„Warum hat der eine zu essen und der andere nicht? Was ist deine Ansicht? Stille den Hunger des Bettlers“ – Avenida Paulista in Sao Paulo. Immer wieder fährt an ihm der Wahlpropaganda-Lautsprecherwagen von Präsidentschaftskandidatin Dilma Rousseff vorbei.
(Brasilien hat Wirtschafts-und Finanzkrise gut überstanden, lauten europäische Bewertungen zu Hunger und Elend im Tropenland)
Laut Befreiungstheologe Frei Betto, Ex-Lula-Berater beim Anti-Hungerprogramm, liegt die Zahl der in extremer Armut, also in Hunger und Misere, lebenden Brasilianer, nicht wie offiziell angegeben, heute bei 16 Millionen, sondern ist doppelt so hoch. Nach derzeit geltendem mitteleuropäischen Werteverständnis hat damit die internationale Wirtschafts-und Finanzkrise, wie die Lula-Rousseff-Regierung verbreiten ließ, auf Brasilien nur geringe Auswirkungen gehabt.
Brasiliens investigative Journalisten wiesen indessen auf Rekordentlassungen, den Stopp vieler Industrieprojekte, auf Exportprobleme und Deindustrialisierung, geschönte offizielle Statistiken.
Zu den Details gehört, daß die Bande in Santo André(Teilstaat Sao Paulo) agierte, dessen damaliger Bürgermeister Celso Daniel 2002 zu den wichtigsten Wahlkampfmanagern Lulas zählte, im selben Jahr indessen gefoltert und erschossen wurde. Wie es in den Landesmedien hieß, gehen die Ermittler davon aus, daß Daniel ermordet wurde, weil er nicht akzeptierte, daß Bestechungsgelder verwickelte Arbeiterpartei-Funktionäre bereicherten anstatt komplett in die Parteikasse abgeführt zu werden.
Der katholische Menschenrechtsaktivist Chico Whitaker, Träger des Alternativen Nobelpreises, war Abgeordneter der Arbeiterpartei. Wegen der Korruptionsskandale trat er aus und wirft der Partei vor, Regierungsmacht vorrangig aus Bereicherungsgründen angestrebt zu haben. Im Website-Exklusivinterview sagte Whitaker: „Das Motto ist: jetzt sind wir dran, solange es geht. Wir verteilen unsere Leute auf möglichst viele Posten, um abzufassen. Dies habe ich oft in der Arbeiterpartei gehört. Grauenhaft, wenn man genau dasselbe will wie die Vorgänger!”
http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html
Erenicegate und Dilma Rousseff: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/10/11/erenicegate-kostete-dilma-rousseff-mehr-pflichtwahlerstimmen-als-religiose-themen-laut-umfragen/
2010 erhält der aus Österreich stammende Amazonas-Bischof Erwin Kräutler den Alternativen Nobelpreis. Kräutlers Kritik an den Zuständen in Brasilien ähnelt der von Chico Whitaker.
Mit der Zahl der Korruptionsskandale in Arbeiterpartei und Lula-Regierung sowie Amnesty-Kritik an gravierenden Menschenrechtsverletzungen nahm kurioserweise auch die Zahl europäischer Sympathiebekundungen für den Politikstil Brasilias deutlich zu.
Politisches Asyl in Frankreich: http://www.estadao.com.br/estadaodehoje/20080116/not_imp110106,0.php
In Rio de Janeiro hatten Dilma-Rousseff-Anhänger das Wahlkampfteam von Oppositionskandidat José Serra attackiert, Serra war dabei zweimal am Kopf getroffen worden.
„Lula muß sich bei Serra entschuldigen. Er nannte ihn Lügner ohne die Videos gesehen zu haben, die den Zwischenfall rekonstruierten. Hätte er sie gesehen, hätte er nicht gelogen…“(O Globo)
http://das-blaettchen.de/brasiliens-konfuse-praesidentschaftswahlen/
„Unsere Politik hat immer zwei Gesichter: Eines für außen, zivilisiert, die Rechte respektierend – und eines für innen, grausam. Für mich ist das Konsequenz des Sklavenhalterregimes, das unsere kollektive Mentalität tief prägte…Wir halten diese Doppelzüngigkeit des Charakters im gesamten politischen Leben aufrecht…Die Wahlen sind Theater…Heute haben die brasilianischen Oligarchen eine Struktur aufgebaut, die die Wahlen schlicht zu einem politischen Theater werden läßt…Lula bewies, daß er für die Oligarchie nicht gefährlich ist. Er ist das größte populistische Talent der politischen Geschichte Brasiliens, viel besser noch als Getulio Vargas…Der Aufstieg Lulas in unserem politischen Leben ist für unsere Oligarchen, wie den höchsten Jackpot zu gewinnen…Wir müssen systematisch im Ausland anklagen, daß die Mörder und Folterer des Militärregimes heute durch die Justiz gedeckt werden…Der Staat, unsere Autoritäten fürchten die Anklagen aus dem Ausland, weil unser Verstellen, Verheimlichen auf internationalem Parkett dann offenläge…In Brasilien haben die Bankiers und Großunternehmer klar mit dem Militärregime zusammengearbeitet… Ich widerspreche dem Begriff Redemokratisierung. Wir hatten bis heute nie Demokratie…“(zitiert aus neuem Interview der Zeitschrift „Caros Amigos“ 2010)
“Fast vierzehn Jahre lang hatte die Arbeiterpartei das Land regiert.” Deutschlandradio Kultur, 11.10.2016. Bei den Wahlen von 2014 zum Nationalkongreß errang die Arbeiterpartei 70(!) von insgesamt 513 Sitzen des Abgeordnetenhauses, im Senat 12 von insgesamt 81 Sitzen.
Die “Stärke” der Arbeiterpartei Lulas im Nationalkongreß seit 2003:
Ausriß Wikipedia Brasil.
Brasiliens wichtigster Befreiungstheologe Frei Betto, Lulas Ex-Regierungsberater 2016: „Jene Arbeiterpartei von Dilma Rousseff und Lula paktierte mit den Feinden der Arbeiter, der Armen, änderte die archaischen Gesellschaftsstrukturen nicht.“
Allein im Nationalkongreß von 2016agieren 32(!) zumeist auf Mauscheleien aller Art spezialisierte Parteien, die auch in den Teilstaaten häufig irrwitzigste, absurdeste Bündnisse eingehen.
Brasilianer, Brasilianerinnen, die Deutschlandradio-Beiträge zum Deutschlernen nutzen, lachen immer wieder laut auf über die seltsame Darstellung ihres Landes.
DIE ZEIT und der Tod des Mitherausgebers Helmut Schmidt/SPD 2015 – was alles in den Nachrufen fehlt:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/11/12/die-zeit-und-der-tod-des-mitherausgebers-helmut-schmidtspd-2015-was-alles-in-den-zeit-nachrufen-fehlt/
Tags: Brasilien, Sao Paulo, Sklavennachfahrin
Brasiliens heutiger Staatspräsident Luis Inacio Lula da Silva hatte bereits als Gewerkschaftsführer im Jahre 1979 klargestellt, wie er zu Hitler steht. In einem Interview sagte Lula damals: “Hitler irrte zwar, hatte aber etwas, das ich an einem Manne bewundere – dieses Feuer, sich einzubringen, um etwas zu erreichen. Was ich bewundere, ist die Bereitschaft, die Kraft, die Hingabe.”
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Ausriß. “Wir sind alle Lula”.
Vor wenigen Tagen wurde der in Brasilien noch immer sehr populäre Ex-Präsident Luiz Inácio „Lula“ da Silca wegen vermeintlicher passiver Korruption zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt – von einem dem großbürgerlichen Block willfährigen Richter
„Wir sind bestürzt über die Verurteilung des brasilianischen Ex-Präsidenten Lula wegen angeblicher Korruption. Die Anklage wirkt konstruiert und politisch motiviert, die mehr als dürftige Beweislage stützt sich auf Kronzeugenaussagen. Erneut scheint die Justiz für politische Zwecke instrumentalisiert zu werden. Lulas Partei, die Partei der Arbeiter (Partido dos Trabalhadores – PT), sieht darin einen Anschlag auf die Demokratie und die Verfassung. Bereits im letzten Jahr wurde Dilma Rousseff durch einen parlamentarischen Putsch ihres Amtes enthoben. Nun entsteht der Eindruck, dass Lula, der die Umfragen zu den nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2018 anführt, mit einem fadenscheinigen Urteil aus dem Verkehr gezogen werden soll. Mit der PT hoffen wir darauf, dass in den nächsten Instanzen die Gerechtigkeit zum Zuge kommt. Unsere Solidarität gehört der PT und Luiz Inácio Lula da Silva.“
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Comparato war zur Diktaturzeit in Sao Paulo vom deutschstämmigen Kardinal Evaristo Arns in die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden berufen worden, die im Widerstand gegen das Regime eine wichtige Rolle spielte.
http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html

Professor Fabio Konder Comparato auf Konferenz des Goethe-Instituts Sao Paulo in der Rechtsfakultät der Stadt. http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/20/goethe-institut-sao-paulo-seminar-mit-marianne-birthler-uber-vergangenheitsbewaltigung-in-brasilien/
Dilma Rousseff feiert Wahlsieg mit Ex-Chef der Folterdiktatorenpartei ARENA: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/11/02/dilma-rousseff-und-partner-jose-sarney-ex-chef-der-diktatorenpartei-arena-bei-der-siegesfeier-linke-politik-unter-lula-und-dilma-rousseff-in-brasilien/
http://www.hart-brasilientexte.de/2010/02/02/memorial-da-resistencia-in-sao-paulo-goethe-institut/
http://www1.folha.uol.com.br/poder/818096-michel-temer-tanto-faz.shtml
Dilma Rousseff – Unterstützer aller Couleur: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/10/19/dilma-rousseff-jose-serra-die-prominenten-unterstutzer-chico-buarque-und-leonardo-boff-mit-lulas-wunschkandidatin-grunen-politiker-gabeira-mit-serra/
Während Lula von den evangelikalen Sektenkirchen im Wahlkampf gemeinsam unterstützt wurde, sind die größten evangelikalen Religionsgemeinschaften Brasiliens derzeit in Bezug auf Dilma Rousseff gespalten. TV-Prediger Silas Malafaia, ein Führer der „Assembleia de Deus“, zu der auch die grüne Predigerin Marina Silva zählt, spart nicht mit Verbalattacken gegen Bischof Edir Macedo von der „Igreja Universal“, zu dessen Wirtschaftskonglomerat Brasiliens zweitgrößter TV-Sender „TV Record“ gehört. „Du hast Geld ins TV investiert, um Prostitution, Ehebruch, Homosexualität, Mord und Raub zu fördern. Dein TV ist moralischer Abfall“, sagte Malafaia in seinem TV-Programm. Edir Macedo lüge und sei von der Regierung gekauft worden, TV Record erhalte von Brasilia Millionensummen:“Du wurdest gekauft, damit du Dilma unterstützt.“ Die „Assembleia de Deus“ hatte zuvor neben Grünen-Präsidentschaftskandidatin Marina Silva auch Edir Macedos Neffen Marcelo Crivella unterstützt, der zum Kongreßsenator gewählt wurde. Macedo nannte unredlich, daß sich Malafaia vor der Stichwahl auf die Seite von José Serra stelle. TV Record sowie die landesweit ausstrahlenden Radiosender der „Igreja Universal“ machen konzentriert Wahlwerbung für Dilma Rousseff.
Auffällig, wieviel Sympathie den evangelikalen Sekten Brasiliens in mitteleuropäischen Ländern wie Deutschland entgegenschlägt, wie positiv viele Medien über diese Sekten berichten.
Malafaia:“Eu entendo porque voce defende Dilma. È porque voce defende aborto, essa nojeira.“
YouTube-Video mit Malafaia: http://www.youtube.com/watch?v=HgQNB7p3MK8&feature=youtu.be
Wer sich beispielsweise in Supermärkten Sao Paulos umsieht, macht erstaunliche Beobachtungen: Ausgelöffelte Joghurtbecher, ausgetrunkene Flaschen verschiedenster Art, leere Kleinverpackungen zuhauf, ob Seife oder Kosmetikartikel. Geklaut wird offenbar in solchem Tempo, daß die überall tätigen Mitarbeiter mit dem Wegräumen ausgeleerter Verpackungen nicht nachkommen. Überall hängen Überwachungskameras, jeder sieht sie – doch die Langfinger wissen offenbar, daß vor den Monitoren recht lustlose Leute sitzen, die kaum mal einen Blick auf den Bildschirm verschwenden. Paulistanos berichten, daß selbst in Supermärkten der City ganze Großfamilien auf Raubzug gehen, wobei jeder nur einen Gegenstand stiehlt. Zuhause werde dann alles auf dem Tisch ausgebreitet, gebe es von den Erwachsenen Lob und Kritik wegen nützlichen und weniger nützlichen Waren. Bendenklich sei, wenn Kinder verschiedener Altersgruppen bereits früh an systematisches Stehlen gewöhnt würden.