Matilde Ribeiro hatte ihr Amt als Ministerin für die Förderung der Rassengleichheit mit den üblichen Versprechungen begonnen, nutzte gemäß ersten Ermittlungen den Posten indessen im Vergleich zu anderen Regierungsmitgliedern am kräftigsten für die Anhebung des persönlichen Lebensstandards auf Kosten der Steuerzahler. Im Januar wurde Matilde Ribeiro angesichts der enormen öffentlichen Kritik für Lula unhaltbar und mußte den Rücktritt erklären. Vor der Presse räumte sie zwar Verfehlungen bei der Nutzung einer speziellen Regierungs-Kreditkarte namens Cartao Corporativo ein, zeigte indessen keinerlei Reue. Ob Ferien-Ausgaben oder Käufe im Duty-Free-Shop – Matilde Ribeiro beglich Rechnungen nicht aus ihrem auskömmlichen Ministergehalt, sondern zückte lieber den Cartao Corporativo. Weitere Minister und hohe Regierungsangestellte entgingen nur knapp wegen ähnlicher Praktiken der Entlassung – ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß soll jetzt das ganze Ausmaß des neuesten Regierungsskandals aufdecken. Noch unklar ist, ob auch gegen die zahlreichen Lula-Angehörigen, wie von Rechtsexperten und Medien gefordert, ebenfalls ermittelt werden darf.
Skandale stürzten bereits acht Lula-Minister – Sozialministerin Benedita da Silva machte im Januar 2004 den Anfang. Sie gehört ebenso wie Umweltministerin Marina Silva zu einer Wunderheilersekte und hatte sich einen Sekten-Termin in Buenos Aires aus der Staatskasse, vom Steuerzahler finanzieren lassen. Kurioserweise versuchten Gruppierungen aus Lulas Arbeiterpartei jetzt ausgerechnet Benedita da Silva, die auch wegen ihrer Politik als Vizegouverneurin Rio de Janeiros einen sehr schlechten Ruf hat, zur Nachfolgerin von Matilde Ribeiro zu machen.
Matilde Ribeiro hatte 2007 durch Äußerungen zum Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in dem Tropenland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Denn nach ihrer Ansicht ist es keineswegs Rassismus, wenn sich Schwarze gegen Weiße auflehnen, gegen Weiße vorgehen. Rassismus von Schwarzen gegen Weiße sei natürlich, sagte sie gegenüber der BBC London.