Aids-Patienten, die im HIV-Projekt des Franziskanerordens von Sao Paulo betreut werden, haben gegenüber dieser Website betont, daß aus ihrer Kenntnis sehr viele HIV-Infizierte den Virus ganz bewußt auf andere übertragen. Es existierten dafür verschiedene grausame Denkmuster, eine regelrechte Rache-Mentalität. “Ich kenne jemanden, der vor dem Geschlechtsverkehr das Kondom anritzt, durchlässig macht, um Sexpartner anzustecken. Der wird nicht damit aufhören, bis er möglichst viele infiziert hat. Der ist einfach grausam, der will sich rächen. Die Mehrheit will sich rächen, weißt du?”
Die Leiterin des Franziskaner-Projektes zur Betreuung von HIV-Infizierten sowie zur Aids-Prävention, Adriana Baldo, hat im Website-Interview bekräftigt, daß die Aids-Epidemie in Brasilien längst nicht unter Kontrolle ist. “Bis dies erreicht ist, muß noch sehr viel getan werden - zuallererst vom Staat. Projekte wie das der Franziskaner stehen in Sao Paulo noch recht isoliert da.”
 
Sao Paulos Franziskanerpriester Johannes Bahlmann als Seelsorger bei  einem Obdachlosen.
Paar aus Müll-Recycling-Projekt
In europäischen Medien wird seit Jahren das staatliche brasilianische Aids-Programm als vorbildlich hingestellt und zudem behauptet, die Gratis-Versorgung Aids-Infizierter mit dem Medikamenten-Cocktail sei garantiert. Wie der für die Sozialprojekte der Franziskaner Sao Paulos verantwortliche Frei José Francisco dos Santos gegenüber dieser Website erklärte, trifft dies nur teilweise zu, sterben deshalb Aids-Patienten, die den Medikamenten-Cocktail unbedingt ganz regelmäßig einnehmen müssen.
Der Franziskaner Valnei Brunetto, Exekutivdirektor des Bildungsprojekts EDUCAFRO, mit Kandidat Geraldo Alckmin(PSDB), vor wenigen Jahren als Präsidentschaftskandidat in der Stichwahl mit Lula. Alckmin muß über seine Politik gegenüber den Dunkelhäutigen Rede und Antwort stehen - unterzeichnet eine Absichtserklärung von EDUCAFRO. Die Megacity  Sao Paulo ist Brasiliens Stadt mit der größten Schwarzenbevölkerung.
Als die aussichtsreichste Bürgermeisterkandidatin Marta Suplicy von Lulas Arbeiterpartei (PT) erwartet wird, ist der Klostersaal der Franziskaner besonders voll, sind viele Schwarze extra zwei, drei Stunden von der Slum-Peripherie mit dem Bus hierhergefahren, um etwas über die künftige Politik gegenüber den Dunkelhäutigen zu hören. Empörung, Frustration im Publikum, als Frei Valnei Brunetto mitteilen muß, daß Marta Suplicy in letzter Minute abgesagt hat. “Ein Fehler der Wahlkampfstrategie, ausgerechnet die Schwarzen so abzufertigen”, erklärt ein Schwarzen-Aktivist - und erhält großen Beifall.