Ribeiro fragt in seiner Wochenkolumne, warum der blutige Krieg gegen die Drogenmafia weitergeführt wird:“Weil kein Interesse an einem Sieg und weniger noch an einem Ende besteht. Wer denkt, daß solch ein Interesse besteht, sind wir, die Doofen….der Drogenhändler bedankt sich für die Repression, weil sie ihm lukrative Geschäfte ermöglicht – die Repression und deren Instrumente bedanken sich beim Drogenhändler, weil er sie prosperieren läßt – und der Korrupte dankt beiden für den Geldsegen, der auf geheimen Konten landet.“
Gilberto Dimenstein, Folha de Sao Paulo: „Je größer die Repression, um so größer der Wert der Produkte – und daher die Attraktivität des Marktes – und logisch, umso größer die Bestechungsgelder. Jetzt kommt es nicht zum Ende des Drogenhandels, sondern zu dessen Perfektionierung, also weniger primitiv und gewalttätig.“
„Wo sind die Getöteten?“, fragt Brasiliens größte Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ :“Bei den Operationen in Vila Cruzeiro und Complexo do Alemao gab es 37 Tote – man weiß nicht, wie es zu den Tötungen kam und auch nicht, wer Bandit oder Unschuldiger war.“
Zu den kuriosen Fakten des Polizei-und Militäreinsatzes von Rio de Janeiro zählt nach Darstellung der Landesmedien, daß die mit Guerrilhataktik operierenden Banditenkommandos des Complexo do Alemao ausreichend Zeit hatten, sich in andere der über 1000 Slums von Rio zurückzuziehen. Dadurch, so hieß es, sei es nicht zu der erwarteten End-Schlacht gegen die konzentrierten Kräfte des organisierten Verbrechens gekommen. In Medien der Ersten Welt hieß es dagegen, es sei der Complexo do Alemao gestürmt worden, in dem sich bis zu 600 Drogengangster aufhielten. Kurios war auch das unablässige heftige Feuern der Spezialeinheiten auf nicht vorhandene Feinde im Gassengewirr der Slumregion – was vor allem von den in-und ausländischen TV-Teams fleißig abgefilmt wurde.
Die Zeitung nennt u.a. den Fall einer Schülerin, die einen tödlichen Schuß in den Rücken erhielt, als sie zuhause vor dem Computer saß und für die Schule lernte. Zudem seien eine Hausfrau, ein alter Mann und ein weiterer Unbewaffneter getötet worden.
Gewalttätigste Region Brasiliens sei nicht etwa der Südosten mit Rio de Janeiro, sondern der Nordosten – zu Gewalt-Explosionen um das Drogengeschäft komme es in den Slums von Salvador da Bahia, Maceio und Belem, hieß es weiter in den Landesmedien.

Nordöstliche Provinzhauptstadt Sao Luis – auffällig gewaltgeprägt.
„Fast ein Afghanistan-Krieg ist die Arbeit, die noch zu tun ist.“ Schriftstellerin Lya Luft, in Veja-Kolumne.
Kuba-Systemvergleich:
http://www.youtube.com/watch?v=vovjLaEHUM4&feature=player_embedded
http://www.radiobremen.de/funkhauseuropa/aktuell/piano100.html
http://www.hart-brasilientexte.de/2010/11/11/die-schlingensief-fotoserie3/
http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/20/paulo-lins-gesichter-brasiliens/
Der offiziell ein weiteres Mal verkündete Kampf von Polizei und Militär gegen die Drogenmafia und ihre Banditenkommandos hat auch in Sao Paulo, Brasiliens wichtigstem Drogenumschlagplatz, zu keinerlei sichtbaren Auswirkungen geführt. Selbst in der City der wichtgsten lateinamerikanischen Wirtschaftsmetropole geht der Crack-Handel unter den Augen der Polizei wie bisher offen weiter, sammeln sich Crack-Süchtige in Horden bis zu mehreren hundert Personen für Kauf und Konsum selbst in unmittelbarer Nähe von Polizeiwachen. Von Crack gezeichnete Kinder und Jugendliche, häufig völlig verdreckt und abgemagert, liegen auf Gehsteigen und Plätzen.
Laut neuen brasilianischen Studien haben 7 Prozent der Crack-Konsumenten Aids – eine Rate zehnmal höher als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung
http://extra.globo.com/geral/casodepolicia/#346796
„EXTRA descobre que menino tratado com heroi ao desafiar traficante foi forcado a inventar a historia.“
„Ganz Brasilien glaubte, daß der Junge von Drogengangstern angeschossen wurde, weil er sich weigerte, Autos anzuzünden. Es war eine Lüge. Und schlimmer noch: Eine Lüge mit offiziellem Stempel.“
Landesweit und international per TV und Presse verbreitete Version: „Um menino de 12 anos foi baleado em uma das pernas na Favela do Jacarezinho na madrugada deste sábado (27). Segundo soldados do 3º BPM (Méier), o garoto disse que foi alvejado por traficantes ao se recusar a pegar material inflamável para jogar em veículos na cidade.“
Leserzuschrift: „Esse menino deveria se tornar o símbolo da reação do Rio de Janeiro, tanto quanto aquele menino chinês que entrou na frente dos tanques nos anos 80. É a prova de que as coisas estão mudando nesta cidade.“
http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/20/paulo-lins-gesichter-brasiliens/
Die Zeitung EXTRA zitiert den zehnjährigen Jungen:“Die Polizisten drohten damit, meine Eltern zu töten, falls ich nicht aussage, was sie wollten.“
Titelseite der Zeitung „Extra“ in Rio de Janeiro.
Wie die Landesmedien hervorheben, agierte Lula gegenüber Auslandskorrespondenten völlig anders als gegenüber der nationalen Presse, die er konstant und viele Male sogar wütend kritisiert habe, ihr vorwerfe, ihn zu verfolgen oder nicht die guten Seiten seiner Regierung zu zeigen. Die Auslandspresse, so Lula, halte sich an die Fakten. Die günstige Berichterstattung der internationalen Presse sei verantwortlich für das gute Image, das das Land derzeit im Ausland genieße. Auffällig in den letzten Jahren: Je schärfer die Kritik von innen, um so lauter das Lob von außen.
Brasiliens Medien hatten u.a. zahlreiche gravierende Fälle von Korruption und Machtmißbrauch in der Regierung aufgedeckt, was Lula häufig stark verärgerte. Wegen der Enthüllungen blieb Lula unter dem Druck der öffentlichen Meinung nichts weiter übrig, als zahlreiche enge Freunde und Vertraute aus hohen Staatsämtern zu entfernen. Im Ausland hat Lula, verglichen mit dem investigativen Vorgehen brasilianischer Journalisten, eine sehr gute Presse.
Brasilien bewegt den Bundespräsidenten: Während seines Besuchs zeigte sich Joachim Gauck beeindruckt von der Aufbruchstimmung im Land. Deutschland könne von dem Mut zu Veränderungen lernen. Regierungssender Deutsche Welle 2013
“Moderne Scheiterhaufen aus Autoreifen”:
“Krise – was denn für eine Krise?” – Kloake-Slum in Sao Paulo.
2013:
„Krieg gegen die ausgeschlossenen Kinder Brasiliens, nicht wahrgenommen, nicht geliebt und ohne Zukunft?“
GUERRA NO RIO: CONTRA QUEM?
Guerra no Rio contra a ditadura do narcotráfico? Guerra contra os jovens e adolescentes que a sociedade e os governos esqueceram há muitos anos? Guerra contra os filhos do Brasil excluídos,não vistos e não amados e sem futuro? Quem gerou o narcotráfico e os narcotraficantes?
Quem de verdade fatura com bilhões gerados pelo trafico?
Padre Renato Chiera.
Die Anzeige wurde vom Innenministerium des Teilstaats Rio de Janeiro gestellt – seit Juni 2010 verschmutze das Stahlwerk von ThyssenKrupp die Luft in gesundheitsschädlicher Weise, betroffen sei hauptsächlich die angrenzende Gemeinde in Santa Cruz, hieß es weiter. ThyssenKrupp habe die Anschuldigungen zurückgewiesen.
http://www.jcom.com.br/noticia/128864/MP_do_Rio_denuncia_ThyssenKrupp_por_crimes_ambientais

Wie es 2011 weitergeht: http://www.hart-brasilientexte.de/2011/01/07/thyssenkrupp-in-rio-europaische-medien-nehmen-das-neue-problem-stahlwerk-starker-zur-kenntnis-vorhergesagte-pannen-ohne-ende-geldbusen-klagen/
Zeitungsausriß
Das Forschungsinstitut IPEA gab für den Nordosten 85,8 Prozent, für den Norden und Südosten 78,4, 75 für den Mittelwesten und 69,9 Prozent für den Süden an.
Ermordete in Rio, Zeitungsfoto.
Laut Landesmedien ist die Betreuung von Aidspatienten schlecht bis sehr mangelhaft – während die Auslandspropaganda das Gegenteil behauptet. Es gebe viel zu wenige Ärzte, Behandlungsstellen seien überfüllt, Patienten bekämen nur zu oft keinen Arzttermin, würden vielerorts abgelehnt, staatliche Versprechungen von 2009 würden nicht eingehalten, hieß es von Aids-NGO.