11/brasilien-reisewarnungen-vor-der-fusball-wm-2014-von-favela-besuchen-wird-dringend-abgeraten/
Menschenschlange vor Gesundheitsposten in Sao Paulo – Ausriß. Wie es heißt, stehen 6.30 Uhr frühs bereits fast 300 Leute in der Schlange, um einen Arzttermin im öffentlichen Gesundheitswesen der reichsten Stadt Lateinamerikas zu ergattern. Der Arztbesuch, ob beim Gynäkologen oder beim Kinderarzt, sei dann indessen erst nach mehr als einem Monat möglich. Wie unter Staatschef Lula, dessen Chefministerin des Zivilkabinetts just die jetzige Präsidentin Dilma Rousseff war, ist das öffentliche Gesundheitswesen der achtgrößten Wirtschaftsnation laut Experteneinschätzung weiter schlecht bis katastrophal, sterben laut Kirchenangaben sogar Kranke in den Warteschlangen der Hospitäler und Kliniken. In Rio de Janeiro droht eine weitere Epidemie des tödlichen Dengue-Fiebers. Derzeit diskutiert die Regierung über neue Steuern und Abgaben, um fehlende Gesundheits-Gelder zu beschaffen. Opposition und Unternehmerschaft betonen, daß Mittel auch wegen der überbordenden Staats-Korruption fehlen. Die Rousseff-Regierung steckt seit Monaten in einer tiefen Korruptionskrise.
Aus Europa erhält die Rousseff-Regierung indessen wegen ihrer Politik sehr viel Lob.
Ein neuer landesweiter Schüler-Leistungstest hatte u.a. ergeben, daß die Qualität der öffentlichen Schulen außerordentlich niedrig ist. So kamen in Nordostbrasilien nur 21 Prozent der Schüler durch die Schreibprüfung, hatte die Hälfte der Schüler Brasiliens nicht einmal das Minimum für diese Altersgruppe gelernt. In Analysen zu dieser Lula-Rousseff-Bildungspolitik hieß es, die ärmsten Kinder bekämen eine Schulbildung schlechtester Qualität und selbst bei den reicheren Kindern gebe es Grund zur Besorgnis.
Korruption unter Lula-Rousseff und die sozialen Kosten:
Laut nationalen Wirtschaftsmedien erfolgte die Leitzinssenkung vor dem Hintergrund der widersprüchlichen Signale aus der Wirtschaft. So stieg die Teuerungsrate in den letzten 12 Monaten um über sieben Prozent, wurde die von Finanzminister Mantega als realistisch erklärte Wachstumsprognose für 2011 von 5,5 Prozent inzwischen auf etwa 3,7 Prozent reduziert.
Lateinamerikas führender Industriellenverband FIESP von Sao Paulo nannte die Leitzinssenkung unzureichend – eine starke Senkung sei zugunsten von Wirtschaftswachstum notwendig. Auch regierungsunabhängige Gewerkschaften kritisierten die Reduzierung als zu zaghaft – die hohen Leitzinsen seien ungüngstig für Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen.
In der Auslandspropaganda war Brasilien ein Boomjahr vorausgesagt worden. Bis September ist davon noch nichts zu sehen.
Hintergrund:
FIESP-Fachdirektor José Roriz Coelho im Website-Interview.
Die Qualitätszeitung „O Estado de Sao Paulo“ hatte veröffentlicht, wie Jaqueline Roriz 2006 einen Geldpacken von 50000 Real entgegennahm, der laut Medien aus einem Korruptionsfundus stammte – die Oppositionspartei PSOL hatte daraufhin den Ausschluß aus dem Nationalkongreß beantragt. Mit der Rousseff-Regierungsmehrheit gelang dies indessen nicht, was laut Medienanalysen ein bezeichnendes Licht auf den Zustand des Nationalkongresses wirft, aber auch auf sogenannte „Linksparteien“ wie Lulas Arbeiterpartei. Vor der Abstimmung war bei wochenlangen öffentlichen Protesten in Brasilia der Rauswurf von Jaqueline Roriz gefordert worden.Mit dieser Parlamentsentscheidung wurde das Parlament von deren Abgeordneten vor öffentlicher Meinung und Wählern auf die Anklagebank gesetzt, lauteten Pressekommentare.Die Abstimmung zeige die Degradierung der Politik unter Rousseff. Entsprechend groß ist das Lob für die Rousseff-Regierung aus Europa.
Gegen die Politikerin Jaqueline Roriz laufen unterdessen noch fünf Justizprozesse. „O sorriso de Jaqueline“: Die Medien vermerkten, daß die Politikerin mit Zynismus, offener Freude auf das Abstimmungsresultat reagierte, sich feiern ließ. „Ou seja, a loura flagrada na farra do dinheiro publico do DF nao esta mais nem ai para olhares da reprovacao.“(Estadao)
„Präsidentin Dilma kapitulierte, unterwarf sich der Erpressung durch ihre Politiker-Basis. Ihre famose Säuberungsaktion beschränkte sich darauf, Dreck unter den Teppich zu kehren“, analysierte Kongreßsenator Jarbas Vasconcelos.
Trotz fortdauernder Medien-Enthüllungen über gravierende Korruptions im Regierungsapparat scheut sich Staatschefin Rousseff laut Politikanalysten vor weiteren Entlassungen von Ministern und anderen hohen Mitarbeitern. Die bisherigen Entlassungen waren durchweg durch Medienenthüllungen erzwungen worden – die nach Europa durchgeschaltete Auslandspropaganda stellte dies indessen kurioserweise als energischen, konsequenten Kampf Rousseffs gegen Korruption hin. Schließlich waren alle mehreren Dutzend Gefeuerten just von der Staatschefin für ihre Regierungsmannschaft ausgewählt worden – hatte die Auswahl aus Europa viel Lob erhalten. Brasiliens Wirtschaftselite übte scharfe Kritik an der Regierungskorruption unter Lula – das Wirtschaftsmagazin „Exame“ fragte, ob Rousseff angesichts der von ihr selbst geschaffenen Lage die eigene Regierung überlebe. „Unkontrollierter Raub“ sei zum Markenzeichen dieser Regierung geworden.
Ausriß – Rousseff mit Lieblingsminister Palocci – wegen Medienenthüllungen zwangsläufig gefeuert.
Brasiliens Außenminister Antonio Patriota hat in einem ganzseitigen Beitrag für die größte Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ deutliche Kritik am Vorgehen der NATO im Libyenkrieg geübt. Patriota schrieb, die internationale Ordnung werde durch freie Interpretationen der Mandate des Sicherheitsrates nicht gestärkt. „Und immer, wenn die Ordnung geschwächt wird, müssen die Schwächsten am meisten leiden.“
Patriota stellte sich ausdrücklich hinter eine in der „Folha de Sao Paulo“ veröffentlichte Analyse des früheren UNO-Sonderberichterstatters für Menschenrechte, Richard Falk. „Wie Professor Richard Falk von der Universität Princetown in einem Interview der Folha richtig hervorhob, existiert ein Bruch, eine Lücke zwischen dem, was der Sicherheitsrat erlaubte, und der Aktion der NATO.“
„Der Gebrauch militärischer Macht darf nur als letzte Möglichkeit erwogen werden.“
„Wir dürfen nicht das Risiko eingehen, in ein Stadium zurückzufallen, in dem die militärische Macht zum Schiedsrichter über Gerechtigkeit und Friedensförderung wird.“
Bischof Martinelli:
Parallelen zum Irakkrieg, die brasilianischen Medien:
„Gemäß Dokument, exekutierten die USA Iraker“ – O Globo über den Fall einer massakrierten irakischen Familie. Zitiert wird der UNO-Sonderberichterstatter Philip Alston, der in einem Brief an die US-Autoritäten betont habe, „alle Leichen hatten Kopfschüsse und gefesselte Hände.“ Gemäß den Informationen, so O Globo, drangen die Soldaten in das Haus ein, fesselten alle Bewohner und erschossen einen nach dem anderen. Im Irak seien noch 40000 US-Soldaten stationiert.