Brasiliens Amazonasbischof Erwin Kräutler sowie der Leiter der nationalen Gefangenenseelsorge, Günther Zgubic, die beide aus Österreich stammen, haben sich tief enttäuscht geäußert, daß Bundeskanzler Alfred Gusenbauer während seiner Brasilienvisite keinerlei öffentliche Stellungnahme zur alltäglichen Folter, willkürlichen Gefangennahmen sowie zu Terror und Gewalt gegen Umwelt-und Menschenrechtsaktivisten abgegeben hat. Kräutler sagte, von Gusenbauer hätte man zumindest eine kurze Stellungnahme erwartet. Wenn Österreichs Bundeskanzler in Brasilia ist, so Kräutler, wäre es interessant gewesen, wenn er öffentlich Position bezogen hätte. Enttäuschend und mysteriös, Â das dies indessen nicht geschehen sei. Der seit Jahren mit Mord bedrohte Bischof Kräutler stellte sich hinter die Aussagen von Gefangenenpriester Zgubic, der vor dem Eintreffen Gusenbauers die hohen Erwartungen der brasilianischen Menschenrechtsbewegung an den Besuch eines europäischen Spitzenpolitikers bekräftigt hatte.
Hilfswerke gegen Biosprit
Entwicklungspolitische Hilfswerke haben das deutsch-brasilianische Energie-Abkommen kritisiert, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute auf ihrer Lateinamerika-Reise unterzeichnen will. Verbände wie das evangelische „Brot für die Welt“ und Oxfam warnten in einer gemeinsamen Erklärung vor allem von der „Gefahr steigender Einfuhren von Agrosprit“.
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Kritiker halten den in Brasilien massiv betriebenen Anbau von Zuckerrohr zur Gewinnung des Benzinersatzes Ethanol für bedenklich, weil er Nahrungsmittelproduktion verdränge und letztlich zu Rodungen des Regenwaldes führe.
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Die Produktion von Biosprit gehe nach verschiedenen Untersuchungen mit schweren Menschenrechtsverletzungen einher, treibe die Lebensmittelpreise in die Höhe und zerstöre die Wälder, heißt es in der Erklärung der Hilfsorganisationen.
Der überraschende Rücktritt von Brasiliens Umweltministerin Marina Silva ist von der katholischen Kirche des Landes als Sieg der Holzunternehmen, Großgrundbesitzer und anderen umweltfeindlichen Wirtschaftssektoren gewertet worden. Die bischöfliche Bodenpastoral(CPT) erklärte, Marina Silva  habe all jenen politisch einflußreichen Personen im Wege gestanden, die sich weder um die Regenwälder noch die dort lebenden Menschen sorgten. Die Regierung von Staatschef Luis Inacio Lula da Silva habe in jüngster Zeit zahlreiche Wirtschaftsprojekte verkündet, die von der Umweltministerin abgelehnt worden seien.
WWF und Greenpeace Brasilien: Rücktritt weist auf Mißachtung des Umweltschutzes durch Lula-Regierung
Die zu einer Wunderheiler-Sektenkirche zählende brasilianische Umweltministerin Marina Silva hat Staatschef Lula kurz vor dem Eintreffen der deutschen Bundeskanzlerin schriftlich um die Entlassung ersucht. Sie begründete dies u.a. mit  wachsenden Widerständen in wichtigen Sektoren der Regierung und der Gesellschaft gegen die Umweltvorhaben. Marina Silva ist Mitglied der Arbeiterpartei von Staatschef Lula und Umweltministerin seit Januar 2003. Sie zählt damit zu den politisch Hauptverantwortlichen für die seitdem gestartete beispiellose Umwelt-und Naturvernichtung in dem Tropenland. Noch kurz vor ihrem Rücktritt hatte Marina Silva die Produktion von Ethanol-Kraftstoff aus Zuckerrohr öffentlich verteidigt und im Gegensatz zu zahlreichen Umwelt-und Menschenrechtsexperten die offizielle Sprachregelung wiederholt, daß die Ethanolerzeugung nicht auf Kosten der Nahrungsproduktion gehe.
Die brasilianische Qualitätszeitung „O Globo“ in Rio de Janeiro berichtet am Tage des Eintreffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel über fortdauernde Sklavenarbeit in der größten Demokratie Lateinamerikas:“ Es ist triste, aber die Wahrheit: Sklavenarbeit existiert weiterhin im Land. Und beschränkt sich nicht nur auf Erwachsene. Kinder und Jugendliche sind ebenfalls die Opfer.“
Wie „O Globo“ weiter berichtet, sind laut Statistik 49,5 Prozent der rund 189 Millionen Brasilianer Dunkelhäutige – ihr Anteil unter den Mitgliedern des Parlaments in Brasilia beträgt indessen nur 8 Prozent. In Ländern wie Deutschland hat die 2003 gestartete Lula-Regierung wegen ihrer Menschenrechtspolitik sehr viele Freunde.
http://www.focus.de/politik/ausland/brasilien-auf-der-seite-der-maechtigen_aid_159132.html
“Fantastischer Realismus”:
http://archiv.woxx.lu/0700-0799/710-719/719/719p5.pdf
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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/784069/
Frei Betto: Anti-Hunger-Programm ist Stimmenbeschaffer für Lula-Regierung
Bannerenthüllung und Großpuppenaktion in Bonn gegen Regierungspakt zur Regenwaldvernichtung und Verschärfung der Nahrungsmittelkrise
Bonn/Berlin, 12. Mai 2008 Einen Tag vor der geplanten Unterzeichnung des deutsch-brasilianischen Energieabkommens während der Brasilienreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel protestieren AktivistInnen des INKOTA-netzwerks und des Aktionsbündnis „Gerechter Welthandel” und von Rettet den Regenwald” vor dem Bundesumweltministerium in Bonn gegen die angestrebte Intensivierung der Agrospritimporte aus Brasilien nach Deutschland. Entgegen der Aussagen der brasilianischen Regierung entspricht die dortige Ethanol-Produktion weder sozialen Mindeststandards, noch ist sie ökologisch nachhaltig.
http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200051&_t=ft&_b=1428892
“Wir wollen mehr Demokratie wagen”: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/22/mehr-demokratie-wagen-willy-brandt-1969-jahr-in-dem-er-in-bonn-vertrage-mit-der-brasilianischen-folterdiktatur-unterzeichnete/
Lula war Informant der Diktatur-Geheimpolizei Dops, laut neuem Buch: http://www.hart-brasilientexte.de/2014/02/12/brasilien-die-folterdiktatur-lula-und-die-arbeiterpartei-pt-rufmord-ein-kapitalverbrechen-buch557-seiten-mit-schweren-vorwurfen-gegen-lula-macht-schlagzeilen/
Hintergrund:
Brasiliens Atomkraftpläne:
Neue AKW, Uranexport, Ausbildung
von Nuklearfachleuten
Entgegen den Regierungsversprechen dauern laut bischöflicher Gefangenenseelsorge die unmenschlichen Zustände in den total überfüllten Haftanstalten Brasiliens an. Ein beträchtlicher Teil der Insassen werde wegen Bagatelldelikten willkürlich festgehalten, erklärte Priester Günther Zgubic, der die nationale Gefangenenseelsorge leitet. Häufig würden Gefangene gesetzwidrig erst nach Jahren dem Untersuchungsrichter vorgeführt. In nahezu rechtsfreien Regionen wie Amazonien müßten zudem Gefangene bis zu zehn Jahre auf ihren Prozeß warten, der durchaus deren Unschuld beweisen könne.