Gelegentlich werden in Lateinamerikas größter Demokratie die Streitkräfte pro forma zum „Kampf“ gegen das organisierte Verbrechen eingesetzt, agieren dabei jedoch seit jeher mehr als fragwürdig: Im Juni 2008 besetzen Armeeeinheiten den im Zentrum Rio de Janeiros gelegenen Slum „Morro da Providencia“ unweit der Präfektur, lassen indessen den dortigen hochbewaffneten Banditenkommandos freie Hand. Als sich die Einheiten von drei jungen Männern des Slums nicht genügend respektiert fühlen, werden diese in einem Armeelaster in den nahen, direkt am Sambodrome der Karnevalsparade gelegenen Hangslum „Morro da Mineira“ gebracht und dort jenem lokalen Banditenkommando übergeben, das in Todfeindschaft zu den Slum-Diktatoren, selbst den Bewohnern des „Morro da Providencia“ steht.
Bemerkenswert ist, wieviel Lob daher ein Gewalt-Gesellschaftsmodell diesen Zuschnitts von hochrangigen mitteleuropäischen Politikern, darunter aus Deutschland, seit Jahren erhält.
Die deutsch-brasilianischen Beziehungen sind politisch, wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich breit verankert. Sie basieren auf gemeinsamen Werten und übereinstimmenden Auffassungen zur globalen Ordnung. Brasilien ist das einzige Land in Lateinamerika, mit dem Deutschland durch eine „strategische Partnerschaft“ verbunden ist. (Auswärtiges Amt, Berlin)
Wem nützt die Banditendiktatur?
http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/15/wem-nutzen-banditendiktatur-und-immer-mehr-no-go-areas/
Laut Joao Ubaldo Ribeiro wiederholt sich vor den Oktoberwahlen das Schema früherer Wahlkämpfe – u.a. in Rio de Janeiro, dem zweitwichtigsten Wirtschaftszentrum Brasilien, dürfen Kandidaten nur mit spezieller Erlaubnis des organisierten Verbrechens die riesigen Slums betreten, um Politpropaganda zu betreiben. „In Wahrheit darf dort niemand ohne ausdrückliche Erlaubnis hinein. Der Präsident der Republik, beispielsweise, kann das indessen. Sofern er ein Sicherheitskontingent mobilisiert – ähnlich wie Bush im Irak, oder noch größer.“Â
Ribeiro erhielt 2008  den „Premio Camoes“, den wichtigsten Literatur-und Kulturpreis des portugiesischen Sprachraums, zugesprochen.
Lilian Gonzaga da Costa, 43, who works as a cleaner, had probably never been to the theatre to watch a play by Sophocles nor did she know who Antigone was. In spite of the two women being separated by 26 centuries what they have in common is loving devotion to their families, a sense of justice and wanting the right of the living to mourn their dead. Â
Â
Antigone decided to ignore the orders of the powerful Creon, king of Thebes, and buried her brother Polynices whose corpse the king had demanded should remain unburied, exposed to carrion birds and dogs, so that the horror of it would inhibit other pretenders to the throne.
Amnesty International: Brasilien womens lives shattered
http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/report/brazilian-women039s-lives-shattered-20080417
http://g1.globo.com/Noticias/Brasil/0,,MUL413452-5598,00.html
2007 Gast des Berliner Literaturfestivals
Der Irak und der Libanon sind täglich wegen der vielen unschuldigen Gewaltopfer in den Schlagzeilen – Brasilien nicht. Obwohl gemäß brasilianischen Erhebungen in dem Tropenland jährlich weit mehr Menschen umkommen als im Irakkrieg und die Folter alltäglich ist.
HipHop und Rap zum Draufschlagen – Schießereien, viele Tote
Der dokumentarische Berlinale-Gewinner „Tropa de Elite“ zeigt auch exemplarisch, was unter Staatschef Lula und Kulturminister Gilberto Gil in der größten Demokratie Lateinamerikas zu den Manifestationen  populärer Jugendkultur zählt. Auf einer vom organisierten Verbrechen veranstalteten Favela-Disko namens „Baile Funk“ pflügen Banditen mit hochgereckter Heeres-Mpi durch die Menge der Tanzenden – die Rap-und HipHop-Titel verherrlichen Gewalt, harte Drogen, die Banditenkommandos und Sexismus. Hauptdarsteller Wagner Moura, der Capitao Nascimento, erläutert, daß es sich um moderne Waffen handelt, die anderswo in Kriegen eingesetzt werden, hier jedoch zur Grundausstattung der Slum-Diktatoren gehören, enorme Durchschlagskraft besitzen.
Polit-Rapper MV Bill aus der „Tropa-de Elite“-Stadt Rio de Janeiro filmte ihren grausamen Alltag – Doku-Streifen mehrfach preisgekrönt
Lula zum Handeln aufgefordert
Brasilien bewegt den Bundespräsidenten: Während seines Besuchs zeigte sich Joachim Gauck beeindruckt von der Aufbruchstimmung im Land. Deutschland könne von dem Mut zu Veränderungen lernen. Regierungssender Deutsche Welle 2013
Zeitungsausriß NZZ.
„Bewaffnete Kinder waren zu Monatsanfang bei einer Banditenaktion im Slum Cavaleiro da Esperanca dabei, als fünfzig Bewohner, vor allem Frauen, zwecks Erniedrigung und Einschüchterung gezwungen wurden, völlig nackt durch den Slum zu marschieren.“(Hintergrundtext)
Der Unterschied zwischen der katholischen Kirche Brasiliens und den Staats-und Regierungskirchen Deutschlands ist sehr groß.
Die Rio-Äußerung 2010 von Bundesaußenminister Guido Westerwelle(FDP), die wegen der grauenhaften Menschenrechtslage in Brasilien besonders aufhorchen ließ:”Erneut lobte Westerwelle in seiner Rede Brasilien als wichtigen “strategischen Partner” Deutschlands. Die Interessen reichten weit über Wirtschaftsinteressen hinaus. “Wir wissen, dass wir im Geiste sehr eng verbunden sind.” (Tagesspiegel) Außenminister Westerwelle traf diese Bewertung vor dem Hintergrund sehr genauer Kenntnis der gravierenden, von Staat und Regierung/Staats-und Regierungsangestellten begangenen Menschenrechtsverletzungen in Brasilien. Dies läßt wichtige Rückschlüsse auf aktuelle Politikziele in Deutschland zu.

Ausriß, Rio de Janeiro.
Ein vor der Fußball-Weltmeisterschaft von TV Globo, Brasiliens größter Fernsehanstalt, erstmals ausgestrahlter Dokumentarfilm über die Kindersoldaten des organisierten Verbrechens hat viele Brasilianer tief erschüttert und nachdenklich gemacht. Erstmals wurde detailliert gezeigt, wer jene Kinder und Jugendlichen sind, die den Parallelstaat der Slums neofeudal beherrschen und die Slumbewohner terrorisieren. Der von dem populären Polit-Rapper MV Bill konzipierte Streifen klagt die Autoritäten des Landes an, vor diesem zweiten Brasilien die Augen zu verschließen, den Krieg, den Genozid in den Slums hinzunehmen. (Lesermail am Textschluß!) 2008 wurde er auf dem Filmfestival von Mailand als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Kein IS-Terror – Medienfoto von Geköpften aus Brasilien – strategischer Partner der Merkel-Gabriel-Regierung. Ausriß.
Kuba-Systemvergleich:
„Hätte jedes Land einen Präsidenten wie Lula, dann wäre unsere Welt ein besserer Ort. Er ist kein Politiker, er ist ein Staatsmann.“ Deutscher Leserbrief an die „Zeit“.

Ausriß, Rio-Lokalzeitung, Scheiterhaufen-Opfer, 7.11.2012. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/668242/

Ausriß. “Mit der SPD bin ich schon seit den Zeiten verbunden, als ich Gewerkschaftsführer war.” Hochrangige SPD-Politiker wie Willy Brandt und Helmut Schmidt pflegten enge Beziehungen zur nazistisch-antisemitisch orientierten brasilianischen Folterdiktatur.
”Hitler irrte zwar, hatte aber etwas, das ich an einem Manne bewundere – dieses Feuer, sich einzubringen, um etwas zu erreichen. Was ich bewundere, ist die Bereitschaft, die Kraft, die Hingabe.” Ist das Zitat von Lutz Bachmann, Björn Höcke oder von SPD-Idol Lula?
Hintergrund:
Massaker, Blutbäder, Todesschwadronen, lebendig verbrannte Obdachlose, von Mord bedrohte Ordensbrüder – könnt ihr Franziskaner in Deutschland, in den deutschen Kirchen überhaupt vermitteln, unter welchen Extrembedingungen Ihr in Sao Paulo Seelsorge leistet, Menschen in Not helft?
Johannes Bahlmann, Ordensoberer in Sao Paulo und Rio de Janeiro(inzwischen Bischof in Obidos), im Website-Interview: Ich nenne es „vergessener Krieg”, in dem wir hier leben – all die unglaublichen, absurden Geschehnisse unseres Alltags kann man vielen Deutschen nur schwer begreiflich machen. Diese komplexe Lage hier ist in Deutschland nur schwer zu vermitteln. Nur wer hier gewesen ist, die Dinge mit eigenen Augen gesehen hat, kann eigentlich nachvollziehen, in welche Realität wir Franziskaner eingebunden sind. Selbst in verschiedensten Kreisen Brasiliens geht es mir so: Vieles Furchtbare wird verdrängt, man blockt ab, will sich damit nicht auseinandersetzen, will es nicht wahrhaben. In den Medien wird viel über den Irakkrieg, Kriege in Afrika berichtet – und dabei oft vergessen, daß hier in Sao Paulo ebenso viele Menschen oder sogar noch mehr als in manchem fernen kriegerischen Konflikt getötet werden, auch wir hier im Grunde genommen wie in einem Krieg leben. Es gab sogar Massenmorde an Obdachlosen. Wir Franziskaner sind hier in friedensstiftender Mission, wollen hier Frieden schaffen.
Zeitungsfoto aus Rio, Ausriß: Ermordeter in Favela neben Ziege.
http://www.youtube.com/watch?v=XkvjkxERac4