Zu Neschling-Zeiten waren die drei OSESP-Wochenkonzerte fast immer ausverkauft, hatte man meist größte Mühe, Karten zu ergattern. Bei einem Freitagskonzert im September jetzt die Überraschung: Trotz erstklassigen Programms mit Musik von Richard Strauss, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Samuel Barber ist der Konzertsaal nur zu einem Drittel gefüllt. Befragte OSESP-Angestellte sagen: „Seit Neschling entlassen wurde, fällt die Qualität des Orchesters ab, bleiben immer mehr Leute weg. Der ständige Dirigentenwechsel bekommt den Orchester nicht. Neschling hatte, wie in Brasilien nun einmal nötig, das OSESP mit fester Hand geleitet und so zu Höchstleistungen gebracht – lahme Laissez-faire-Dirigenten schaffen dies natürlich nicht, was vom Publikum bemerkt wird. Die Situation des Orchesters hat sich zum Schlechten verändert.“ („Mudou para pior“)
Kurios, daß gleichzeitig im Musikladen des Konzerthauses soviele OSESP-Neschling-CDs verkauft werden wie nie zuvor – erstmals sogar im Dreier-und Zweier-Pack. Zudem wird die DVD vom ARTE-TV-Silvesterkonzert („Sao Paulo Samba“)angeboten.
http://villa-lobos.blogspot.com/2009/06/sao-paulo-samba-dvd.html
http://www.emusic.com/artist/John-Neschling-MP3-Download/11621914.html
http://www.prestoclassical.co.uk/r/Medici+Arts/2057348
http://www.hbdirect.com/album_detail.php?pid=3003535

John Neschling und Gilberto Gil
QUARTETO OSESP E PIANISTA GILBERTO TINETTI INTERPRETAM OBRA DE EDWARD ELGAR
http://www.hart-brasilientexte.de/2009/05/28/naomi-munakati-leiterin-des-osesp-chors/#more-2404
http://www.calepino.com.br/vivamusica/article.php3?id_article=3646
http://www.osesp.art.br/home_english/
Die dritte der von John Neschling mit OSESP aufgenommenen Choros-CD enthält die geradezu berühmten  „Choros Nr. 10″ – Teil des OSESP-Silvesterkonzerts 2008, das von TV Arte in zahlreiche europäische Länder übertragen wurde. Gemäß dem brasilianischen Konzertkritiker Irineu Franco Perpetuo handelt es sich um „die überzeugendste und enthusiastischste CD-Version“ des Stückes.
http://www.osesp.art.br/osesp/orquestra/discografia/detalhes_novo_14.aspx
Nach der willkürlichen Entlassung des Dirigenten John Neschling – eine der größten internationalen Blamagen des brasilianischen Kulturbetriebes – droht Lateinamerikas bislang bestem Sinfonieorchester nun der Abstieg in die Mittelmäßigkeit. Neschlings Nachfolger, der Franzose Yan Pascal Tortelier, ist spürbar nicht in der Lage, das OSESP in die unter Neschling so typische elektrisierende, kreative Spannung zu versetzen, höchstmögliche Präzision zu erreichen.
„Le-Monde“-Musikkritiker Alain Lompech hat in Brasiliens größter Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ ausführlich die Folgen der Entlassung des jüdischen OSESP-Dirigenten John Neschling analysiert. Laut Lompech handelt es sich um einen unermeßlichen Verlust für die brasilianische Kultur, doch auch für die Kenntnis des musikalischen Reichtums von Brasilien in anderen Ländern der Erde.