
Ausriß – Thalidomid-Opfer Claudia Maximino in Sao Paulo, Regisseurin des Dokumentarfilms.
Hintergrundtext von 2008:
Claudia Maximino, 44, hat weder Beine noch Füße und nur einen verkrüppelten Arm. Sie lebt in einer kleinen Parterrewohnung an der entsetzlich lauten Avenida Santa Catarina in Sao Paulos Stadtviertel Jabaquara und leitet die brasilianische Vereinigung der Thalidomidopfer. Als ich klingele, macht sie mir selbst die Haus-und Wohnungstür auf – rutscht, schwer beschreibbar, durch Schwung und Gewichtsverlagerung nach vorn, demonstriert vom ersten Moment unseres langen Gesprächs an außergewöhnliche Willenskraft, soziale und politische Courage, kennt die Zustände in ihrem Land genau, kritisiert scharf und treffend. Ein Foto des neuesten mißgebildeten Babies hat Claudia Maximino vor sich auf dem Schreibtisch: Das Kind hat keine Beine, nur verkrüppelte kurze Füße und wurde jetzt in Sao Paulo geboren.
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http://g1.globo.com/rio-de-janeiro/noticia/2012/12/morre-no-rio-o-arquiteto-oscar-niemeyer.html
Liste der Niemeyer-Projekte laut Niemeyer-Stiftung – besonders interessant die Fülle der Projekte während der Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985: http://www.niemeyer.org.br/projetos.pdf

Ausriß. Lula bei Schmidt in Hamburg.
“Ich glaube, ihr seid auf einem fabelhaft gutem Wege.” Schmidt zu Lula 2009…
Schmidt:”Ich kenne Oscar Niemeyer – und ich habe einen großen Respekt vor ihm…Ich war einer, der dafür gesorgt hat, daß er den japanischen kaiserlichen Kunstpreis für Architektur bekommen hat. So habe ich Oscar Niemeyer in Tokio kennengelernt.”(Extrem stark beschnittenes Gespräch Schmidt-Lula auf youtube)
Henry Kissinger spricht auf Trauerfeier für Helmut Schmidt in Hamburg:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/11/17/henry-kissinger-haelt-rede-auf-staatsakt-fuer-helmut-schmidtspd-am-23-11-2015-in-hamburg-kissinger-und-schmidt-viele-gemeinsame-wertvorstellungen/
DIE ZEIT und der Tod des Mitherausgebers Helmut Schmidt/SPD 2015 – was alles in den Nachrufen fehlt:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/11/12/die-zeit-und-der-tod-des-mitherausgebers-helmut-schmidtspd-2015-was-alles-in-den-zeit-nachrufen-fehlt/
Kuriose Mythenbildung um Schmidt und Lula:
Die Bewertung der Leistungen von Oscar Niemeyer hängt stark von eigenen Wertvorstellungen ab.

20 Ministerienblocks in Brasilia – alle(!)Ministerien haben diesen Einheitsstil. „Ich mag keine Wiederholungen.“(Niemeyer)
Goethe-Institut: http://www.goethe.de/kue/arc/nac/de10252890.htm
„Niemeyer machte aus Beton Schönes.“(Frankfurter Rundschau)
Neue Zürcher Zeitung – „Tropische Heiterkeit“: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/kunst_architektur/tropische-heiterkeit-1.17873534

Niemeyers „Memorial da America Latina“ (Sao Paulo)

Nationalkongreß.


Niemeyer-Hotel in Ouro Preto.

Kontrast zur Altstadt… (more…)

Ausriß.




http://www.iluobademin.com.br/

http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/20/brasilien-samba-strasenkapelle-in-sao-paulo/

Angeli, größte brasilianische Qualitätszeitung “Folha de Sao Paulo” Ende Oktober 2012 zur Gewaltkultur in Lateinamerikas größter Demokratie:”Ja, wir überfallen, vergewaltigen und morden. Das hat einen Superspaß gemacht.”
Politik und organisiertes Verbrechen: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/11/15/brasilien-eine-schwache-regierung-in-geheimem-einverstandnis-mit-dem-organisierten-verbrechen-okumenische-protestveranstaltung-zum-gedenken-an-die-rund-100-bisher-in-sao-paulo-bei-attentaten-d/

“Während die Regierenden untätig bleiben, mordet PCC weiter Polizeibeamte” – Spruchband. (PCC – Brasiliens führende, mächtigste Verbrecherorganisation)
“PCC tötet Polizeibeamte rasch – die Regierung nach und nach.”
“Terror-Rap statt Samba” http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/terror-rap-statt-samba/763272.html
Kulturelle Dekadenz und Gewaltförderung – der populäre Waffen-Rap, Hit in den Discos zur Fußball-WM in Südafrika: http://www.youtube.com/watch?v=ZthNYozVwNM
http://www.welt-sichten.org/artikel/221/der-hoelle-hinter-gittern
Hintergrund – Ferrez – Notizen von der Stadtkriegsfront:
2007 Gast des Berliner Literaturfestivals
Der Irak und der Libanon sind täglich wegen der vielen unschuldigen Gewaltopfer in den Schlagzeilen – Brasilien nicht. Obwohl gemäß brasilianischen Erhebungen in dem Tropenland jährlich weit mehr Menschen umkommen als im Irakkrieg und die Folter alltäglich ist.
Ferrez, mit bürgerlichem Namen Reginaldo Ferreira da Silva, wurde unfreiwillig zum Frontberichterstatter im brasilianischen Stadtkrieg, weil er als einziger Romanautor an der von extremer Gewalt geprägten Slumperipherie der Megacity Sao Paulo lebt. Ferrez, dessen Bücher bei einem angesehenen brasilianischen Verlag erscheinen, bereits ins Französische, Spanische und Italienische übersetzt wurden, erhält wegen seines literarischen und politischen Engagements Morddrohungen, ist in Lebensgefahr.In den Slums ist Bücherlesen Luxus, die meisten Bewohner sind zudem funktionelle Analphabeten. Ferrèz wurde deshalb auch zum Rapper, ist in den Ghettos dadurch bekannter als durch seine Bücher.
Vom Goetheinstitut Sao Paulos bis zum Slumviertel Capao Redondo sind es mit den entsetzlich lauten, überfüllten Vorstadtbussen etwa drei Stunden. Aber wer in Brasilien nicht Bus fährt, sagt ein bekannter Schriftsteller, weiß nichts vom wirklichen Leben. In Capao Redondo hausen eine Million Menschen, darunter Ferrèz. 2006 führt das größte brasilianische Verbrechersyndikat PCC, Erstes Kommando der Hauptstadt, eine nicht endende Serie von Terroranschlägen gegen den Staat, erschießt an der Peripherie täglich Polizisten, Gefängniswärter und deren Angehörige – Ferrèz liefert als einziger fundierte Berichte von der Front: In seinen Büchern, seiner Zeitschrift, seinem Blog analysiert er Gewalt und Gegengewalt, die Rachefeldzüge der Polizei. Weit über sechshundert Tote werden gezählt, die meisten in Capao Redondo.
–”Krieg in den Slums, Panik in den Nobelvierteln”
Wir reden am Kaffeestand, im Krach einer vollen Bäckerei miteinander, hier fühlt sich Ferrèz sicher. ”Für mich ist das hier schon immer wie im Krieg. Doch die Eliten haben es erst jetzt, in diesen Tagen, wegen der Attentatswelle gespürt. Da haben sie in ihren Nobelvierteln die Panik gekriegt, sich verbarrikadiert und versteckt. Nur – so leben wir doch schon jahrelang. Durch Morde habe ich über zwanzig meiner Freunde verloren, das ist normal hier. Man tötet wahllos, wegen Banalitäten. Als ich mal in Spanien war, redeten die Leute, die Medien drei Wochen von einer ertrunkenen Frau. Ich dachte anfangs, ertrinkt hier jeden Tag eine? Bis ich mitbekam, es ist immer die selbe. Dort schockt die Leute noch der Tod. Hier redet man nicht mal mehr von den Toten, weil es zu viele sind. Wenn ich auf der Straße gehe, den Falschen treffe, killt der mich. Und wenn ich mal mit einem Verkäufer diskutieren würde, wäre möglich, daß der den Revolver zieht und mich erschießt, obwohl du neben mir stehst. Kürzlich rede ich mit vier Bekannten auf der Straße. Als ich gerade weg bin, kommt ein Killerkommando, erschießt die vier. Wäre ich noch da gewesen, hätten sie mich mit erschossen. Dazu kann man doch nicht schweigen. Capao Redondo – das ist wie ein Extra-Land, es ist dieses Brasilien, das in Deutschland und anderswo gewöhnlich nicht wahrgenommen wird. Dort denkt man bei Brasilien meist nur an Exotismus, Mulattinnen, Tropenwälder. Das hier ist völlig anders.” Ferrèz erwähnt in seinen Büchern die in Brasilien übliche Lynchjustiz, die nur zu oft Unschuldige trifft. Und auch die in den Favelas übliche Abtreibung mittels Medikamenten. Frauen legen die toten Föten nicht selten gleich auf der Straße, auf dem Fußweg ab.
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Keineswegs unüblich ist, daß bestimmte Großunternehmen gleich eine ganze Boeing voller handverlesener Journalisten zu banalen Marketing-Anlässen in Länder wie Brasilien fliegen. Zu den Auswahlkriterien scheinen völlig fehlende Landeskenntnis und vor allem keinerlei Kenntnisse der Landessprache zu gehören – um gewünschte Beitragsinhalte zu erreichen.
Bereits in den siebziger Jahren war üblich, daß in bestimmten deutschen Großstädten bei der Einweihung eines neuen Schuhgeschäfts in wichtigen Einkaufsstraßen an die Journalisten zunächst die Einladung erging: Jeder kann sich vier paar Schuhe seiner Wahl gratis aussuchen – danach schreiten wir zur Pressekonferenz.
Bei größeren Firmen, größeren Marketing-Interessen fallen derlei Geschenke an Journalisten viel, viel üppiger aus. Wer sich an derartige ungeschriebene Gesetze des neoliberalen „freien“ Medienbusiness hält, kommt beruflich-materiell gewöhnlich gut voran. Wegen des wachsenden Propagandaanteils in journalistischen Produkten ist heute für den Medienkonsumenten am wichtigsten, anhand eines Kriterienkatalogs herauszufinden, welche Informationen fehlen, ausgelassen wurden. Gewöhnlich sind es die wichtigsten.
Zu den größten Medienkonsumenten-Irrtümern gehört die Annahme, jener Journalist, dessen Name unter dem Beitrag steht, habe den Text auch wirklich in dieser Form, mit diesem Inhalt verfaßt. Die Einflußnahme sogenannter Endredaktionen ist nicht selten geradezu barbarisch.

http://www.welt-sichten.org/artikel/221/der-hoelle-hinter-gittern
Wie es hieß, sind diese Verluste größer als der Haushalt der Stadt Sao Paulo. Zu den Kriterien zählen u.a. der stark erhöhte Kraftstoff-Verbrauch, der Verlust an Arbeitszeit sowie die gravierenden Gesundheitsschäden und deren Kosten wegen der Dauer-Giftluft in der Megacity. Eine ständig wachsende Zahl an PKW stehe einem sehr prekären öffentlichen Nahverkehr gegenüber. Die landesweit unter der Lula-Rousseff-Regierung betriebene Verkehrspolitik folgt den gleichen Maximen wie in Sao Paulo.
Offenkundige Absicht ist, den öffentlichen Nahverkehr so unattraktiv wie möglich zu machen, um den Kauf eines PKW als ideale Lösung erscheinen zu lassen, den Absatz der von der Regierung stark geförderten Autoindustrie zu erhöhen. PKW-Propaganda wird in Brasilien weit aggressiver und massiver betrieben als in Mitteleuropa.
Sao Paulos folgenreiche Luftvergiftung: http://www.hart-brasilientexte.de/2008/10/13/sao-paulos-folgenreiche-luftvergiftung-und-die-eliten-herzspezialist-dr-ubiratan-de-paula-santos-und-weltsozialforum-erfinder-oded-grajew-sexualitat-durch-luftvergiftung-betroffen/
Ausriß.
Brasilien, mit tiefverwurzelter Korruption, belegt auf dem neuen Welt-Korruptionsranking Platz 69, steht also weit besser da als Griechenland. Dies spricht Bände über die Macht neuer neoliberaler Werte in der Europäischen Gemeinschaft, die Beitrittskriterien, die Kriterien für die Überweisung von deutschen Steuergeldern an Länder welcher Werte-Struktur. Je höher also der Korruptionsgrad im Vergleich zu Deutschland, umso höher die Zuweisungen.

Die Erscheinungsebene täuscht: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/09/04/brasilien-rio-de-janeiro-2012-as-aparencias-enganem/