1990 starteten die sieben reichsten Industrieländer das sogenannte Pilotprojekt zum Schutz der tropischen Regenwälder Amazoniens - Deutschland ist Hauptfinanzier. Nach Brasilien flossen bisher mehrere hundert Millionen Euro. Doch just seit 1990 erreichte die jährliche Urwaldvernichtung mehrfach Rekordhöhen.
Zudem fielen interessante Relationen auf: Allein für Regierungspropaganda gab Brasilia stets weit mehr Gelder aus, als die G-7-Staaten für angeblichen Regenwaldschutz überwiesen. Brasilien ist schließlich inzwischen die zehntgrößte Wirtschaftsnation, verfügt de facto über ausreichende Mittel für einen exzellenten Umweltschutz auch in Amazonien.  Ein Greenpeace-Experte der Region bereits vor sieben Jahren: Das Pilotprojekt sei völlig falsch angelegt, die Komplexität Amazoniens werde gar nicht erfasst. Der politische Wille, in Amazonien wirklich die Situation verbessern zu helfen, fehle.
Bereits 2003 schreibt der renommierte Umweltjournalist Norbert Suchanek:
“Brasilien: Umweltschützer sauer auf Lula
- und Trittins brasilianische Wahrnehmungsstörung
Brasiliens Umweltschützer hatten sich mehr von ihrem neuem Staatspräsidenten Luiz Inacio Lula erhofft. Schließlich hatten sie ihn massiv in seinem Wahlkampf unterstützt. Nun fühlen sie sich allerdings eiskalt betrogen. Denn die Entwicklungspläne Lulas sind im Prinzip die gleichen, wie das, was die Regierungen vor ihm machten, vielleicht sogar noch etwas rücksichtsloser: Straßenbau und Großprojekte in Amazonien und damit zusammenhängende Abholzung des Regenwaldes, Riesenstaudämme, Erdgasausbeutung, Anbau von Gen-Soja und Uranverarbeitung. So zitiert die lateinamerikanische Nachrichtenagentur poonal (www.npla.de) den Vertreter der katholischen Umweltorganisation Pastoral de la Tierra (Hüter der Erde) Adilson Viera: Lula tue genau das Gegenteil von dem, was alle gedacht hatten.
Der vergangenen Oktober in Brasilien weilende, deutsche Bundesumweltminister Jürgen Trittin allerdings hat an Lulas “Umweltpolitik” offensichtlich nichts zu kritisieren. In einer Pressemitteilung aus seinem Hause vom 30. Oktober hatte Trittin nur lobende Worte für die brasilianische Regierung übrig und hob ihr positives Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien hervor. Dabei hatte erst kurz zuvor die renommierte Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) die “ungezügelte Abholzung der Amazonaswälder” in Brasilien angeprangert. Die Waldvernichtung im brasilianischen Amazonasgebiet schreite ungebremst voran. “Positive Meldungen über einen angeblichen Rückgang der Rodungen beruhten auf der schlechten Informationslage in Brasilien sowie auf bewussten Falschmeldungen”, sagte ZGF-Vorstandsmitglied Manfred Niekisch von der Universität Greifswald. Nach Schätzungen der Gesellschaft seien 2002 über 25.000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden, 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei spiele der Holzeinschlag keine große Rolle mehr für den Verkauf. Mit den Rodungen, so Niekisch, solle vielmehr Platz für Soja-Anbau und Rinderhaltung geschaffen werden. ”
Jenes  Pilotprojekt, mit Deutschland als Hauptfinanzier, also der totale Fehlschlag.
Brasiliens größte Qualitätszeitung 2008 zur aktuellen Umweltpolitik Brasilias:”Mit offizieller Förderung wird der Regenwald zu Weideland. Die subventionierte Viehzucht ist Motor der Abholzung in Amazonien und breitet sich dort geradezu explosionsartig aus. Dadurch wurde Brasilien zum größten Fleischexporteur der Erde.”
Wesentlich mehr Millionen, als Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt zum Regenwaldschutz versprach, wendet Brasilia indessen zum Bau eines neuen Atomkraftwerks bei Rio de Janeiro auf. Medien und Politiker feiern die Verlängerung des deutsch-brasilianischen Atomvertrags von 1975 und danken der Bundeskanzlerin, daß sie bei ihrem jüngsten Brasilienbesuch Garantien für den Bau des Atommeilers “Angra 3″ gegeben habe. Die Qualitätszeitung “Estado de Sao Paulo”: Deutschland sichert den Bau des Atomkraftwerks Angra 3 zu, Staatspräsident Lula und Angela Merkel unterzeichneten ein Abkommen, das die Lieferung aller notgwendigen Bauteile vorsieht.”
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