Klaus Hart Brasilientexte

Aktuelle Berichte aus Brasilien – Politik, Kultur und Naturschutz

“Große Windparks sind dazu geeignet, ganze Fledermaus-Populationen auszulöschen“. Märkische Online-Zeitung MOZ 2018. Warum Windkraftwerke gemäß offiziellen Denkvorschriften als umweltfreundlich bezeichnet werden(müssen). Fledermausvernichtung in Deutschland – entsprechende Verfassungsartikel sowie das Bundesnaturschutzgesetz außer Kraft…

https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1668065/

“WINDRÄDER UND INSEKTENSTERBEN BEDROHEN DIE TIERE”. MOZ. Gemäß Faktenlage setzt die Merkel-GroKo auch auf massenhafte Vernichtung von Insekten – Politikresultate zeigen die tatsächlichen Politikziele.

Doch ihr Lebensraum wird stark eingeschränkt. Das liegt, so Professorin Dr. Antje Stöckmann, Lehrgebiet Natur- und Ressourcenschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die die Gruppe führt, zum einen daran, dass immer mehr Häuser hermetisch saniert werden, so dass die Tiere keinen Unterschlupf mehr finden. Zum anderen am Insektensterben.

„Ein weiteres Problem sind die Windkraftanlagen. Direkt und indirekt“, so Antje Stöckmann, die Mitglied der Nabu-Regionalgruppe ist. Zum einen sind es die Rotorblätter, die den Fledermäusen, die sich mittels Echoortung fortbewegen, gefährlich werden. Zum anderen zerreißt der durch die Rotation entstehende unterschiedliche Luftdruck den Tieren die Lungen. „Große Windparks sind dazu geeignet, ganze Fledermaus-Populationen auszulöschen“, konstatiert die Wissenschaftlerin. Da außerdem manche Arten – ähnlich wie Zugvögel – über 1000 Kilometer zurücklegen, würde gerade versucht werden, gerichtlich durchzusetzen, das die Windparks während der Flugzeiten abgeschaltet werden müssen, so Antje Stöckmann weiter…

http://www.hnee.de/de/Fachbereiche/Landschaftsnutzung-und-Naturschutz/Team/Professuren/Prof.-Dr.-Antje-Stoeckmann/Veroeffenlichungen/Prof.-Dr.-Stoeckmann-Veroeffentlichungen-E7070.htm

http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Treuenbrietzen/Schmierfett-tropft-im-Windpark-Rietz-herab

Fled4

Deutsche Autoritäten beweisen täglich, was sie vom Fledermaus-Schutz halten.

http://www.hart-brasilientexte.de/2018/08/14/kampf-gegen-den-klimawandel-was-die-merkel-regierung-darunter-versteht-mehr-autobahnen-mehr-lkw-und-individualverkehr-zwecks-hoeherer-gift-abgasproduktion-mehr-autoindustrie-foerderung-schlechte/

http://www.hart-brasilientexte.de/2018/07/25/bananenrepublik-umweltverbrechen-energiewende-bluff-2018-potsdam-kampf-gegen-die-windkraft-widerstand-waechst-mediziner-aus-der-region-warnen-vor-gesundheitlichen-folgen-morgenpost/

 

LINKE-Bartsch:”Wir leben in einem Rechtsstaat”.(16.8.2018)

Gezielte massive Vernichtung von Vogelarten – die Wertvorstellungen neoliberaler Machthaber:http://www.hart-brasilientexte.de/2017/05/04/deutschlands-umweltverbrecher-weit-straffrei-beispiel-gezielte-vernichtung-von-vogelarten-300-millionen-brutpaare-weniger-zahl-der-voegel-sinkt-seit-jahren-mdr-2017/

Verfassung außer Kraft?

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 20a

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/02/29/der-energiewende-bluff-2016-erstmals-verfassungsbeschwerde-gegen-umweltvernichtenden-windkraftausbau/</

http://www.hart-brasilientexte.de/2018/04/27/verbot-bienenschaedlicher-gifte-in-der-eu-2018-viel-zu-spaet-da-perverse-umweltverbrecher-laengst-ihre-ziele-erreichten-fruehling-2018-kaum-noch-insekten-entsprechend-starker-rueckgang-bei/

http://www.zeitzeugen-oldisleben.de/2013/09/02/wolfgang-sauerbier-renommierter-deutscher-fledermausforscher-aus-bad-frankenhausenthuringen/

“Energiewende tötet Deutschlands heimliches Wappentier”. DIE WELT. “Ein gefundenes Fressen: der Rote Milan”. Eulenspiegel 2018. Immer mehr Milan-Todfeinde dem Vernehmen nach selbst in allerhöchsten Regierungskreisen, sogar in Umweltministerien.(Satire). Staatskirchen trennten sich längst vom Prinzip “Bewahrung der Schöpfung”. **

EulenspiegelRotmilan18

Ausriß Eulenspiegel: “Ein gefundenes Fressen: der Rote Milan.

http://www.hart-brasilientexte.de/2015/05/29/der-windkraft-und-energiewende-bluff-textsammlung/

“Deutschland, ein Paradies für das Organisierte Verbrechen”. Berliner Tagesspiegel 2017. …Roberto Saviano, der seit seinem Buch „Gomorrha“ von der Mafia verfolgte Autor, hat dem Tagesspiegel Ende 2016 anlässlich eines ihm in Potsdam in Anwesenheit der Bundeskanzlerin verliehenen Medienpreises gesagt: „Deutschland ist fast ein Paradies für das Organisierte Verbrechen, weil man die Mafia noch immer nur für ein Phänomen der Italiener, Russen oder Südamerikaner hält. Deutschlands Gesetze gegen Geldwäsche sind bisher nicht viel besser als die in Nordkorea oder Afghanistan! Das sollte auch Frau Merkel wissen.“…

EulenspiegelÖkoTod172

 

Ausriß Eulenspiegel 2017.

http://www.hart-brasilientexte.de/2017/04/24/der-oeko-tod-eulenspiegel-2017-anti-umweltpartei-die-gruenen-und-windkraftkonzerne/

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/09/05/gezielte-artenvernichtung-in-deutschland-unter-merkel-gabriel-uraltbekanntes-von-ard-wissen-am-3-9-2016etwa-12000-maeusebussarde-und-1500-rotmilane-kollidieren-in-deutschland-pro-jahr-mit-windrae/

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/08/28/kreis-goeppingen-wegen-windraedern-enbw-will-greifvoegel-toeten-koennen-focus-2016/

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/08/19/energiewende-bluff-2016-windkraftwerke-contra-rotmilan-wenn-voegel-der-windkraft-im-wege-stehen-mdr-august-2016-in-thueringen-mehren-sich-die-angriffe-auf-geschuetzte-voegeln-in-regionen-in/

http://www.hart-brasilientexte.de/2011/10/01/der-milan-dreht-ab-zitiert-aus-kleinod-hakelwald-die-wahren-ziele-des-heutigen-offiziellen-naturschutzes-und-der-alibi-oko-organisationen/

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/23/der-energiewende-bluff-usa-windkraftwerke-killen-dutzende-von-adlern-und-anderen-vogeln-millionenstrafe/

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/10/19/der-energiewende-bluff-warum-windkraftwerke-offiziell-als-umweltfreundlich-bezeichnet-werdenmussen-beispiel-weisstorch/

Alibi-“Verbot” bienenschädlicher Gifte in der EU 2018 – viel zu spät, da perverse Umweltverbrecher längst ihre Ziele erreichten. Frühling 2018 – kaum noch Insekten, Wildbienen – entsprechend starker Rückgang bei insektenfressenden Vogelarten. Windkraftwerke – bestens bekannt als effiziente Insektenkiller. Politisch Verantwortliche der jahrzehntelangen gezielten Bienenvernichtung weiter auf freiem Fuß. **

https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/sieg-fuer-die-bienen-freilandverbot-von-bienenschaedlichen-giften-in-der-eu-a2411844.html

Warum sogenannte Öko-Parteien, Öko-Verbände etc. unbedingt Windkraftwerke wollen:

“Wegen des Luftverkehrs werden die Türme nachts durch rote Blinklichter markiert, außerdem strahlen die Rotorblätter Reibungswärme ab. Beides lockt Insekten in großem Maß an. Nachtaktive Käfer, Mücken oder Nachtfalter besitzen zwar eine enorme Anzahl von Ommatidien (Einzelaugen) und sehen selbst bei Mondlicht noch farbig, aber sie erkennen die Gefahr nicht. Die Folgen sind erheblich. Gustave Corten und Herman Veldkamp vom Energy Research Centre of the Netherlands (ECN) entdeckten, dass sich auf den Rotoren eine regelrechte Kruste aus zerplatzten Insekten bildet, welche die Leistung der Windräder um bis zu 50 Prozent reduzieren kann.” spektrum.de

-http://gegenwind-borchen.de/80-der-insekten-bereits-ausgerottet-das-artensterben-in-nrw

“Nicht zu vergessen ist, dass durch die Windkraftanlagen eine hohe Verwirbelung der Insektenfauna stattfindet. Wenn Millionen von Insekten an den Rotoren durch kleine Blutströpfchen nachgewiesen werden können wird lediglich dieser Tatbestand belegt. Was die Reduzierung der Insektenfauna in den Waldbereichen bedeutet, ist für von Insekten lebende Tiere keineswegs ausreichend aufgehellt.” Naturexperte Martin Görne, Jena, OTZ 2015

“Insekten verursachen Leistungsverlust in Windrädern”. wissenschaft.de

https://www.spektrum.de/alias/dachzeile/warum-man-windraeder-vielleicht-violett-anstreichen-sollte/1058178

Welche deutschen Mainstreammedien wegen Zensurbestimmungen nicht über den Kontext Windkraftwerke & massive Insektenvernichtung berichten dürfen, hat man u.a. per Google-Suche rasch heraus.

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/04/29/bienensterben-bewust-gefordert-lacherlich-spate-alibi-eu-erklarung-zur-lage-keinerlei-bestrafung-haftbarmachung-der-jedermann-bekannten-politisch-verantwortlichen/

Windkraftwerke, so die Naturexperten, erzeugten Wärme, was massenhaft Insekten anlocke, die dann vernichtet würden. Nicht zufällig sei in durch Windkraftwerke zerstörten Landschaften eine starke Abnahme der Insektenpopulationen bemerkbar.  

“Denn gerade die Spezialisten unter den Faltern entwickeln sich oft nur an einer einzigen Pflanzenart, an denen die Raupen fressen, bevor sie sich verpuppen und das adulte Stadium erreichen. Doch viele solche Pflanzen sind immer schwerer zu finden. Der Hauptgrund ist nach Einschätzung aller Experten eindeutig die intensive Landwirtschaft…”Die Stickstoffverbindungen dünsten in die Luft aus und verteilen sich um die Felder. Damit wird die Umgebung noch in etlichen Kilometern Entfernung mitgedüngt.”…Neben dem Dünger setzten Faltern auch die auf den Feldern eingesetzten Pestizide zu, die sich zunehmend in der in der Umwelt anreicherten…Zu denken gibt besonders, daß auch geschützte Bereiche den Tieren keine sichere Zuflucht vor den durch die Luft verbreiteten Düngestoffen und Insektiziden bieten…Wir können die Artenvielfalt nicht einmal mehr in den Schutzgebieten erhalten…Luftstickstoff und Pestizide machen an den Grenzen der Schutzgebiete nicht halt…” Thüringer Allgemeine, 8.8. 2016

“Windräder – ja, bitte” – Grüne Thüringen…

 

Die nach 1990 auch in Ostdeutschland massiv verwendeten Sprühgifte der Agroindustrie werden u.a. durch den Wind auch in die Dörfer geweht, haben dort die entsprechenden gravierenden Wirkungen auf die Gesundheit der Menschen, erhöhen u.a. die Allergierate, führen zu vielen Krankheiten.

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/04/23/das-altbekannte-bienenkiller-pestizid-welche-politisch-verantwortlichen-liesen-zu-das-es-soviele-nutzinsekten-vernichtete-greenpeace-mitteilung-auch-sog-umweltverbande-alibi-ngo-wusten-bestens/

http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/03/bienensterben-bewust-von-agrargift-mafia-in-kauf-genommen-uralt-beobachtungen-der-naturfreunde-bestatigt/

http://www.hart-brasilientexte.de/2017/05/04/deutschlands-umweltverbrecher-weit-straffrei-beispiel-gezielte-vernichtung-von-vogelarten-300-millionen-brutpaare-weniger-zahl-der-voegel-sinkt-seit-jahren-mdr-2017/

KatzeVogel171

Katze und Opfer Mönchsgrasmücke – armseliger Frühling 2017, Thüringen. Fehlen von Vogelarten von Jahr zu Jahr stärker, gravierender bemerkbar. “In Deutschland töten Katzen nach einer Nabu-Schätzung jährlich mehr als 100 Millionen Vögel.” DIE WELT 2017

Bienenvernichtung, Schmetterlingsvernichtung in Deutschland, EU:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/05/22/die-populationen-der-schmetterlinge-sind-seit-1990-in-europa-deutschland-und-in-sachsen-stark-zurueckgegangen-die-verluste-liegen-zwischen-30-bis-50-prozent-offizielle-information-ueber-die-kon/

Anschluß 1990, gezielte Naturvernichtung in Ostdeutschland – Resultate und Ziele:http://www.hart-brasilientexte.de/2014/11/10/mauerfall-und-anschlus-1990-was-fur-natur-und-biodiversitat-der-zuvor-artenreichen-ex-ddr-geplant-war-erreichte-resultate-weisen-auf-umweltvernichtungsziele-artenvielfalt-und-lebensqualitat/

Dr. Michael Stubbe 2012 – und jene, die Fakten-Vergleiche anstellen: http://www.hart-brasilientexte.de/2012/09/24/deutschlands-beachtliche-erfolge-im-neoliberalen-naturschutz-der-ruckgang-der-vogelbestande-ist-erschreckend-besonders-in-der-agrarlandschaft-artenexperte-dr-michael-stubbe-halle-schre/

Demographischer Wandel seit 1990:

“Allein in Deutschland sind seit 1990 mehr als eine Million Feldlerchen verstummt, eine Entwicklung, die besorgniserregend ist”, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/08/rio20-konferenz-an-den-resultaten-der-uno-umweltkonferenz-von-1992-lassen-sich-die-tatsachlichen-ziele-und-absichten-erkennen-damals-unter-betroffenheitsgeschwatz-und-entschlossenheitsrhetorik-ver/

http://www.deutschlandfunk.de/keine-loesung-bei-illegalen-berliner-deponien.697.de.html?dram:article_id=72363

Deutsche Politmarionetten der Machteliten und stets gehätschelter VW-Konzern:http://www.hart-brasilientexte.de/2015/09/24/was-vw-so-gut-an-nazi-kriegsverbrecher-und-judenmoerder-franz-stangl-gefiel-1959-in-brasilien-ausgerechnet-als-werkschutzchef-zur-niederhaltung-und-kontrolle-aufmuepfiger-politisch-engagierter-arbei/

Kirchentag-Sponsor Volkswagen-Konzern, VW und Politmarionetten:http://www.hart-brasilientexte.de/2016/05/23/vw-abgas-betrug-von-welchen-politikern-regierungsmitgliedern-gedeckt-enormer-schaden-fuer-den-ruf-deutschlandsdeutsche-wertarbeit-auffallende-unterwuerfigkeit-von-politmarionetten-gegenuebe/

WinterkornRente171

Ausriß. Martin Luther und die Obrigkeit.

Systemkritiker, aber auch regierungsunabhängige Verkehrsexperten betonen in Diskussionen, die Merkel(CDU)-Gabriel(SPD)-Regierung begünstige permanent den umwelt-und klimaschädlichen Autoverkehr und benachteilige gezielt den umweltfreundlichen Personen-und Güterverkehr auf der Schiene. Dies zeige sich in jüngster Zeit u.a.  an der Einführung des Fernbussystems, der überlangen LKW(Giga-Liner), der absurden Preiserhöhungen im Zugverkehr, an Streckenstilllegungen und forciertem Autobahnbau. Die Regierung sei lediglich Marionette der Autokonzerne. Gleiches gelte u.a. im Falle der Rüstungs-und Windkraftkonzerne. Wenn die Regierung betone, sich für Umweltschutz einzusetzen, zeige die Faktenlage, daß es sich dabei nur um leeres Propaganda-Geschwätz handele. 

ICCT-Studie:Moderne Diesel-Pkw stoßen mehr Schadstoffe aus als Lastwagen

Selbst Dieselautos der neuen Abgasnorm sind schmutziger als Lastwagen oder Busse: Laut einer Studie stoßen sie doppelt so viele Stickoxide aus wie Nutzfahrzeuge. DIE Zeit 2017

WinterkornRente172

Ausriß.

Hintergrundtexte

Kommentar aus Der Rabe Ralf/Ostberlin :
NABU und VW feiern Kooperation – makabrer gehts nimmer
Jürgen Flasbarth, Leif Miller im trauten, freundschaftlichen Talk mit VW-Konzernbossen, auf gute, zunächst dreijährige Zusammenarbeit und „Dialogpartnerschaft“ sich zuprostend beim Nobelempfang im protzigen Automobilforum Unter den Linden Anfang März, die grüne Umwelt-Staatssekretärin Gila Altmann und ihr Anhang mittenmang – ganz, ganz wenige unter den geladenen „Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur“ fanden das alles makaber, hanebüchen, doch andererseits so charakteristisch für rot-grüne, neoliberale Zeiten. Mit dem Auto-Multi assoziiert man schließlich so manches. Der Konzern denkt, wirkt schon im Hitlerfaschismus global – seine Produkte rollen an allen Fronten, in allen attackierten Ländern, bringen Riesenprofite. Nach dem Krieg, der so barbarisch Menschenleben, Natur und Umwelt vernichtet, gehts so weiter – der berüchtigte Franz Stangl, Kommandant des KZ Treblinka, hauptschuldig für den Mord allein an etwa neunhunderttausend Juden, lebt, wie nicht nur brasilianische Soziologen und Rabbiner anklagen, sechzehn Jahre völlig unbehelligt in Sao Paulo, bekommt unter seinem echten Namen von Volkswagen einen guten Job in der dortigen Konzernfiliale. Unter den Foltergenerälen der Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 kollaborieren Multis wie VW und Mercedes-Benz eng mit dem Repressionsapparat, schicken speziell ausgebildete Agenten sogar in die Versammlungen der Metallarbeiter und ihrer Gewerkschafter, geben die Spitzelberichte sofort an die politische Polizei DEOPS weiter. Von der CIA geschulte Todesschwadronen ermorden damals Ungezählte vor allem in den Slums, politische Gefangene werden Haien lebendig zum Fraß vorgeworfen oder hoch über Amazonien aus Helikoptern gestoßen. Die „Operation Condor“, länderübergreifende Terroraktion der lateinamerikanischen Diktaturen gegen die Opposition, wird auch von den Multis mitfinanziert, Altnazis, deutsche Kriegsverbrecher sind federführend dabei. Solche Dinge, Zusammenhänge hatte man als Ossi schon in der Grundschule gelernt – erinnert sich, mit dem Sektglas in der Hand, zwangsläufig auch an die kirchlichen Berichte über Sklavenarbeit auf der VW-Rinderfarm am Rio Cristalino, den Anteil von VW-Produkten an der irrsinnigen Luftverpestung in Millionenstädten wie Sao Paulo, Rio de Janeiro, Mexico-City. Und daran, wie nach der Wende im Osten zugunsten von Autokonzernen wie VW der öffentliche Verkehr, Bus-und Bahnfahren durch absurde Preiserhöhungen unattraktiv gemacht werden, der Flächenverbrauch durch Autobahnen, Straßen, Parkplätze, die Naturräume zerstören, zerschneiden, erschreckend wächst. Ebenso der Lärm, dazu die Luftvergiftung durch Autoabgase – soviel vernichtete Lebensqualität selbst in kleinsten Dörfern. Wie war das doch gleich mit der sozialen Verpflichtung des Eigentums? In den neuen Bundesländern, so Egon Bahr, gehören nur noch fünf Prozent des Produktivvermögens Ostdeutschen, alles andere Westdeutschen und Ausländern. 
Auf dem Nobelempfang wird ein Drei-Liter-VW-Lupo-Kleinwagen versteigert. Der neue Autotyp, zitiert Flasbarth selber aus einer Glosse, dient nur dem Gewissensausgleich für von VW geplante spritfressende Lususautos, eine Alibiproduktion, meinen andere. Die größeren Motoren der neuen Fahrzeuggeneration sorgen für höhere Schadstoffbelastung, auch mehr vom Umweltgift Kohlendioxid, hauptverantwortlich für den Treibhauseffekt. „Im Stau hilft auch das Drei-Liter-Auto nicht“, steht in einem ausgelegten VW-Prospekt. „Vor allem der Staat ist gefordert, die entsprechende Infrastruktur bereitzustellen.“ Auf Rot-Grün, man siehts an den Milliarden für neue naturvernichtende Autobahnen, können sich die Konzernbosse verlassen. Jetzt haben sie auch noch mit den sogenannten Umweltverbänden immer leichteres Spiel. Glückwunsch, NABU.

Jagen wie bei Hermann Göring
Ost-Naturschützer protestieren gegen neofeudales West-Jagdrecht  Mit Pulver und Blei auf Adler, Kraniche, Störche und Bussardevon Klaus Hart
Im adlerreichsten Bundesland Brandenburg reißen nach 1990 erstaunliche Dinge ein. Horstschutzzonen werden dreist mißachtet, auch gräfliche Jagdkanzeln  rechtswidrig  direkt neben Nestern der seltenen Schreiadler errichtet, die im Westen längst ausgerottet sind. Alttiere verlassen die Bruten, Junge verenden – auch weil ABM-Brigaden mit nervig knatternen Motorsensen zur „Grabenpflege“ mitten in der Brutzeit an  Adlerhorste vorrücken. Greifvögel werden immer häufiger  abgeschossen oder  in Fallen gefangen, dann sadistisch  getötet. Das ist nicht nur in Brandenburg ein neues Ärgernis: Denn in der DDR stehen generell alle Greifvögel unter Naturschutz, im Westen sind sie dagegen dem Jagdrecht untergeordnet – nur  zuviele Waidmänner mißachten dort Schonzeiten, holen sie vom Himmel – die Statistiken sprechen Bände. Indessen – auch in Brandenburg sind die  Jäger als „Naturschutzverband“ anerkannt, obwohl sie, für die meisten Umweltfreunde ein Unding, sogar in den Naturschutzgebieten nach wie vor auf Tiere schießen. Nicht nur Artenexperten erinnern sich, daß Jahre zuvor die Fachleute der nahe Himmelpfort gelegenen Schutzstation Woblitz fast überall in Brandenburg aktiv  waren, Umweltstraftaten rasch entdeckten, häufig verhindern konnten. Heute wissen potentielle Täter, daß mit Ärger durch Woblitz kaum noch  zu rechnen ist: Von ehemals vier Festangestellten blieb nur einer übrig, die anderen wurden versetzt. Doch selbst für die raren Wanderfalken  ist kaum Zeit – als unbekannte Täter im Schutzgebiet ein Junges vom Horst schießen, wird das erst zehn Tage später  bemerkt. „Die Leute wissen genau – wir sind nicht mehr präsent wie früher – niemand paßt mehr auf, die Bürgernähe ist weg“, kommentiert Stationsleiter Paul Sömmer. „Ein Großschutzgebiet alleine nützt vielen Arten  nix, wenn drumherum weiter rücksichtslose Land-und Forstwirtschaft betrieben wird.“Der Mann ist ein Naturschutz-Idealist, wie er im Buche steht. Sömmer stammt aus Berlin, wird zunächst Pfleger im Tierpark, schwärmt noch heute von Professor Dathe, war lange in dessen famosem Tierparkklub, beringt heute pro Jahr weit über einhundert Adler. Fallen irgendwo junge Falken, Habichte, Milane, Adler aus dem Nest, werden in Woblitz abgegeben, ohne daß der Fundort bekannt ist, weiß Sömmer, um welchen Horst es sich handeln könnte, oder welches Greifvogelpaar den Jungvogel problemlos adoptieren würde. Er nimmt den Nestling, klettert mit Steigeisen routiert den Baum hinauf, setzt den Vogel zwischen die anderen – und die Sache geht glatt. Dazu gehört viel, viel Erfahrung. Rehe, Hirsche, selbst Füchse und Dachse dringen nachts bis auf das Stationsgelände vor, im Winter pflügen Wildschweine den großen Hof um. Das nächste Fischadlerpaar brütet nur dreihundert Meter entfernt auf einem Hochspannungsmast.Die zunehmenden Abschüsse bedrücken Sömmer.„Wes Brot ich esse…“Gerichtsverwertbare Zeugenaussagen sind schwieriger als früher zu erlangen, da  Abhängigkeiten zu neuen, auch adligen  Wald-und Kiesgrubenbesitzern rasch  wuchsen. Motto: „Wes Brot ich esse, des Lied ich singe“.Einer schiebt den Schwarzen Peter dem anderen zu, Wegsehen kommt in Mode.  Die noch zu DDR-Zeiten gegründete Station erhält jetzt jährlich  an die fünfhundert  Großvögel – erschlagen, abgeschossen, vergiftet, an Strommasten verunglückt, mit Glasflächen kollidiert. Von Bussarden und Eulen wurden weit über die Hälfte Opfer des zunehmenden Straßenverkehrs nach der Wende, von den Störchen starben die meisten an Masten-Stromschlag, weitere an chronischer Mangelernährung und Schüssen. Habichte, theoretisch streng geschützt, werden gewöhnlich in Fallen gefangen und dann erschlagen, Bussarde weniger häufig.Die Recherche der wahren, konkreten Verlustursachen, Basis einer möglichen Anzeige,  erfordert kriminalistisches Geschick – doch die mit „Nachweisführung“ beauftragte ABM-Kraft wurde eingespart, gut für die Täter. „Derzeit können die Naturschutzbehörden maximal nur ein Drittel der eigentlichen Naturschutzaufgaben bewältigen“, betont bereits 1996 der Referatsleiter für Naturschutzrecht im Potsdamer Umweltministerium, Ulrich Stöcker. „Heute wären es noch weniger.“ Dennoch erklärt das Ministerium, von einer Kehrtwende, einem Roll-Back  im Naturschutz könne keine Rede sein. Vielmehr sei dieser durch das Zusammenlegen  von Landwirtschafts-und Umweltressort entschieden gestärkt worden. Stöcker habe recht. „Aber wir können nicht neben jeden Adlerhorst einen Naturwächter stellen.“ Stimmt – so sehen das auch die Umweltfreunde. Doch ein paar mehr Fachleute als heute müssens schon sein. Denn geradezu alarmierend ist eine Studie, die Paul Sömmer, Dr. Torsten Langgemach als Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow  und der Experte Jörg Lippert über die illegale Verfolgung geschützter Vögel  Berlins und Brandenburgs seit 1990 anfertigten. Alle drei dachten, daß solche Straftaten – wie zu DDR-Zeiten –  keine wesentliche Rolle mehr spielen – mußten sich indessen vom Gegenteil überzeugen.  „Dabei haben wir lediglich die Spitze des Eisbergs erfaßt.“ Bei Parstein wird auf  freiem  Feld ein totes Seeadlerweibchen gefunden, das dort in seinem angestammten Revier gebrütet hätte. Im Körper Schrotkugeln, die eine chronische Vergiftung durch Blei bewirkten, den theoretisch streng geschützten Greifvogel immer stärker schwächten.“In einem toten Fischadler fanden wir sage und schreibe zweiunddreißig Schrotkugeln.“ Auch Bussarde und Habichte, selbst Kolkraben, Schleier-und Waldohreulen sowie Kraniche, Schwäne und Störche würden erlegt, die Tendenz sei eindeutig steigend.Feudaler Trophäenkult wieder schick„Bestimmte Kreise sind interessiert, daß solche Fälle nicht mehr aufgeklärt werden.“ Immer mehr Leute fänden es schick, einen ausgestopften Adler an der Wand zu haben, Trophäenkult, Trophäenmessen, das gierige Streben nach ausgefallenen Besitztümern seien wieder große Mode.  Bei Tierpräparatoren wurden auf Anhieb illegal erlegte Adler entdeckt.Auch den Brandenburger Grüne-Liga-Sprecher Norbert Wilke nervt hochherrschaftliches Jagdgebaren aus Leibeigenenzeiten:„Diese Hinwendung zur feudalen Trophäenjagd ist ein Rückschritt um Jahrhunderte. West-Jäger legen vieles um, was sie nicht dürfen – Tiere, die in der DDR in Ruhe gelassen wurden. Gutbetuchte Ost-Jäger verfahren leider inzwischen ähnlich.“ Andere Umweltaktivisten sehen sogar Verbindungen der Jagdlobby zu rechtsextremistischen Organisationen. Man jage nun auch im Osten wieder nach Generalfeldmarschall Hermann Görings Gesetz.Zu DDR-Zeiten wurden – wegen des Naturschutzrechts – verunglückte Adler zu Sömmer gebracht und untersucht. Heute ist das äußerst selten – wegen des sogenannten jagdlichen Aneignungsrechts. Artenexperte Dr. Torsten Langgemach:“Wer heute einen abgeschossenen Adler im Wald findet, ihn in der Vogelwarte Buckow oder in Woblitz abgibt, macht sich sozusagen der Jagdwilderei schuldig.“ Denn tote Greifvögel, abgeschossene Kraniche gehören nach der Wende jetzt  dem, der am Fundort das Jagdrecht hat. Damit wird es enorm schwierig, Täter zu ermitteln. Heißt es, der Adler sei halt im Revier gefunden worden, ist das nur zu oft eine Lüge. „Jäger heute sind oft sehr clever, nutzen Rechtsberatung, decken sich gegenseitig“, monieren Artenschützer. Auch in  der Politik hätten sie Rückhalt und Einfluß, denn beim elitären, teuren Jagdvergnügen seien sogar Minister, Staatssekretäre und andere hohe Amtsträger sowie Bundestagsabgeordnete dabei – wie westwärts schon lange üblich, würden öffentliche und private Interessen verquickt.Sömmer und andere Naturschutzexperten Brandenburgs stellen nicht zufällig die politische Forderung:“Greifvögel haben im Jagdrecht nichts zu suchen – müssen wieder heraus, so, wie früher in der DDR.“ Um dies zu erreichen, sei politischer Druck nötig. „Der NABU kam spät aus dem Mustopf“, so Sömmer,“erkennt aber jetzt allmählich das Problem, hat es trotz der Proteste jahrelang verschlafen.“Prof. Dr. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes, nennt die Greifvogelstudie erschreckend;  wieder Adler abzuschießen, sei pervers. „Doch wer das tut, tut es bewußt. Man hält heute auf alles drauf, was rumfliegt. Viele Naturschützer  Brandenburgs sagen, daß es die Gastjäger aus dem Westen sind – da ist wahrscheinlich was dran; es darf sich nicht jeder hier einen Adler einstecken!“ Die Studie drückt sich keineswegs um dieses heikle, hochpolitische Thema herum: „Die Auffassung, daß gewohnheitsmäßiger Abschuß von Greifvögeln früher „bei uns“ keine Rolle gespielt hat, aber nunmehr von Gastjägern aus anderen Bundesländern hereingetragen wird, wurde mehrfach von einheimischen Jägern geäußert.“ Dr.Freude bemerkt, daß Wilderei zunimmt, Jagdverbände versuchen, vieles Illegale unter der Decke zu halten. “In der DDR ließen sich Täter höchst einfach ermitteln, heute ist das sehr schwierig.“Aus Bayern ist bekannt, daß man die raren Eisvögel  in Forellenzuchtanlagen sogar mit Fallen fängt,  der  früher an den bayrischen Gewässern häufige Fischadler bis heute trotz seines Schutzstatus erbarmungslos abgeschossen wird – das einzige Brutpaar  wird wie ein Staatsgeheimnis behandelt, der Horst rund um die Uhr bewacht. Brandenburg hat weit über zweihundert Paare, bei steigender Tendenz, die bislang ohne Aufpasser auskamen. Die neue Studie belegt allein drei Abschußfälle, in einem hatte man dem Tier auch noch die Fänge „sauber abgetrennt“.

Killen statt Jagen

Zitiert wird ein aufgebrachter  Neu-Jäger:“Was macht der Kolkrabe an meinem Fallwild? Das ist Jagdwilderei! Ich bezahle hier schließlich Pacht!“

Ausgerechnet Greifvögeln der freien Natur „Wilderei“ vorzuwerfen, wie es durch viele Jäger geschieht, zeigt deutlich, wieviel man vom Naturschutz tatsächlich versteht. Umweltamtschef Freude und Sömmer drücken sich vorsichtig aus – Ost-Jäger und ehrenamtliche Naturschützer reden dagegen Klartext: Überall in den neuen Bundesländern gebe es jetzt Riesenprobleme mit den zumeist gutbetuchten oder gar adligen Westjägern – die von ihnen beherrschten Jagdbehörden seien nur noch daran interessiert, daß seltene Tiere, wie Adler, „angeeignet“ würden. „Alle toten Greifvögel müssen neuerdings dem Revierjäger gehören“, protestiert einer, „und sei es der fünfzehnte tote Seeadler!“ Weil immer mehr Wildaufbruch mit zahlreichen Schrotkugeln darin von den Jägern achtlos in der Landschaft liegengelassen werde, vergifteten sich Greifvögel tödlich, die in der Natur als Gesundheitspolizei wirken, und wie Raben, Rotmilane  oder Seeadler auch  Aas fressen. „Die Praxis zeigt, daß nach der Wende zahlreiche der neu in Brandenburg Jagenden die  Greifvögel nicht mal unterscheiden können, obwohl das theoretisch verlangt wird“, sagt ein Insider.  Würden dann  absurderweise Ausnahme-Abschußgenehmigungen etwa für Habichte erteilt, schössen die Grünrocke stets  immer zahlreiche seltene Sperber, Kornweihen und andere Arten ab, bemerkten den Irrtum noch nicht mal, wenn sie die Vögel tot  in der Hand hielten. Ein West-Jäger, wird berichtet, holte  einen fliegenden Adler herunter, hielt ihn für eine Wildgans –  ein anderer einen seltenen Wolf für einen streunenden Hund.

Daß  vernünftige Jagd nötig ist, gerade auch die stark angewachsenen Bestände von Prädatoren wie Waschbär oder Marderhund reguliert werden müssen, steht dagegen für fast jeden Naturfreund außer Frage.

neue „Kulaken“

Auch in Mecklenburg-Vorpommern rebellieren Naturschutzaktivisten gegen die neuen Jagdsitten. Peter Strunk aus Stralsund verteidigt die bodenständigen Waidmänner aus der Region, hat mit denen schon zu DDR-Zeiten eng zusammengearbeitet. Nach der Wende werden die regelrecht über den Tisch gezogen, überfahren  – Wild wird zur Ware, Jagd verkommt zu Kommerz, westdeutsche Revierkonkurrenten, gelegentlich „Kulaken“ genannt,  mit hohem „Sozialstatus“ kaufen Vorrechte. „Neuerdings gibts immer mehr Schießer, nicht Jäger, die irgendwo in Stuttgart oder München wohnen, aber hier große Wälder gekauft haben. Die kommen selten her, knallen – rattattadong – Wild ab, schießen Pachten leer, verschwinden wieder – mit denen gibts viel Ärger! Da war ein kräftiger Hirsch, der seit Jahren für gesunden Nachwuchs sorgte, zur Freude der hiesigen Jäger – und dann eines Tages – bumm, lag er tot da. Die schwarzen Schafe haben einen teuren Pelz, haben das große Geld. Früher kamen Jagd und Naturschutz miteinander aus…“

Schwer nachvollziehbar, wieso von den zuständigen Behörden die besonders grausame, dazu auffallend häufige  Tötung von  streng geschützten Habichten durch  organisierte Taubenzüchter nicht unterbunden wird, Umweltminister und –behörden sogar den Verkauf und die öffentliche Werbung für Habichtskörbe zulassen.  So werden in Liebenwalde mindestens zwei Tiere gefangen und im Ofen verbrannt, andere verstümmelt. Bereits 1996 präsentiert und tötet  man einen Habicht sogar auf einer Versammlung von Taubenzüchtern.  Bezeichnend, wie diese mit Locktauben umgehen – mehrfach fand man sie verhungert in Greifvogelfallen. Auf einer Geflügelbörse werden 1998 neben anderen geschützten Greifvögeln auch zwei lebende Seeadler gegen Höchstgebot feilgehalten.

Gravierende Verschlechterungen sieht auch Professor Michael Stubbe von der Martin-Luther-Universität Halle überall. „Dem Osten wurde einfach das Jagdsystem des Westens übergestülpt. Dabei hatte man  Jagd bei uns  sehr progressiv  geregelt. Die DDR-Jäger waren in vorderster Front des Naturschutzes.“ Auch er weiß von Greifvogelabschüssen, Problemen mit dem Bundesjagdgesetz.

Man braucht nur in den Jagdzeitschriften zu blättern, und begreift rasch, wie heute der Hase läuft: Bei der Treibjagd werden sogar Hunde der Kollegen miterledigt – doch keiner gibts zu, lieber vertuscht man  die Tat. Logisch, daß dann Adlerabschüsse  gleich gar nicht offengelegt, gegenüber der Öffentlichkeit unter den Teppich gekehrt werden, argumentieren Naturfreunde, weisen auf Fälle von Schießlust.

Ausländer  mit Wildschweinen „verwechselt“?

In Mecklenburg-Vorpommern feuern zwei Jäger angeblich irrtümlich in einem Gerstenfeld auf  über zwanzig illegale Ausländer – zwei Schleuser werden getötet. Die Täter flüchten, werden in erster Instanz freigesprochen. Der Tatverlauf exakt: Ein Ost-Revierpächter fährt mit zwei West-Jägern aus der Region Frankfurt/Main hinaus, der Westjäger schießt zuerst, dann der Ostjäger. Laut jenem  West-Richter, der dem Schöffengericht vorsaß, das freisprach, war nicht nachzuweisen, wer die tödlichen Schüsse abgab. Dorfbewohner meinten, das Feuer, das die Toten verkohlen ließ, sei zwecks Tatvertuschung von den Jägern gelegt worden, dies sei aber ebenfalls nicht nachgewiesen worden. Die Jäger betonen, sie hätten gemeint, auf Wildschweine zu schießen.

Deutschlands Jägerpräsident, der Großgrundbesitzer Constantin Freiherr von Heeremann, zuvor Chef des westdeutschen Bauernverbandes:“Das ist doch gerade das Interessante, daß Jagen Freude macht, daß auch der Trieb, Beute zu machen, in uns steckt.“ Peter Friedrich Sieben, Geschäftsführer des Bayrischen Jagdverbandes erklärt gar, daß man „Freude an der Jagd und damit auch am Töten“ haben kann.

Nur gelegentlich blitzt Selbstkritik auf. So schreibt ein Waidmann  in der Zeitschrift“Unsere Jagd:“Begriffe wie Moral und Weidgerechtigkeit sind für viele Jäger ein Fremdwort geworden….Wenn diese Eigenschaften mehr und mehr verlorengehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir von Jagdgegnern angefeindet werden.“ Doch in derselben Ausgabe läßt sich ein Jäger stolz mit einundzwanzig durch Fallen getöteten, keineswegs häufigen  Steinmardern abbilden, die Umweltschützer lieber weiterhin in der freien Natur beobachtet hätten.

Greifvogelexperte Paul Sömmer, Woblitz:

http://www.naturmagazin.info/ausgaben/2-2017/titelthema/HTXHeJtfJx/

Wendeverlierer Ost-Natur
Wie in der Ex-DDR Natur und Naturschutz systematisch plattgemacht werdenvon Klaus Hart
Ein komischer Vogel, dieser auffällig elegant dahinschwebende Rotmilan. Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, nach landläufiger Ansicht tief gezeichnet von Bitterfelder Chemie-Horror, abstoßend industrialisierter Ost-Landwirtschaft und dem größten Truppenübungsplatz Mitteleuropas, fühlt er sich in vierzig Jahren DDR am wohlsten. In keinem deutschen Landstrich ist er häufiger, ebenso sein wichtigstes Beutetier, der Feldhamster. Dann kommt die Wende, flugs wird bundesdeutsche Umweltpolitik a la Töpfer und Merkel, auch der Grünen, auf den Osten übertragen. Da wußte man aus den Medien, von Bürgerrechtlern, führenden Politikern – jetzt geht es, so wie drüben, mit Natur und Umwelt im Osten richtig aufwärts. Denn der, dröhnte es von allen Seiten, war ein ökologisch total zerstörtes Land, nach vierzig Jahren rücksichtsloser SED-Planwirtschaft. Rauchende Schlote apokalyptisch anmutender Industrielandschaften, das Antlitz ganzer Regionen unwiederbringlich vernichtet – während im Westen Deutschlands, dank Demokratie und Rechtsstaat mit weit besseren Umweltgesetzen, alles viel, viel besser lief. Denn wie die ARD bis heute verbreitet, war in der DDR Umweltschutz überhaupt kein Thema. Vergiftete Luft, kaputte Wälder, Pestizid-Seen, selbst die Regenwürmer auf den Äckern fast ausgestorben – so vermelden Nachrichtenmagazine, Fachblätter, Illustrierten, steht es selbst in Büchern. Milliarden werde es kosten, so die Regierungspolitiker, den umweltzerstörten Osten wieder zum Blühen zu bringen, ihn möglichst rasch an das weit höhere ökologische Niveau der alten Bundesländer anzupassen. Gutgläubige Naturfreunde freuten sich auf rasch wachsende Artenbestände, so hoch wie im Westen, natürlich auch bei Rotmilan und Hamster. Denn immer noch, wußte jeder, erkennt man den ökologischen Zustand einer Region am deutlichsten daran, wie es Flora und Fauna geht. Doch merkwürdig – die so heftig begrüßte neue Umweltpolitik schafft zuerst den Hamster – nach wenigen Jahren ist er vom Aussterben bedroht, wird deshalb „Tier des Jahres 1996“. Folgerichtig verringert sich der Rotmilan drastisch. Sechzig Prozent des Weltbestandes leben in Deutschland, davon zwei Drittel in der Ex-DDR. Dort gehen die Rotmilane allein 1998 um fünfundzwanzig Prozent zurück. Im nur dreizehn Quadratkilometer großen Waldgebiet Hakel bei Halberstadt horsten vor 1989 bis zu 136 Brutpaare, im nahen Huy rund einhundert, sensationell für die Ornithologenwelt, kontinuierlich beforscht. Dann kracht die DDR zusammen, doch die Rotmilanpopulation von Hakel und Huy ebenfalls – um sage und schreibe neunzig Prozent. Im früher artenreichen Thüringer Kyffhäuserkreis dasselbe – zur Wende gibts über siebzig Brutpaare, derzeit nur noch rund zwanzig.Bei zahlreichen anderen Arten ist es genauso, kritisieren die östlichen Naturschützer. Bis zum Umweltministerium Jürgen Trittins ist das noch nicht durchgedrungen. Auf Anfrage werden die Nachwende-Rückgänge allen Ernstes glatt bestritten. „Das ist ein Märchen“, heißt es zum Verschwinden des Feldhamsters nach 1989, “das hat mit der Wende nichts zu tun.“ Hohngelächter bei den Experten von Rügen bis Dresden, „typisch Grüne“. In Brandenburg wird der putzige Nager mit dem farbenprächtigen Fell vor 1989 noch an mindestens zehn Standorten nachgewiesen, heute nur an vieren. Alle Fachleute verweisen auf den weltbekannten Biowissenschaftler Dr. Hans Stubbe von der Universität Halle, der über die Artentrends noch aus DDR-Zeiten am besten Bescheid weiß. Fast jedes Wochenende ist er draußen in der Natur, klettert zu Nestern hinauf, beringt Junge, hat oft ausländische Experten dabei, registriert, kartiert, bei Wind und Wetter. 1999 hat er mit seinem Team in der ganzen Hakel-Region 175 Greifvogelhorste untersucht – nur bei dreien davon ließen sich überhaupt noch Feldhamster als Jungennahrung nachweisen.“Das zeigt den dramatischen Rückgang – das gleiche wie beim Feldhasen, dem Rebhuhn und anderen Tieren der offenen Landschaft.Die Artenvielfalt war auf den Agro-Ökosystemen zur DDR-Zeit um eine Zehnerpotenz höher als auf westdeutschen Gefilden.“ Das muß man sich schon einmal auf der Zunge zergehen lassen – also zehnmal höher wie in den alten Bundesländern. Diese Vergleichszahl ist so gut wie nicht bekannt, wird gerne unter den Tisch gefegt, betont Stubbes Frau, ebenfalls Wissenschafterin. Wir im Osten kämen in die gleiche Situation, nur untersuche das keiner, weil dafür kein Geld freigegeben werde. Im Jahr 2000 beobachtet Stubbe sogar gravierenden Nahrungsmangel, junge Rotmilane fallen allen Ernstes vor Hunger vom Nest.Viele Bürgerrechtler, wohl auch jene, die heute bei CDU und FDP mitmachen, müssen genau gewußt haben, daß der Artenreichtum in der DDR um ein Vielfaches höher war als im Westen – warum haben sie das damals in Kirchen, auf Kundgebungen nicht deutlich gesagt, dafür aber die Umweltsituation in der Bundesrepublik bewußt schöngeredet, trotz der Faktenlage, wie Umweltaktivisten ihnen heute ankreiden? Vergleichszahlen aus dem Goldenen Westen waren verfügbar – hätte man die genannt, wären viele eventuell stutzig geworden, hätten unangenehme Fragen gestellt. Wozu westliche Naturschutzpolitik übernehmen, wenns bei uns mit dem dichten Netz der Ehrenamtlichen weit, weit besser läuft? Heute reden sich manche damit heraus, man habe eben Öko-Illusionen gehabt, die inzwischen verflogen seien; die heutigen engen Spielräume habe man leider nicht erahnen können. Da sind Fragen offen.Ein europaweites, einmaliges Greifvögel-und Eulen-Monitoring, unter Dr. Stubbe in Jahren aufgebaut, wird kaum öffentlich unterstützt, die Situation sei haarsträubend:“Wir kriegen kein Geld, arbeiten auf dem Zahnfleisch, ehrenamtlich, nach Feierabend, an den Wochenenden, um dieses Monitoring-System mit seinen vierhundert Referenzgebieten in fünfzehn Ländern, Hunderttausenden von Daten, weiterzuführen.” Nur ein paar Rückgang-Arten, wie Rotmilan, Feldhamster oder Hase würden wie Gallionsfiguren immer genannt, “aber über die restlichen 99,99 Prozent wissen wir nichts, weil Mittel für längst überfällige Forschungen nicht freigegeben werden.“ Stubbe vergleicht: „Im Naturschutz brachte die Wende einen Rückfall in die Steinzeit.“ Und auch das noch: Obwohl den politisch Verantwortlichen die gravierenden Rotmilan-Rückgänge bestens bekannt sind, setzen sie in den Lebensraum der Art auch noch Industrieanlagen: „Windkraftwerke sind ein neues Störpotential und müssen in einem hochgradig exponierten Schutzgebiet, durchweg überall, wo sie Landschaft verschandeln, dem Naturempfinden entgegenstehen, vermieden werden.“ Von Halle aus gebe es in Richtung Harz praktisch keinen Fleck mehr in der Landschaft, wo man nicht fünfzehn bis zwanzig Windkraftwerke sehe. Windparks schössen wie Pilze aus dem Boden – aber vorrangig dürfe nicht der Profit dieses hochentwickelten Kapitalismus sein.Ossis sind gemäß Umfragen weit naturverbundener als Wessis – der Hamburger Pfarrerstochter Angela Merkel, die bereits in den 50ern in die DDR kam, war dies offenbar als Umweltministerin irgendwie entfallen. In Mecklenburg-Vorpommern, der seit DDR-Zeiten artenreichsten Region ganz Deutschlands, hat sie bis heute ihren Bundestagswahlkreis, ließ indessen selbst dort einschneidende Biotopverschlechterungen sogar für den Schreiadler zu. „Die war doch auf dem Ministerposten eine absolute Null, tat überhaupt nichts“, hört man an der Küste entsprechend oft. Den Schreiadler gabs in Deutschland mal fast flächendeckend bis zum Rhein und an die Alpen, doch dann sucht er sich merkwürdigerweise eben nicht die BRD der Grünen und Greenpeace, sondern die DDR als letztes nationales Revier. Zur Wende sind im Westen gar keine Brutpaare mehr, dafür in Sachsen-Anhalt an die fünf, in Brandenburg um die zwanzig, in Mecklenburg-Vorpommern aber über neunzig. Nur von dort aus könnte er sich also wieder gen Westen ausbreiten, doch die Reproduktionsraten sinken. „Bis 1989 hatten wir gute Zahlen, bis zu einundzwanzig Adlerjungen jährlich “, so der Rostocker Experte Martin Neubauer über sein Untersuchungsgebiet, „danach wurde das nie mehr erreicht.“ Wo früher bis zu zehn Schreiadler flügge wurden, sind es bereits 1999 nur eins bis zwei, Tendenz weiter fallend. „Naturschutz ist sehr schwierig geworden“, kritisiert Neubauers Kompagnon Joachim Matthes, “obwohl die Bedrohung des Schreiadlers bekannt ist, reagieren die Umweltministerien in Berlin und Schwerin einfach nicht.“ Matthes wirft PDS-Umweltminister Methling vor, die Situation zu beschönigen, Probleme zu verschweigen. Spricht man Minister Methling auf Wende-Artenrückgänge an, ist ihm davon nichts bekannt.Gravierend, so Matthes, wirke sich auf die Adler die Zerstörung ihrer Nahrungsreviere aus – durch starke Chemisierung, Monokulturen wie der pestizidintensive Raps. Den darf man laut EU-Regeln auf „Stilllegungsflächen“ anbauen, kriegt trotzdem die sogenannten „Stilllegungsprämie“ weiter. „Dort lebt nichts mehr, dort gibts nichts mehr zu jagen.“ Verheerende Unruhe brachten auch die wegen ihres Verscheucheffekts berüchtigten Windkraftanlagen nach Mecklenburg-Vorpommern – daß ein Komplex ausgerechnet in ein wichtiges Schreiadler-Brutgebiet gesetzt wurde, konnte der NABU auch über eine EU-Beschwerde nach Brüssel grade noch verhindern.Unter Angela Merkel werden die Roten Listen erheblich länger, beim Grünen Jürgen Trittin ist erst recht keine Trendwende in Sicht. Unter Naturschützern, an NABU-Ständen steht er wie Falschgeld herum. „Für den gibts doch nur Atompolitik“, höhnt man allerorten im Osten,“für den dramatischen Artenschwund interessiert er sich überhaupt nicht.“Biologe Dr. Wolfgang Wendt, Referatsleiter für Arten-und Biotopschutz im Umweltministerium von Sachsen-Anhalt, zu DDR-Zeiten zehn Jahre lang Kreisnaturschutzbeauftragter, erinnert sich noch gut an den 20. Deutschen Naturschutztag von 1990 in Bad Reichenhall. Die Politiker versprechen, den Osten, der ökologisch ruiniert sei, auf Vordermann zu bringen. Wendt glaubt noch, Mittel, die die DDR nicht hatte, würden nun fließen, der Natur zugutekommen. „Mit dem Geld, das ihr kriegt, gehts der Natur kein Stück besser“, hört er verdutzt von Hamburger Kollegen. „Zehn Jahre hin, und ihr seid auf dem selben Niveau wie wir, die Rote Liste wird länger und länger.“ Die Besserwessis hatten wieder mal recht – und Biologe Wendt gehört heute zu den vielen Fachleuten der östlichen Landes-Umweltministerien und Naturreservate, die zahlreiche Arten eindeutig zu den Verlierern der Einheit rechnen. „Der Osten war im Naturschutz haushoch besser“, konstatiert er.“Was haben wir auf die Agrarchemikalien aus Bitterfeld und Piesteritz geschimpft – das waren doch Peanuts gegen die von heute!“ Denn bis heute wird öffentlich behauptet, LPG und volkseigene Güter hätten viel mehr Agrargifte eingesetzt als Landwirte im Westen. Natürlich falsch. Schon 1980 sind in der Bundesrepublik 1822 Pflanzenschutzmittel zugelassen, weit mehr „illegale“ konnte man sich problemlos aus Nachbarländern beschaffen – in der DDR sinds grade mal 382, mit weit weniger Wirkstoffen. Eingesetzt wurden die Gifte nur, wenn Schädlinge gehäuft auftraten, Kalamitäten drohten. Heute werden die Mittel im Überfluß angeboten, den Landwirten von Vertretern der Chemikonzerne regelrecht aufgeschwatzt – die aus dem Westen übernommene „gute fachliche Praxis“ heißt, hochkonzentrierte Agrargifte selbst dann präventiv einzusetzen, wenn gar keine Schädlinge auftreten. Die Auswirkungen sind verheerend, nicht nur bei Insekten – Landwirtschaft heute ist nachgewiesen der Artenkiller Nummer eins, wie selbst der westdeutsche NABU-Präsident Jochen Flasbarth betont. Die Jäger registrieren einen scharfen Rückgang des Niederwilds, ob Hase oder Rebhuhn. Günther Mendt, Vorsitzender der Jägerschaft Wanzleben, schreibt 1996 in der Magdeburger Volksstimme:“Der Hase lebt oder stirbt hauptsächlich durch die Landwirtschaft. Was aber für den Hasen tödlich ist, das sind die Pflanzenschutzmittel heute. Sie sind so aggressiv, vernichten bis zu 98 Prozent der Wildkräuter. Dem Hasen fehlt dadurch die Nahrungsgrundlage, oder er frißt sich an den behandelten Wildkräutern zu Tode.“ 1999 belegt die Umweltzeitschrift „Der Rabe Ralf“, daß das sogenannte Totalherbizid „Roundup“ des US-Konzerns Monsanto auch in Sachsen-Anhalt massiv auf Grünland gespritzt wird. „Auf den ehemals artenreichen Wiesen wird so die in Jahrzehnten entstandene Tier-und Pflanzenwelt total vernichtet. Auch das ökologische Gleichgewicht in und mit der umgebenden Feld-und Waldlandschaft wird zerstört.“ Rund neunzig Prozent der Hasennahrung im Sommer sind Ackerwildkräuter – doch die werden trotz ihres Schutzstatus mit Bioziden wie Roundup rigoros vernichtet. Die neuen, weit effizienteren Agrargifte wirken zudem wie Fertilitätshemmer, warnen Wissenschaftler im Osten. So wie die massenhaft eingesetzte Chemikalie Bisphenol A, selbst in der Gülle von Mastbetrieben Brandenburgs und Sachsen-Anhalts festgestellt, die gewöhnlich auf den Feldern landet.„Gerade noch rechtzeitig zur Feststellung von Unterschieden“, so der Artenschutzexperte Klaus George in Sachsen-Anhalt, hatte man 1991 untersucht, wie häufig die Feldlerche auf Vergleichsflächen im nordwestlichen und nordöstlichen Harzvorland ist. Resultat – im Osten, wo grauenhafte Chemie-Landwirtschaft der LPG angeblich alles vernichtete, war die Siedlungsdichte des Vogels fünffach höher als auf der Westseite. Die Studie drückt es wissenschaftlich gestelzt aus:“Das wirft zumindest für Agrargebiete erhebliche Zweifel an der gegenwärtig in Umweltdiskussionen so lebhaft geäußerten These auf, daß die Umweltbelastung der früheren DDR alle Umweltschäden der früheren BRD um ein Vielfaches übertreffe.“Dann wirkt der „Wendeknick“ – die „nachholende Modernisierung“ gemäß West-Vorbild hat viele im Osten zuvor häufige Arten längst voll erwischt – eine nach der anderen wird deshalb „Vogel des Jahres“: 1995 die Nachtigall, 1996 der Kiebitz, 1997 der Buntspecht, 1998 die Feldlerche, 1999 die Goldammer mit dem so charakteristischen, früher überall hörbaren Gesang – auch sie vertrieben durch die Umwandlung der Feldfluren in öde Agrarsteppen. 2000 der Haubentaucher – weit über die Hälfte des deutschen Bestandes lebt im Osten. Doch weil die neuen Betonköpfe in den Landesregierungen vor der Wirtschaft einknicken, Gewässer ohne Rücksicht auf die Natur dem profitträchtigen Motorboot-Tourismus öffnen, geht allein im seenreichen Brandenburg in nur zehn Wendejahren die Zahl der auffallend schönen Tauchvögel um die Hälfte zurück. Wo jetzt drei-bis viermal soviele Boote knattern, Treibstoff-und Öllachen auf dem Wasser treiben, giftige Auspuffgase wabern, verschwinden auch andere sensible Arten, wie die Rohrdommel, völlig – und naturliebende Erholungssuchende.Öko-Bürgerrechtler hatten salopp vorausgesagt, nach der Wiedervereinigung kriege der Naturschutz viel mehr Power, könne sich gegen Staat und Wirtschaft viel besser behaupten als unter der SED-Knute. Doch war beispielsweise der immens gestiegene, verheerende Agrargifteinsatz bisher zu stoppen? Nicht ein bißchen. Viele frühere Umweltaktivisten, die sich in der DDR mit dem System anlegten, nach der Wende in Ämter, Behörden rückten, dort „Berufsnaturschutz“betreiben, sehen sich heute „kaltgestellt und frustriert, am Gängelband der Politiker“. Eingebunden in den Verwaltungsapparat, können sie längst nicht mehr das fordern und realisieren, was sie sich früher vorstellten. „Trittbrettfahrer, Fördermitteleinheimser, Selbstdarsteller“ werden heute begünstigt, machen sich lustig über echte, ehrliche Naturschützer. Das Ausweisen neuer Schutzgebiete, heißt es, sei zunächst nur ein formaler Akt, garantiere nicht quasi automatisch die Zunahme bedrohter Arten. “Obwohl die Zahl der Naturschutzgebiete ständig wächst“, so NABU-Forstexperte Wilhelm Bode, „sterben gerade im ländlichen Raum die Arten weiter wie die Fliegen.“ Vertragsnaturschutz heißt nur zu oft, daß die Landwirte zwar Gelder einstreichen, aber mangels Kontrolle, oder weil man bei den Behörden ein Auge zudrückt, die Öko-Auflagen gar nicht erfüllt werden.Trend ist, Schutzgebietsverordnungen abzuschwächen, um Fördermittel für Agrarnutzung zu bekommen. „Es gab unter Naturfreunden in der DDR“, betont Umweltaktivist Karl Schlimme aus Sachsen-Anhalt, „durchaus Leute, die meinten, die Naturschutzgesetzgebung der BRD sei gut, ideal, gar erstrebenswert. Mit der Wende lernten sie die Praxis kennen. Gute Texte, aber zahnlos und wehrlos, jedem ökonomischen Interesse ausgeliefert, wenn es ernst wurde.“ Täglich erlebten alle, „wie die Natur bei uns unreparierbaren Schaden nimmt.“„Eigentliche Wendegewinner gibt es nicht – weder bei Tieren noch bei Pflanzen, ebensowenig einen positiven Bestandstrend“, konstatiert auch Dr. Frank Zimmermann, zuständiger Referatsleiter im Brandenburger Umweltamt,“ein Erfolg bundesdeutscher Umweltpolitik läßt sich im Artenbestand und bei den Biotopen überhaupt nicht feststellen.“ Daß manche Arten, wie Fisch-und Seeadler zunehmen, sei lediglich die Fortsetzung eines Trends aus der DDR-Zeit, der sich wegen Nachwende-Faktoren teils verlangsame. Deutlich bis extrem zurückgegangen sind dem Biologen zufolge Greifvögel wie der einst so häufige Bussard, aber auch Rotmilan, Habicht und Rohrweihe,“ziemlich katastrophal“ sieht es bei Bodenbrütern offener Landschaften, darunter Kiebitz, Rebhuhn, Bekassine, Rotschenkel, Rohrdommel oder Uferschnepfe aus.Gleiches gilt für den auf einem „Tiefststand“ angelangten Schwarzstorch – „einzige Ursache sind Störungen im Brutrevier.“ Experten der staatlichen Vogelwarte Buckow stellen wiederum als „bedeutenden Negativfaktor“ die zunehmende Waldprivatisierung heraus – doch in der Potsdamer Regierung interessiert das niemanden, vor allem an reiche Adlige wird munter weiterverkauft. „Der Zuwachs an Fischottern“, so Zimmermann, „ wird totgefahren.“ Die Öffnung zum Westen brachte nun auch das in der DDR unübliche Geschäft mit Eiern oder Jungtieren seltener Vögel zum Aufschwung – skrupellose Händler und Kunden selbst in Spanien oder Frankreich bedienen sich mit solcher Ost-Ware.

Auch in Brandenburg kann die Umweltbehörde nach eigenen Angaben nicht mal ein Drittel der nötigsten Naturschutzaufgaben bewältigen, fehlt es dringend an Geld und guten Leuten – obwohl doch zur Wendezeit das Gegenteil versprochen worden war. Aber Frau Merkels CDU vor Ort nennt die Behörde aufgebläht, verlangt Entlassungen. Außerdem wird das Agrar-und Umweltministerium zusammengelegt, damit der Thüringer Artenexperte Eberhard Henne, den die ostdeutschen Naturschützer so mögen, den Ministerposten verliert.

In den städtischen Sanierungsgebieten der neuen Bundesländer geht allein der Vogel-und Fledermausbestand bis zu neunzig Prozent zurück – die neue, angeblich so progressive Umweltpolitik hat es merkwürdigerweise nicht verhindert. Dennoch, so hebt Artenreferent Zimmermann hervor, sind Flora und Fauna des Ostens genau wie vor der Wende weiterhin diversifizierter und gesünder als in jeder beliebigen Region Westdeutschlands. Das hatte damals sogar ein OECD-Gutachten bescheinigt, die industriellen Ballungszentren natürlich ausgenommen. Schließlich brüteten beispielsweise seinerzeit in der kleineren DDR über 2500 Storchenpaare, im viel größeren Bundesgebiet aber nur sechshundert. 1989 zieht im Westen kein einziges Fischadlerpaar mehr Nachwuchs auf, im Osten sinds über zweihundert. Vom weit selteneren Seeadler halten sich zur Wende in den alten Bundesländern weniger als zehn Brutpaare – da hatte allein schon die Industrieregion Sachsen, wo die Chemiegiganten Leuna und Buna liegen, mehr als das Doppelte, die gesamte DDR rund zweihundert. Doch in einer neuen Propagandabroschüre Minister Trittins steht absurderweise, im Osten fühle sich jetzt der Seeadler wieder heimisch, der hier noch vor wenigen Jahren als vom Aussterben bedroht galt.

„Die östlichen Bundesländer bereichern die Fauna der Bundesrepublik Deutschland mit Artbeständen, die zum Teil in den westlichen Bundesländern erloschen sind oder hier unterhalb überlebensfähiger Populationsgrößen liegen“, konstatiert das Landesumweltamt Brandenburg, Armutszeugnis für den westdeutschen Naturschutz, Beweis hoher Kompetenz der DDR-Umweltschützer. Professor Michael Succow, Initiator des ostdeutschen Nationalparkprogramms:“Die Naturschutzgruppen im Kulturbund der DDR hatten ein sehr hohes fachliches Niveau – weltweit einmalig!“ Logisch, daß deshalb durchweg alle Naturschutz betreffenden Leitungsfunktionen in den neuen Bundesländern ausschließlich mit Ost-Fachleuten besetzt werden, schon wegen der hohen Arbeitslosigkeit unter Experten, Akademikern. Logisch? Von wegen. Nur zu viele dieser Posten wurden trotz der Unmenge hochqualifizierter Ost-Bewerber an Westdeutsche vergeben – der Niedergang des Naturschutzes in den neuen Ländern, und ausgerechnet im adlerreichsten Bundesland Brandenburg, wird wesentlich darauf zurückgeführt. Kurt Kretschmann und Christoph Kaatz, zwei renommierte ostdeutsche Artenexperten, beschreiben das Problem für den Storchenschutz:“Wir spürten, daß die Herangehensweise im Naturschutz in Ost und West unterschiedlich war. Naturschutz als Marktobjekt war uns völlig fremd. Auf einmal im Naturschutz ähnliche Verfahrensweisen wie in der Wirtschaft, Kultur, Politik. Eine bittere Erkenntnis. Wolfgang Thierse drückte das so aus: Der Einigungsprozeß wird belastet, weil es sich festgesetzt hat: Die Westdeutschen haben das Sagen und die Ostdeutschen müssen folgen. Gegen diese Leiderrealität im vereinten Deutschland haben wir uns im Weißstorchschutz verwehrt. Wir vertreten im östlichen Deutschland ca. 82 % des Weißstorchbestandes und die Entscheidungen müssen hier von uns getroffen werden und von uns sind die Akzente zu setzen, die Fachkompetenz ist in vielfältiger Weise gegeben.“

In Brandenburg bringt Naturschutzaktivisten besonders auf, daß zum Leiter der Abteilung Naturschutz im Umweltministerium ausgerechnet ein Westdeutscher, Dr. Mader, und kein Fachmann aus der Region, berufen wurde. „Mader begünstigt Investoren, spielt eine ganz miese Rolle im Naturschutz, müßte rausgeschmissen werden“, betonen führende Umweltaktivisten Brandenburgs, nennen Mader abgehoben, einen üblen Taktiker. Grüne-Liga-Sprecher Norbert Wilke:“Da wird Naturschutz nur verwaltet, werden Kompromisse gemacht, die sich für eine solche Behörde absolut verbieten!“ Von Kolonialherren-Art ist wegen solcher Personalpolitik überall im Osten die Rede – der Kolonialisierungsvorwurf wird damit begründet, daß eben nicht bessere, leistungsfähigere Experten ausgewählt werden, sondern vielmehr jetzt „Westpersonal aus dem zweiten Glied“ im Osten gemäß CDU/CSU-oder SPD-Parteibuch-Proporz beruflich-finanziell Karriere macht, von versprochener Leistungsgesellschaft auch hier nichts zu sehen ist.

Brandenburg ist das storchenreichste Bundesland, liegt auch bei anderen Arten ganz vorn – doch sogar die Landesanstalt für Großschutzgebiete Brandenburgs wird nicht von einem Ostdeutschen geleitet, sondern einem Grünen-Politiker, dessen Partei im Osten ihre völlige Umwelt-Inkompetenz bewies, deshalb durch Wählerwillen in keinem Landesparlament mehr vertreten ist. Direktor Axel Vogel ist Bayer, war zehn Jahre Kassenwart der Grünen, ist kein Ökologe, sondern Diplom-Ökonom, zählt zum Bundesvorstand. Das PDS-Zentralorgan „Neues Deutschland“ fragt ihn, viele meinen, daß die Natur im Osten zu den Verlierern der deutschen Einheit gehört – und Vogel kontert laut ND: „Viele Indikatoren – also die Bestände bekannter Arten wie Kranich, Seeadler oder auch der Großtrappe – gehen eindeutig nach oben.“ Kein Wort über Wendeverlierer, genau wie es der Grüne Trittin hält. Zum Totlachen, oder eher bedenklich. Denn die Kranich-und Seeadlerpopulationen steigen bereits seit den 70er Jahren, dank der ehrenamtlichen Arbeit der DDR-Naturschützer und Fachleute. Grüne-Liga-Sprecher Wilke: „Daß einige Arten zunehmen, ändert nichts am Haupttrend, der geht eindeutig nach unten – die Bestände von Schreiadlern oder Schwarzstörchen brechen dramatisch ein. Arten verabschieden sich jetzt, die in der DDR in Nischen leben konnten.“ Und der von Vogel genannten Großtrappe gehts nach der Wende nun wirklich nicht besser in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. 1994 läßt Potsdam zu, daß ausgerechnet im Trappen-Schutzgebiet bei Mittenwalde die Koblenzer Kann-GmbH ein Betonsteinewerk errichten darf. Umweltaktivist und Gutachter Bernd Ludwig klagt über den NABU dagegen, gewinnt in erster Instanz, verliert nach eigenen Angaben vor dem Oberverwaltungsgericht. „Die Großtrappen sind wahrscheinlich irgendwo verendet.“

Doch daß etwa die Seeadler so gut zunahmen, ist auch laut Experte Zimmermann vom Brandenburger Umweltamt vor allem ein Erfolg der ehrenamtlichen DDR-Naturschützer, die über Jahrzehnte ein dichtes Betreuernetz entwickelten. „Wir hatten Artenbestände, von denen man in der Bundesrepublik nur träumen konnte, jeder Horst wurde gehegt und gepflegt, der ehrenamtliche Naturschutz funktionierte sehr gut. Die Artenvielfalt war und ist im Osten sehr viel höher. Vom Betreuernetz brach natürlich nach der Wende eine ganze Menge weg, das fehlt uns heute.“ Als „hundertprozentiges, absolutes Blech“ bezeichnet er die Politikersprüche von der ökologischen Anpassung des Ostens:“Wir hatten eine gute, sehr fortschrittliche Naturschutzgesetzgebung – Horstschutzzonen keineswegs nur für seltene Greifvögel wurden in Mitteleuropa von der DDR zuerst eingerichtet, lange vor der Bundesrepublik. In Zusammenarbeit mit den Forstbehörden wurden damit große Erfolge erreicht – auch eine allgemeine Akzeptanz.“ Artenexperte Dr. Wolfgang Kirmse in Leipzig bestätigts:“Beim Artenschutz, auch bei der Ausweisung von Schutzzonen, lagen wir in Europa an der Spitze. Das war nicht etwa nur guter Wille der Regierung, sondern lag an den Möglichkeiten, sowas durchzusetzen. Weil es keinen entscheidenden Widerstand gab. Dafür wurde, auf Deutsch gesagt, woanders herumgesaut.“ Als besonders vorteilhaft nennt Dr. Kirmse, daß in der DDR im Naturschutz die „Länderzuständigkeit“ fehlte, alles sozusagen „Bundesangelegenheit“ war, Beschlossenes sofort überall galt. „Nicht bekannt war bzw. ist die Tatsache“, so BUND-Experte Dr. Hermann Behrens, „daß der größte Teil der ökologischen Bewegung der DDR in der SED, den übrigen Parteien, den staatlichen Massenorganisationen(insbesondere Kulturbund) oder staatlichen Einrichtungen(Kammer der Technik, Erfinderschulen usw.) arbeiteten. Ihre Leistungen finden bisher keine oder wenig Anerkennung.“

Heute kaum zu glauben, aber wahr, auch von Professor Succow hervorgehoben: Betreuer von Naturschutzgebieten, seltenen Tieren mußten von der Arbeit freigestellt werden.

Mit der neuen Umweltpolitik nach der Wende ist damit Schluß – das „Volkseigentum“ Wald wird zunehmend privatisiert, neue Besitzer, meist Westdeutsche, fällen laut Zimmermann sogar Horstbäume, trotz brütender Greifvögel. „Ein Großteil der Forsten ist bereits in Privathand – manche Besitzer sagen, macht euch raus aus meinen Flächen.“ Blaublütige, kritisieren Naturschützer vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, mißachten immer häufiger Schutzvorschriften: Gräfliche Jagdkanzeln stehen neuerdings rechtswidrig sogar neben Fischadlerhorsten. Die Wälder werden gesetzwidrig flächendeckend mit Autos und Motorrädern befahren – weder Polizei noch Förster schreiten gewöhnlich dagegen ein. Tiere werden wie nie zuvor bei der Jungenaufzucht gestört bzw. davon abgehalten. Die Autoritäten lassen zu, daß Umweltstraftaten stark anwachsen, als Kavaliersdelikt gelten. „Was bekannt wird,“ so Zimmermann, „ist oft nur die Spitze des Eisbergs, sehr viel mehr passiert im Dunkeln, gerade bei Greifvögeln – Ausnehmen von Gelegen, Aushorsten von Tieren. Natürlich wird auch die Landschaft wieder stärker chemisiert.“

In der DDR werden Personen und Fracht umweltfreundlich zu immerhin fünfundsiebzig Prozent über die Schiene transportiert – doch nach der Wende stellen die neuen Machthaber zielstrebig zugunsten der Autokonzerne auf die Straße um, machen Bahnfahren durch extreme Preisanhebungen unattraktiv. Das Beseitigen, Wiederverwerten von Müll, der weit weniger anfiel als heute, war in der DDR viel ökologischer organisiert. Umweltminister denken garnicht daran, die Flut auch hochgiftiger Abfälle, von unnützen Verpackungen und Werbezeitungen radikal einzudämmen.

Wertvolle Naturräume werden erstmals durch Verkehrswege zerschnitten – Städter machen sich vielleicht keinen Begriff , wie das Ambiente, der Charme tausender ostdeutscher Dörfer einfach dadurch zerstört wurde, daß man den Schwerlastverkehr durch diese Orte leitete. Ruhe, auch Nachtruhe dahin, LKW bringen die Häuser Tag und Nacht zum Vibrieren – dazu die Dieselabgase. In Österreich, der Schweiz und Frankreich sind gemäß Studien sechs Prozent aller Todesfälle auf Luftvergiftung, vor allem durch Auspuffgase zurückzuführen. Daran sterben in den drei Ländern jährlich immerhin rund 40 000 Menschen. In Deutschland dürfte es nicht anders sein. Doch die LKW-Branche boomt, man sieht und riecht es – dafür werden im Osten die Verladeeinrichtungen der Bahn systematisch stillgelegt, abgebaut.

Waren die Milliarden in den Ost-Straßenbau wirklich nur notwendig gewesen, um die schlechten, löchrigen Ost-Straßen auf Vordermann zu bringen? Ingenieure sehens anders: Vielmehr mußten Straßen und Brücken den neuen, weit höheren Belastungen durch westliche Schwerlast-LKW angepaßt werden – das verursachte vor allem die immensen Kosten zu Lasten der Steuerzahler. Denn die DDR-LKW waren vergleichsweise Leichtgewichte, da hielten Brücken, Straßen und darunter verlaufende Röhren bequem stand. Bei den so viel schwereren von heute kriegen sie Risse, krachen, müssen erneuert werden. Die Sanierung ganzer Kanalsysteme ist eine Folge der überirdischen Druckwellen in die Tiefe. Ein einziger Vierzigtonner, der wie man weiß, nur zu häufig leer durch die Gegend fährt, zermürbt im Laufe seines Lebens durch konzentrierten Druck auf die Straßen die Asphaltdecke ebenso stark wie rund 164000 PKW, das sagt genug. Dazu Lärm, Smog, Dieselruß. Steuer-Milliarden, Subventionen also in Wahrheit zugunsten der LKW-Fabrikanten, der Autokonzerne ausgegeben, auf Kosten der Gesundheit der Ostdeutschen und ihrer Natur und Umwelt. Milliarden, die für Bildung, Kultur und eben auch den Naturschutz fehlen. Töpfer, Merkel, Trittin – alle schweigen zu diesen Relationen, Zusammenhängen. Ein alter Hut.

Eine weitere Folge moderner westdeutscher Umweltpolitik – die technisch größtenteils durchaus vermeidbaren Tierverluste an Straßen sind durch die Förderung des LKW-Verkehrs, des Autoverkehrs allgemein, erschreckend in die Höhe geschnellt:“Für eine ganze Reihe von Arten ist das gravierend, die litten unter dem zunehmenden Straßenverkehr nach der Wende ganz massiv,“ betont Umweltexperte Zimmermann. Auch andere Gründe für den Arteneinbruch nach 1989 sind bestens bekannt, ohne daß die Politik reagiert. Der Nutzungsdruck auf der Landschaft, dazu der ungebremste enorme Flächenverbrauch, die Autoabgase, Mülllawinen und die Bodenversiegelung haben stark zugenommen.

Aber viele Gewässer sind doch sauberer geworden, in die Elbe beispielsweise kehrten zahlreiche Fischarten wieder zurück, wenden manche ein. Keine Kunst, kontern Naturschutzaktivisten – schließlich habe man zugunsten der West-Konzerne etwa drei Viertel der ostdeutschen Industrie vernichtet, besonders davon, und nicht von „echter Sanierung“ profitierten auch Flüsse wie Saale, Werra oder Unstrut. Doch schon ab 1993, erinnert sich Grüne-Liga-Experte Norbert Wilke, war Umwelt-und Naturschutz im Osten auf einmal kein Thema mehr, wurde ausgeblendet. „Da kam der Bruch, merkte man es an der Medienpolitik, wurde man plötzlich als Verhinderer angegriffen.“ Logisch – ab 1993 ließ sich die Umweltproblematik nicht mehr gegen die DDR instrumentalisieren, begannen vor allem erste gravierende Eingriffe in die Ostnatur – mit Autobahnen, Straßen, Gewerbegebieten, wurden erste Naturrefugien bebaut, vermarktet, verramscht – wie im Westen üblich.

Paul Sömmer kennt sich im Osten wie kaum ein zweiter mit Adlern und Wanderfalken aus, erklettert zum Beringen und Studieren auch die schwierigsten, höchsten Baumhorste, repariert selbst bei Windstärke acht ein Fischadlernest. Sömmer leitet mit viel Idealismus die staatliche Brandenburger Naturschutzstation Woblitz – dort pflegt der gelernte Zootechniker und international anerkannte Fachmann verletzte Tiere gesund, schreibt Expertisen. Seine Nachwendebilanz stimmt auch nicht gerade optimistisch: „Man ist dabei, fast alle Vogelarten des Offenlandes auszurotten oder an den Rand des Abgrundes zu bringen. In Brandenburg ist der Feldhamster so gut wie ausgestorben, in Sachsen-Anhalt ging er nach der Wende dramatisch zurück, als Folge ebenso der Rotmilanbestand. Im ganzen Osten haben die bisher häufigen Mäusebussarde immer geringere Reproduktionsraten. Eine Art nimmt immer mehrere andere mit.“ Den dramatischen Rückgang von Saatkrähe, Dohle, Kiebitz, Schwarzstorch, letzteren im ganzen Osten, nennt er ebenfalls ein Nachwende-Problem. Hinzu kommen Beutelmeise, Zwergtaucher, Rohrweihe, Schleiereule. Für ihn ist Unsinn, Rückgänge bei Bodenbrütern vor allem auf die zunehmenden Fuchsbestände zu schieben. Zu DDR-Zeiten werden etwa dreißig Kulturpflanzen angebaut, heute dominieren Monokulturen in der Agrarsteppe – nur fünf bis sechs Hauptarten, vor allem Raps und Getreide, sind übrig. Resultat: Einerseits wahnsinnige Erträge, zur Überschußproduktion der EU, andererseits das neue Nachwende-Phänomen – viele Arten leiden Hunger in der Feldflur. Nicht nur Dohlenjungen verhungern im Nest, auch in Brandenburg.

Wer erinnert sich nicht an die riesigen Krähenschwärme im Winterhalbjahr aus Nord-und Osteuropa? Drastisch weniger, sagt Sömmer, weil sie hier keine Nahrung mehr finden. Der Ackerboden total chemisiert, alle Bodenarten umgebracht. Also müssen die Krähenschwärme weiterziehen, bleiben nicht mehr hier. Bis heute werden im Osten radikal seit der Wende die Höhlenbäume abgeholzt, in Parks, an Wegen, in Wäldern. Die großen Verlierer sind deshalb die Höhlenbrüter wie Dohlen, der Waldkauz, Eulen, sogar die früher so häufigen Stare. Westdeutsche sind an Natur ohne Artenvielfalt gewöhnt.

„Greifvögel aller Art, wie zu DDR-Zeiten undenkbar, werden jetzt abgeschossen. Anders als früher hat heute jeder Depp `ne Waffe und ballert damit rum, tötet sogar Adler, die in der DDR tabu waren.“, sagen Sömmer und viele andere. Na klar – daß etwa die Rotmilane oder Fischadler im Westen so selten sind, liegt ja auch an der unerbittlichen, stumpfsinnigen Verfolgung. In der DDR stehen generell alle Greifvögel unter Naturschutz, im Westen sind sie dagegen dem Jagdrecht untergeordnet – nur zuviele Waidmänner mißachten Schonzeiten, holen sie vom Himmel. „Nach der Wende werden unsere Greifvögel ebenfalls dem Jagdrecht zugeschlagen – und sofort begannen die Probleme“, sagt Sachsen-Anhalts NABU-Experte Dr. Peter Neuhäuser, der beim erwähnten Hallenser Uni-Prof Stubbe noch in der DDR seinen Biologenabschluß machte. Jagdscheine und vor allem Waffen sind viel leichter zu erwerben als früher, zunehmend werden Greifvogelfallen aufgestellt. „Die Dunkelziffer getöteter Greifvögel, auch Rotmilane, ist hoch – alles ganz klar ein Nachwende-Problem, zumal die Täter schwer zu fassen sind und eine Bestrafung heutzutage schwierig ist.“ An Waffen kommt jederman leicht heran, man schaue sich nur den Zirkus um die Schützenvereine an, die die Dörfer wieder militarisieren wie zu Kaisers Zeiten. Sich von jemandem eine Knarre zu borgen, um einen Seeadler herunterzuholen – heute ein Kinderspiel – dank neuer Umweltpolitik. Nach der Wende ist erstmals wieder kräftige Nachfrage nach Trophäen, ausgestopften Tieren da, gibt es Trophäenmessen, wird hoch geboten. Bei den vielen neuen Präparatoren im Osten findet man regelmäßig illegal erlegte Greifvögel im Kühlschrank.

Doch nicht nur die Umweltpolitik änderte sich, auch das Umweltverhalten der Bevölkerung. „Die Akzeptanz gegenüber Mitgeschöpfen“, so Horstkletterer Sömmer, „hat sich seit 1989 nur verschlechtert, die Intoleranz wird immer größer.“ Gewässer würden zu langweiligen Wasserstraßen, ein Drama, wenn sich dann mal ein Zweig in der Motorbootschraube eines Freizeitkapitäns verfange. Von denen, die in Sömmers Naturschutzstation Woblitz wegen dem Weißstorch anrufen, sehen fast fünfzig Prozent nur Probleme:“Der klappert zu laut, kackt auf den Opel – das wurde früher einfach respektiert, spielte keine Rolle. In der DDR hätte sich doch nie jemand ausgerechnet gegen den Storch aufgelehnt, hatte man nicht diesen absurden Ordnungsfimmel. Die Leute stören sich heute an Schwalbennestern – die werden runtergeschmissen.“ Sich auf Kosten der Umwelt zu bereichern wie heute, das gab es laut Sömmer in der DDR nicht, „das ging in soner Gesellschaftsordnung garnicht.“ Viele ganz „oben“, die immer gerne von Naturschutz reden, bewertet Sömmer lediglich als Alibi-Politiker – weil sie nur so tun, als ob, gelegentlich forsche Presseerklärungen abgeben, die vorhersehbar nichts bewirken. Betrieben wird meist nur symbolische, inszenierte Umweltpolitik mit Bluff-Effekt, wird aber nichts wirklich gelöst. „Auch die reaktionärsten Politiker lieben Ökos, Umweltorganisationen wie Greenpeace als gutes Gewissen der Nation, weil die den Alibi-Eindruck vermitteln, es gebe Unangepaßtes in der Gesellschaft, es werde was für die Natur gemacht.“

Erscheckend aseptische Dörfer gibts jetzt auch im Osten. Vor dem sanierten Gebäude muß auch der Garten so aussehen wie in der knallbunten Propaganda des Baumarkts – sodaß Wildkräuter ebenso verschwinden wie undiszipliniert wachsendes Gesträuch, wo sich früher Nachtigallen und Igel tummelten. Auch die flächendeckende visuelle Umweltverschmutzung durch Firmenpropaganda wird in ostdeutschen Straßen und Landschaften inzwischen hingenommen. Sömmers Kollege Dr.Torsten Langgemach, Leiter der Vogelwarte Buckow, zählt Bodenbrüter, Limikolen zu den „Verlierern der deutschen Einheit“. Absurde Fehlurteile würden permanent propagiert, hätten fatale Folgen: Greifvögel gehen zwar deutlich zurück, trotzdem wird das Gegenteil behauptet, fordert man inzwischen sogar bundesweit, sie zu bekämpfen, tut es bereits illegal, neuerdings auch in Ostdeutschland. Der Baumfalke brütet nur in Krähennestern – da die schwarzen Gesellen in der Landschaft stark abnehmen, fehlen ihm neuerdings Horste. In verschiedenen neuen Bundesländern, darunter Thüringen, werden dennoch Krähen zum Abschuß freigegeben.“Im Herbst ziehen wieder große Schwärme durchs Land und die Leute sagen, Vögel gibts doch noch und nöcher“, so Langgemach ironisch. Doch kaum einer sehe, daß es sich, wie etwa beim Kiebitz, kaum um heimische Brutvögel, sondern gen Westen ziehende Scharen anderer Länder handele. Auch er konstatiert eine erschreckende Naturentfremdung als Wendefolge gerade bei Jugendlichen:“Wir hatten in der Naturschutzstation viele Oberstufenklassen, die noch nie einen Weißstorch sahen, angesichts unserer Pfleglinge aus allen Wolken fielen. Was isn das, das ist ja noch ein Storch! Die denken, das wäre was Archaisches, obwohl doch auf dem flachen Land überall welche sind. Es ist eben ein Unterschied, ob ich mir ein Tier per Video und Computer reinziehe – oder ob ich es draußen beobachte.“ Das neue aufgestülpte Schulsystem versagt grauenhaft – außerdem wurden die Arbeitsgemeinschaften „Junger Naturschützer“ der DDR-Zeit abgeschafft. Doch diese hatten früher überall an den Schulen laufend junge Leute an das Naturschutzthema herangeführt. „Schülerarbeitsgruppen“, erinnert sich Artenreferent Zimmermann, „haben sich in der DDR ganz stark auch um Amphibiengewässer gekümmert, Zäune gebaut, Frösche und Kröten über die Straßen getragen.“ Daß es die AGs nicht mehr gibt, spürt man überall:“Durch den Wegfall kriegen wir heute keinen Nachwuchs mehr“, sagt der Westberliner Biologe Wolfgang Mädlow, Geschäftsführer des NABU in Brandenburg. Seinem damaligen NABU-Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, dem Niedersachsen Gundolf Renze fiel auf, daß es im Unterschied zu früher heute kaum noch Möglichkeiten gebe, gegen Naturfrevler, Umwelttäter wirklich vorzugehen. „Wegen der Schreiadler und anderer seltener Arten hatte man sich in der DDR sozusagen auf dem kurzen Dienstweg mit den zuständigen Förstern einigen können – heute kämpfen die Naturschützer mit Privateigentümern der Waldflächen, die einfach Zäune ziehen, Verbotsschilder aufstellen – doch die Störungen der Natur nehmen zu.“ Noch besser vergleichen kann Dr. Horst Zimmermann, einst Naturschutzbeauftragter des Bezirkes Schwerin, heute Referatsleiter Naturschutz im PDS-geführten Umweltministerium – auch er bestätigt den teils drastischen Artenrückgang, nennt störungsempfindliche Arten wie Rohrdommel oder Fluß-Trauerseeschwalbe:“Wo gibt es denn heute noch Gewässer, wo keine Angler stehen, niemand mit lärmendem Motorboot draufrumrast?“ Sein Job war schon mal ein Klacks: „Alles ist viel, viel schwieriger geworden – damals in der DDR gab es viel weniger Verfehlungen und man paßte auf, der praktische Naturschutz war besser und einfacher, funktionierte gut.“

Der Umweltaktivist und Kormoranexperte Peter Strunk, heute ämterlos, vogelfrei, kann sich drastischer ausdrücken:“Vor lauter Verwaltungsvorschriften kommt niemand mehr aus dem Knick – der Staat will ja, daß niemand mehr irgendwas macht, Berufsnaturschützer sind zur Handlungsunfähigkeit gezwungen.“ Aber das Klischee, in der DDR konte man nichts tun, war der Naturschutz grauenhaft? „Erstunken und erlogen.“ Zu DDR-Zeiten geriet er mit ZK-Mitglied Harry Tisch in dessen Staatsjagdgebiet aneinander, ging da einfach rein, zeigte tausenden Schweden Meck-Pomms „Naturrosinen“. Tischs Jagdrevier gehöre heute Privaten, da würden Wege ausgebaut, Entwässerungsgräben ausgehoben, leide die Natur unter fast ständigen, früher unbekannten Störungen. „Das Tafelsilber der deutschen Einheit kriegt immer mehr Rostflecken“, sagt Naturcrack Strunk, an der Ostseeküste bekannt wie ein bunter Hund, hat aus Merkel-Land zig Beispiele parat. „Wo jetzt Neubesitzer aus Bayern und sonstwoher wunderbare uralte Eichen und Buchen kahlschlagen lassen, die DDR-Förster extra stehenließen, haben Adler und andere Arten gebrütet – die sind natürlich nun weg.“ Käme er beispielsweise in den Schwarzwald, sollte dort solche Prachtstücke fällen, würde er das ablehnen – „ so vom inneren Gefühl her“. ABM-Kräfte mit den neuen, nervigen westlichen Motorsensen, in Sichtweite fluchtartig verlassener Kranichnester, wären ein treffliches Symbol neuer Umweltpolitik – überall im Osten flucht man über angerichtete Biotopvernichtung, ob in nunmehr Nachtigall-freien Stadtfriedhöfen, Klosterparks, Schloßgärten oder Wäldern. „Die ABM`s dürften nur mit einer Kugel am Bein und `nem Taschenmesser losgelassen werden – stattdessen werden sie mit High-Tech ausgerüstet, machen in der Natur alles nieder, damits überall „schön sauber“ ist“, ärgert sich Strunk, „Verheerendes ist dabei passiert!“ Wie findet er die überpflegten aseptischen West-Dörfer? „Du denkst, da stehen lauter Ausstellungsmodelle für irgendeinen Gartenkatalog!“ In der DDR habe niemand Tiere ausgesetzt – „heute passiert das am laufenden Band.“ Ironisch meint Strunk zur praxisfernen Uni-Ausbildung:“Der heutige Student weiß alles über DNS – aber der Unterschied zwischen Regenwurm und Maikäfer bleibt ihm verschlossen. Auch die Schulen versagen.“ Selbst laut NABU ist mit dem heutigen gesetzlichen Instrumentarium überhaupt kein wirksamer Artenschutz möglich, Umwelttäter gingen meist straffrei aus. „Kriegen tue ich sie bestenfalls“, so Strunk drastisch, „aber nicht r a n! Wer das Geld hat, hat heute das Sagen.“

Nach dem Merkel-Debakel waren die Ossis gespannt, mit welchen „Konzepten und Intentionen“ Trittin die Nachwende-Erblast des Artenrückgangs beiseitigen wollte. Schließlich hat er die Richtlinienkompetenz. Doch wie es läuft, sieht man beim Rotmilan. Auf Anfrage erklärt sich das Umweltministerium nicht zuständig, verweist überraschend – wegen des Jagdrechts – ans Bundeslandwirtschaftsministerium. Von dort kommt ein klares „Nein“ auf die Frage, ob denn zugunsten des bedrohten, zu DDR-Zeiten häufigen Rotmilans Schutzprojekte oder ähnliches geplant seien:“Soetwas betreiben oder fördern wir als Ministerium selber garnicht.“ Trittins Ministerium bezweifelt gar die Angaben der ostdeutschen Schreiadlerexperten über Biotopzerstörung, massenhaften Abschuß der seltenen Großvögel im Libanon, in Syrien. Forderungen auch des NABU-Ost, politischen Druck auf diese Länder auszuüben , werden klar zurückgewiesen. „Man ist im Ministerium offensichtlich nicht im Bilde“, reagiert Experte Matthes aus Rostock. Und Sommer kontert:“In der ganzen EU brüten keine Schreiadler mehr – außer in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.Deutschland hat eine riesige Verantwortung. Entweder wir übernehmen diese oder lassens bei irgendwelchem närrischen Geschwätz.“

 

Trittin-Entscheidung vernichtet Brut seltener Adler/ Grüne Liga Ostdeutschlands :“Ein Skandal“/  Ermittlungsverfahren gegen Minister erwogen/ Adler vom Aussterben bedroht

Trotz eindeutiger Warnung der Grünen Liga Ostdeutschlands an Umweltminister Trittin, daß bereits mit der Vorbereitung der für nächste Woche geplanten Brandenburger Castor-Transporte gravierend und eindeutig gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen wird, hat der Minister wie üblich auch auf Expertenproteste nicht reagiert, die Transporte nicht abgesagt. Jetzt steht das erste erschreckende Resultat fest: Nach Angaben des zuständigen Horstbetreuers Paul Sömmer, Leiter der staatlichen Brandenburger Naturschutzstation Woblitz, gegenüber dieser Website hat bereits ein von den ständigen Störungen am früheren DDR-Atomkraftwerk Rheinsberg betroffenes Fischadlerpaar definitiv seine Brut aufgegeben. Die vom Aussterben bedrohten Adler haben, ebenso wie drei weitere Brutpaare, in unmittelbarer Nähe des stillgelegten Werks auf Hochspannungsmasten ihre Horste – seit Wochen indessen ist dort Bundesgrenzschutz und Polizei mit schweren Fahrzeugen stationiert, fliegen tagsüber und sogar in der Dämmerung schwere Hubschrauber tief über der ganzen Region, die zudem ein Naturschutzgebiet ist. „Wenn Vögel jetzt in der sensibelsten Brutphase beim Dunkelwerden aufgescheucht werden, kommen sie nicht zum Nest zurück. Fischadler fliegen im Dunkeln nicht mehr zum Horst.“ Sömmer, einer der renommiertesten Greifvogelexperten Deutschlands, zu den übrigen drei brütenden Adlerpaaren.“Denen passiert genau dasselbe. Wie es aussieht, ist auch eine Wanderfalkenbrut gescheitert.“

Die Rechtslage sei völlig eindeutig – fest stehe der Verstoß gegen das Bundesnaturschutz – sowie Jagdgesetz, gegen die EU-Vogelschutzverordnung sowie die für Naturschutzgebiete geltenden Regeln. Die Region sei wegen ihres einmaligen Flora-und Fauna-Reichtums, seltenster Biotope als „Special protected Area“ an die EU gemeldet worden.

–Störungen vorsätzlich—

Die Existenz von Arten mit höchstem Schutzstatus, so Sömmer, sei allgemein bekannt. „Damit geschieht die Störung vorsätzlich – doch Naturschutzbelange sind ein hohes Rechtsgut.“ Alles sei offenbar aber nicht das Papier wert, auf dem es stehe. „Schwerwiegend ist, wenn Trittin als zuständiger Fachminister diese Belange nicht berücksichtigt.“

Katrin Kusche, Geschäftsführerin der Grünen Liga Ostdeutschlands, sprach in Berlin gegenüber der windkraftkritischen Umweltschützer-Website  wilfriedheck.tripod.com von einem „schwerwiegenden Fall.“  Norbert Wilke, Artenexperte und brandenburgischer Geschäftsführer de Grünen Liga:“ Daß eine Fischadlerbrut vernichtet wurde, ist ein Skandal.“ Dies laufe auf ein Ermittlungsverfahren gegen Minister Trittin hinaus, worüber die Grüne Liga Brandenburg jetzt beraten werde. „Aber wir wissen ja auch, was dabei herauskommt – nichts.“ Wilke beschrieb zudem, wie Zensur und Medienmanipulation derzeit funktioniert: „Wir waren mit unserer Presseerklärung („Ministerien mißachten Artenschutz“)in keinem Medium, nicht mal in den Lokalzeitungen, das ist uns noch nie passiert. Das war der erste Fall, daß nichts gedruckt wurde.“ Diese Website hatte sehr ausführlich über  die Position der Grünen Liga Ostdeutschlands berichtet. Zur Rolle des Bundesumweltministeriums und der zuständigen Brandenburger Ministerien hatte Wilke bereits im März erklärt:“ Sie verstoßen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, gegen das Landesnaturschutzgesetz – und das recht eindeutig.“ Das Brandenburger Innenministerium hatte klargestellt, daß der Castor-Transporttermin von Minister Trittin festgelegt worden sei. Dazu damals der Umweltschützerverband  in seiner Erklärung:“ Die GRÜNE LIGA fordert von Bundesumweltminister Trittin und vom Brandenburger Landwirtschaftsminister Birthler die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und die sofortige Absage des für Mai angesetzten Castortransports und den damit verbundenen Störungen im Naturschutzgebiet“. Die wichtige Arbeit und die Erfolge der Naturschützer vor Ort in den letzten Jahren, heißt es weiter, „geraten durch Beamtenwillkür in Gefahr.“ Weiter heißt es, durch die ständigen Kontrollflüge des Bundesgrenzschutzes, durch die eingeleiteten Baumfällungen am Bahndamm und durch die ständige personelle Präsenz der Polizei in der gesetzlich geschützten Horstschutzzone werde eine Brut dieser seltenen Vogelarten in diesem Jahr unmöglich gemacht. „Immerhin befindet sich das Kernkraftwerk Rheinsberg in einem der ältesten und wertvollsten Naturschutzgebiete Deutschlands, dem bereits 1938 unter Schutz gestellten Stechlinseegebiet“.

–Umweltministerium wiegelt ab—

Trittins Sprecher Jürgen Maass versuchte, auf Anfrage dieser Website, die Schuld den brandenburgischen Landesministerien zu geben – diese seien für Aktionen im Umfeld des Atomkraftwerks zuständig. Maass behauptete, ihm sei die Presseerklärung der Grünen Liga  gar nicht bekannt. „Die artenschutzrechtlichen Konsequenzen, die ein vielleicht falsch geparktes Polizeifahrzeug hat – definitiv haben wir damit nichts zu tun.“ Der Minister-Sprecher stritt ab, daß entgegen den Äußerungen des Brandenburger Innenministeriums die Verantwortung für den Castortransport und den getroffenen Termin bei Trittin liegt.

Von Klaus Hart, Der Rabe Ralf, Zeitschrift der Grünen Liga Berlin.

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/26/illegale-jagd-bzw-wilderei-durch-jager/

http://www.telegraph.ostbuero.de/100/rotmilan.html

http://www.deutschlandfunk.de/neuer-naturpark-im-norden-brandenburgs.697.de.html?dram:article_id=72434

https://www.focus.de/politik/deutschland/natur-aare-im-sturzflug_aid_177714.html

http://www.wattenrat.de/wind/wind07.htm

Deutschlands führender Rotmilan-Experte Dr.Michael Stubbe aus Halle/Saale im Website-Interview: “Im Naturschutz brachte die Wende einen Rückfall in die Steinzeit.”

“Die Studenten haben kaum noch Artenkenntnisvermittlung an Universitäten und Hochschulen. Bestimmungsübungen sind auf ein Minimum zusammengeschrumpft, ebenso Exkursionen. Früher gab es ein riesiges Angebot und zudem klare Richtlinien zur Teilnahme der Studenten an solchen Exkursionen in die Natur. Das ist alles zu einer Lappalie zusammengeschrumpft.”

Heißt dies, daß immer weniger bemerkt wird, welche gravierenden Veränderungen sich in unserer Natur vollziehen?

„Ja. In den Naturschutzverbänden sehen wir enorme Überalterung,  junge Leute stoßen kaum noch hinzu. Das war unser großes Verdienst –  daß wir fast jedes Jahr eine nationale, internationale Konferenz veranstaltet haben, um für die vielen ehrenamtlichen, freiwilligen Freizeitforscher die Weiterbildung zu ermöglichen, ihnen die Chance zu geben, Ergebnisse zu präsentieren und zu publizieren.

–Windkraftproblematik–

Nach wie vor beschäftigt uns die Windkraftproblematik, die Situation der Eulen und Greifvögel, die Fragmentierung der Landschaft, die Verkehrszerschneidung durch Straßen und Bahnstrecken. Ein besonderes Problem bilden Windkraftwerke im Harzvorland. Der Harz mit seinen Waldinseln stellt die wichtigsten Brutgebiete des Rotmilans, die jedoch jetzt von einem dichten Netz von Windkraftanlagen umstellt sind. Inzwischen stehen  an fast allen für den Naturschutz sehr bedeutenden Waldinseln Windkraftwerke –  sogar am Hakel, dem wichtigsten Waldgebiet. Es handelt sich schließlich um das Hauptverbreitungsgebiet dieser in Deutschland an erster Stelle zu schützenden Art. 60 Prozent der Rotmilanbruten entfallen auf Deutschland, konzentriert vor allem auf Sachsen-Anhalt. Doch die Lage ist  verheerend. Zwischen den einzelnen Waldinseln gibt es Populationsaustausch, müssen die Rotmilane daher zwischen den Windkraftwerken hindurchfliegen. Zugunsten dieser Windanlagen werden getürkte Gutachten „erstellt”, wobei man unsere Erkenntnisse und Erfahrungen komplett fehlinterpretiert. Da heißt es dann, die Windkraftwerke hätten keinerlei negativen Einfluß auf die Bruten des Rotmilans. In Wahrheit erleidet die Art einen drastischen Niedergang, steht der Rotmilan bei den Windkraftopfern an allererster Stelle. Immerhin ein geschützer Vogel, für den Deutschland in Europa die höchste Verantwortung trägt. Das muß man sich einfach klarmachen!  Wir Naturschützer haben für echten Artenschutz gekämpft, mit Resolutionen, persönlichen Eingaben. Indessen werden diese vom Tisch gefegt, kein Einwand wird akzeptiert. Ich haben der zuständigen Umweltministerin Sachsen-Anhalts die verheerende Situation des Rotmilan geschildert  –  ich kann mein Lebenswerk wegwerfen. Unser Expertenwissen ist präsent, wird in allen Fachbüchern Europas zitiert –  doch die Windkraftindustrie macht, was sie will. Dabei hat Windkraft nach meiner Auffassung überhaupt keine Zukunft. Windkraft bedeutet den Tod für viele Arten, macht die Landschaften häßlich. Besonders bemerkenswert ist, daß gerade strenggeschützte Fledermäuse durch Windkraftwerken in großer Zahl getötet werden. Dies ist längst auch in den USA durch Fakten belegt. Im Zoologischen Institut der Universität Halle bekommen wir alle Totfunde aus Sachsen-Anhalt –  eine niederschmetternde Situation. In Bezug auf Windkraftwerke ist das EU-Recht eindeutig: Wenn es eine Zustandsänderung geben würde, die erheblich in die Biodiversität eingreift, darf das Bauwerk nicht realisiert werden. Das trifft auf alle Windkraftwerke des Harzvorlandes zu. Dort dürfte kein einziges Windrad stehen –  nicht eines! Alle sind gesetzwidrig. Weil überall dort Rotmilane im Aktionsraum und im Aktionsradius zu Hause sind. Wir haben Resolutionen für den Schutz des Rotmilans im nördlichen Harzvorland verfaßt, Gerichtsurteile zitiert, die den Bau von Windturbinen untersagen. Etwa 60 Prozent der Windkraftwerke Europas stehen in Deutschland –  Herr Trittin brüstet sich sogar damit. Dabei ist es keineswegs eine Energie der Zukunft. Ich hoffe, daß wir von dieser Landschaftsverschandelung wieder befreit werden.

(Faktenlage und Propaganda: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/17/immer-mehr-tote-vogel-durch-kollision-mit-windradern-in-brandenburg-betroffen-besonders-streng-geschutzte-arten-wie-seeadler-rotmilane-mausebussarde/)

–Politikmachenschaften heute, Gefälligkeitsgutachten–

Als ausgerechnet am Hakel Windkraftwerke errichtet werden sollten, habe ich mir beim zuständigen Amt das Umweltverträglichkeitsgutachten angesehen: Und siehe da, zu meiner größten Überraschung ist eine Karte vom Hakel abgedruckt, in der exakt alle Greifvogelhorste eingezeichnet sind. Es handelte sich um Daten von uns, um eine Karte, die von uns an die Obere Naturschutzbehörde übergeben worden war –  alles natürlich unter dem Siegel der Vertraulichkeit,  im Interesse des Artenschutzes. Doch just diese Behörde hat unsere Daten, diese Karte ohne unsere Wissen ausgerechnet einem Windkraft-Gutachter herausgegeben. Mit dem Ergebnis, daß dessen Gutachten genau das Gegenteil von dem zum Ausdruck bringt, was wir dargestellt und mit Fakten bewiesen haben. So wird heute Politik gemacht – und so werden heute Gefälligkeitsgutachten erstellt. Denn wenn der Gutachter sich gegen den Bau von Windkraftwerken wenden würde, bekäme er von der betreffenden Firma keinen Auftrag mehr. Er hat die betreffende vertrauliche Karte in fünf Pro-Windkraft-Gutachten verarbeitet, also unsere Ergebnisse verkauft. Zu hohem Profit, ohne Autorenrechte zu respektieren. All dies ist unglaublich, ein Skandal sondergleichen.

 –Gravierende Landschaftsveränderungen, hoher Gifteinsatz–

 Beim Rückgang der Rotmilane sind Windkraftwerke eine wichtige Ursache –  der Hauptfaktor ist jedoch die gesamte Landschaftsveränderung, die veränderte Landnutzung nach der politischen Wende. Von den einst 30 Kulturpflanzen sind gerade 5 übriggeblieben. Wintergetreide wird auffällig stark angebaut, bei Raps beträgt der Zuwachs etwa 300 Prozent. Dies heißt, daß Mitte Mai die Landschaft zu 80 Prozent versiegelt ist. Selbst wenn Nahrung vorhanden wäre, können die Greifvögel sie nicht finden, erreichen. Ich beobachte das sehr intensiv. Zudem werden auch Mäuse mit Agrargiften großflächig bekämpft –  was zu massivem Nahrungsmangel führt. Die Greifvögel sind deshalb gezwungen, Regenwürmer zu fressen, weil es diese bis auf weiteres noch gibt. Würmer sind natürlich keine Nahrungsart, mit der Greifvögel ihre Bruten hochbekommen. Wegen der versiegelten Landschaft sind die Wege zum Horst enorm geworden, müssen Greifvögel bis zu 20 Kilometer zurücklegen. Daher fallen Greifvogeljunge vor Hunger vom Horst. Früher gab es für den Nachwuchs einen reich gedeckten Tisch –  fanden wir Reste von Hamstern, Maulwürfen und Mäusen. Heute finden wir nur selten einmal einen Nahrungsrest. Entsprechend stark ist die Reproduktionsrate gesunken, registrieren wir viele Horste mit nur einem einzigen Jungvogel –  und zudem viele völlig leere Horste. Der Rotmilan ist nach der Wende um etwa fünfzig Prozent zurückgegangen. Selbst von den Brutbeständen in der offenen Landschaft ist nur noch etwa die Hälfte übriggeblieben. Zusätzlich verheerend wirkt sich derzeit die enorme Verbreitung des Waschbären aus, der in die Horste hinaufsteigt, sie als Lager nutzt. Entsetzlich betroffen sind selbst Arten wie der Graureiher. Dennoch gibt es militante Tierschützer, die sich für Waschbären einsetzen. Dabei sind diese sogar Träger eines sehr gefährlichen Nematoden, der ähnlich wie der Fuchsbandwurm in die inneren Organe des Menschen eindringt.”

War die Artenvielfalt in der DDR höher als in Westdeutschland?

„Ich bemerke jedes Jahr, daß Arten auf einmal fehlen in der Natur. Das ist verheerend! Wir haben als Kinder noch riesige Maikäferschwärme erlebt, Maikäfer dienten sogar als Schweinefutter. Wenn man dies heute berichtet, wird es für Jägerlatein gehalten, erscheint unvorstellbar. Man muß hundertprozentig davon ausgehen, daß der Agrargifteinsatz nach der politischen Wende deutlich erhöht wurde. Insektizide beispielsweise wurden in der DDR relativ wenig eingesetzt – nach der Wende wurden sie über Ostdeutschland geradezu lawinenartig herübergewälzt. Allein in den Agrarregionen der DDR war die Biodiversität, in erster Linie die Bodenfauna, etwa zehnfach höher als auf westdeutschen Gefilden – dazu existieren wissenschaftliche Untersuchungen.  Nach der Wende haben sich innerhalb weniger Jahre spürbare Veränderungen vollzogen. Früher gab es  selbst nachts eine vielfältige Insektenwelt zu beobachten, Nachtschmetterlinge und Käfer der verschiedensten Gattungen – das ist heute fast alles weg! Bei Exkursionen mit Studenten freue ich mich geradezu, wenn ich denen mal einen Tagfalter zeigen kann. Das ist verheerend! Zwar wird viel von Biodiversität gesprochen, auch von der Regierung – doch ist das alles Schall und Rauch, wenn man zu solchen Konzeptionen nicht die nötigen Mittel bereitstellt. Solange man nur von Biodiversität redet, wird nichts bewegt. Es gibt bei den Arten einige positive Beispiele – Biber, Adlerarten, Kraniche – das sind alles Gallionsfiguren des ostdeutschen Naturschutzes wohlgemerkt. Was häufig vergessen wird. Als die Wende kam, erinnere ich mich an Zeitungsartikel, wo von westlicher Seite geschrieben wurde, man müsse endlich etwas für den Elbebiber tun. Dabei war der Elbebiber eine Art Paradepferd des Naturschutzes der ostdeutschen ehrenamtlichen Biberschützer! Da war keine Hilfe von woanders nötig! Das alles wird sehr schnell vergessen. Und was ist mit den Vogelarten, wie Spatz, Star und Feldlerche, die früher geradezu massenhaft vorkamen? Nehmen wir das Beispiel der Feldlerche, die pro Jahr gewöhnlich zweimal brütet. Das erste Gelege findet man Ende April, Anfang Mai. Ist es in einem Rapsschlag, der Mitte Mai blüht, geht die Brut absolut verloren. Rapsfelder sind für Vögel sterile Einheiten. Die Lerche kommt durch den Rapsdschungel schlichtweg nicht mehr bis zur Brut. Raps ist ein Farbtupfer in der Landschaft, aber biologisch tot, zudem stark mit Agrargiften gespritzt. Wenn man durch die Weinberge des Rheinlandes fährt, sieht man eine gewachsene Kulturlandschaft. Aber wo ist da Biodiversität? Über die Weinberge gehen riesige Spritzgänge drüber – die Bodenfauna ist daher gleich null, die Vogelfauna auf ein Minimum reduziert. Ein anderes großes Problem ist für uns die Forstwirtschaft. Da wird Raubbau par excellence betrieben, wenngleich jeder Forstwirt dies abstreitet. Selbst im Hakel, höchstem europäischen Schutzgut, wird Holz nach Strich und Faden eingeschlagen, werden sogar Rückeschneisen eingerichtet. Rücksicht auf Greifvogelhorste nimmt dort niemand. Wenn man in der Nähe eines Horsts Bäume schlägt, wird das Öko-Schema der dortigen Brutart empfindlich gestört. Das ist wie ein Haus ohne Türen und Fenster – da will niemand wohnen! Der Greifvogel flieht aus dem Gebiet, das Revier verwaist. Problematisch sind auch die Telekom-Bauwerke in der Landschaft. Die elektromagnetischen Wellen riesiger Funktürme wirken auf die Tierwelt –  nur wird das so gut wie nicht untersucht. Am Hakel verringerten sich nach einem neuen Funkmast die Greifvogelbruten in der Nähe drastisch. Indizien sind vorhanden –  also müßten sich Feldforscher mit Physikern zusammentun, Großexperimente starten, alles im Interesse der Biodiversität. Doch Forschungsgelder gibt es dafür eben nicht. Die Nachwende-Artenrückgänge lassen sich wegen fehlender Studien häufig nicht genau prozentual beziffern. Deutschland wird in der EU immer als Naturschutz-Musterknabe hingestellt –  ist aber in Wahrheit eine Null. In Sachsen-Anhalt wurden nach 2000 alle biologischen Stationen eingeschmolzen, die Mitarbeiter auf Biosphärenreservate und Großschutzgebiete verteilt. Dadurch ist die Betreuung vieler kleiner Naturschutzgebiete völlig weggefallen, Denn dies hatten diese biologischen Stationen sehr gut gemanagt! Sogar der Hakel wird nun nicht mehr betreut  – von staatlicher Seite!

 Gibt es Nachwende-Artenrückgänge, die wirklich jedem Durchschnittsbürger auffallen müßten?

„Natürlich – der Kuckuck ist ein treffendes Beispiel. Vor der Wende hörte man im Hakel oder in einer Flußaue vier Kuckucke gleichzeitig –  heute freut man sich schon, wenigstens einen einzigen Kuckuck innerhalb einer Woche zu hören. Das kann man nach der Wende jeden fragen: Wie oft hast du in diesem Jahr den Kuckuck gehört?  In Ministerien befassen sich ganze Stäbe mit dem sogenannten Umweltbarometer, gegen das ich von Anfang an protestiert habe. Für mich handelt es sich da um ein Lügengebäude, einen Papiertiger, ein Hirngespinst. Doch es ist von der Politik gewollt, um sich damit zu brüsten. Doch zu Erfolgen  in der Artenvielfalt, von Ausnahmen abgesehen, wird man durch jenes Umweltbarometer nicht kommen. Denn es wurden viel zu wenige Indikatorarten festgelegt.  Da wird Pseudowissenschaft betrieben, weiter nichts. Breitenarbeit zur Weiterbildung der vielen ehrenamtlichen Naturschützer und Freizeitforscher war in vielen Jahren unser Hauptverdienst. Wir haben das nach der Wende systematisch weitergeführt, bis heute. Anfangs wurde das sogar vom Bundesamt für Naturschutz gefördert, dann aber nach Ablauf der Förderphase als Nonsens und unwichtig für den Naturschutz hingestellt. Später lobte man aber auf einmal wieder unser Greifvogel-Monitor-System. Da möchte man den Verantwortlichen zurufen. Was seid ihr für armselige Leute! Wenn man heute Arbeiten, Bücher über bestimmte Arten schreibt, wird die gesamte ostdeutsche Literatur zum Thema negiert, die existiert dann einfach nicht. Aus den Basisstudien findet sich fast kein Zitat –  das fällt natürlich sofort auf. Hier haben wir zudem einen Hinweis auf die Verarmung der Ausbildung. Die jungen Leute lernen heute nicht mehr, wie man Literatur recherchiert – da wird nur auf dem Internet-Klavier geklimpert. Die harte, konzentrierte Suche nach den Primärdaten-Informationen, wie wir das noch praktizierten, verschwindet immer mehr.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/05/09/vogelkundler-uwe-westphal-und-die-folgen-grun-rot-schwarzer-naturschutzpolitik-was-bewirkten-alibi-umweltorganisationen-in-welchem-teil-deutschlands-war-vor-1990-die-artenvielfalt-am-hochsten/

Der angesehene Zoologe Dr. Michael Stubbe hat bereits mehrfach gegen die Errichtung von Windkraftwerken in den deutschen Hauptverbreitungsgebieten des Rotmilans protestiert, den der NABU wegen des gravierenden Rückgangs zum „Vogel des Jahres 2000” erwählt hatte. „Windkraftwerke sind ein neues Störpotential und müssen in einem hochgradig exponierten Schutzgebiet, durchweg überall, wo sie Landschaft verschandeln, dem Naturempfinden entgegenstehen, vermieden, verhindert werden.” In Sachsen-Anhalt –  immerhin Deutschlands Region mit der nach wie vor höchsten Rotmilan-Dichte, schössen Windparks wie Pilze aus dem Boden. Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland mit besonders hoher Windkraft-Subventionierung.

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/26/illegale-jagd-bzw-wilderei-durch-jager/

NABU-Information von 2007: “Harzvorland: Windkraft kontra Rotmilane. Dramatischer Rückgang der Brutpaare im Hakel

1984 brüteten im 1300 Hektar großen Hakelwald noch 120 Paare des Rotmilans. Die fruchtbaren Bördeböden in der Umgebung beherbergten damals viele Beutetiere, vor allem Feldhamster, und boten somit den Greifen einen reich gedeckten Tisch. Dies hat sich gravierend geändert – im letzten Jahr lebten hier nur noch ein Dutzend Rotmilanpaare.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/09/26/beeindruckende-erfolge-neoliberaler-umweltpolitik-seit-den-neunziger-jahren-auch-in-europa-werden-ehemals-haufige-vogelarten-immer-seltener/

Michael Stubbe und Annegret Stubbe, Beiträge zur Jagd-und Wildforschung(2007)

“Mühsam wird versucht, Klein-und Großschutzgebiete zu etablieren, die häufig als `Papiertiger`ihr Dasein fristen, da es an Geld und fachspezifischem Personal sowie Kommunikationsmitteln  und Forschungsstationen vor Ort mangelt…Viele Lebensräume sind mosaikartig zersplittert, Populationen von  Tierarten mit großen Raumansprüchen verinseln, fristen ihr Dasein in Isolation und warten auf den `genetischen Tod`. Die Verbreitung des Rotwildes in Deutschland ist hierfür ein klassisches Beispiel. ..In diesem synökologischen Beziehungsgefüge gibt es unter den Bedingungen heutiger industriemäßiger Anbau-und Erntemethoden in zunehmendem Maße katastrophale Einbrüche in der Artenvielfalt, wie uns die Verbreitungsbilder von Feldhase, Feldhamster, Rebhuhn und Feldlerche zeigen.Die einst reiche Kulturpflanzendiversität(bis zu 30 Arten) ist in den intensiv genutzten Agrarräumen auf 5 bis 6 Arten geschrumpft…Neben dem Anbau von Monokulturen rollt eine Walze/ Lawine chemischer Eingriffe über unsere Felder…Tausende von toten Laufkäfern liefern erschütternde Belege. Wetzel(1995) analysierte die Laufkäferfauna in west-und ostdeutschen Gefilden und kam zu dem Ergebnis, daß vor 1990 die Diversität der Carabiden in den Agroökosystmen der DDR um eine ganze Zehnerpotenz höher lag. Das dürfte heute Historie sein… Ebenso hat die chemische Keule in unseren Wäldern ganze Insektengemeinschaften zusammenbrechen lassen. Quirlender Insektenflug auf Waldwiesen und -wegen, an staudenreichen Waldrändern sowie an Straßenlaternen und Hausbeleuchtungen ist längst passé…Neue Ursachen der sichtbaren und unsichtbaren Fragmentierung sind Windräder und Richtfunkanlagen der Telekommunikation. Beide Errungenschaften werden in ihren Auswirkungen auf Tierpopulationen und den Menschen selbst immer wieder bagatellisiert…Dieser Umgang mit dem `Wappenvogel` Sachsen-Anhalts ist beispiellos, gesetzwidrig und gegenüber nachkommenden Generationen, die eine belebte Umwelt genießen sollen, verantwortungslos.

Die Expertenangaben weisen auf Wende-Ziele, die der Bevölkerung ebenso wie den aktiven Naturschützern seinerzeit ganz offensichtlich bewußt verheimlicht worden sind.  Daher ergibt sich die Notwendigkeit, die politisch bzw. technisch Verantwortlichen der Naturzerstörung, Artenvernichtung konkret zur Rede zu stellen, um Hintergründe zu erfahren, was im öffentlichen Interesse liegt. Ein reiches Betätigungsfeld also für Umweltexperten, Kommunikationswissenschaftler, Studenten verschiedenster Fachrichtungen, falls sie sich trauen. 

 Unklar ist zudem, warum die Kirchen Ostdeutschlands, die stets die “Bewahrung der Schöpfung” herausstellen, angesichts der Gefahren für diese “Schöpfung” sich nicht angemessen engagierten. Mechanismen der selektiven Wahrnehmung führen dazu, daß vielen Menschen die beispiellose Naturvernichtung garnicht bewußt ist. Motto: Man sieht nur, was man weiß…

https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article153440851/Die-naive-Sorglosigkeit-der-Holzpellets-Heizer.html

Alice Weidel/AfD am 16.5. 2018 im Bundestag:https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=eG3TAvZvocI

WiesenvernichtungTA18

Leserbrief in der Thüringer Allgemeinen, Mai 2018, zur zügigen Amerikanisierung ostdeutscher Landschaften und Gärten, der weiter wachsenden Liebe zur Natur-und Heimatvernichtung, gefördert von Autoritäten und Wirtschaft. Leserbriefe dieser Art werden regelmäßig in der TA veröffentlicht. “Gemäht wird, egal ob mittags, zur Kaffeezeit oder abends.” Aus Dorfgärten wurden Maschinengärten. Für viele sensible, störempfindliche Vogel-und Insektenarten brachte die Amerikanisierung der Dorfgärten das Aus, wegen zerstörtem Lebensraum sind diese Arten fast überall verschwunden.

MotorsensenGartenlärm1

Ausriß Thüringer Allgemeine 2018. Um eine möglichst große, erfolgreiche Streß-, Scheuch-und Vertreibungswirkung zu erzielen, so argumentieren viele Naturschützer, sind Motorsensen nicht mit effizienten Schalldämpfern ausgerüstet. Bände spreche, daß eine Installierung von Schalldämpfern just von zuständigen Behörden, also u.a. Umweltministerien, Gesundheitsministerien etc. nicht vorgeschrieben werde. 

Im selben Zeitraum, in dem in Ostdeutschland die Nutzung von extrem lauten, benzinbetriebenen Motorsensen eingeführt wurde, ging dort der Bestand an Singvögeln, Insekten etc. stark bis sehr stark zurück.

WaldzerfurchtTA18

“Der Wald wird zerfurcht”. Thüringer Allgemeine 2018, Leserbrief. Ostdeutscher Wald vielerorts Opfer des Anschlusses von 1990, Opfer von gezielter naturfeindlicher Politik der neuen Machthaber.

Deutschen Mainstreammedien ist wegen der Zensurvorschriften streng verboten, darüber zu berichten, daß es in der Dritten Welt, in Ländern wie Brasilien aus Mentalitätsgründen üblich ist, Plastikmüll aller Art in Flüsse und Bäche zu werfen – wodurch dieser schließlich massenhaft in die Weltmeere gelangt, zu den allseits bekannten Resultaten führt.

“Gestaltungsmacht” Brasilien: Schwarzer Junge taucht in Abwässerkanal von Millionenstadt Recife nach Alu-Büchsen, um sie zu verkaufen. Tageseinnahme maximal umgerechnet rd. 3 Euro.

recifejungelatas13.jpg

Ausriß, Monatseinkommen der Familie, zu der der neunjährige Junge gehört – umgerechnet rund 65 Euro.  Kinder, Erwachsene, die im Müll nach solchen Alu-Büchsen( Dosen für Bier, giftige Zuckerwasser-Brühe etc.) suchen, sieht man in Brasilien überall im Alltag.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 15. August 2018 um 18:48 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

«  –  »

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.

    NEU: Fotoserie Gesichter Brasiliens

    Fotostrecken Wasserfälle Iguacu und Karneval 2008

    23' K23

interessante Links

Seiten

Ressorts

Suchen


RSS-Feeds

Verwaltung

 

© Klaus Hart – Powered by WordPress – Design: Vlad (aka Perun)