Angesichts der jüngsten schweren Feuergefechte in Rio de Janeiro und dem Abschuß des zweiten Polizeihubschraubers durch Banditenkommandos hat die bischöfliche Slum-Seelsorge der Erzdiözese an den Staat appelliert, endlich die Menschenrechte der über zwei Millionen Bewohner in den Elendsvierteln zu garantieren. Viele kirchliche Sozialprojekte müssen wegen der Kämpfe ihre Arbeit einstellen.

“Wegen der Feuergefechte sind die Slumbewohner derzeit regelrecht in ihren Hütten eingesperrt, leben in Angst und Panik“, sagt Priester Luis Antonio Pereira Silva, der in Rio de Janeiro die Slum-Seelsorge der Erzdiözese leitet, im Website-Interview. „Die desaströse Lage der Millionenstadt zeigt, daß eine wirkliche Sicherheits-und Menschenrechtspolitik fehlt – der Staat muß endlich die verfassungsmäßigen Rechte der Slumbewohner respektieren. Die Menschen brauchen Arbeit, Bildung, ein funktionierendes Gesundheitswesen – und nicht nur gelegentliche Polizeieinsätze, die das Problem nicht lösen.“
Priester Silva zählt zu den besten Kennern der Lage in den Slums von Rio und weiß auch, wie es auf dem derzeit am heftigsten umkämpften Bergslum „Morro dos Macacos“ aussieht, über dem vor wenigen Tagen ein Polizeihubschrauber abgeschossen wurde. Bewohner zählten in dem Gassenlabyrinth über zwanzig Tote. “Die Leute dort sagen mir, es gibt noch mehr Opfer, viele Leichen wurden noch gar nicht entdeckt. Dort hat man Erfahrungen von früheren Gefechten rivalisierender Banditenkommandos und weiß bestimmte Anzeichen zu deuten. Wenn immer mehr Aasgeier über dem Morro dos Macacos kreisen, so erklärte mir eine junge Frau, weist dies auf mehr Tote, als bisher offiziell angegeben.“Seit Jahrzehnten prangert Brasiliens Kirche an, daß der Staat auch in den Slums von Rio de Janeiro nicht präsent ist und die Bewohner sich deshalb dem neofeudalen Normendiktat der Verbrechersyndikate unterwerfen müssen. So werden häufig Ausgangssperren verhängt. Wer dagegen verstößt, bezahlt dies mit dem Leben. Padre Silva von der Slum-Seelsorge erläutert, daß auch jetzt die Polizeieinheiten nur kurz in den Elendsvierteln auftauchen und nie nachts dort bleiben. Günstig für die Banditenkommandos, die sich gemäß Guerillataktik kurz zurückziehen und nach dem Abzug der Polizei sofort wieder das Zepter übernehmen. “Damit die Bewohner dort überleben können, müssen sie sich mit den Banditen gut stellen, eine Politik der guten Nachbarschaft pflegen, wie wir es nennen. Befehle,  Regeln müssen unbedingt eingehalten werden. Jene jungen Gangster sind Brasilianer, denen man keinerlei Chance gab, sich persönlich zu entwickeln und zu bilden. Das organisierte Verbrechen bietet indessen Pseudo-Chancen an, alles was ein junger Mensch möchte. Dazu zählt schicke Kleidung, ein tolles Auto – doch der Preis dafür ist eben das eigene Leben. All diese jungen Banditen leben nur kurz, sterben sehr früh. Doch bei solchen Gefechten wie jetzt werden auch viele unbeteiligte, völlig unschuldige Slumbewohner getötet.“Die Kirche unterhält in vielen umkämpften Slums Sozialprojekte, darunter sogar Schulen und Kindergärten, Hospitäler und Arztpraxen, muß sich ebenfalls an die Banditenregeln halten. Doch häufig wird den Mitarbeitern sogar für Monate der Zutritt zu den Slums verboten, vor allem dann, wenn ein rivalisierendes Gangstersyndikat nach langen Kämpfen die Macht übernahm. Nicht nur in Rio de Janeiro werden immer wieder Priester getötet. Luis Antonio Pereira Silva betont, daß in den Armenvierteln die Werte der Gewalt und der Rache dominieren, die Vermittlung christlicher Werte sehr kompliziert ist:„In den Slums fehlt der Staat, fehlen Institutionen, die den Kindern ethische Prinzipien beibringen. Auch die Kirche müßte dort viel präsenter sein. Denn wer erzieht denn die Jugend dort, wenn deren Eltern abwesend sind, außerhalb des Slums irgendwo Geld verdienen müssen ? Jene, die dort ständig präsent sind – also die Banditen. Sie sind gerissen und wissen gut, mit den Kindern umzugehen, brauchen diese ja künftig als Arbeitskräfte, damit die kriminellen Geschäfte weiterlaufen können. Aus all diesen Gründen hat die Bischofskonferenz ihre diesjährige Brüderlichkeitskampagne der öffentlichen Sicherheit gewidmet. Und die gespannte Lage in Rio de Janeiro beweist, daß die Kirche ein hoch aktuelles Thema aufgriff, das den Menschen auf den Nägeln brennt.“Brasilien ist zwar die zehntgrößte Wirtschaftsnation, auf dem neuesten UNO-Index für menschliche Entwicklung aber vom siebzigsten auf den fünfundsiebzigsten Rang zurückgefallen. Denn die sozialen Kontraste sind schärfer geworden, wie das rasche Wachstum der Elendsviertel von Rio de Janeiro zeigt.“In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Slums selbst nach offiziellen Zahlen auf 1043 verdoppelt – über zwei Millionen Menschen, also ein Drittel der Rio-Bewohner, hausen bereits in solchen Vierteln.“Â
Frei Hans Stapel aus Paderborn - Gründer von weltweit über 60 Fazendas der Hoffnung - zum Drogenentzug, die meisten in Brasilien. http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/20/crack-jugendpolitik-unter-lula-und-jose-serra-dunkelhautige-kinder-und-jugendliche-sind-crack-hauptkonsumenten/
« “…ein richtiger Krieg in Rio de Janeiro.” Nanko van Buuren, IBISS-Direktor, in salve-tv(Weimar). Video von www.ourchild. de anklicken. Brasiliens Kindersoldaten, Scheiterhaufen von Rio. – “Die Aids-Epidemie in Brasilien ist nicht unter Kontrolle.” Anália Maria de Paula, Leiterin der bischöflichen Aids-Pastoral von ganz Amazonien. Gesichter Brasiliens. Kondomverteilung durch Pastoral seit Jahren . Aids in Brasiliens überfüllten Gefängnissen. »
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