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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; Brasiliens &#8222;Boom&#8220;</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>&#8222;Boomland&#8220; Brasilien: Wirtschaftliche Verlangsamung des zweiten Halbjahrs 2011 setzt sich auch 2012 fort. Deutlicher Rückgang bei Transporten. &#8222;Krise der Industrie wird gravierender und erschreckt.&#8220;(O Estado de Sao Paulo) Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Januar 2012. Wie die Wirtschaft unter der neuen Präsidentin Dilma Rousseff funktioniert.</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 18:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[]]></category>
		<category><![CDATA[Brasiliens "Boom"]]></category>

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		<description><![CDATA[Laut Angaben regierungsunabhängiger Wirtschaftsexperten Brasiliens hat sich im ersten Quartal 2012 der wirtschaftliche Verlangsamungsprozeß von 2011 fortgesetzt, was in mitteleuropäischen Analysen auch im Kontext der fortschreitenden Deindustrialisierung als Boom und Wirtschaftswunder definiert worden war. Wie es in Sao Paulo auf Anfrage hieß, zeigt sich die abgeschwächte Wirtschaftstätigkeit besonders deutlich in der Transportbranche, die mangels Produktion [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Laut Angaben regierungsunabhängiger Wirtschaftsexperten Brasiliens hat sich im ersten Quartal 2012 der wirtschaftliche Verlangsamungsprozeß von 2011 fortgesetzt, was in mitteleuropäischen Analysen auch im Kontext der fortschreitenden Deindustrialisierung als Boom und Wirtschaftswunder definiert worden war. Wie es in Sao Paulo auf Anfrage hieß, zeigt sich die abgeschwächte Wirtschaftstätigkeit besonders deutlich in der Transportbranche, die mangels Produktion mit fehlenden Frachtaufträgen zu kämpfen hat. Auch die Luftfrachtbranche steckt seit 2011 in Schwierigkeiten, die sich sowohl im Import als auch im Export fortsetzen. Die Ausfuhr von Industrieprodukten gehe spürbar zurück.  Zum &#8222;Boom-Szenario&#8220; gehört außerdem, daß Brasiliens größte Fluggesellschaften TAM und GOL 2011 kräftige Verluste machten und nunmehr ihre Flotten verringern, Angestellte entlassen müssen. Ausländische Multis, darunter VW, verzichten auf den  groß angekündigten Bau neuer Fabriken bzw. schließen Werke.  Dow Chemical kündigte jetzt die Schließung seiner Fabrik in Bahia an &#8211; wegen &#8222;schlechter Resultate, fehlender Gewinne in den letzten Jahren&#8220;. &#8222;Boom&#8220; zeigt sich auch bei den bedeutendsten staatlichen Infrastrukturprojekten, die laut neuen Statistiken der Qualitätsmedien stillstehen bzw. nur langsam vorankommen, so daß Inbetriebnahmen um mehrere Jahre hinausgeschoben werden müssen. Betroffen sind sämtliche Eisenbahnprojekte, aber auch der Bau von Raffinerien, Wasserkraftwerken sowie der Umleitung des Rio Sao Francisco. Zu den Gründen werden Haushaltskürzungen, Planungsfehler, Korruption und Mismanagement gerechnet. Selbst bei der brasilianischen Treibstoffproduktion setzt sich das gefeierte Boomszenario fort. So erntet Brasilien seit Jahren auch aus Europa höchstes Lob, weil es in puncto Öl ein Selbstversorger, einer der wenigen Selbstversorgerstaaten der Erde sei.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens steigende Treibstoffimporte:</strong></p>
<p><strong>Dies sieht in der Praxis so aus, daß Brasilien gemäß den nationalen Wirtschaftsmedien weiter stark abhängig von Treibstoffimporten ist. Der Import von Benzin werde 2012 um ein Drittel gegenüber 2011 steigen. Ähnlich steht es um den gefeierten Bioethanolboom: So muß Brasilien auch 2012 besonders aus den USA Ethanol einführen, weil die eigene Produktion aus Zuckerrohr nicht reicht. Wie es hieß, müßte Brasilien noch mindestens 120 Ethanolfabriken bauen, um bis 2020 die Binnennachfrage decken zu können. Indessen ist ein beträchtlicher Teil der Ethanolfabriken hoch verschuldet und steht zum Verkauf. Die Wirtschaftsmedien sprechen klar von einer &#8222;Krise im Ethanolsektor&#8220;. Zum &#8222;Boom-Szenario&#8220; zählt, daß Umsätze und Rentabilität der Branche zurückgehen und Beschäftigte entlassen werden. </strong></p>
<p><strong>Laut Karlheinz Kurt Naumann sind die USA seit 2006 größter Ethanolhersteller.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/12/brasilien-nicht-mehr-groster-ethanolproduzent-immer-mehr-ethanolimport-von-der-nummer-eins-den-usa-einst-als-groser-abnehmer-angepeilt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/12/brasilien-nicht-mehr-groster-ethanolproduzent-immer-mehr-ethanolimport-von-der-nummer-eins-den-usa-einst-als-groser-abnehmer-angepeilt/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/03/30/brasiliens-wirtschaftspolitik-unter-dilma-rousseff-groste-bauprojekte-des-landes-gestoppt-wegen-streiks-und-rechtsfragen-laut-landesmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/03/30/brasiliens-wirtschaftspolitik-unter-dilma-rousseff-groste-bauprojekte-des-landes-gestoppt-wegen-streiks-und-rechtsfragen-laut-landesmedien/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/03/19/brasiliens-wirtschaft-im-vergleichindustrie-produktivitat-fallt-15-in-brasilien-und-steigt-808-in-chinanationale-wirtschaftsmedien-marz-2012/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/03/19/brasiliens-wirtschaft-im-vergleichindustrie-produktivitat-fallt-15-in-brasilien-und-steigt-808-in-chinanationale-wirtschaftsmedien-marz-2012/</strong></a></p>
<p align="left">&nbsp;</p>
<p><strong><font size="3">SWOT-Analyse Brasilien</p>
<p></font></strong><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman">Strengths (Stärken)</p>
<p><span id="more-12813"></span></p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman">- Rohstoff- und Agrarreichtum</p>
<p>&#8211; zusätzliche Agrarflächen</p>
<p>&#8211; Flexibilität im Außenhandel</p>
<p>&#8211; Stabilitätspolitik</p>
<p>&#8211; strenge Finanzmarktregeln</p>
<p>&#8211; Nettoauslandsgläubiger</p>
<p>&#8211; solides Bankensystem</p>
<p>&#8211; starker Binnenmarkt</p>
<p>&#8211; hohe Konsumneigung</p>
<p>&#8211; Investitionssicherheit</p>
<p>&#8211; starke Industriepräsenz</p>
<p>&#8211; stabile Demokratie</p>
<p>&#8211; kein Terrorismus</p>
<p>&#8211; keine Kriegsgefahr</p>
<p>&#8211; Dienstleistungsmentalität</p>
<p>&#8211; Improvisationsgabe</p>
<p>&#8211; mehr als 50% der Energie aus</p>
<p>erneuerbaren Quellen</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman">Opportunities (Chancen)</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman">- anhaltende Nachfrage nach Commodities auf</p>
<p>dem Weltmarkt (insbesondere VR China)</p>
<p>&#8211; staatlich geförderte Exploration der</p>
<p>Offshore-Erdölreserven</p>
<p>&#8211; hoher Zufluss von Auslandskapital</p>
<p>&#8211; Infrastrukturausbau</p>
<p>&#8211; Förderprogramme für Bauwirtschaft</p>
<p>&#8211; WM 2014 und Olympia 2016</p>
<p>&#8211; mögliche Öffnung der Industriestaaten für Ethanol</p>
<p>&#8211; steigendes Umweltbewusstsein</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"></p>
<p align="justify">Weaknesses (Schwächen)</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"></p>
<p align="justify">- überlastete Häfen</p>
<p align="justify">- öffentlicher Nahverkehr</p>
<p align="justify">- Transport fast nur über Straßen</p>
<p align="justify">- hohe Steuern</p>
<p align="justify">- Facharbeitermangel</p>
<p align="justify">- Vetternwirtschaft</p>
<p align="justify">- niedrige Arbeitsproduktivität</p>
<p align="justify">- geringe Wertschöpfung in den Exportsektoren</p>
<p align="justify">- Bürokratie</p>
<p align="justify">- langwierige Rechtsprechung</p>
<p align="justify">- ausgrenzendes Bildungssystem</p>
<p align="justify">- hohes Wohnungsdefizit</p>
<p align="justify">- geringe Abwasserreinigung</p>
<p align="justify">- ineffiziente Staatsausgaben</p>
<p align="justify">- Müll- und Abwasserprobleme</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"></p>
<p align="justify">Threats (Risiken)</p>
<p></font></font><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"></p>
<p align="justify">- Überbewertung des Real</p>
<p align="justify">- Nachfrageausfälle auf Weltmarkt</p>
<p align="justify">- Abhängigkeit von Commoditypreisen</p>
<p align="justify">- Abhängigkeit von Wasserkraft</p>
<p align="justify">- private Verschuldung</p>
<p align="justify">- starke Importzunahme und drohende</p>
<p align="justify">Deindustrialisierung</p>
<p align="justify">- Kriminalität</p>
<p align="justify">- Schwarzmarkt</p>
<p align="justify">- anfällige Stromübertragungsleitungen</p>
<p></font></font><em><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman"><font size="1" face="Frutiger 55 Roman,Frutiger 55 Roman">Quelle: Germany Trade &amp; Invest.</p>
<p></font></font></em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8222;Boom&#8220; in Brasilien:&#8220;PETROBRAS ist Unternehmen mit größtem Wertverlust 2011.&#8220; Wirtschaftszeitschrift Exame. Propagandistisch gefeierte PETROBRAS-Kapitalerhöhung&#8230; Zinsbelastung des Staates wegen Verschuldung auf Rekordhöhe.</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/boom-in-brasilienpetrobras-ist-unternehmen-mit-grostem-wertverlust-2011-wirtschaftszeitschrift-exame/</link>
		<comments>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/boom-in-brasilienpetrobras-ist-unternehmen-mit-grostem-wertverlust-2011-wirtschaftszeitschrift-exame/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 12:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Brasiliens "Boom"]]></category>

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		<description><![CDATA[http://exame.abril.com.br/mercados/noticias/petrobras-e-a-empresa-que-mais-perdeu-valor-de-mercado-em-2011 Der Real verlor gegenüber dem Dollar 2011 rund elf Prozent an Wert. Laut brasilianischen Wirtschaftsmedien war 2011 die Landesbörse BOVESPA die schlechteste Investition, mit einem Wertverlust von über 18 Prozent &#8211; der Index fiel vom Höchststand 71632 auf 56754 Punkte. Laut heute in Mitteleuropa geltenden Kriterien handelt es sich in Brasilien um eine Boom-Situation. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://exame.abril.com.br/mercados/noticias/petrobras-e-a-empresa-que-mais-perdeu-valor-de-mercado-em-2011"><strong>http://exame.abril.com.br/mercados/noticias/petrobras-e-a-empresa-que-mais-perdeu-valor-de-mercado-em-2011</strong></a></p>
<p><strong>Der Real verlor gegenüber dem Dollar 2011 rund elf Prozent an Wert.</strong> <strong>Laut brasilianischen Wirtschaftsmedien war 2011 die Landesbörse BOVESPA die schlechteste Investition, mit einem Wertverlust von über 18 Prozent &#8211; der Index fiel vom Höchststand 71632 auf 56754 Punkte. </strong></p>
<p><strong>Laut heute in Mitteleuropa geltenden Kriterien handelt es sich in Brasilien um eine Boom-Situation.</strong></p>
<p><a href="http://www1.folha.uol.com.br/mercado/1027773-bovespa-e-o-pior-investimento-do-ano-com-queda-de-18.shtml"><strong>http://www1.folha.uol.com.br/mercado/1027773-bovespa-e-o-pior-investimento-do-ano-com-queda-de-18.shtml</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/</strong></a></p>
<p><a href="http://http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/aufstrebende-wirtschaftsmacht-brasilien-will-deutschland-uberholen-focus/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/aufstrebende-wirtschaftsmacht-brasilien-will-deutschland-uberholen-focus/</strong></a></p>
<h2>              <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/29/brasiliens-grostes-unternehmen-petrobras-nationale-wirtschaftsmedien-mit-immer-mehr-negativanalysen-von-aktienkaufen-wird-offen-abgeraten/" rel="bookmark">Brasiliens  größtes Unternehmen PETROBRAS &#8211; nationale Wirtschaftsmedien mit immer  mehr Negativanalysen. Von Aktienkäufen wird offen abgeraten.  “Ausländische Anleger zogen in zwei Tagen 2 Milliarden Dollar ab.”</a></h2>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/  </strong></a></p>
<p><span id="more-11948"></span></p>
<p><strong>Rund ein Jahr nach der propagandistisch gefeierten  Kapitalerhöhung stellt Brasiliens Wirtschaftspresse immer mehr negative  Aspekte des Ölkonzerns heraus. Die PETROBRAS-Aktien seien keineswegs wie  angekündigt im Wert gestiegen, sondern deutlich gefallen. Der Konzern  müsse zudem immer mehr Benzin aus dem Ausland importieren &#8211; 2010 waren  es pro Tag 7000 Barrel, 2011 indessen schon 30000. Der ebenso  vielgefeierte Milliardär Eike Batista, ebenfalls im Ölgeschäft tätig,  erreichte gemäß den neuen Analysen Resultate, die zu den schlechtesten  der Branche weltweit zählten. Unter Hinweis auf eine Bewertung der  Deutschen Bank hieß es, große Anleger schauten nicht mehr positiv auf  Brasiliens Öl-Aktien. Die Ausbeutung der unter einer dicken Salzschicht  liegenden Ölvorräte des sogenannten “Pre-sal”-Bereichs gestalte sich  weiterhin sehr schwierig, PETROBRAS sei damit überlastet. Anlegern wird  direkt empfohlen, derzeit keine PETROBRAS-Aktien zu kaufen, weil es  “bessere Optionen gibt”. </strong></p>
<p><strong>Die Bank HSBC strich Brasiliens größtes Unternehmen PETROBRAS   von der Liste der zehn aussichtsreichsten Firmen, wies auf Zweifel an   der Rentabilität sowie auf Risiken bei der Ölförderung und  Verarbeitung.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/28/financial-times-zur-absackenden-borse-brasiliens-brazilian-stocks-turn-hostage-to-euro-woes/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/28/financial-times-zur-absackenden-borse-brasiliens-brazilian-stocks-turn-hostage-to-euro-woes/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/29/brasilien-wirtschaft-und-soziales-2011-kompakt-stark-verlangsamtes-wachstum-stagnierende-industrie-hohe-borsen-wertverluste-wichtiger-unternehmen-deindustrialisierung-weiter-hunger-und-massenele/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/29/brasilien-wirtschaft-und-soziales-2011-kompakt-stark-verlangsamtes-wachstum-stagnierende-industrie-hohe-borsen-wertverluste-wichtiger-unternehmen-deindustrialisierung-weiter-hunger-und-massenele/</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens Pro-Kopf-Brutto-Inlandsprodukt und die aufschlußreiche Vergleichskarte der Financial Times:</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/09/brasilienkarteeconomist.JPG" alt="brasilienkarteeconomist.JPG" /></p>
<p><strong>Die andere Brasilienkarte &#8211; wie weit ist das Tropenland,    verglichen mit den Staaten Europas, unter Lula-Rousseff tatsächlich    gekommen?:</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/27/die-andere-brasilienkarte-the-economist-vergleicht-die-teilstaaten-mit-landern-der-erde/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/27/die-andere-brasilienkarte-the-economist-vergleicht-die-teilstaaten-mit-landern-der-erde/</strong></a></p>
<h2>              <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/28/brasiliens-borse-mit-jahresverlust-von-bisher-1843-prozent/" rel="bookmark">Brasiliens  Börse mit Jahresverlust von bisher 18,43 Prozent. Ölkonzern PETROBRAS  mit höchstem Wertverlust börsennotierter Unternehmen. “Boomland”  Brasilien. “Die beste Phase für die BRICS-Staaten ist vorbei.”(O Globo)  “Crise engole uma Vale na Bolsa. Empresas de capital aberto perdem R$  213,6 Milliarden em valor de mercado este ano.”</a></h2>
<p><a href="http://economia.estadao.com.br/noticias/ae-mercados,bovespa-cai-254-e-acumula-perda-em-dezembro,97619,0.htm"><strong>http://economia.estadao.com.br/noticias/ae-mercados,bovespa-cai-254-e-acumula-perda-em-dezembro,97619,0.htm</strong></a></p>
<p><strong>Schlechteste Börsenwerte 2011 in Brasilien für Unternehmen  der Papier-und Zelluloseindustrie( minus 48,21 Prozent), Eisen und  Stahl(minus 34,57 Prozent),  Bergbau(minus 33,08 Prozent),  Bauwirtschaft(minus29,07 Prozent), Öl und Gas( minus 16,69 Prozent).</strong></p>
<p><strong>Laut einer Economatica-Studie lag der Wertverlust  börsennotierter brasilianischer Unternehmen 2011 bei 8,7 Prozent,  PETROBRAS verlor rund 79 Milliarden Real, gefolgt von Vale, Santander  Brasil, Banco do Brasil, OGX Petroleo(Eike Batista)</strong></p>
<p><strong>BRICS-Fonds verloren 2011 laut Bloomberg News 15 Milliarden Dollar, der MSCI Brics-Index fiel um 24 Prozent.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/02/thyssenkrupp-in-rio-de-janeiro-woran-man-in-der-real-demokratie-deutschland-heute-top-manager-top-entscheider-mit-top-gehaltern-top-abfindungen-beim-rausschmis-erkennt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/02/thyssenkrupp-in-rio-de-janeiro-woran-man-in-der-real-demokratie-deutschland-heute-top-manager-top-entscheider-mit-top-gehaltern-top-abfindungen-beim-rausschmis-erkennt/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/12/bovespaneu.JPG" alt="bovespaneu.JPG" /></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/30/boomland-brasilien-stahl-flaute-stagnation-bei-olforderung-industriellenkritik-an-wachstumshemmender-hochzinspolitik/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/30/boomland-brasilien-stahl-flaute-stagnation-bei-olforderung-industriellenkritik-an-wachstumshemmender-hochzinspo</strong></a></p>
<p><strong>Boom beim Slum-Wachstum: </strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/12/cachoneu.JPG" alt="cachoneu.JPG" /></p>
<p>Slumkate in Sao Paulo.</p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/07/brasiliens-boom-und-die-slumhutten/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/07/brasiliens-boom-und-die-slumhutten/</strong></a></p>
<p><a href="http://g1.globo.com/economia/noticia/2011/12/despesa-com-juros-da-divida-publica-chega-ao-recorde-de-r-216-bilhoes.html"><strong> http://g1.globo.com/economia/noticia/2011/12/despesa-com-juros-da-divida-publica-chega-ao-recorde-de-r-216-bilhoes.html</strong></a></p>
<p><strong>Gewalt-Boom im Spiegel der brasilianischen Medien:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/</strong></a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8222;Boom&#8220;-Land Brasilien: Schrumpfende Wirtschaft im Oktober(minus 0,32 Prozent) gegenüber September, laut offiziellen Daten. Erstes Rousseff-Amtsjahr, Resultate.</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/</link>
		<comments>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilien-schrumpfende-wirtschaft-im-oktoberminus-032-prozent-gegenuber-september-laut-offiziellen-daten/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 18:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[]]></category>
		<category><![CDATA[Brasiliens "Boom"]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie es hieß, ist dies bereits der dritte aufeinanderfolgende Monat mit abnehmender Wirtschaftsleistung. In europäischen Analysen war der betreffende Zeitraum als &#8222;Boom&#8220;, als positive Wirtschaftssituation bewertet worden. http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/boom-in-brasilienpetrobras-ist-unternehmen-mit-grostem-wertverlust-2011-wirtschaftszeitschrift-exame/ http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/27/brasiliens-staatschefin-dilma-rousseff-und-ihr-erstes-amtsjahr-viel-kritik-an-regierungsstil-und-deren-resultaten-von-brasilianischen-politik-und-wirtschaftsexperten-viel-lob-aus-mitteleuropa/ Brasiliens Industriellenvereinigung rechnet für 2011 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent &#8211; Finanzminister Guido Mantega hatte zu Jahresbeginn 5,5 Prozent als realistisch bezeichnet. Brasilien [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie es hieß, ist dies bereits der dritte aufeinanderfolgende Monat mit abnehmender Wirtschaftsleistung. In europäischen Analysen war der betreffende Zeitraum als &#8222;Boom&#8220;, als positive Wirtschaftssituation bewertet worden.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/boom-in-brasilienpetrobras-ist-unternehmen-mit-grostem-wertverlust-2011-wirtschaftszeitschrift-exame/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/29/boom-in-brasilienpetrobras-ist-unternehmen-mit-grostem-wertverlust-2011-wirtschaftszeitschrift-exame/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/27/brasiliens-staatschefin-dilma-rousseff-und-ihr-erstes-amtsjahr-viel-kritik-an-regierungsstil-und-deren-resultaten-von-brasilianischen-politik-und-wirtschaftsexperten-viel-lob-aus-mitteleuropa/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/27/brasiliens-staatschefin-dilma-rousseff-und-ihr-erstes-amtsjahr-viel-kritik-an-regierungsstil-und-deren-resultaten-von-brasilianischen-politik-und-wirtschaftsexperten-viel-lob-aus-mitteleuropa/</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens Industriellenvereinigung rechnet für 2011 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent &#8211; Finanzminister Guido Mantega hatte zu Jahresbeginn 5,5 Prozent als realistisch bezeichnet. Brasilien liegt auf dem UNO-Index für menschliche Entwicklung auf Platz 84, beim Bruttosozialprodukt pro Kopf auf Platz 70(Landesmedien), beim Pro-Kopf-Einkommen auf Platz 54(12916 Dollar, laut IWF) Das Durchschnitts-Pro-Kopf-Einkommen in Großbritannien ist mehr als dreimal höher. Die Verlegung von Produktionskapazitäten vor allem multinationaler Unternehmen der Ersten Welt nach Brasilien hat dem Tropenland indessen eine erhebliche Zunahme des Bruttosozialprodukts beschert &#8211; Multis haben einen erheblichen Anteil am Export.  </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/bye-bye-brasil-auslander-verlassen-sao-paulo-und-rio-de-janeiro-laut-offizieller-statistik-auswanderungsland-brasilien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/bye-bye-brasil-auslander-verlassen-sao-paulo-und-rio-de-janeiro-laut-offizieller-statistik-auswanderungsland-brasilien/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/11/cach3.JPG" alt="cach3.JPG" /></p>
<p><strong>Deutliches Wachstum bei Slums:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilienslum-wachstum-ist-ruckschritto-globo-mehr-slumbewohner-selbst-laut-offiziellen-angaben-erstes-rousseff-amtsjahr/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/26/boom-land-brasilienslum-wachstum-ist-ruckschritto-globo-mehr-slumbewohner-selbst-laut-offiziellen-angaben-erstes-rousseff-amtsjahr/</strong></a></p>
<h2>Brasiliens Industrie entließ im September und  Oktober, selbst laut offiziellen Zahlen. Der “Boom” und die  Industrieproduktion. Brasiliens Wirtschafts-und Menschenrechtslage 2011,  Chico Whitaker. ThyssenKrupp in Rio de Janeiro. Folter,  Todesschwadronen, Lynchen. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=11791" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/03/03/brasiliens-nutzlose-offizielle-statistiken-landesmedien-kritisieren-geheimhaltung-von-verbrechensdaten-fehlen-vertrauenswurdiger-informationen/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/03/03/brasiliens-nutzlose-offizielle-statistiken-landesmedien-kritisieren-geheimhaltung-von-verbrechensdaten-fehlen-vertrauenswurdiger-informationen/</strong></a></p>
<p><strong>Brasilianer wenden inzwischen laut Statistik durchschnittlich 22 Prozent ihres Einkommens für die Schuldenrückzahlung auf, US-Amerikaner nur 16 Prozent. </strong></p>
<p><span id="more-11867"></span><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/menschenrechte-in-brasilien/" rel="tag"> </a></p>
<p><a href="http://www1.folha.uol.com.br/poder/1018929-emprego-na-industria-cai-pelo-segundo-mes-aponta-ibge.shtml"><strong>http://www1.folha.uol.com.br/poder/1018929-emprego-na-industria-cai-pelo-segundo-mes-aponta-ibge.shtml</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/08/boomland-brasilien-industrieproduktion-in-sao-paulo-dem-wichtigsten-industriezentrum-sank-im-oktober-gegenuber-september-um-26-prozent-laut-offiziellen-zahlen/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/08/boomland-brasilien-industrieproduktion-in-sao-paulo-dem-wichtigsten-industriezentrum-sank-im-oktober-gegenuber-september-um-26-prozent-laut-offiziellen-zahlen/</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens Wirtschaftsfachleute betonen, daß man die Schuld  für die Wirtschaftslage keineswegs der Eurokrise, der internationalen  Konjunktur geben könne &#8211; schließlich hätten die anderen Schwellenländer   deutliches Wirtschaftswachstum erreicht.</strong> <strong>Die Ursachen seien hausgemacht.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/06/thyssenkrupp-stahlwerk-emittierte-2010-in-rio-de-janeiro-57-millionen-tonnen-co2-laut-landesmedien-818-millionen-tonnen-bei-vollbetrieb/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/06/thyssenkrupp-stahlwerk-emittierte-2010-in-rio-de-janeiro-57-millionen-tonnen-co2-laut-landesmedien-818-millionen-tonnen-bei-vollbetrieb/</strong></a></p>
<h2>“A desigualdade no Brasil é coisa da sociedade feudal”.</h2>
<p><strong>Brasiliens soziale Kontraste: </strong> <strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/soziale-ungleichheit-in-brasilien/">http://www.hart-brasilientexte.de/tag/soziale-ungleichheit-in-brasilien/</a></strong></p>
<p><strong><a href="http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html">http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html</a></strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/12/c14.JPG" alt="c14.JPG" /></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/26/wohlhabende-verbrauchen-in-drei-tagen-wozu-arme-ein-ganzes-jahr-brauchen-brasiliens-soziale-kontraste-ipea-studie/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/26/wohlhabende-verbrauchen-in-drei-tagen-wozu-arme-ein-ganzes-jahr-brauchen-brasiliens-soziale-kontraste-ipea-studie/</strong></a></p>
<p><strong>“Brasilien ist eine <a href="http://www.brasilien-info.at/wirtschaft/index.html">Industriemacht</a>, die achtgrößte Wirtschaftsnation der Welt, modern und fortschrittlich.”</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/  </strong></a></p>
<p><strong>“Progressive Regierung”.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/07/eu-lateinamerika-karibik-stiftung-startet-in-hamburg/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/07/eu-lateinamerika-karibik-stiftung-startet-in-hamburg/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/05/brasiliens-hohe-rate-von-behinderten-2391-prozent-der-bevolkerung-gegenuber-rund-1-prozent-in-hochentwickelten-landern-laut-studien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/05/brasiliens-hohe-rate-von-behinderten-2391-prozent-der-bevolkerung-gegenuber-rund-1-prozent-in-hochentwickelten-landern-laut-studien/</strong></a></p>
<p><strong>“Wirtschaftsmacht der Zukunft”:</strong></p>
<p><a href="http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13665169/Brasilien-ist-die-Wirtschaftsmacht-der-Zukunft.html"><strong>http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13665169/Brasilien-ist-die-Wirtschaftsmacht-der-Zukunft.html</strong></a></p>
<p><strong>“Wirtschaftswunder unterm Zuckerhut”: <a href="http://www.welt.de/debatte/kolumnen/article13638342/Wirtschaftswunder-unterm-Zuckerhut.html"> http://www.welt.de/debatte/kolumnen/article13638342/Wirtschaftswunder-unterm-Zuckerhut.html</a></strong></p>
<p><strong>Die Menschenrechtslage:</strong> <strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/21/lula-kritiker-francisco-whitaker-trager-des-alternativen-nobelpreises-mitgrunder-des-weltsozialforums-katholischer-menschenrechtsaktivist/">http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/21/lula-kritiker-francisco-whitaker-trager-des-alternativen-nobelpreises-mitgrunder-des-weltsozialforums-katholischer-menschenrechtsaktivist/</a></strong></p>
<p><strong>“Es wird immer noch sehr viel gefoltert”:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/12/brasilienes-wird-immer-noch-sehr-viel-gefoltertdeutsche-petra-pfaller-aus-der-katholischen-gefangenenseelsorge-brasiliens-2011-uber-die-menschenrechtslage-unter-lula-rousseff/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/12/brasilienes-wird-immer-noch-sehr-viel-gefoltertdeutsche-petra-pfaller-aus-der-katholischen-gefangenenseelsorge-brasiliens-2011-uber-die-menschenrechtslage-unter-lula-rousseff/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-sem-fim-brasiliens-soziologiezeitschrift-sociologia-uber-folter-unter-der-lula-regierung/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-sem-fim-brasiliens-soziologiezeitschrift-sociologia-uber-folter-unter-der-lula-regierung/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/03/todesschwadronenglobocapa.JPG" alt="todesschwadronenglobocapa.JPG" /></p>
<p>Ausriß 2011.</p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/14/nach-wie-vor-hemmungslose-aktionen-der-todesschwadronen-institutionalisierte-barbarei-lulas-menschenrechtsminister-paulo-vannuchi-raumt-gegen-ende-der-zweiten-amtszeit-erneut-fortbestehen-der-b/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/14/nach-wie-vor-hemmungslose-aktionen-der-todesschwadronen-institutionalisierte-barbarei-lulas-menschenrechtsminister-paulo-vannuchi-raumt-gegen-ende-der-zweiten-amtszeit-erneut-fortbestehen-der-b/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/14/steinigen-im-iran-unter-ahmadinedschad-und-in-brasilien-unter-lula-lula-konnte-sich-uber-die-tatsache-beunruhigen-das-brasilien-zu-den-landern-gehort-in-denen-am-meisten-gelyncht-wird-jose/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/14/steinigen-im-iran-unter-ahmadinedschad-und-in-brasilien-unter-lula-lula-konnte-sich-uber-die-tatsache-beunruhigen-das-brasilien-zu-den-landern-gehort-in-denen-am-meisten-gelyncht-wird-jose/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/09/brasiliens-menschenrechtslage-in-den-slums-weiter-banditen-diktatur-selbst-im-complexo-do-alemao-von-rio-de-janeiro-bewaffnete-gangster-verkaufen-nach-wie-vor-drogen-trotz-militarprasenz-laut/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/09/brasiliens-menschenrechtslage-in-den-slums-weiter-banditen-diktatur-selbst-im-complexo-do-alemao-von-rio-de-janeiro-bewaffnete-gangster-verkaufen-nach-wie-vor-drogen-trotz-militarprasenz-laut/</strong></a></p>
<h2>Rousseff-Regierung straft wegen  Belo-Monte-Kritik die Organisation   Amerikanischer Staaten ab, zahlt  keine Beiträge mehr, laut   Landesmedien. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=11742" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p>Tags: , <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/belo-monte/" rel="tag">Belo Monte</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/dilma-rousseff/" rel="tag">Dilma Rousseff</a></p>
<p><strong>Laut Brasiliens Landesmedien zahlt die  Rousseff-Regierung   seit April die fällige Quote von 6,5 Million Dollar  nicht, was die   Organisation zu drastischen Einsparungen, darunter  Entlassungen zwinge.   Die Interamerikanische Menschenrechtskommission der  Organisation  hatte  von der Rousseff-Regierung den Stopp des Baus des    Amazonas-Wasserkraftwerks “Belo Monte” verlangt. Die Rede ist von    “Repressalien Brasiliens” gegen die Organisation Amerikanischer Staaten.    </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/23/brasiliens-amazonas-staudammprojekt-belo-monte-protestvideo-von-schauspielern-anklicken/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/23/brasiliens-amazonas-staudammprojekt-belo-monte-protestvideo-von-schauspielern-anklicken/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/04/brasiliens-staatschefin-dilma-rousseff-erhalt-im-ausland-ebensoviel-lob-wie-zuvor-lula-analysieren-die-landesmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/04/brasiliens-staatschefin-dilma-rousseff-erhalt-im-ausland-ebensoviel-lob-wie-zuvor-lula-analysieren-die-landesmedien/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.bpb.de/publikationen/JU16H0,0,Vom_Umgang_mit_der_Diktaturvergangenheit.html"><strong>http://www.bpb.de/publikationen/JU16H0,0,Vom_Umgang_mit_der_Diktaturvergangenheit.html</strong></a></p>
<p><strong>Folter in der größten Demokratie Lateinamerikas:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-sem-fim-brasiliens-soziologiezeitschrift-sociologia-uber-folter-unter-der-lula-regierung/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/12/folter-ohne-ende-tortura-sem-fim-brasiliens-soziologiezeitschrift-sociologia-uber-folter-unter-der-lula-regierung/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/12/luladilma6.JPG" alt="luladilma6.JPG" /></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/01/brasilien-flog-aus-landergruppe-die-aids-infizierte-am-besten-betreut-laut-landesmedien-nur-zwischen-60-und-79-der-hiv-patienten-werden-behandelt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/01/brasilien-flog-aus-landergruppe-die-aids-infizierte-am-besten-betreut-laut-landesmedien-nur-zwischen-60-und-79-der-hiv-patienten-werden-behandelt/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/03/brasiliens-crack-epidemie-unter-der-rousseff-regierung-wie-crack-wirktverkehrsumleitung-wegen-offener-crack-szene-die-strasen-total-verstopft-in-sao-paulo/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/03/brasiliens-crack-epidemie-unter-der-rousseff-regierung-wie-crack-wirktverkehrsumleitung-wegen-offener-crack-szene-die-strasen-total-verstopft-in-sao-paulo/</strong></a></p>
<p>Manche Medien berichten über Brasiliens gravierende Menschenrechtslage &#8211; andere nicht.</p>
<h2>“Die Zensur gibt nie auf.” “The censorship never gives up.” Zensur heute &#8211; auch dank Google relativ leicht zu entdecken. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=11489" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/zensur-heute/" rel="tag"> </a></p>
<p>The best of non-profit advertising and marketing for social causes</p>
<p><img src="http://osocio.org/images/zwpx.gif" /></p>
<h1><a href="http://osocio.org/message/the_censorship_never_gives_up/">The censorship never gives up</a></h1>
<p>Posted by <a href="http://osocio.org/index.php?ACT=19&amp;result_path=search/results&amp;mbr=2" title="Show all entries from Marc">Marc</a> | 12-05-2008 23:21 | Category: <a href="http://osocio.org/category/human_rights/" title="Show all entries in the category Human rights">Human rights</a>, <a href="http://osocio.org/category/media/" title="Show all entries in the category Media">Media</a></p>
<p><a href="http://osocio.org/images/uploads/censura2_thumb.jpg"><img src="http://osocio.org/images/uploads/censura2_thumb.jpg" alt="image" height="646" width="468" /></a></p>
<p>Two ads from Associação Brasileira de imprensa, the Brazilian press organisation.<br />
Copy: “A censura nunca desiste. Ela sempre volta disfarçada. 3 de Maio Dia Mundial da Liberdade de Imprensa.”<br />
“The censorship never gives up. It always return disguised. 3th of May, world day for the freedom of press.”</p>
<p>I have seen more censorship ads from Brazil in the past. What going on? Is censorship a big problem in Brazil?</p>
<p><a href="http://osocio.org/images/uploads/censura1_thumb.jpg"><img src="http://osocio.org/images/uploads/censura1_thumb.jpg" alt="image" height="646" width="468" /></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/09/mentetododiasp.jpg" alt="mentetododiasp.jpg" /><br />
<strong>”Leider sind es nicht mehr so viele, die die ganze Wahrheit     wissen wollen. Man biegt sehr schnell ab, um bei seiner Meinung bleiben     zu können &#8211; und bei den als angenehm empfundenen Lösungen. Ich habe     mir angewöhnt, Leute danach zu beurteilen: Wieviel Wahrheit erträgt     jemand?” Deutscher Menschenrechtsbeauftragter Günter Nooke im     Website-Interview 2009.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/05/18/matices-medien-staat-und-gesellschaft-in-lateinamerika-anklicken/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/05/18/matices-medien-staat-und-gesellschaft-in-lateinamerika-ankli</strong></a></p>
<p><strong>Pedro Herz, jüdischer Besitzer der größten brasilianischen    Buchkaufhauskette “Livraria Cultura” bedrückt 2011, daß der größte Teil    der Brasilianer wegen des immer schlechteren Schulsystems garnicht    verstehe, was er lese. “Die Leute können nicht mal einen kleinen Text    lesen und wiedergeben, kapieren den Text nicht &#8211; und das ist    grauenhaft.” Der Kulturverlust, die Medienkrise schreite fort &#8211; ob in    Brasilien oder im Rest der Welt. “Alle träumen von der erlebten    Vergangenheit, weil das Heute reizlos, enttäuschend ist.” </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/18/brasiliens-brutale-sozialkontraste-lula-ist-nacktfolha-de-sao-paulo/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/18/brasiliens-brutale-sozialkontraste-lula-ist-nacktfolha-de-sao-paulo/</strong></a></p>
<p>Texte von 2011:</p>
<h1>Panzer und Crack</h1>
<p>Der Militär-und Medien-Zirkus um die „Erstürmung“ und „Eroberung“ der     Rio-Slumregion „Complexo do Alemão“ wäre schon jetzt ein heißes  Thema    auch für Deutschlands Kommunikationswissenschaftler – aber wie  es    aussieht, trauen sie sich nicht. Als „Farce“ hatten brasilianische     Rechtsexperten und Menschenrechtspriester die Slumbesetzung vom  letzten    November verurteilt – und schneller als erwartet ausgerechnet  von der    Gegenseite die Beweise geliefert bekommen. Die  schwerbewaffneten    Banditenkommandos des organisierten Verbrechens  sind rasch    zurückgekehrt, zitieren Brasiliens Landesmedien aus  vertraulichen    Militärberichten. Die Gangster haben, wie es heißt,  wieder    Verkaufspunkte für harte Drogen installiert, der  hochprofitable    Rauschgifthandel geht perfekt neoliberal weiter. Der  Terror gegen    Bewohner des Parallelstaats der Slums ebenfalls – trotz  Militärpräsenz    sind mindestens vier Menschen ermordet worden. Eine  Frau wird zur    Abschreckung totgeschlagen, weil sie an der Plünderung  eines    Banditenhauses teilnahm – TV-Teams auch des Auslands hatten  solche    Volkszorn-Szenen am Start der Militäroperation gern gefilmt.  Doch nun    beklagen sich die Bewohner ausgerechnet über eine  unzureichende Präsenz    von brauchbaren Polizisten – von den Militärs  würden die    herumstreunenden Banditen gar nicht bemerkt. Viele  Soldaten stammen ja    just aus diesen Slums. Zudem seien 42  Militärpolizisten zwar wegen  Raub,   Erpressung und Übergriffen gegen  die Bewohner angezeigt, doch  bisher   nicht bestraft worden.</p>
<p>Die militärische Besetzung ist Modell und Beispiel für das ganze     Land, sagt der neue Justizminister Cardozo – hat er es gar böse-ironisch     gemeint? Panzer, martialisch wirkende Militärpatrouillen, deren  Fotos    gern auch in die Erste Welt durchgeschaltet werden, sind den  Angaben    zufolge jedenfalls keinerlei Hindernis für die  Banditenkommandos des    organisierten Verbrechens. Das mag für  Mitteleuropäer bizarr, grotesk,    unglaublich erscheinen, für  unsereinen hier ist es banale Normalität.<br />
Immer wieder wird in der Ersten Welt behauptet, in den     lateinamerikanischen Ländern zeige sich deutlich, dass die bisher     praktizierte Drogenbekämpfung per Polizei und Militär nichts bringe, man     sich andere Konzepte überlegen müsse. Was denn für eine     Drogenbekämpfung, möchte man gegenfragen. In der Banken-City von Sao     Paulo beispielsweise, der führenden Wirtschaftsmetropole Lateinamerikas,     wird Crack, die zerstörerischste harte Droge, direkt neben     Polizeipräsidien, Polizeiwachen massenhaft und offen verkauft und ebenso     offen gleich von Hunderten konsumiert. Die Beamten im Hauptsitz der     Stadtgendarmerie schauen direkt auf eine kilometerlange Straße, in  der    sich ganze Horden grauenhaft verwahrloster und abgemagerter  Gestalten    mit Crack zügig ins Jenseits befördern. Manche Brasilianer  fragen  daher,   ob es nicht eher so ist, dass die Sicherheitskräfte,  von  Ausnahmen   abgesehen, der unter Staatschef Lula aufgeblühten   Crack-Branche eine   ordentlich-angenehme Abwicklung der Geschäfte   garantieren. 1,2 Millionen   Brasilianer sind laut Expertenschätzungen   bereits Crack-süchtig.   Kenarik Felippe von der angesehenen nationalen   Richtervereinigung für   Demokratie (AJD): „Der Staat ist ins   organisierte Verbrechen verwickelt.   Besonders die Slumbewohner leiden   stark unter der Gewalt durch  Polizei,  paramilitärische Milizen und  die  Banditenkommandos. Im ganzen  Land, und  nicht nur in Rio de  Janeiro,  foltern Staatsangestellte, gibt  es  Todesschwadronen, zu  denen  Staatsbeamte gehören. Man redet nur von  den  kleinen Fischen im   Rauschgiftgeschäft, nicht von den  Drogenbaronen.“ Der  Richter und   AJD-Präsident Luis Barros Vidal  fordert, die „Farce von  Rio“ auf   keinen Fall zu unterstützen. „Die  Geheimdokumente der Militärs  zeigen,   dass die Drogenmafia, der  Drogenhandel in diesen Slums  fortbestehen.   Die regierenden Autoritäten,  die von einem groß angelegten  Krieg  gegen  die organisierte  Kriminalität sprachen, machten also leere,   falsche  Versprechen, handeln  unredlich. Wir sehen die Resultate – Tote   und  nochmals Tote. Selbst  UNO-Friedenstruppen wären erfolglos, weil    vordringlich soziale und  wirtschaftliche Probleme gelöst werden  müssen,   die Slumbewohner vor  allem feste Arbeitsplätze brauchen.“  Niemand  wisse  das besser als die  brasilianische Regierung, früher  unter Lula,  jetzt  unter Dilma  Rousseff. „Todesschwadronen sind  derzeit in Rio  aktiv – doch  auch in  Sao Paulo, landesweit, straflos“,  fügt Richter  Vidal gegenüber  dem <em>Blättchen</em>  hinzu, in  Brasilien fehle eine  Kultur der  Menschenrechte. Zu erkennen  seien  „starke Merkmale eines  totalitären  Staates, der das Gesetz nicht   respektiert“; mit Blick auf  Fußball-WM und  Olympische Spiele am   Zuckerhut werde ein  Medienspektakel veranstaltet.<br />
Und das hatte es von Anfang an in sich. In brasilianischen     Qualitätsmedien, die nur einen winzigen Bruchteil der Bevölkerung     erreichen, hieß es immerhin, die jüngsten Polizei-und Militäroperationen     seien nur für das Ausland gedacht – de facto ändere sich nichts. Rio     habe wegen der geplanten Sportereignisse international Kompetenz     demonstrieren müssen, um Milliardeninvestitionen zu erhalten. Es werde     wieder Wahlen geben – und die Politiker würden erneut Gelder des     organisierten Verbrechens brauchen.<br />
In mitteleuropäischen Medien weiß man’s offenbar viel besser. Rio de     Janeiro wolle mit dem Drogenhandel Schluss machen, wird     freundlicherweise unterstellt, obwohl sogar Rios Sicherheitschef     Beltrame öffentlich erklärt, dies keineswegs vorzuhaben.<br />
Aber richtig klasse ist der Mediengag über die „heldenhafte“ Einnahme     jenes „Complexo do Alemão“: Unentwegt ballern Polizei und Militär     fotogen auf nicht vorhandene Gegner, was das Zeug hält. Alles wird von     zahlreichen TV-Teams direkt an der Seite der Einheiten begeistert     abgefilmt und teuer weltweit verbreitet. Sozusagen „sturmreif     geschossen“ fehlt nur noch die „Eroberung“ des Slumkomplexes. Dies geht     so vonstatten, dass Soldaten und Elitepolizisten mit handverlesenen     Journalisten einfach die Gassen zur Slumspitze hochgehen und dort die     Landesfahne hissen. Schließlich hatte man den Banditenkommandos  tage-und    nächtelang reichlich Zeit und Möglichkeiten zum Rückzug in  üblicher    Guerilla-Taktik gegeben und auf eine Einkesselung verzichtet  – die    Gangster verteilten sich auf andere der weit über 1.000  Rio-Slums.<br />
Wohl einmalig in der Fernsehgeschichte, wie der     TV-Globo-Nachrichtenkanal vom Hubschrauber aus den problemlosen Rückzug     der schwerbewaffneten Banditenkommandos aus dem Slum Vila Cruzeiro     direkt übertrug. Die Konditionen, um die Banditen zu schnappen, waren     bestens.Warum, so ist zu fragen, ließen Polizei und Armee die Gangster     entkommen? Man saß vor dem Fernseher und traute seinen Augen nicht.     Stundenlang sah man von nahem, wie sich die Verbrecherkommandos     davonmachten, und bekam es von Polizeiexperten auch noch kommentiert:     „Kampfhubschrauber wie die im Vietnamkrieg greifen jetzt nun mal leider     nicht ein.“<br />
Jahrzehntelang, so wird in Europa verbreitet, wagten sich die     Sicherheitskräfte angesichts übermächtiger Banditenpräsenz nicht in den     „Complexo do Alemão“ – umso mehr sei daher die Rückeroberung zu     würdigen. Sind Lula und seine Nachfolgerin Dilma Rousseff also wahrhaft     todesmutig, weil sie den Slumkomplex noch vor der „Erstürmung“     besuchten? Spaß beiseite – Lula war 2008, 2009 und sogar im Oktober     2010, kurz vor dem Militäreinsatz, im „Complexo do Alemão“, hatte teils     sogar Ehefrau Marisa dabei. Rios Polizei und Militär kennen die     Favela-Gegend bestens, 2002 wurden zur Besetzung gar 50.000 Mann     aufgeboten. Mehr Sicherheit gibt’s deshalb nicht – seit 2007 wurden in     Rio über 25.000 Gewalt-Tote gezählt.<br />
Jetzt, nach vertraulichen Militärberichten, weist die Leiterin eines     angesehenen kirchlichen Rio-Sozialprojekts auf ein „großes Massaker im     „Complexo do Alemão“, wobei vor allem Jugendliche getötet, doch     keinerlei Informationen darüber freigegeben wurden. Laut     Uni-Anthropologen Luiz Mott, angesehenster Schwulenaktivist des     Tropenlandes, hält Brasilien bei Morden an Homosexuellen weltweit eine     „grauenhafte Führungsrolle“, verschlechterte sich unter Lula die     Situation der Gays. Bei Tötungen durch Schusswaffen liegt Brasilien     gemäß NGO-Daten an der Spitze, 92 Prozent der Rio-Morde bleiben     straffrei.<br />
Gregor Gysi von der deutschen Partei DIE LINKE gilt als Rechtsexperte,     war 2010 in Brasilien, kennt daher sicherlich die Positionen der     dortigen Richtervereinigung für Demokratie gut – und schlussfolgert:     „Von allen linken Präsidenten hat Lula, der als am wenigsten links     eingeschätzt wird, die größten Erfolge.“</p>
<h1>Dilma Rousseffs schlechter Start</h1>
<p>Brasiliens neue Staatspräsidentin, zuvor Lulas Chefministerin,     verschont die Nation bisher mit dem vom Ziehvater gewohnten Schwall aus     Propagandareden – dafür haben es die politischen Ereignisse in sich.</p>
<p>Der angesehene kirchliche Menschenrechtsanwalt Sebastiao Bezerra da     Silva wurde sadistisch gefoltert und ermordet – auch in den acht     Regierungsjahren zuvor war das Verfolgen von Menschenrechtsaktivisten     normal. Silva ermittelte gegen die landesweit aktiven, von     Staatsangestellten geleiteten Todesschwadronen, gegen folternde     Militärpolizisten und bekam deshalb Morddrohungen. Im archaischen     nordöstlichen Teilstaat Maranhao, der laut Kirchenangaben bei     Gefängnis-Folter an der Spitze steht, kam es zur ersten Häftlingsrevolte     unter Rousseff – sechs Männer wurden getötet, Fotos der   abgeschlagenen   Köpfe waren in den Regionalzeitungen zu sehen. Maranhao   wird von   Gouverneurin Roseane Sarney regiert, die mit Dilma Rousseff   befreundet   ist, und bei nettem privaten Beisammensein mit ihr zur   Laute allerlei   populäre Liebeslieder sang. Eine unabhängige   Untersuchungskommission zum   Häftlingsaufstand gibt es nicht, Brasilia   reichen die Angaben der   Militärpolizei – ein Relikt der   Militärdiktatur. Der Teilstaat ist zudem   Herrschaftsgebiet des   Oligarchen José Sarney, der einst die   Folterdiktatorenpartei ARENA   führte – und heute als Senatspräsident den   brasilianischen   Nationalkongress. Mit ihm, dem hochwichtigen  politischen    Bündnispartner, feierte Dilma Rousseff ihren Wahlsieg –  auch das    spricht Bände.<br />
Auch die neue Menschenrechtsministerin Maria do Rosario beschreibt – wie     ihr Vorgänger – die größte lateinamerikanische Demokratie als     Folterstaat, nennt Torturen in total überfüllten Gefängnissen und selbst     in psychiatrischen Anstalten ein „gravierendes nationales Problem“.    Als  Dilma Rousseff noch zuständige Chefministerin war, hatten  derartige    Eingeständnisse allerdings keinerlei praktische Bedeutung.  Gleiches   gilt  für den jetzt auf der Berlinale gezeigten  sozialkritischen   Streifen  „Tropa de Elite 2“, der Brasiliens  bedrückende   Menschenrechtslage  eindrücklich abbildet. Wie im  Vorgängerfilm, der   2008 den Goldenen Bären  gewann, gibt es wieder  eine der für Rio de   Janeiro typischen  Scheiterhaufenszenen – weder  Lula noch Rousseff haben   sich jemals zu  dieser in den Slums unweit  des neuen   ThyssenKrupp-Stahlwerks gängigen  Hinrichtungs-und    Einschüchterungspraxis geäußert.<br />
Wie es sich gehört, hat Brasilien als vielgelobte Demokratie und     strategischer Partner auch der Berliner Regierung natürlich die     UNO-Menschenrechtsabkommen unterzeichnet. Von möglichen Sofortmaßnahmen     der Rousseff-Regierung zwecks Umsetzung ist aber nichts bekannt.  Dafür    erfährt man aus einer jetzt veröffentlichten Studie, was sich  unter  dem   Gespann Lula-Rousseff noch so entwickelte. Bei Tötungen  durch    Schusswaffen liegt Brasilien weltweit an der Spitze – und von  drei    Ermordeten sind zwei schwarz. Der Soziologe Julio Waiselfisz,  dessen    Team die Studie erarbeitete, spricht von „Merkmalen der  Ausrottung,    Vernichtung“ und von fehlender öffentlicher Sicherheit  für die arme,    mehrheitlich schwarze Bevölkerung. Mit der öffentlichen  Sicherheit    passiere dasselbe wie bei Bildung, Gesundheit,  Sozialversicherung – es    werde privatisiert. „Wer kann, zahlt für  privaten Sicherheitsdienst.  Die   Schwarzen gehören zu den Ärmsten,  leben in Risikozonen und können   nicht  zahlen.“<br />
Laut unvollständigen Statistiken werden in Brasilien jährlich immerhin     etwa 55.000 Menschen ermordet. Die UNICEF ergänzt: Bei Morden an  15-bis    19-Jährigen liegt Brasilien weltweit an der Spitze, 38 Prozent  der    brasilianischen Jugendlichen leben in Armut und Misere. Die     Rousseff-Regierung sollte daher in Programme für Gesundheit, Bildung und     Sicherheit investieren, die sich gezielt an die 33 Millionen     Heranwachsenden zwischen 10 und 19 Jahren richten. Aber irgendwie     scheint Brasilia gar nicht so gut bei Kasse zu sein, wie Lula unter     Hinweis auf angeblich fette Devisenreserven stets verkündete. Als die     hausgemachte Erdrutsch-Umweltkatastrophe im Januar bei Rio de Janeiro     rund tausend Todesopfer forderte – etwa 500 Menschen werden noch     vermisst – fehlte es den Rettungsmannschaften arg an Mitteln und     Ausrüstung, weil zuvor beim Katastrophenschutz extrem gespart worden     war. Als Präsidentin Rousseff die Region besuchte, wurde sie mit ihren     eigenen Fehlleistungen aus der Zeit als Chefministerin direkt     konfrontiert. Das großflächige Abholzen und Bebauen von     Steilhang-Risikozonen war erlaubt und wurde sogar gefördert– doch nun     bettelt Rousseff gar die Weltbank um einen Milliardenkredit an, damit     Slumbewohner  aus entsprechenden Zonen umgesiedelt werden können.     Bereits 2008 wurde die Region von einer solchen Umweltkatastrophe     heimgesucht – und der Lula-Regierung vorgerechnet, für     Präventivmaßnahmen nur 12 Prozent (!) der vorgesehenen Haushaltsmittel     investiert zu haben. Sogar die UNO wirft Lula vor, bereits 2005 ein     Katastrophenwarnsystem versprochen zu haben, das aber immer noch nicht     funktioniere.<br />
Um 2010 Rousseffs Wahlsieg zu garantieren, wurden die     Regierungsausgaben, darunter für Propaganda, stark erhöht. Derzeit     werden sie, notgedrungen, drastisch zurückgefahren, denn die     Sozialbewegungen protestieren heftig, weil Präsidentin Rousseff die     Anhebung des Mindestlohns deutlich unter der kräftigen Teuerungsrate     hielt. Die umgerechnet etwa 248 Euro brutto monatlich passen schwerlich     zu den erneuten Versprechen, nun aber wirklich Hunger und Misere     auszutilgen. Das Mindestsalär bekommen laut offiziellen Angaben 29,1     Millionen registriert oder unregistriert Beschäftigte sowie 18,6     Millionen Sozialversicherte, darunter zwei von drei Rentnern. Doch ein     Großteil der unregistriert, ohne Arbeitsvertrag und rechtliche     Absicherung Beschäftigten hat deutlich geringere Einkünfte – in einem     Land mit inzwischen oft deutlich höheren Preisen als in Deutschland,     gerade bei Grundnahrungsmitteln als in Deutschland – und in einer Phase     schmerzhafter Preisanstiege.<br />
Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch das Phänomen, dass     Gewerkschaften inzwischen sogar Rechtsparteien applaudieren, weil die     einen höheren Mindestlohn vorschlugen. Zugleich wird an die enormen     Diätenerhöhungen der Kongresspolitiker sowie an das Einkommen von     „Working Class Hero“ Lula erinnert. Seit Januar bekommt er monatlich     allein als Ehrenpräsident der Arbeiterpartei umgerechnet rund 6.000     Euro, dazu die satten Bezüge als Ex-Staatschef. Zudem erhält er seit     seinem 51. Lebensjahr eine Entschädigung von 1.900 Euro monatlich, weil     er 31 Tage in Diktatur-Haft saß. Als ihm jetzt ein Unternehmen für    einen  Vortrag 100.000 Dollar Honorar anbot, lehnte Lula laut    Landesmedien ab –  entweder 200.000 Dollar oder kein Vortrag. Da bietet    sich ein Vergleich  mit den Hilfen des Anti-Hunger-Programms „Bolsa    Familia“ an – denn 42  Prozent der Empfänger, also 5,3 Millionen    Menschen, leben gemäß neuen  Studien nach wie vor im Elend. Zwischen 14    und maximal 105 Euro werden  monatlich ausbezahlt – pro Familie    wohlgemerkt, meist sind sie  kinderreich. Die Möglichkeit, Elend und    Hunger unter den  Bezugsempfängern rasch durch eine angemessene Hilfe zu    beseitigen, werde  nicht einmal erwogen, empören sich Kommentatoren.    Die Regierung kürzt  jetzt stattdessen sogar die Gelder eines    Hausbauprogramms für die  Unterschicht fast um die Hälfte.<br />
Im Zuge des Rousseff-Starts erfuhr man auch, wie Brasilien heute     kulturell tickt. Nach der Umweltkatastrophe erklärte die Präsidentin für     mehrere Tage Staatstrauer, der Teilstaat Rio de Janeiro sogar für   eine   ganze Woche – doch selbst am Zuckerhut gingen die   Vorkarnevalsfeste  der  Sambaschulen und andere karnevalistische   Aktivitäten auf vollen  Touren  weiter. Renommierte Therapeuten und   Sozialwissenschaftler haben  auf  diesen befremdlichen Umgang mit   Tragödien aufmerksam gemacht.   Andererseits – beim Kulturexport kommt   das Riesenland laut UNO-Daten nur   auf 0,2 Prozent des Weltvolumens,   liegt auf Platz 26, gleichauf mit   Rumänien. Zum Rousseff-Start verließ   der Komponist und Dirigent John   Neschling nach 14 Jahren frustriert   das Land in Richtung Schweiz. Er   hatte das völlig unbedeutende   Sinfonieorchester Sao Paulos zu einem   international anerkannten   aufgebaut, wurde jedoch von der reaktionären   Teilstaatsregierung   gefeuert. Beim Weggang verwies er auf fehlende   Kulturpolitik, eine   paralysierende und unsensible Staatsbürokratie,   brutalen Umgang mit   Kulturgütern. Neschlings Rückkehr nach Europa ist   symptomatisch, ein   schmerzhafter Verlust für Brasilien.</p>
<h1>Leonardo Boffs Ungereimtheiten</h1>
<p>In Ländern wie Deutschland betreibt eine bestimmte Gutmenschen-Szene     um den einst interessanten brasilianischen Befreiungstheologen einen     regelrechten Kult. Sie bewahrt ihn vor öffentlicher Kritik, die als     politisch unkorrekt gälte. Im Tropenland dagegen wird Boff seit den     neunziger Jahren zunehmend heftig kritisiert. Selbst frühere Anhänger     werfen ihm Fehleinschätzungen über die katholische Kirche,     intellektuelle Unehrlichkeit und Opportunismus vor. Boff sei eitel auf     Medienpräsenz aus – was mit Verbalattacken auf Papst und Vatikan     natürlich am leichtesten gelinge.</p>
<p>In der Tat wirkt Boffs Eindreschen auf den Papst infantil und     lächerlich. Nationale Religionsexperten bescheinigen ihm eine     unbestreitbare Rolle in der Reflexionsgeschichte Brasiliens, nennen ihn     sehr intelligent und intuitiv. Boff spüre sehr gut bestimmte     gesellschaftliche Probleme und Tendenzen, sei ein brillanter Professor.     Doch seine Äußerungen müssten kritisch analysiert werden –  andernfalls    akzeptiere man häufig Dinge, die nicht der Wahrheit  entsprächen.<br />
In Deutschland sind evangelikale Wunderheiler-Sekten unbeliebt – Boff     begrüßte indessen bereits im Jahr 2000 öffentlich die Expansion der     Evangelikalen vorbehaltlos als Bereicherung. In Brasilien fasste man     sich an den Kopf. Denn die evangelikalen Sektenkirchen propagieren     massiv die „Theologie der Prosperität“, wonach materieller Wohlstand     eine Gabe Gottes sei und durch die Macht des Glaubens erreicht werden     könne. An Misere, persönlichem Misserfolg sei der Teufel schuld, den  man    auf speziellen Tempelsitzungen austreibe – wobei natürlich jeder     Gläubige soviel Geld wie möglich an die Kirche spenden müsse. Mit  dieser    Theologie, analysieren Sozialwissenschaftler, verbreiten die     Evangelikalen Illusionen, beuten die Leute aus, schaffen Leiden. Und     fördern sogar Rassismus und Diskriminierung, da die schwarze  Bevölkerung    nunmehr nur deshalb arm sei, weil sie sündige. Gemäß aus  Afrika    ererbten Schlechtigkeiten werde sie als eine verfluchte Rasse  angesehen,    die sich von allen Vorfahren und Wurzeln lösen müsse.<br />
Wenn Boff diese wie Wirtschaftsunternehmen funktionierenden Kirchen als     Bereicherung auffasse, müsse man seine Bewertungen relativieren,  zeige    sich zunehmende Oberflächlichkeit. Im akademischen Umfeld, bei  den    Studenten sei Boffs frühere Attraktivität weg.<br />
Boff müsste wissen, dass evangelikale Kirchen im Christlich-Ethischen     mancherlei Sonderwege fahren. So wurde ein Bischof der politisch     einflussreichen „Universalkirche vom Reich Gottes“, der Brasiliens     zweitgrößter TV-Sender gehört, wegen Mordes eingesperrt. In Salvador da     Bahia hatte er laut Polizei im Tempel gemeinsam mit zwei Pastoren   einen   14-jährigen Jungen sexuell missbraucht und danach lebendig   verbrannt.<br />
Manche mögen Boff zustimmen, wenn er die Evangelikalen-Ausbreitung     begrüßt, weil ihm „jede Art von Vielfalt“ so gefällt. Denn nun ist in     rappelvollen „Gotteshäusern“ endlich mal echt was los, ziehen Ex-Killer     und Ex-Frauenaufreißer wie Pastor Salles vom Leder:„Ich war reich,    hatte  Villen und tausende Frauen – in Rio hörten tausende    schwerbewaffnete  Banditen auf mein Kommando. Ich war Bankräuber,    Berufskiller, Monster,  Psychopath – so viele Opfer flehten vergeblich    um Barmherzigkeit! Wie  von den Dämonen gefordert, habe ich mit meiner    Frau unseren sechs Monate  alten Sohn getötet, in der Pfanne gebraten,    sein Fleisch gegessen – ich  war schon in der Hölle!“<br />
Frei Betto, wichtigster Befreiungstheologe Brasiliens, hochangesehen bei     Kardinälen, Bischöfen und Padres der Kirche des Riesenlandes,     analysiert solche evangelikalen Sekten tiefgründig, fühlt sich durch     ihre nervende Präsenz im Alltag nicht eben bereichert. Leonardo Boff     indessen wirft kurioserweise dieser Kirche „feudale Mentalität“,     „totalitäre Ideologie“ und „mittelalterliche Strukturen“ vor, gar die     Ablehnung von Kritik und Alternativen.  Damit hat er schlichtweg die     Dynamik, Entwicklung und Komplexität der katholischen Kirche nicht     begriffen. Als anschauliches Beispiel gilt, dass Rom zwar Kondome     kritisiert, deren massive Verteilung in der pastoralen Aids-Prävention     indessen zulässt – und fördert, gemäß katholischer Moraltheologie.<br />
Der Soziologe Claudio Monteiro leitet in Sao Paulo die bischöfliche     Aids-Pastoral – direkt neben seiner Bürotür kann sich jedermann aus     einem stets gut gefüllten Plastikbehälter gratis und überreichlich  mit     Kondomen eindecken. Monteiro lacht über Boffs Vorwurf, dass die     katholische Kirche in der Kondomfrage lebensfeindlich, verantwortungslos     und intolerant handele. „Leonardo Boff gehörte zum  Franziskanerorden,    der in Brasilien eines der ersten  Aids-Präventionsprojekte startete  und   natürlich Kondome verteilt –  seit über 16 Jahren. Unsere nationale    Aids-Pastoral, von einem  Bischof geführt, verfährt genauso. Völlig    unmöglich, daß Boff davon  nicht weiß. Wenn er die Ausbreitung der    Evangelikalen, die Expansion  des religiösen Fundamentalismus positiv    bewertet, ist dies fragwürdig  und anfechtbar.“<br />
Boff greift immer wieder auch in die Politik ein. Im letzten     Präsidentschaftswahlkampf unterstützte er zuerst die evangelikale     Predigerin Marina Silva. Die Ex-Umweltministerin zählte zur     Revolutionären Kommunistischen Partei Brasiliens, wuchs im     befreiungstheologischen Spektrum der Katholiken auf und ging dann zur     „Assembleia de Deus“. Richtig, die von Pastor Salles, dem Ex-Killer und     Ex-Frauenaufreißer, die zudem laut Eigendarstellung Homos zu Heteros     umdreht und Strich-Transvestiten zu Geistlichen macht.<br />
Zuletzt wechselte Marina Silva von Lulas Arbeiterpartei zu den     brasilianischen Grünen. Die verkaufen sie als lupenreine     Umweltschützerin – obwohl zahlreiche verhinderbare Umweltverbrechen in     ihre Amtszeit fallen. Amazonas- und Savannenwälder werden vernichtet,     Brasilien avanciert zum weltgrößten Agrargiftverbraucher, das  Geschäft    mit Gen-Pflanzen boomt. Umweltschützer laufen Sturm gegen  das    gigantische Umleitungsprojekt am Rio Sao Francisco – Marina Silva     verteidigt es als „ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich machbar und     sozial gerecht“. Was sie von massenhafter Folter durch  Staatsangestellte    oder von den landesweit operierenden  Todesschwadronen hält, erfährt   man  bis heute nicht.<br />
2002 nahm Leonardo Boff begeistert an der Wahlkampfkarawane von Lula     teil, verglich ihn mit Mahatma Gandhi, lobte sogar dessen Vize, den     Milliardär und Diktaturaktivisten José Alencar. Angesichts der     Korruptionsskandale schwenkte er später um, verurteilte Lulas Politik     als niederträchtig neoliberal.<br />
2010 aber, als Marina Silva die Stichwahl nicht erreichte, wechselte     Boff flugs zu Lulas Wunschkandidatin und bisheriger Chefministerin Dilma     Roussef – und wieder zu Lob über den grünen Klee: „Lula machte die     größte Revolution der sozialen Ökologie des Planeten, eine Revolution     für die Bildung, ethische Politik.“ Die gravierenden     Menschenrechtsverletzungen, den strikt antiökologischen Kurs von     Lula-Rousseff kritisiert er nicht, die von ihm so heftig gescholtene,     stark systemkritische katholische Kirche Brasiliens tut das umso     kräftiger: Fehlende soziale Besorgnis bei Lula und Rousseff trotz     Hunger, Misere und rasch wachsenden Slums, Zementierung der grauenhaft     ungerechten Einkommensverteilung, Begünstigen der ohnehin     Privilegierten. Boff faselt von sozialer Ökologie-Revolution, dabei ist     längst klar, dass Dilma Rousseff das umweltvernichtende     Mega-Wasserkraftwerk „Belo Monte“ in Amazonien unbedingt realisieren     will. Nach ihrem Wahlsieg erneut ein Schwenk: Boff geißelt das     Belo-Monte-Projekt.<br />
Mancher hat vielleicht den desillusionierenden ARD-Weltspiegel-Beitrag     „Brasilien: Kindsmord am Amazonas“ über das Töten von Kindern bei     Indianerstämmen gesehen – rund 600 Babies werden danach jährlich allein     in Amazonien umgebracht. Viele Indianer sitzen wegen Sex mit Kindern   im   Gefängnis, auch Indios sind als Naturzerstörer bekannt. Yanomami    pflegen  gar das Verprügeln der eigenen Ehefrau mit Freunden, bei     Fremdgeh-Verdacht – von Schamanen als Hexen beschuldigte Indiofrauen     wurden ermordet – das Blättchen hatte über diese Praktiken berichtet.     Boff indessen ignoriert diese Fakten: „Und ich habe sie immer  bewundert,    sie sind unsere großen Meister im Hinblick auf die Haltung  gegenüber    der Natur. Die sind technologisch gesehen rückständig,  aber    zivilisatorisch, sie sind vorwärts, sie sind reicher als wir.  Wenn wir    lernen wollen, was wir für eine Beziehung mit der Natur  eingehen  sollen,   die Beziehung zwischen dem Alter und den Kindern,  den  Erwachsenen und   alten Leuten, die Beziehung zwischen Arbeit und   Freizeit, die Beziehung   zwischen Leben und Tod, dann müssen wir die   Indianer hören. Die haben   eine große Weisheit und vieles haben sie uns   zu sagen.“ Kommentar   überflüssig.</p>
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<p><strong>Obama in Brasilien</strong></p>
<p>Auf Gesten und Symbolik, sorgsam abgestimmt zwischen beiden Seiten,     sei besonders zu achten, hatte Brasilia vor der Ankunft des     US-Präsidenten verlauten lassen. Und als Barack Obama dann in den     Amtssitz von Präsidentin Dilma Rousseff schritt, ging es Schlag auf     Schlag. Mitten in der persönlichen Unterredung befahl Obama über einen     Mitarbeiter die Attacke auf Libyen mit zunächst 110 Tomahawk-Raketen.     Und etwas später, mitten im Bankett für Obama im brasilianischen     Außenministerium, ging es richtig los mit den Bombardements. „Ein     historischer Tag“, titelten die Zeitungen – und „historisch“ verhielt     sich Brasiliens neue Staatschefin, die einst als Guerilleira gegen die     Militärdiktatur kämpfte, eingesperrt und gefoltert wurde. Erst nach  der    Abreise Obamas äußerte sie Missfallen über die Kriegserklärung     ausgerechnet in Brasilien – vermied indessen, wie viele Brasilianer     erwartet hatten, dies Obama sofort und direkt zu sagen, womöglich die     offiziellen Gespräche abzubrechen. Mit einer Note, die einen     Waffenstillstand in Libyen erbat, wurde ebenfalls solange gewartet, bis     Obama abgereist war. Brasiliens wichtigster Befreiungstheologe, Frei     Betto, nannte es gegenüber dem <em>Blättchen</em> „zumindest takt-  und    geschmacklos, den Krieg gegen Libyen just in Brasilien zu  erklären,  das   gegen eine solche kriegerische Aggression ist.“ Der  Diskurs des  Westens   sei Demokratie, das Interesse indessen Öl und  nicht etwa die    Verteidigung der Menschenrechte in Libyen. Brasilia  hatte sich im    UN-Sicherheitsrat, abgestimmt mit Russland, Indien und  China, wenigstens    der Stimme enthalten, eine friedliche Lösung  befürwortet.</p>
<p>Absolut symbolträchtig ging es beim Bankett zu – denn wie zu hören     war, hatte Rousseff offenbar mit Ziehvater Lula da Silva abgemacht,  dass    am Tische direkt neben den beiden Obamas just der hochwichtige     Regierungspartner José Sarney sitzen sollte. Die USA hatten 1964 zur     Unterstützung des Militärputschs sogar eine Kriegsflotte vor die Küste     Brasiliens entsandt. Und nun prosteten sich just der Präsident  dieses    Landes und der damalige Chef der brasilianischen  Folterdiktatorenpartei    ARENA freundlichst zu, unterhielten sich auch  Michelle Obama und  Sarney   sichtlich nett miteinander. Er gilt in  Brasilien nach wie vor  als der   archaischste, reaktionärste und  politisch mächtigste Oligarch,  ist   Präsident des Kongresssenats und  wurde trotz seiner Verwicklung  in   zahllose Skandale von Lula stets  hochgeschätzt und umworben. „I  love   this guy“, sagte Obama einmal  über Lula – und wollte ihn gerne  mit am   Tisch. Doch der mit scharfem  politischen Instinkt gesegnete    Ex-Gewerkschaftsführer lehnte die  Einladung ab. Als hochbezahlter    Ehrenpräsident seiner Arbeiterpartei  PT hatte er womöglich Rücksicht zu    nehmen auf jenen Parteiflügel, der  sich scharf gegen einen Libyenkrieg    wandte, an die Kriege im Irak  und in Afghanistan erinnerte, die    Obama-Regierung als „Feind des  Weltfriedens“ einstufte. Vor Obamas    Ankunft brodelte es in diesem  Teil der PT, der sich den Sozialbewegungen    eng verbunden fühlt, die  Obama zur „persona non grata“ erklärt  hatten.   Zorn erregte daher,  dass Brasiliens Regierung, eingeschlossen  Dilma   Rousseff, und die  Führungsspitze der Arbeiterpartei die von    PT-Mitgliedern  angekündigten Proteste gegen den Besuch Obamas    verurteilten. Wie  durchsickerte, sollten solche Aktivitäten erstickt,    unzufriedene  Kader auf Linie gebracht werden. Zu den Abweichlern gehörte    sogar  Rousseffs Frauenministerin Iriny Lopes. Zu Kriegsbeginn nicht  am    Tische mit Obama sitzen zu wollen, könnte Lula eines Tages  Lorbeeren    einbringen – wer erinnert sich dann noch an die  Hintergrund-Details?    Sehr aufschlussreich, was dann in Chile ganz  anders lief als in    Brasilia. Eine weit politisiertere Öffentlichkeit  erreichte, dass beim    Obama-Besuch die Diktaturproblematik nicht  ausgeklammert wurde.  Anders   als unter Dilma Rousseff wurde im  chilenischen Regierungssitz  natürlich   eine Pressekonferenz anberaumt,  konnte ein chilenischer  Journalist  offen  fragen, ob Obama und dessen  Regierung bereit seien,  sich für die   Beteiligung am Militärputsch vom  11. September 1973 zu  entschuldigen –   und bei den gerichtlichen  Ermittlungen über  Diktaturverbrechen zu   kooperieren. Der Journalist  erinnerte an  bezeichnende Fälle, darunter   die Ermordung von Orlando  Letelier,  Außenminister von Salvador Allende,   1976 in Washington. Dem   überraschten Obama blieb nichts weiter übrig,   als zuzustimmen – er   vermied indessen, um Entschuldigung zu bitten.<br />
Obama plante vor Rio de Janeiros Opernhaus eine Rede ans Volk, zog sich     dann aber wegen der drohenden Proteste ins Innere des imposanten     Gebäudes zurück, wollte handverlesenes Publikum. Draußen PT-Fahnen und     „Obama-go-home“-Plakate – drinnen fragwürdigste Symbolik. Die  nationale    Schwarzenbewegung forderte, dass sich der erste  dunkelhäutige    US-Präsident zum grauenhaften Rassismus klar  positionieren muss.    Schwarzen-Aktivist Mauricio Pestana: ”Es gibt  keinerlei Zweifel, dass im    ‚demokratischen’ Brasilien von heute  schwarze Bürger mehr Opfer von    Folter, Mord und Verschwindenlassen  sind als in irgendeiner autoritären    Epoche unserer Geschichte.“ Die  Schwarzenbewegung hatte versucht,  über   die neue Ministerin für  Rassengleichheit, Luiza Bairros, das    Rassismusthema auf die  Besuchs-Agenda zu setzen, wurde jedoch    abgeblockt. Der  Studentenverband UNEAFRO nannte Obama „den Verräter der    Schwarzen in  aller Welt“ – und wird sich jetzt vermutlich bestätigt    fühlen. Obama  hatte nicht vor, den Rassismus, andere gravierende     Menschenrechtsverletzungen in Brasilien zu kritisieren. Seine     Besuchsvorbereiter griffen daher tief in die Symbol-Kiste, ließen vor     der Rede eine Afro-Band aufspielen und platzierten viele     Schwarzen-Aktivisten gut sichtbar vor dem US-Präsidenten. Die Ansprache     wurde von Brasiliens wichtigsten Kommentatoren arg verrissen: Denn    Obama  lobte ausgerechnet die brasilianische Demokratie als    beispielhaft,  stellte damit klar, welche Menschenrechtskriterien er    nach eigenem  Werteverständnis an Brasilien anlegt. Systematische Folter    durch  Staatsangestellte, Todesschwadronen, Scheiterhaufen,  neofeudale    Banditen-Diktatur in den Armenvierteln, Morde an     Menschenrechtsaktivisten, Sklavenarbeit – „no problem“ fürs Weiße Haus.     Brasilien werde zum Modell für die Welt, so Obama. In Rio wurde ganz   in   der Nähe seines Copacabana-Hotels kurz nach der Abreise der     Systemkritiker und Anwalt Ricardo Gama, der hohe Politiker auf seiner     Website aufs Korn nahm, bei einem Attentat von zwei Kopfschüssen     getroffen. Er wird hoffentlich überleben. Zuvor war ein kirchlicher     Menschenrechtsanwalt in Nordostbrasilien ermordet worden. In Sao Paulo     liquidierten zwei Militärpolizei-Todesschwadronen seit 2006 mindestens     150 Menschen, steht in einem neuen Untersuchungsbericht. Als     ausgesprochenen Folterstaat beschrieb sogar Brasiliens neue     Menschenrechtsministerin Maria do Rosario ihr eigenes Land – kein     einziges Massenmedium brachte die Äußerung. Nicht zufällig ist Brasilien     jetzt auf dem britischen Welt-Demokratie-Index vom 41. auf den 47.     Platz zurückgefallen – liegt auf dem neuesten UNO-Ranking für     menschliche Entwicklung nur auf Platz 73. – Libyen immerhin auf dem 53.,     Chile auf dem 45., Argentinien auf dem 46 und der Iran auf dem 70.     Platz.<br />
Aber heißt es nicht immer, seit Lula zeige Brasilia gegenüber den USA     zunehmend Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit? Brasiliens     Qualitätsmedien analysierten ironisch Wikileaks- Enthüllungen.     Öffentlich habe es nur zu oft leere antiamerikanische Rhetorik gegeben –     „ im vertraulich-privaten Umgang indessen Liebkosungen für die  Brüder    im Norden, Anerkennung der Hegemonie des Partners.“     US-Diplomateneinschätzungen lauteten, das Tropenland sei noch gar nicht     reif, um ein Global Player zu sein. Für US-Sozialwissenschaftler sind     die brasilianischen Regierenden unfähig zu längst überfälligen     strukturellen Reformen, gibt es „gravierende interne Probleme“.     Menschenrechtsaktivist Fabio Konder Comparato, Rechtsprofessor an     Brasiliens führender Bundesuniversität in Sao Paulo: “Wir hatten bis     heute nie Demokratie, leben immer unter einem oligarchischen Regime.     Unsere Politik hat stets zwei Gesichter. Eines für außen, zivilisiert –     und eines für innen, grausam. Wir halten diese Doppelzüngigkeit des     Charakters im gesamten politischen Leben aufrecht. Die Wahlen sind     Theater. Lula bewies, dass er für die Oligarchie nicht gefährlich ist.     Ich widerspreche dem Begriff Redemokratisierung.“</p>
<h1>Brasilien und der Libyenkrieg</h1>
<p>Frankreichs Rafale-Kampfflugzeuge starteten auf Befehl von Präsident     Nicolas Sarkozy als erste gen Libyen, bombten, was das Zeug hielt,     feuerten neueste Hightech-Raketen auch auf zivile Ziele, zeigten aller     Welt, was in den Kisten steckt. Der überstürzt wirkende  Rafale-Einsatz    hatte womöglich seinen besonderen, zynischen  Hintersinn – denn    Lateinamerikas größte Kriegswaffenmesse LAAD in Rio  de Janeiro stand vor    der Tür. Rafale-Oberverkäufer Sarkozy bemüht  sich seit Jahren meist    vergeblich, bei seinen Auslandsreisen die  superteuren Jagdbomber an den    Mann zu bringen, auch in Brasilien.  2010 schien der Ankauf durch die    Lula-Regierung fast sicher – doch  selbst in französischen Medien wurde    herumgemäkelt, größtes  Verkaufshindernis sei die fehlende    Praxiserprobung im Kriegseinsatz.  Das Argument ist nun wohl vom Tisch.    Am Tag der Messeeröffnung von  Rio schrieb die „O Globo“, dass die    Rafales nun „mit Erfolg bei den  Attacken gegen Libyen“ getestet worden    seien, und in einer  LAAD-Sonderbeilage warb der französische    Rüstungskonzern gleich  ganzseitig, die Vortrefflichkeit der Bomber sei    im Kampf bewiesen  worden. Deutsche Medien zitieren Jean-Pierre Maulny,     stellvertretender Direktor des französischen Instituts für     Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS), wonach der     Libyen-Einsatz ein Weg sein könne, um für die nunmehr „kampferprobten“     Rafale-Bomber Propaganda zu machen. Dabei war es in Libyen  vorhersehbar    zu keinerlei Luftkämpfen gekommen, wurden durch die  Bombardements,  wie   man inzwischen weiß, aber zahlreiche Zivilisten  umgebracht, deren   Häuser  zerstört, immense Massenfluchten ausgelöst.</p>
<p>Die brasilianische Öffentlichkeit hat, anders als die     mitteleuropäische, weit weniger Illusionen, worauf der Libyenkrieg     tatsächlich zielt. Schließlich hatten führende Blätter, darunter     Brasiliens auflagenstärkste Zeitung „Folha de Sao Paulo“, den     Europa-üblichen Mainstream von Anfang an der Lächerlichkeit     preisgegeben. Gleich auf einer ganzen Seite analysierte der renommierte     Politikexperte und Universitätsprofessor José Luis Fiori, dass es um     Libyens Öl und die Kontrolle einer Grenzregion zu Europa gehe, nicht     aber um Menschenrechte. Die würden von den großen Mächten stets  benutzt,    um geopolitische Entscheidungen zu legitimieren. Afrika  nannte Fiori    den Schauplatz eines neuen imperialistischen Wettkampfs –  es sei nicht    ausgeschlossen, dass über eine neue Form des  Kolonialismus ebenso    nachgedacht werde wie über die Eroberung  bestimmter afrikanischer    Staaten, die durch europäische Kolonialisten  geschaffen worden waren.    Lokale Konflikte würden künftig immer  häufiger – und stets seien die USA    involviert.<br />
Wer das womöglich linkslastig fand, bekam „ausgewogen“ im selben Blatt     die Version des konservativen Politikers und Ex-Finanzministers Luiz     Carlos Bresser-Pereira präsentiert, wonach Libyen lediglich abgestraft     werde, weil es sich dem informellen Kolonialismus der Großmächte  nicht    unterwerfe. Der Libyenkrieg werde nicht mit guten Absichten  geführt.  Man   versuche dort nicht, wie behauptet werde, „das Massaker  an einem    revoltierenden Volk zu verhindern“, sondern wolle die  Herrschaft über    ein ölreiches Land wiedergewinnen. In Libyen, so  Bresser-Pereira, gebe    es im übrigen gar kein revoltierendes Volk.  Einzige    „Massenmanifestation“, von der Journalisten Fotos machten,  sei eine    Masse von Autos in Bengasi gewesen – zwecks Feier der     NATO-Bombardements. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei der offene     Kolonialismus durch einen informellen ersetzt worden – die alten     Metropolen assoziierten sich mit korrupten Eliten der armen Länder. Dies     treffe besonders auf den mittleren Osten sowie auf Staaten     Lateinamerikas und Afrikas zu. Lediglich asiatische Länder und einige     Staaten wie Libyen zeigten sich nicht fügsam für diese neue     Herrschaftsform. „Deshalb verzeichneten sie Wachstum und verbesserten     den Lebensstandard der Bevölkerung.“ Der Anwalt und Ex-Minister verwies     auf den UNO-Index für menschliche Entwicklung und verglich – Libyen     liege auf dem 53. Platz, Lateinamerikas größte Demokratie Brasilien     indessen nur auf dem 73. Platz. Für Unbotmäßigkeit werde Libyen jetzt     bestraft durch zwei alte imperiale Mächte, Frankreich und     Großbritannien, gefolgt von den USA. Sarkozy meine, durch sein Vorgehen     wiedergewählt zu werden – „doch die Franzosen wissen, dass dieser   Krieg   wenig Sinn hat und dass sie Sarkozy nicht vertrauen können“.<br />
Kommentatoren, die solcher Sicht widersprechen? Keine. Leicht     nachvollziehbar, dass sich auch Brasiliens Künstlerschaft nicht vom     europäischen Mainstream beeindrucken lässt, darunter der populäre     Schriftsteller ÉnricoVeríssimo in seiner landesweit nachgedruckten     Kolumne: „Alles wiederholt sich in Libyen, angefangen mit der     Scheinheiligkeit der selektiven Empörung: Einige Tyrannen, zuvor     toleriert, wenn nicht gar offen unterstützt wie Saddam, werden     unakzeptabel und attackierbar, während der Knüppel andere schont, die     noch nütze sind. Danach folgen die Verluste an Zivilisten, angeklagt  von    der einen Seite und bestritten von der anderen, Fotos  verstümmelter    Kinder und Diskussionen über die Effizienz von  ‚chirurgischen’    Luftschlägen. Und so haben wir ein weiteres Beispiel  eines modernen    Beitrags zu den Kriegstaktiken, die eigenartige  Doktrin des humanitären    Bombardements.“<br />
Komponist Aldir Blanc fragt, wie viele unschuldige Zivilisten bereits     durch das westliche Bombardement auf Libyen umgekommen seien. Und macht     sich bitter-ironisch über „Hilaria Clinton“ lustig, legt ihr  folgendes    Zitat in den Mund: „Unsere Politik ist, das da zu  bombardieren und  das   Wort Petroleum durch Menschenrechte zu  ersetzen.“ Der Komponist    erinnerte zudem an das US-Geheimgefängnis in  Ägypten, in dem des    islamischen Terrors Verdächtigte gefoltert  worden seien.<br />
Da erübrigt es sich beinahe, Positionen aus der recht     befreiungstheologisch orientierten Kirche des größten katholischen     Landes zu erwähnen. Frei José Francisco, Leiter des     Franziskaner-Sozialwerks in der Megacity Sao Paulo, eine der     angesehensten Franziskaner-Persönlichkeiten Brasiliens, nennt die     Einschätzung des Weltsozialforum-Gründers Oded Grajew völlig korrekt,     wonach die Waffenverkäufer Regierungen wollen, die Kriege führen. „Eine     große Wirtschaft, zu deren Stützen die Rüstungsindustrie gehört,  muss    Kriege haben – denn zur kapitalistischen Basis gehört Konsum.  Für die    Rüstungsindustrie bedeutet dies – sie wird durch Kriege  stimuliert.  Die   unterstützen die Wirtschaft jener großen Länder, die  heute die  Welt   beherrschen.“ Für Andersdenker Francisco versucht in  Libyen  lediglich   eine Gruppierung, an die Macht zu kommen – „doch  eine  Mobilisierung des   Volkes gibt es dort nicht. Bemerkenswert, dass   Vatikan und katholische   Friedensbewegung Pax Christi mit ihrer   Position zum Libyenkrieg der   NATO-Haltung komplett widersprechen. Der   Krieg zeigt, wie oft die UNO   leider instrumentalisiert wird.“ Für den   Franziskaner ist völlig klar,   dass das Völkerrecht jetzt auf jene   anzuwenden ist, die durch   Bombardements in Libyen ungezählte   Zivilisten umbrachten. „Die an den   Luftangriffen beteiligten Länder   müssen raschestmöglich Wiedergutmachung   und Entschädigung an die   Hinterbliebenen der Todesopfer sowie an   Verletzte und anderweitig   Geschädigte leisten. Die Täter und ihre   politisch-militärischen   Auftraggeber müssen gemäß Völkerrecht bestraft   werden. Ich weiß, dass   in der brasilianischen Kirche sehr viele denken   wie ich.“<br />
Zu ihnen zählt Waldemar Rossi. Einst war er aktiver Diktaturgegner,     bereitete mit Gewerkschaftsführer Lula Streiks vor – heute leitet er     unter einem deutschstämmigen Kardinal in Sao Paulo die bischöfliche     Arbeiterseelsorge. „Seit den ersten Bombardements hat die NATO nicht nur     die Streitkräfte Libyens attackiert, sondern auch Zivilisten, die    dabei  umkamen. Auf normale libysche Bürger wurde keinerlei Rücksicht     genommen. Notwendige Entschädigung, Wiedergutmachung bringt indessen  die    Getöteten nicht zurück ins Leben. Zur Verteidigung von  Ölinteressen    nehmen sich die an den Luftschlägen beteiligten  Regierungen das Recht    heraus, jegliche Verbrechen zu begehen – wie  zuvor bereits im Irak und    in anderen Staaten. Absolut verrückt, dass  Barack Obama den  Libyenkrieg   anfangs von einem Copacabana-Hotel aus  koordiniert hat.“  (Während  seines  jüngsten Brasilienaufenthaltes – <em>Anm. d. Red.</em>)   Schwer   vorauszusagen, ob auch westliche Libyenkrieger Fronturlaub an   der   Copacabana machen werden – die Kollegen aus dem Irakkrieg sind   längst da   und sorgen als Sextouristen für reichlich   Negativschlagzeilen. „Die   Truppe auf der Suche nach Sex provoziert   Polemik“, titelte schon 2007   ein Rio-Blatt. Washington finanziere   diesen Fronturlaub, habe das   US-Konsulat bestätigt.</p>
<h1>Brasiliens vertrackter Rassismus</h1>
<p>Wie wäre das in Deutschland – dürfte man selbst nach richterlichem     Verbot noch offen auf der Straße und vor Konzertmikros singen, dass     schwarze Frauen stinken und mit diesen Kraushaaren hässlich aussehen? In     Brasilien darf man – ein Lied dieses Inhalts machte 1996 Furore,     Komponist Tiririca, ein Musikclown und Kinderstar, ging mit dem Song in     die Fernsehshows und forderte alle zum Mitsingen, Mittanzen auf. Bis     heute kann sich jedermann „Veja os cabelos dela“ von brasilianischen     Websites herunterladen. Obwohl die nationalen Schwarzenorganisationen     über ein Jahrzehnt lang gegen Sony Music wegen des rassistischen  Lieds    klagten – und jetzt schließlich gewonnen haben. Der  Musikkonzern muss    umgerechnet über eine halbe Million Euro  Entschädigung zahlen und  durfte   das Lied bereits seit Jahren nicht  mehr vertreiben. Der Text  indessen   ist überall greifbar und hat es in  sich. Diese Negerin stinkt  wie   verrückt, mehr noch als ein  Stinktier, singt Tiririca, der Geruch  dieser   Frau ist nicht zum  Aushalten. Ich habe ihr gesagt, sie soll  sich   waschen – aber sie ist  stur, will nicht hören. Und dann schau dir  mal   die grauenhaften  Kraushaare von der Negerin an – die sind wie  dieser   Putzschwamm, mit  dem man Töpfe und Pfannen scheuert.</p>
<p>Blonde Mädchen und Jungen Brasiliens trällern das Lied lustvoll in     den teuren Privatkindergärten der weißen Mittelschicht, es klingt durch     Schulkorridore, wird auf Feten gesungen, eignet sich prächtig, um     Schwarze zu hänseln, zu beleidigen. Aber wieso kann ausgerechnet so ein     offen rassistisches Lied in Brasilien diesen Erfolg haben? Ein    führender  Schwarzenaktivist, Mauricio Pestana, Herausgeber der einzigen     Schwarzenzeitschrift, „Raca Brasil“, sagte dem <em>Blättchen </em>in    Sao  Paulo: „Brasilien ist das rassistischste Land der Erde – hier    wirken die  Strategien des Rassismus seit jeher sehr intelligent. Es    gibt keinerlei  Zweifel, dass im `demokratischen` Brasilien von heute    schwarze Bürger  mehr Opfer von Folter, Mord und Verschwindenlassen sind    als in  irgendeiner autoritären Epoche unserer Geschichte. Dagegen    kämpfen wir  an.“<br />
Nicht einfach, wie der Fall des Tiririca-Lieds zeigt. Die     Schwarzenorganisationen protestierten 1996 sofort, beriefen sich auf ein     Gesetz gegen Rassendiskriminierung, reichten Klage ein – sogar im     Nationalkongress wurde darüber diskutiert. Eine Richterin verbot den     Verkauf der Tiririca-CD wenigstens für den Teilstaat Rio de Janeiro –     Sony Music ging in Berufung. Die Lieder Tiriricas seien unschuldig,  für    Kinder gemacht und ohne Vorurteile. „Die Ausdrucksfreiheit  unserer    Künstler ist unantastbar“, betonte ein Sony-Music-Manager.  Der    Musikkonzern musste das Lied schließlich von der CD nehmen.<br />
Aber wieso ist wegen der erfolgreichen Entschädigungsklage eigentlich     Sony Music am Pranger – und nicht der Liedermacher Tiririca, fragen     derzeit viele. Da zeigt sich ein Dilemma der Schwarzenbewegung – denn     dieser unheimlich populäre Tiririca ist ja selber dunkelhäutig. Auch er     wurde gleich am Anfang mit verklagt: „Aber meine eigene Frau ist  doch    eine Schwarze – und ich bin ein Mulatte!“, sagte er den  Richtern.    Freispruch.<br />
Denn schmerzhafte Tatsache ist, dass sich in Brasilien Schwarze     gegenseitig rassistisch beschimpfen, herabsetzen – selbst als „hässlich     schwarz“ titulieren. Immer wieder kommt es vor, dass sogar schwarze     Frauen, die schwarze Männer beleidigend als „preto“ beschimpften, von     schwarzen Militärpolizisten vorübergehend festgenommen werden.<br />
Mit acht Jahren arbeitete jener Francisco Everardo Oliveira Silva,     genannt Tiririca, bereits als Zirkusclown, sitzt heute, mit 45 Jahren,     sogar im Nationalkongress, gehört zum Regierungsbündnis der neuen     Präsidentin Dilma Rousseff. Und hievte durch ein Rekordergebnis von 1,3     Millionen Stimmen eine ganze Reihe belasteter Politiker seiner     Republikanischen Partei mit ins Parlament. „Was macht so ein     Kongressabgeordneter? Ich weiß es nicht. Votiere für mich und ich     erzähle es dir!“ Dieses banale Wahlkampfmotto Tiriricas hat bestens     funktioniert – viele Brasilianer finden es zum Heulen, doch bezeichnend     für den Zustand des Politikbetriebs. Und der tief verwurzelte   Rassismus   ist weiterhin vertrackt, äußert sich auf überraschende   Weise, selbst  im  öffentlichen Gesundheitswesen. „Man muss sich das so   vorstellen“,  sagt  Lucia Xavier von der Schwarzenorganisation „Criola“   in Rio. „Eine   schwarze Frau geht zur Behandlung und auch zur   Krebsvorsorge in eine   öffentliche Klinik, doch der weiße Arzt tastet   nicht einmal ihre Brust   ab, weil er sich vor der Frau ekelt, ja, wegen   ihrer Hautfarbe Ekel   empfindet. Und damit wird die Frau ihres Rechts   auf korrekte   medizinische Behandlung beraubt. Die Frau teilt mit,  dass  sie Schmerzen   habe, doch den Arzt interessiert das nicht, dessen  Team  ebenso wenig –   weil man die Frau wegen ihres ganzen   Erscheinungsbildes nicht mag.“   Nicht zufällig sind die   Sterblichkeitsraten der Schwarzen weit höher als   die der Weißen.   Dunkelhäutige, immerhin die Bevölkerungsmehrheit,   besetzen nur 3,5   Prozent der Führungsposten, sind im höheren Management   extrem selten.   Erklärt wird dies gewöhnlich mit dem sehr begrenzten   Zugang dieser   Bevölkerungsgruppe zu besserer Qualifikation. Das   weitverbreitete   Vorurteil, dass Schwarze keine intellektuelle Kompetenz   besäßen, wird   dagegen kaum einmal als Hinderungsgrund genannt. Befragte   schwarze   Manager räumten ein, sich lange Zeit tatsächlich als weit   weniger   kompetent eingestuft und unter einem tiefsitzenden     Minderwertigkeitskomplex gelitten zu haben. Eine Folge dieses geringen     Selbstwertgefühls: Als Lebenspartner, Freunde oder Bekannte werden     erstaunlich häufig hellhäutige Personen bevorzugt. Es gibt dafür sogar     eine gängige Redewendung – „melhorar a raça“, die Rasse verbessern.  Und    das heißt, Kinder mit Weißen zu zeugen, um so die Farbe der  Familie    aufzuhellen und dadurch in der Gesellschaft an Wert zu  gewinnen. Als    eine schwarze Favela-Frau nach sechs kaffeebraunen  Kindern zum ersten    Mal eine auffällig helle, beinahe weiße Tochter  zur Welt bringt, bei    einem dunkelhäutigen Vater, freut sich die ganze  Sippe wie wild und    feiert das Ereignis. Schwamm drüber, dass da  irgendwas mit der    Vaterschaft nicht stimmen kann – der Papa freut  sich ja auch, dass die    Kleine so überraschend hell geraten ist. In  ungezählten Slumfamilien    bläut man die Aufhell-Idee besonders den  Mädchen frühzeitig ein, sucht    ihnen Beziehungen zu schwarzen Jungen  auszureden. Als ein Mädchen zum    ersten Mal zu Hause mit dem schwarzen  Freund auftaucht, fallen schon  die   Schwestern über sie her: Willst  du denn die Rasse verschlechtern,  die   Familie noch schwärzer machen,  bist du verrückt? Dunkelhäutige  Frauen,   die sich hocharbeiten und  dann auf einmal in einem  Großraumbüro allein   unter 100, 200 Weißen  sitzen, berichten davon, als  „schwarzes Schaf“   tituliert zu werden,  sich diskriminiert zu fühlen.<br />
Besonders in den Slums von Sao Paulo sind auch andere Verhaltensmuster     möglich. Politisierte Schwarze suchen sich für ein Abenteuer, eine     nicht-feste Beziehung, gern eine Hellhäutige – aber zum Heiraten, zum     Familiegründen muss es eine Schwarze sein. So werde die eigene  Identität    gestärkt. Eigentlich auch eine Form des Rassismus,  kommentiert eine    dunkle Paulistana. Auffällig wiederum, dass schwarze  Männer, die    Karriere machen, gar als Fußballspieler zu viel Geld  kommen, Blondinen    als Statussymbol bevorzugen. Der dunkelhäutige  Historiker Joel dos    Santos formulierte es bitter so: „Die Weiße ist  schöner als die Schwarze    – und wer vorankommt, wechselt nun einmal  automatisch den Wagen.“</p>
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<p><strong>Wirtschaften in Brasilien</strong></p>
<p>Jetzt in der Erntezeit brennen sie wieder bis zum Horizont – die     riesigen Zuckerrohrplantagen des Tropenlandes. Fliegt man über das     Flammenmeer, vergisst man’s nie wieder. Nossa Senhora – der ätzende     Qualm steigt ja höher als die Maschine! Unten kriegt man Angstzustände,     wenn der Bus plötzlich von dichtem Rauch eingehüllt wird, an beiden     Straßenseiten Flammen züngeln, Gluthitze eindringt, der Fahrer flucht,     weil er nichts mehr sieht. Während der gefürchteten „Queimadas da  cana“    häufen sich tödliche Verkehrsunfälle, explodieren gar  Tanklaster.    „Niemals hatte ich soviel Angst um die Kinder, meine Frau  und mich wie    im PKW in einer solchen Feuerzone – ich dachte, jetzt  sind wir alle    geliefert“, sagt Mario Mantovani, Präsident der  Umweltstiftung „SOS Mata    Atlantica“, in Sao Paulo. „Und dabei kam ich  grade von einem    Umweltschutzkongress, hielt einen Vortrag über den  Wahnsinn der    Treibstoffproduktion aus Zuckerrohr!“ Deutsche Multis,  deutsche    Zuckerunternehmen, deutsche Banken und Spekulanten sind seit  Jahren in    die Ethanol- und Zuckerbranche Brasiliens groß  eingestiegen, mischen    heftig mit, tragen entsprechende  Mitverantwortung. Unter Staatschef Lula    hat die Branche einen Boom  erlebt, wuchs in seinen acht Amtsjahren  der   Anteil ausländischer  Multis von fünf auf über 35 Prozent. In der    Megacity wirbt die  „Industria Sucroalcooleira“ gerne mit Großfotos des    grünen, wogenden  Meers aus Zuckerrohr, Cana. Das wirkt auf viele  direkt   sympathisch,  wie die so schön gelben, doch extrem  umweltschädlichen,   massiv mit  gefährlichsten Agrargiften besprühten  Rapsfelder in   Deutschland.  Abgefackelt werden seit der Kolonialzeit  kurz vorm Ernten   die  störenden, unnützen Zuckerrohr-Seitenblätter.  Brasilianische    Wissenschaftler nennen die Flächenbrände „pervers“ und  ein    Umweltverbrechen – Mario Mantovani machen sie Naturschutzgebiete   kaputt.   Auch jetzt, 2011, sind wieder reichlich Schutzzonen   draufgegangen,  weil  das Feuer außer Kontrolle gerät, sich in Wälder   hineinfrisst. Und  immer  werden sogar Plantagenarbeiter von den Flammen   eingekreist und   verbrennen lebendig – ebenso wie Unmengen an   theoretisch streng   geschützten Tieren. „Alle denkbaren Vorteile des   Ethanoltreibstoffs   werden allein durch das Abfackeln aufgehoben. Man   braucht sich nur den   Ausstoß an klimaschädlichem Dioxin und   Kohlenmonoxid anzuschauen. Die   Gesundheitsposten in Städten bei Sao   Paulo sind voll von Leuten, die   wegen der Plantagenbrände   Sauerstoff-Behandlungen machen müssen, schwere   Atemprobleme haben.   Unser Staat dürfte diese Ethanolunternehmen nicht   auch noch   finanzieren, sogar über die Entwicklungsbank! Es gibt kein     Umweltbewusstsein in Brasilien. Die Kultur des Landes ist Zerstörung.“     Mantovani klassifiziert Brasilien als viertgrößten Erzeuger     klimaschädlicher Gase – wegen der Brandrodungen im Regenwald und dieser     Plantagenbrände. „Doch der heutige Weltmarkt will garnicht wissen, ob     das Zuckerrohr von Sklavenarbeitern geerntet wurde und ob man die     Plantagen abgebrannt hat.“</p>
<p>Hauptbetroffene sind die Zuckerrohrarbeiter, die zudem über Haut und     Atmung den krebserzeugenden Brandruß aufnehmen. Die Feuer zerstören   die   Bodenfruchtbarkeit und kontaminieren Oberflächen- und Grundwasser,     vernichten zudem sämtliche natürlichen Feinde von Schädlingen, daher     werden immer mehr Agrargifte eingesetzt. Brasilien ist wegen der     Zuckerrohr-Monokulturen heute weltgrößter Verbraucher selbst solcher     Gifte, die in der EU und in den USA längst verboten sind. Klar, ein     Großteil kommt von deutschen Multis. Alles dummes Zeug, was Mantovani da     erzählt – ginge es nach den auch in Deutschland überreichlich     verbreiteten Argumenten zugunsten der brasilianischen Ethanolproduktion.     Die wird als ökologisch und „Bio“ gerühmt. Bitte, es geht doch, so   wie   bei der Windkraft. „E 10 – mehr Bio im Benzin“, wirbt das     Bundesumweltministerium: „Biokraftstoffe spielen eine wichtige Rolle     beim Klimaschutz und bei der Energieversorgung.“<br />
Francisco Anselmo de Barros, genannt Francelmo, einer der wichtigsten,     bekanntesten Umweltaktivisten Brasiliens, verbrannte sich 2005 selbst,     um gegen die Ausweitung der „Biosprit“-Produktion zu protestieren.   Doch   das Tropenland bleibt weltweit führender Zuckerproduzent und    -exporteur,  zudem zweitwichtigster Hersteller von Ethanol. Zwischen    2009 und 2010  hat die EU ihre Zuckerkäufe in Brasilien verdreifacht –    das  Bundesumweltministerium rechnet mit großen Ethanol-Importen. Für    Roberto  Malvezzi, kirchlicher Umweltexperte wie Francelmo, ist    „Biosprit“  jedenfalls kein sauberer Kraftstoff: „Um die Anbauflächen zu    erweitern,  vertreibt das exportorientierte Agrobusiness Indiostämme    und Kleinbauern  sogar durch Terror und Mord. Hinter moderner Fassade    verstecken  Großfirmen nur zu oft Sklavenarbeit.“ Nur durch solch    abstoßendes  Sozialdumping seien brasilianischer Zucker und Ethanol auf    dem Weltmarkt  so billig und wettbewerbsfähig.<br />
Anfang 2011 passiert eine kuriose Panne, ist monatelang Ethanol an den     Tankstellen häufig teurer als Benzin, dieses die landesweit beste und     billigste Kraftstoffalternative. Denn der Wirkungsgrad von Benzin ist     deutlich größer. Wegen der hohen Weltmarktpreise für Zucker stellten   die   Ethanolfabriken auf Zuckerproduktion um, provozierten eine     „Biosprit“-Versorgungskrise, musste die Regierung große Ethanol-Mengen     ausgerechnet aus den USA importieren. „Das ist so, als würde     Saudi-Arabien Öl einführen“, spottete die Wirtschaftspresse.     Universitätsprofessor Dr. Eduardo Moreira, Ethanolexperte aus Sao Paulo,     rechnet mit solchen Krisen immer wieder. Ethanol könne Benzin nicht     ersetzen – nicht einmal in Brasilien, sei nur eine Art   Neben-Treibstoff:   „Obwohl unsere Produktionsbedingungen extrem   vorteilhaft sind, kann   dieser Kraftstoff nicht einmal hier mit Benzin   konkurrieren.“ An diesen   Produktionsbedingungen sind in- und   ausländische Teilhaber natürlich   höchst interessiert, weil sich nur so   hohe Profite erzielen lassen.   Deutsche und österreichische Landwirte   haben wiederholt vergeblich auf   das brasilianische Sozialdumping   hingewiesen und faire Spielregeln   gefordert. „Durch diese gewissenlose   Form der Produktion ist es der   Landwirtschafts-Industrie Brasiliens   möglich, die Preise am Weltmarkt zu   unterbieten”, hieß es in einer   Bauernzeitschrift. „Weder europäische   Bauern noch solche aus den   Entwicklungsländern können mithalten.” Wird   Brasilien die   gigantischen, durch die Zucker- und Ethanolproduktion   verursachten   Umweltschäden rückgängig machen, all die vernichteten   Tierarten der   Natur zurückgeben? Über politische Positionen dazu von   deutscher Seite   ist nichts bekannt.<br />
„Wer Ethanol tankt, kippt sich Blut in den Tank“, sagt Brasiliens     katholischer Priester Tiago – „Biosprit ist Todessprit“, urteilt     Befreiungstheologe Frei Betto. „Denn die Ethanolproduktion bringt     zahllosen Armen und Hungernden der Erde den Tod.“ Zu den komplexen     Auswirkungen des Biosprit-Booms gehören derzeit in Brasilien brutale     Preissprünge bei Lebensmitteln. „Wenn man die Ackerflächen für     Nahrungsmittel verkleinert, steigen deren Preise, sterben viele     Menschen, die sich keine guten Grundnahrungsmittel leisten können.     Unsere Regierung spricht von 16,2 Millionen hungernden Brasilianern in     absolutem Elend – aus meiner Sicht sind es doppelt so viel!“, sagte er     dem <em>Blättchen</em>. Hungernde, Unterernährte seien besonders    anfällig  für viele auch tödliche Krankheiten, vegetieren mit stark    geschwächtem  Immunsystem dahin, verlieren Initiative und    Konzentrationsfähigkeit.  „Wegen immer mehr Zuckerrohrplantagen wurden    riesige Urwaldgebiete  Amazoniens abgeholzt, das ökologische    Gleichgewicht, die Ökosysteme in  Nord- und Südamerika geschädigt, was    sich auf die ganze Welt negativ  auswirkt. Denn Amazoniens Tropenwald    ist der größte des Planeten. Und  die Regenfälle, ob im Süden Floridas    oder Argentiniens, hängen von der  Verdunstung in Amazonien ab.“<br />
Die Förderung des Zuckerrohranbaus bewirke zudem Landvertreibung,     starkes Slumwachstum, mehr Morde und Drogenhandel, mehr     Kinderprostitution. „84 Prozent der Brasilianer leben bereits in den     Städten“, so Frei Betto. „Die Menschen migrieren dorthin auf der Suche     nach besseren Lebensbedingungen, was aber gravierende zerstörerische     Konsequenzen hat, weil Risikozonen illegal mit Slums bebaut werden.     Deshalb haben wir jedes Jahr Erdrutschkatastrophen mit vielen Toten.  Ein    Heer von Arbeitslosen zieht im Lande umher und verdingt sich bei  der    Zuckerrohrernte, haust den Rest der Zeit aber in Armenvierteln  mit    Drogen, Gewalt, Prostitution. Es fehlt eben dringlich eine     Bodenverteilungsreform, um die Menschen auf dem Lande zu halten.“</p>
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<p><strong>Brasiliens Kreuz mit dem Sex</strong></p>
<p>Bei Morden an Homosexuellen habe das Land im Weltvergleich „eine     grauenhafte Führungsrolle“, prangert der Schwulen-Führer und     Anthropologe Luiz Mott an. Es handele sich um „Hass-Verbrechen,     ausgeführt mit besonderer Grausamkeit“. In Brasilien würden mehr Gays     getötet als bei Homosexuellen-Hinrichtungen im Iran, Saudi-Arabien,     Sudan, Nigeria und weiteren sieben Staaten, in denen die Todesstrafe für     Schwule gelte. „In den USA, mit etwa 100 Millionen mehr Bewohnern,     tötet man 25 Gays pro Jahr, hier 250!“ Die Dunkelziffer sei indessen     sehr hoch, man erfahre nur von einem Bruchteil der Morde. Ex-Präsident     Luiz Inácio Lula da Silva gehe in die Geschichte als „Vampiro dos  Gays“    ein. Da erschien lobenswert, dass die neue Regierung unter   Präsidentin   Dilma Rousseff an 6.000 öffentlichen Mittelschulen des   größten   bisexuellen Landes der Erde eine intensive Aufklärungskampagne   zugunsten   der Rechte von Schwulen, Lesben und Transvestiten starten,   einen so   genannten „kit anti-homofobia“ verteilen wollte. „Wir  machen  keine   Propaganda für sexuelle Optionen“, erklärte dann jedoch   überraschend die   Präsidentin, zog den „kit“ zurück. Man werde sich in   das Privatleben   der Leute nicht einmischen.</p>
<p>Geplant war, den Heranwachsenden auch sehr anschauliche Videos     vorzuführen, in denen als Vorteil der Bisexualität genannt wird, doppelt     so viele Chancen zu haben, eine attraktive Person, einen     Beziehungspartner zu finden. In einem Lande immerhin, in dem entgegen     gängigen Klischees Einsamkeit ein Massenphänomen ist. Der     Stimmungswandel bei Präsidentin Rousseff, hieß es in den Landesmedien,     sei auf Druck der starken puritanischen Fraktion evangelikaler Sekten   im   Regierungsbündnis erreicht worden. Doch nicht wenige Brasilianer     meinen, dass man mit dem Aufklärungs-Kit bei Brasiliens Jugendlichen     ohnehin nur offene Türen eingerannt hätte – alles ist den     Heranwachsenden ja aus ihrem Lebensumfeld bekannt. Die geplante     Anti-Homophobie-Kampagne ginge an den Landesrealitäten vorbei, weil sie     die gravierendsten Probleme aussparte – wohl um keine schlafenden   Hunde   zu wecken.<br />
Einen wichtigen Hinweis hatte 2010 der brasilianische Erzbischof Dadeus     Grings gegeben, der als Problem nannte, dass die heutige Gesellschaft     pädophil sei – und die Menschen leicht dafür anfällig. Als  Erzbischof    konnte er schwerlich in die Details gehen. Yvonne Bezerra  da Silva,    bildende Künstlerin und Slum-Sozialexpertin kann das, nimmt  kein Blatt    vor den Mund. Bereits in den neunziger Jahren spricht sie  sich für    Sexualerziehung schon für Siebenjährige aus, will  Kenntnisvermittlung    über Familienplanung für Arme an sämtlichen  Grundschulen. „Die große    Mehrheit der Unterschichtskinder ist Teil  völlig zerrütteter Familien,    nicht selten hausen auf nur neun  Quadratmetern zehn Personen; Jungen  und   Mädchen sehen täglich homo-  und heterosexuellen Verkehr,  betrachten   diesen Umstand gleichwohl als  natürlich, nicht etwa als  unmoralisch oder   Sünde.“ Auch der Umgang  mit Rauschgift sei  alltäglich. „Für die  Mädchen  gehört zu den  gängigen Erfahrungen, mit  acht, neun oder zehn  Jahren  vergewaltigt zu  werden. Alles ist für sie  Teil eines bekannten  und  akzeptierten  Konzepts, integrierender  Bestandteil ihrer Existenz.“  Als  sehr  dramatisch stuft Yvonne Bezerra  de Mello die Situation der  Jungen   ein. Bereits von sechs oder sieben  Jahren an ließen sie sich von    Jugendlichen oder erwachsenen Männern  sexuell missbrauchen, kennen bis    13 oder 14 nur homosexuellen Verkehr.  „Keineswegs selten ist, dass    bereits Zehnjährige zwei- bis dreimal  pro Tag Sex mit Männern haben –    und wie die anderen stets im Tausch  gegen irgendetwas, häufig    umgerechnet nur 75 Cents; im Unterschied zu  den Mädchen, die sich    sexuell missbrauchen lassen, als ob es ihr  Schicksal wäre.” Nicht  wenige   Brasilianer nennen Fälle allgemein  bekannt, dass sogar an  öffentlichen   Schulen schwächere Schüler von den  stärkeren selbst in  Gruppen   vergewaltigt, zu Analverkehr gezwungen  werden, was für die  Betroffenen   keineswegs selten zu einem  lebenslangen Trauma und  gestörten Beziehungen   zum anderen Geschlecht  führt. Denn was jene  Jungen, die sich in der   brutalen  Macho-Gesellschaft nicht gegen  Vergewaltigung wehren konnten,   durch  andere erlitten haben, wird  verbreitet, herumerzählt – mit den    entsprechenden psychologischen  Wirkungen.<br />
Den Roman „Ana in Venedig“ von Thomas-Mann-Experte Joao Silverio     Trevisan aus Sao Paulo hat vielleicht mancher gelesen – in Brasilien ist     der Autor indessen auch ein angesehener Schwulen-Aktivist, der den     eigenen Haufen politisch unkorrekt immer wieder in die Mangel nimmt.  Als    Brasiliens Oberstes Gericht 2011 gleichgeschlechtlichen    Partnerschaften  die gleichen Rechte zubilligt wie verheirateten    homosexuellen Paaren,  hat dies Trevisan heftig begrüßt – und    kommentiert. ”Die Menge an  verheirateten Männern, die in Brasilien ihre    Homosexualität heimlich  ausleben, ist skandalös und erschreckend   hoch.  Bei der brasilianischen  Bisexualität handelt es sich um eine   heimlich  ausgelebte Homosexualität …  Männer schlafen gerne miteinander   – und  danach heiraten sie Frauen. Das  ist in Brasilien historisch …   Es ist  die Scheinheiligkeit, in der wir  leben. Brasiliens Kultur ist    karnevalisiert. Es ist die Kultur der Maske  … Wir benutzen die Maske  im   Guten wie im Bösen … Die falsche  Bisexualität gehört zu dieser  Maske …   Ich übe ernste Kritik an der  Homosexuellenbewegung. Es ist  eine der   Elite, und was sie erreichte, war  durch Lobbyarbeit. Die  brasilianische   Homosexuellengemeinde ist  politisch entfremdet…” Aber  warum fühlen   sich in Brasilien so viele  Leute durch Gays gestört,  warum gibt es all   diese Gewalt? „Der Macho  fühlt sich bedroht, man  frage mich nicht,   warum. Ich persönlich denke,  dass sich hinter den  ideologischen Motiven   sehr ernste psychologische  verstecken.  Vereinfacht könnte man sagen:   Sie sind bedroht, weil es  irgendeine  Art von Verzauberung, Anziehung   gibt, gegen die sie sich   verteidigen.”<br />
Karnevalisierte Kultur und Kultur der Maske – Trevisan gibt wichtige     Hinweise zum Verständnis soziokultureller Besonderheiten Brasiliens, die     im Alltagsleben teils extrem widersprüchlich daherkommen. Wer wird     schon gerne zugeben, dass ihm Analverkehr mit Tieren unheimlich liegt –     aber beinahe auf jedem Marktplatz, bei großen Kabarettisten und     Musikclowns wie Caçarola ist die verbreitete Zoophilie ein beliebtes     Thema. Zum „Tarado do Sertao“, einem lustigen Forró, im Internet leicht     zu finden, lässt es sich gut tanzen – und mitsingen: „Liebe machen  mit    der Eselin im Wald – ach war das schön!“ Wer meint, hier werde     Sensationalismus betrieben, wird bei <em>Wikipedia Brasilien</em> über     Zoophilie geschrieben finden, dass im Lande bekanntlich viele junge     Menschen Geschlechtsverkehr mit Tieren pflegten. Hühner überleben ihn     gewöhnlich nicht, heißt es. Gruppen von Jungen liquidierten auf diese     Weise ganze Hühnerställe alter Frauen. Brasilianerinnen berichten,  dass    Sexpartner ihnen gestanden hätten, den ersten Geschlechtsverkehr  des    Lebens mit Tieren gehabt zu haben. Den Frauen war diese Praxis     männlicher Jugendlicher und Männer indessen gut bekannt, überraschte  gar    nicht. Esel-Songs wie von Caçarola sind ja jedermann geläufig.<br />
Heitere Szenen würden besonders im brasilianischen Nordosten auf den     Straßen ausgelöst, wenn an Zoophilie gewöhnte Esel sich ihren Partnern     näherten, an ihnen rieben und dadurch für jedermann das     Zoophilie-Verhältnis offenbar werde. Bekannt ist der Habitus junger     Männer, mit ihrer neuen Freundin jene Ecken von Stadt oder Dorf zu     meiden, wo ein vorher zur Zoophilie genutzter Esel, eine Eselin     plötzlich auftauchen und diese Männer kompromittieren könnte. Ist eine     Weide in Sicht, wo solche Esel grasen, machten diese Männer mit ihren     Partnerinnen schleunigst kehrt oder einen Bogen – ob im Nordosten  oder    im südlichen Paraná. Ein bekannter Musiker erläuterte im  Interview,  dass   Jungen im Nordosten bei Eseln die nötige Höhe  herstellten, indem  sie   hinter den Tieren Ziegelsteine aufschichten.  Genug der Details,    höchstens noch ein makabrer Schlenker in die  Politik. Leonel Brizola aus    Rio, zu Lebzeiten Vizepräsident der  Sozialistischen Internationale  und   nach eigenen Angaben Freund von  Willy Brandt, sprengte 1994 zu  Ostern   eigenhändig einen berüchtigten  Kerker auf der paradiesischen  Ilha  Grande  in die Luft, um sich von  dunklen Punkten in seiner  politischen   Biographie zu befreien. Die  Explosion tötete, so ein  Gefängniswärter und   zahlreiche  Inselbewohner, auch etwa 300 zumeist  von Lepra und anderen    Krankheiten befallene Hunde, die von den zuletzt  700 Häftlingen zum    Zwecke der Zoophilie gehalten wurden.</p>
<h1>Brasiliens umstrittene Wasserkraftwerke</h1>
<p>Was stimmt denn nun? Bis heute wird das Tropenland von europäischen     Öko-Parteien, Umweltorganisationen wie Germanwatch sowie vielen Medien     heftig gelobt, weil es den Strombedarf zu etwa 80 Prozent aus     Wasserkraftwerken decke. Das sei sehr klima- und umweltfreundlich, es     gebe keinerlei schädliche Emissionen, der Strom sei sauber. Beim     Klimaschutz habe Brasilien die Nase vorn, hieß es in Kopenhagen. Doch     dann kommt so ein schnauzbärtiger Öko-Ami wie Philip Fearnside daher,     der als Biologe auch noch für ein brasilianisches Regierungsinstitut     arbeitet, und sagt bereits seit 1995, alles Mumpitz – das Gegenteil  sei    richtig.</p>
<p>Die Bilder könnten ja nicht gegensätzlicher sein: Hier grausig     rauchende Schlote von Kohlekraftwerken, dort dagegen die Idylle von     Stauseen, in denen fröhliche Kinder baden und Touristendampfer sowie     Segelboote unterwegs sind. Aber so einer wie Fearnside will uns     weismachen, richtig schlimm seien die Staudämme besonders in Amazonien,     schlimmer als die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke.   Der   geplante Staudamm von Belo Monte am Rio Xingú gar werde eine    regelrechte  Treibhausgas-Fabrik. Komischerweise behaupten so etwas auch    andere  Wissenschaftler Brasiliens – aber man muss nach ihnen    regelrecht suchen,  weil in der öffentlichen Meinung die    Wasserkraft-Bewunderer dominieren.<br />
Dr. Sergio Pacca von der Bundesuniversität in Sao Paulo ist jedenfalls     so ein Quertreiber, der Wasserkraftwerke auch als extrem   klimafeindliche   Methan-Schleudern kritisiert. Giftiges Methan entstehe   im Staubecken –   durch Zersetzung organischer Materie mittels   Mikroorganismen unter   Ausschluss von Sauerstoff, bekommt man von Pacca   zu hören. „Je höher die   Temperatur, umso schneller läuft der Prozess   ab. In tropischen Ländern   vermehren sich die Mikroorganismen rascher   und bilden entsprechend  mehr  Methangas als in den kühleren Ländern.   Bei einem neuen Staubecken  wird  die dortige reiche Biomasse  überflutet  – Basis der  Methanproduktion.“  Selbst wenn die teilweise  noch  vorhandenen Urwälder  vorher abgeholzt  worden seien, bleibe noch  viel  Wurzelwerk im Boden.  Und das entstehende  Methan, so Pacca, werde  an  die Atmosphäre  abgegeben, trage sehr stark  zum Treibhauseffekt  bei.<br />
Darauf muss man erstmal kommen, zumal das klimaschädliche Potenzial     einer Tonne Methangas laut neueren Studien 34-mal größer als das einer     Tonne Kohlendioxid ist, über das gewöhnlich immer geredet wird.  „Selbst    kleinere Mengen Methan müssen daher beim globalen Klimawandel  wichtig    genommen werden“, so Sergio Pacca. Es sei einfach nicht  haltbar,    Wasserkraftwerke mit anderen Energietechnologien zu  vergleichen, ohne    den Methan-Faktor zu berücksichtigen. Doch genau  dies geschiehe.<br />
Würden nicht Indianerstämme aus ihrem Lebensraum vertrieben, wäre Belo     Monte eigentlich gar nicht so schlecht, ist auch in Deutschland zu   hören   – Brasilien wollw sich ja schließlich entwickeln, wirtschaftlich     wachsen, habe ein Recht darauf. Leute wie Pacca oder gar Fearnside,   der   Amazoniens Stauwerke seit Jahrzehnten vor Ort am intensivsten    beforscht,  kommen mit ihren Einwänden da nie vor, was stutzig macht. In    Brasilien  wird Fearnside auch von Regierungsstellen kräftig beharkt,    weil er Belo  Monte ablehnt, das immerhin auch Ex-Präsident Lula und    seine  Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff unbedingt durchziehen wollen.<br />
Fragt man den Biologen in der drückend heißen Amazonasmetropole Manaus,     etwa 4.000 Kilometer nördlich von Sao Paulo, wie das eigentlich     funktioniert – er als Ausländer am staatlichen Nationalinstitut für     Amazonasstudien/INPE, aber in scharfer Gegnerschaft zu Brasilias     gigantomanischen Wasserkraftprojekten – kommt als Antwort nur ein kurzes     ironisches Lachen. Vielleicht kann man einem wie Fearnside schlecht   an   den Karren fahren – der Mann bekam den UN-Umweltpreis „Global  500“,   dazu  den brasilianischen Öko-Nationalpreis.Darüber hinaus  gehört   Fearnside  zur Akademie der Wissenschaften Brasiliens und ist  weltweit   einer der  führenden Experten für Klimaerwärmung. „Unter  jenen, die die   Erlaubnis  für alle derzeit im Bau befindlichen    Amazonas-Wasserkraftwerke  erteilten, gibt es welche, die alles    bestreiten, was ich sage. Ich  zitiere sie natürlich ausführlich.“<br />
Spricht man Fearnside auf das überschwängliche Kopenhagen-Lob für     Brasilias Klimaschutzpolitik an, kommt noch so ein ironisches Lachen.     „Zwar gibt es viele Studien wie die von mir über den  Methan-Sachverhalt,    doch wird in der Presse und in politischen Reden  so oft wiederholt,    dass diese Energie sauber sei, dass die Leute  schließlich nur dies    gehört haben und sich daher nicht weiter in die  Sachlage vertiefen. Doch    an den Fakten über die klimaschädlichen  Emissionen ändert das  nichts.“<br />
Fearnside nutzt gerne anschauliche Beispiele – wie den Hinweis auf das     beim Öffnen einer Colaflasche zischend entweichende Gas. „Alles     organische Material, Kohlenstoff im Boden, Bäume und Wasserpflanzen     zersetzen sich auf dem Grund des Stausees – das Wasser dort ist also     unter hohem Druck stark methanhaltig und gelangt schließlich in die     Turbinen der Wasserkraftwerke, wo ebenfalls noch hohe Drücke herrschen.     Aber danach gelangen die Wassermassen dann an die freie Atmosphäre.   Die   im Wasser gebundenen Gase, darunter Methan, zischen in Bläschen   heraus  –  deshalb mein Vergleich mit der Colaflasche. Und die    Sicherheitsabläufe  der Stauseen wirken auf ähnliche Weise. So wird der    Treibhauseffekt  erheblich befördert. In Amazonien wirken    Wasserkraftwerke im Endeffekt  häufig schädlicher, negativer, als die    zur Elektrizitätsgewinnung  verbrannten fossilen Energieträger.“ Die    bereits in Amazonien  existierenden Wasserkraftwerke produzierten daher    keineswegs saubere  Energie, seien in Bezug auf den Klimaschutz    keineswegs nützlich. Belo  Monte treibe es auf die Spitze. „Vier Monate    im Jahr kann man wegen  tiefen Wasserstands keine einzige Turbine    betreiben, da entsteht dann  ein Schlammbecken von 3.500    Quadratkilometern, wo üppig Pflanzen  wachsen, die später zu Methan    zersetzt werden. Doch in amtlichen  Umweltgutachten für Brasiliens    Wasserkraftwerke wird stets nur der  geringe Gasaustritt über die    Wasseroberfläche berücksichtigt, nicht der  über Turbinen und    Sicherheitsabläufe.<br />
Ebenfalls in Manaus forscht André Muggiati von Greenpeace und kann     ebenso wenig Gründe für soviel deutsches Lob an Brasilias     Klimaschutzpolitik entdecken. „Die Abholzung ist Hauptursache der     Treibhausgase aus Brasilien. Das Land ist daher der viertgrößte     Luftvergifter der Welt – nach Indonesien, China und den USA.“ Und für     den brasilianischen Umweltexperten Dr. Fabio Olmos ist jene     Germanwatch-Statistik, die Brasilien an vorderste Stelle rückt, eine     „unehrliche Form, die Situation darzustellen. Es ist unverständlich,     wieso jemand diese Germanwatch-Statistik überhaupt für bare Münze     nimmt.“<br />
Inzwischen haben Brasiliens Umweltschützer zusätzliche altbekannte     Sorgen, weil seit dem Start der Rousseff-Regierung gleich eine ganze     Serie systemkritischer Öko-Aktivisten ermordet worden ist – allein fünf     im April bei Curitiba, drei im Juni in Amazonien. Auch ein     Menschenrechtsanwalt wurde erschossen. Entsprechend stark ist das Klima     der Einschüchterung und Angst. Brasiliens neue   Menschenrechtsministerin   Maria do Rosario räumte ein, dass auch in   Amazonien Todesschwadronen   aktiv sind, zu denen bekanntlich   Staatsangestellte gehören. Laut   Landgewerkschaftsangaben wurden in den   letzten Jahren, also unter der   Lula-Regierung, nach 17 derartigen   Morden nicht einmal   Ermittlungsverfahren durch die Bundespolizei   eingeleitet.<br />
Indessen erhält die Rousseff-Regierung – ebenso wie die     Vorgängerregierung – aus Europa, darunter Deutschland, sehr viel Lob und     wird ausdrücklich als modern und progressiv eingestuft. Das wird  wohl    mit dem neoliberalen Wertewandel zusammenhängen. Auf dem  UNO-Index  für   menschliche Entwicklung rangiert Brasilien jedenfalls  nur auf  Platz 73,   und die UNO-Bildungsstatistik verzeichnet das  Tropenland gar  erst an  93.  Stelle. Aufschlussreich ist da, welche  Länder bessere  Plätze  belegen:  Iran (89), Saudi-Arabien (84),  Botswana (81), Libyen  (66),  Bolivien  (61), Bahrein (49), Argentinien  (40) Kuba (16).</p>
<h1>Brasiliens beneidenswerte (relative) Pressefreiheit</h1>
<p>Die Presselandschaft des Tropenlandes bietet ein eher erfreuliches     Bild. Investigativer Journalismus ist auffällig stark in Qualitäts-und     Alternativmedien – unabhängig agierende Reporter und Redakteure     widersetzen sich den weltweit üblichen Medien-Eingriffen durch Parteien     oder Regierungsfunktionäre und enthüllen kontinuierlich gravierende     Skandale um Machtmissbrauch und Korruption an der Staatsspitze. Auch  der    Libyenkrieg zeigt es plastisch – es gibt viel weniger Mainstream  als   in  Deutschland.</p>
<p>Kurz vor seinem Abtreten sorgte Staatschef Lula Ende 2010 für ein     kommunikationswissenschaftlich bemerkenswertes Faktum: Vor Vertretern     großer Auslandsmedien, besonders aus der Ersten Welt, lobte er in Rio  de    Janeiro die internationale Presse geradezu euphorisch für ihre     Berichterstattung über das heutige Brasilien. Die günstige Darstellung     sei verantwortlich für das gute Image, das das Land derzeit im Ausland     habe. Die brasilianischen Landesmedien kommentierten Lulas Auftreten     teils tief ironisch – denn die Auslandskorrespondenten behandelte er     völlig anders als die nationale Presse, die er konstant und sogar  wütend    kritisierte, ihr sogar vorwarf, ihn zu verfolgen oder nicht  die guten    Seiten seiner Regierung zu zeigen. Auffällig war gerade in  den  letzten   Jahren: Je schärfer die Kritik von innen an Lula, dessen   Arbeiterpartei   und seiner Chefministerin Dilma Rousseff, inzwischen   Nachfolgerin im   Präsidentenpalast, umso lauter das Lob von außen.<br />
Noch mitten im Präsidentschaftswahlkampf von 2010 ärgerte sich Lula     öffentlich heftig über Zeitungsenthüllungen, die ihn zum Entlassen von     Regierungsmitgliedern zwangen: Wunschkandidatin Dilma Rousseff hatte   für   ihren Chefministerposten eine enge Freundin, Erenice Guerra,   bestimmt.   Lula nahm sie zunächst in Schutz, würdigte ihre „enormen   Leistungen  für  das Land“. Doch Brasiliens investigative Journalisten   förderten Tag  für  Tag mehr belastendes Material gegen Erenice Guerra   zutage – bis  Lula sie  schließlich feuern musste. Und Dilma Rousseff   bricht bereits  im ersten  Amtsjahr sämtliche Entlassungsrekorde,   rutscht mit ihrer  ganzen  Regierung in eine tiefe Korruptionskrise.   Wegen  Presseenthüllungen  musste sie sich zuerst ausgerechnet von ihrem   engen  Freund,  Wahlkampfleiter und wichtigstem Minister, dem Chef des    Zivilkabinetts,  Antonio Palocci, trennen. Dann stürzten der    Transportminister und über  zwanzig weitere hohe Regierungsfunktionäre.    Die Liste der Gefeuerten  wird fast täglich länger.<br />
Ohne wache, unabhängig agierenden Journalisten wäre im heutigen     Brasilien kaum ein realistischer Einblick in die weiter von Lula     mitbestimmte Regierungsarbeit unter Dilma Rousseff möglich. Aber immer     noch ist eine Unmenge zwielichtiger Figuren auf höchsten Posten.<br />
Brasiliens Presse unterscheidet sich soziokulturell erheblich von der     mitteleuropäischen. Der Mainstream wird häufiger durchbrochen, das     sachliche Gegenüberstellen von Positionen und Beobachtungen ist normal.     Die Scheu vor unbequemen Fakten ist geringer, die Schilderung selbst     schockierender Alltagstatsachen gewöhnlich authentischer,  unbefangener    und weit weniger <em>politisch korrekt</em>. Als Anfang  2011 bei einem    Häftlingsaufstand Menschen geköpft wurden, zeigten  Landesmedien die    abgeschlagenen Köpfe, um den Brasilianern ein  realistisches Bild der    gravierenden Menschenrechtsverletzungen zu  vermitteln.<br />
Brasiliens Qualitätsmedien stellen auch den Libyenkrieg anders dar als     der mitteleuropäische Mainstream – sie wiesen sofort auf die zivilen     Opfer der Bombardements hin, nannten als Hauptmotiv der  Militäraktionen    strategische Ressourcen wie Erdöl und betonten  Parallelen zu den unter    einem Vorwand begonnenen Irakkrieg.<br />
Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille. Eine Fundamentalkritik,     wie sie die Universitätsprofessorin Zilda Iokoi, eine frühere     politische Gefangene, auf einer Tagung des Goethe-Instituts Sao Paulo     äußerte, ist durchaus zutreffend: „Die großen tonangebenden Medien     Brasiliens berichten systematisch über viele brisante Fakten nicht – und     das ist Zensur. Neun Familien beherrschen das nationale Mediensystem  –    man liest nur, was die Zeitungsbosse wollen. Oft schreiben    Journalisten  über Unerwünschtes, doch deren Texte werden gekürzt,    zensiert. Mir sagen  Journalisten beim Interview immer wieder: Ich weiß    aber nicht, ob es  gedruckt, gesendet wird.“ Welchem Kollegen in    Mitteleuropa kommt dies  nicht irgendwie bekannt vor …<br />
Vieles, was große kommerzielle Medienkonzerne wie „O Globo“ trotz     hervorragender, mit zahlreichen Publizistik-Preisen geehrter     investigativer Journalisten nicht liefern – oder nicht liefern wollen,     kommt allerdings seit Jahren wenigstens teilweise von alternativen     Internet-Medien, darunter der befreiungstheologisch orientierten     Nachrichtenagentur ADITAL, von der Wochenzeitung „Brasil de fato“ oder     der Radioagencia NP. Längst sind Brasiliens Leitmedien gezwungen,  Blogs    und Community Media zu verfolgen und dort geäußerten Vorwürfen     nachzugehen.<br />
Anfang 2011 erinnerte Brasiliens nationaler Presseverband ANJ in     ganzseitigen Anzeigen an die enorme Leistung jener investigativen     Journalisten, die Lulas größtes politisches Desaster, den so genannten     Mensalao-Skandal um Parteien-und Abgeordnetenkauf, an die   Öffentlichkeit   brachten. Lula drohte sogar die Amtsenthebung – in   nicht wenigen   Auslandsmedien wurde das Thema indessen auf sehr kleiner   Flamme   gehalten. Gleiches galt für die auffällig engen   freundschaftlichen   Beziehungen des angeblich linksorientierten   Ex-Gewerkschaftsführers   ausgerechnet zu Oligarch José Sarney, Ex-Chef   der Folterdiktatorenpartei   ARENA, starker Mann des rechtsgewirkten   Partido do Movimento   Democrático Brasileiro (PMDB) und wichtigster   politischer   Regierungspartner auch derzeit unter Dilma Rousseff. Als   Lula von einem   Journalisten auf die Unterstützung durch die   „Sarney-Oligarchie“   angesprochen wurde, entgegnete er irritiert und   verärgert: „Sie müssen   sich medizinisch behandeln lassen, vielleicht   eine Psychoanalyse machen,   um das Vorurteil zu vermindern.“ Für die   Hilfe der Sarney-Gruppe sei  er  durchaus dankbar.<br />
Ein Hinweis darauf, dass in Brasilien die Uhren in der Politik und auch     im Journalismus tatsächlich anders gehen als in Mitteleuropa, sind    zudem  die vom Steuerzahler finanzierten Ausgaben für Propagandaanzeigen    der  Regierung, etwa in den Zeitungen, die unverhältnismäßig hoch   sind.  Sie  übersteigen ganze Sozialetats – bei fortdauerndem Hunger und    weiter  rasch wachsenden Slums.<br />
Kritik einheimischer Journalisten geht jedoch nur zu oft ins Leere, wird     kaum wahrgenommen. Laut José Arbex, Kommunikationsexperte und     Universitätsprofessor aus Sao Paulo, verhinderte der Mensalao-Skandal     die Wiederwahl Lulas nicht, weil dieser von einer Gesellschaftsschicht     unterstützt werde, die keine Zeitung lese und sich daher nicht   betroffen   fühle. Aus dem gleichen Grunde habe auch der Skandal um   Erenice Guerra   keine größeren nachteiligen Wirkungen für die Wahl von   Dilma Rousseff   gehabt.<br />
Ein TV-Wahlkampfspot zeigte die Verhältnisse ebenfalls exemplarisch: In     der UNO-Vollversammlung von New York erheben sich Staatschefs,     Außenminister und Diplomaten von den Plätzen und jubeln Lula stehend zu.     Brasilianische Journalisten gingen der Sache nach. An jenem Tag     nahmUNO-Generalsekretär Kofi Annan seinen Abschied und erhielt     entsprechende Ovationen. Wahlkampfmanager montierten diese hinter den     nur schwach applaudierten Lula-Auftritt. Als vorhersehbar beschrieben     und kommentierten lediglich zwei, drei Qualitätszeitungen diesen alten     PR-Trick und zitierten Oppositionspolitiker, die von „großem  Betrug“,    Verletzung der Wahlgesetze und „lächerlichen Lügen“ sprachen  – weitere    Reaktionen der Öffentlichkeit gab es nicht.<br />
Doch Qualitätszeitungen sind im größten Teil des Landes gar nicht     erhältlich. Und Manipulationen dieser Art werden auch dadurch     erleichtert, dass aufgrund des laut Intellektuellen und kirchlichen     Menschenrechtsaktivisten absichtlich niedrig gehaltenen Bildungsniveaus     drei Viertel der Erwachsenen nicht in der Lage sind, einen simplen     Zeitungs- oder Buchtext auch nur zu lesen, geschweige denn zu  verstehen.    So hat gemäß Umfragen das Gros der Pflichtwähler gar nicht  begriffen,    um was es bei den zahlreichen Korruptionsskandalen um  Lula und dessen    Regierung eigentlich ging – Skandale immerhin, die in  Ländern wie    Deutschland zu enormer öffentlicher Empörung geführt  hätten. Auch die    Wirkungsmöglichkeiten alternativer Internet-Medien  sind dadurch stark    eingeschränkt.<br />
Die Interamerikanische Pressegesellschaft (SIP) hat Attacken von Lula     und anderen hohen Politikern auf unbequeme Landesmedien scharf     verurteilt. Angesehene Diktaturgegner veröffentlichten sogar ein     „Manifest zur Verteidigung der Demokratie“, warfen Lula „Autoritarismus“     vor und wandten, wenden sich gegen offene und verdeckte    Einschüchterung  von Journalisten.<br />
Die Auslandsmedien ignorieren derartige Vorgänge in der Regel ebenso wie     die alltäglichen gravierenden Menschenrechtsverletzungen, darunter     landesweite, systematische Folter durch Staatsangestellte, das Wüten  der    Todesschwadronen, die Scheiterhaufen von Rio de Janeiro, die     Massengräber für „Nichtidentifizierbare“, die außergerichtlichen     Exekutionen. Brasiliens Qualitätsmedien berichten darüber detailliert     und kontinuierlich, kritisierten auch die jüngsten Slum-Besetzungen von     Rio de Janeiro durch Militär und Polizei erstaunlich scharf. Von     Auslandsmedien kommt dagegen fast nur Lob.<br />
Entsprechend zufrieden ist Brasilia, das in den letzten Jahren     erhebliche Summen in die Auslandspropaganda investierte. Laut     Wirtschaftszeitschrift <em>Brasil Economico</em> wurden allein 2009     umgerechnet über 40 Millionen Euro verausgabt. Zitiert wird ein     Regierungsfunktionär Brasilias: „Unsere Priorität ist, Brasiliens Image     als das einer großen, sozial, politisch und wirtschaftlich stabilen     Demokratie zu stärken.“ Auch die Inlandspropaganda wurde unter der     Lula-Rousseff-Regierung enorm forciert. 2003, zum Amtsantritt, hätten     499 Medien Regierungsgelder für Propaganda-Verbreitung erhalten, 2009     seien es indes schon 7.047 Medien gewesen, heißt es in kritischen     Analysen. Viele brasilianische Politiker besäßen Zeitungen, Radio-und     TV-Stationen, und zahlreiche Medien seien von Regierungspropaganda     regelrecht abhängig.<br />
Für Propagandazwecke ausgegebene Mittel fehlen dann natürlich für die Hunger-und Elendsbekämpfung, für Bildung und Gesundheit.<br />
Nicht ungewöhnlich ist schließlich, dass hohe Politiker, gegen die     ermittelt wird, Medien gerichtlich untersagen lassen, darüber zu     berichten.<br />
Fast täglich drucken die Zeitungen aber weiterhin interessante,     unbequeme, gut fundierte Texte, die Brasilienklischees und offiziellen     Versionen widersprechen. Als die Lula-Rousseff-Regierung weltweit     verbreiten ließ, dass die internationale Wirtschafts-und Finanzkrise auf     Brasilien nur geringe Auswirkungen gehabt habe, belegten   investigative   Journalisten just das Gegenteil, weisen auf   Rekordentlassungen, den   Stopp vieler Industrieprojekte, auf   Exportprobleme und   Deindustrialisierung sowie auf geschönte offizielle   Statistiken hin.<br />
Und Wikileaks rennt mit seinen Brasilien-Enthüllungen bei den     einheimischen Journalisten lediglich offene Türen ein. Leere     antiamerikanische Rhetorik Brasilias wurde stets gegeißelt und die jetzt     bekanntgewordene, ans Weiße Haus gerichtete „Bitte um Verständnis  für    Sprüche gegen die USA in Wahlkampfzeiten“ daher genüsslich  zitiert.  „Es   existierten zwei Beziehungen zwischen Brasilien und den   Vereinigten   Staaten während der acht Lula-Jahre im  Präsidentenpalast“,  analysierte   Fernando Rodrigues von der <em>Folha de Sao Paulo</em>,   Brasiliens  größter  Qualitätszeitung. „In der Öffentlichkeit gab es   Prügel für die   Nordamerikaner – im vertraulich-privaten Umgang   indessen Liebkosungen   für die Brüder im Norden.“ In der Öffentlichkeit   dominiere zwar ein   bestimmter infantiler Antiamerikanismus – im   Wirtschaftlichen dagegen   die Anerkennung der Hegemonie des Partners.   „Im kulturellen Bereich, um   die Schizophrenie komplett zu machen,   sieht man sogar eine   enthusiastische Übernahme von Sitten, Gebräuchen,   Moden.“<br />
Dr. Claudio Guimaraes dos Santos in Sao Paulo zählt zu den wichtigsten     Denkern Brasiliens und liefert zum Verständnis der widersprüchlichen     (Medien-)Realität des Landes wichtige Argumente: „Das Volk schaut den     schockierendsten Skandalen stumm zu – die immense Passivität des     Brasilianers wird teils durch fehlende Bildung und Kultur verursacht. Es     fehlt Bewusstsein dafür, dass man eine solidarische Gesellschaft     aufbauen müsste. Die brasilianische Demokratie ist krank. Eine der     Säulen der Demokratie, der freie, mündige, kritische, bewusste Bürger,     existiert in Brasilien nicht. In den letzten zweihundert, dreihundert     Jahren hat man eine unkritische Masse geschaffen – unfähig, zu     entscheiden. Unsere Eliten sind immer kulturloser, ungebildeter. Niemand     mag schlechtes, verdorbenes Essen – doch schlechte Informationen     schlucken alle massenweise und völlig unkritisch. Hier fehlt     intellektueller Dialog. Ich fordere meine Kollegen stets auf: Wenn ihr     es nicht aussprecht, wer wird es dann tun? Der Fußballer, der     Pagodesänger, der schlechte Politiker, der jede Chance zum Reden sofort     nutzt? Wenn wir schweigen, beherrschen diese Leute die Szene. Deshalb     dürfen wir auch Risiken nicht scheuen!“</p>
<h1>Juden in Sao Paulo</h1>
<p>Als Deutschlands Bundespräsident Christian Wulff 2011 die chaotische     Megacity, Lateinamerikas führenden Wirtschaftsstandort mit über 1.200     deutschen Firmen besucht, wird am Ankunftstag im Zentrum ein   Obdachloser   lebendig verbrannt, am Abreisetag ein weiterer. In Sao   Paulo wüten   Todesschwadronen der Militärpolizei, gibt es Massengräber,   über 2.000   grauenhafte Slums mit Hunger und Lepra, prostituieren  sich  schon   zehnjährige Mädchen für weniger als einen Euro, um Crack  zu  kaufen – und   vor aller Augen in ganzen Horden zu konsumieren. Man  muss  sich diese   Zustände vergegenwärtigen, die von den allermeisten   Paulistanos   apathisch-passiv hingenommen oder sogar verdrängt werden,   um Situation   und Rolle der etwa 70.000 Juden im Menschenmeer der elf,   zwölf Millionen   zu verstehen. Denn diese „judeus“ scheinen schärfer  zu  diskutieren,   sich effizienter zu engagieren, bringen Resultate,  von  denen dann alle,   ob Arme oder Reiche, etwas haben. Lateinamerikas   bestes Hospital, ein   Riesenkomplex namens „Albert Einstein“ im  Viertel  Morumbi, haben die   Stadt-Juden errichtet – geleitet wird es  von dem  weltbekannten Mediziner   Claudio Lottenberg, Präsident der  jüdischen  Gemeinde ganz Brasiliens.</p>
<p>Der in Israel geborene Oded Grajew aus Sao Paulo, Erfinder, Aktivist     des Weltsozialforums, verweist auf dessen Bedeutung für die jüngsten     arabischen Entwicklungen. „Für jene, die das Weltsozialforum und  unsere    Spezialforen in Ägypten oder Tunesien mit Interesse und  Sensibilität    frequentierten, ist alles, was derzeit in der arabischen  Welt  geschieht,   keinerlei Überraschung.“<br />
Und dann Pedro Herz, dessen Kulturkaufhäuser, mit Kinos, Theatern,     Kursen und Konzerten in ganz Brasilien tonangebend sind. In einem Land     des Analphabetismus, in dem sogar ungezählte Uni-Studenten in ihrem     Leben nicht einen einzigen Roman lasen, wird der Deutschstämmige zum     Kulturpionier – die größte „Livraria Cultura“ Sao Paulos ist selbst am     Wochenende voll wie ein Supermarkt, dort kaufen sogar     lateinamerikanische Staatspräsidenten. „Da bin ich stolz drauf – wir     verkaufen Ideen!“, sagt Pedro Herz.<br />
Nachvollziehbar daher, dass viele im kosmopolitischen Sao Paulo die     jüdische Gemeinde bewundern, stark und gut organisiert empfinden,     ausdrücklich als ein Beispiel für die anderen Einwanderergemeinden     nennen. Die Juden, heißt es, seien sich einig im Kampf für     Menschenrechte, bei der Hilfe für Bedürftige, leisteten gerade im     öffentlichen Gesundheitswesen, das außerhalb Sao Paulos oft katastrophal     sei, ganz Erstaunliches, weit über ihr Einstein-Hospital hinaus. Ob    das  den „judeus“ bewusst ist, in einer von Desorganisation und     Laissez-faire geprägten Gesellschaft? Redet man mit ihnen, fällt das     hohe Maß an Selbstkritik auf, das Messen an höchsten Qualitätsmaßstäben.     Für Außenstehende scheint die seit über hundert Jahren existierende     Gemeinde stabil zu sein – die Juden selbst beobachten indessen   Rückgang,   gar Schwächung. Viele, die teils noch vor den Nazis aus   Deutschland   flohen, erleben bestürzt, dass ihre hoch qualifizierten   Kinder just in   dieses Land, doch auch in die USA, nach Australien und   selbst Israel   auswandern, weil sie in Brasilien keine  Arbeitsmarkt-und  Lebenschancen   sehen. Würde die  wirtschaftlich-soziale Lage besser,  sagt Nelson   Rozenchan, Direktor  des jüdischen Peretz-Gymnasiums, kämen  viele Juden   zurück oder  migrierten gar hierher. Manche junge Juden  Sao Paulos sagen   ihren  Eltern unumwunden, dass sie in einem Land mit  solch einer    reaktionären politischen Klasse, unglaubwürdigen  Politikern, soviel    Unehrlichkeit, ungesundem gesellschaftlichem Klima  nicht leben wollen –    und weggehen. Rozenchan nennt Zahlen: Vor 20  Jahren gab es in den    jüdischen Schulen von Sao Paulo etwa 5.000  Heranwachsende, heute nur    noch rund 3.000. In die Synagogen kamen an  den Festtagen bis zu 8.000    Juden, heute nur noch etwa 5.000. „Vielen  in Sao Paulo Geborenen ist  es   anders als den vor Pogromen, dem  Nazismus Geflohenen leider nicht  mehr   so wichtig, ihre jüdische  Identität zu zeigen, zu stärken, zu  betonen –   sie nutzen die Synagoge  nur noch bei Taufe, Heirat Tod.  Viele Juden   geben ihr Judentum auf.“<br />
Medienmacher Roni Gotthilf sieht seine Gemeinde im gigantischen,     unübersichtlichen Sao Paulo in kleine Inseln zerstreut, deren Bewohnern     es lediglich um die eigenen Interessen, vielleicht auch die der   eigenen   Synagoge gehe. Gotthilf fiele es schwer, die Interessen der   gesamten   Gemeinde klar zu benennen – doch dass sie schrumpft, steht   für ihn außer   Zweifel. Viele Juden haben sich assimiliert, dem   Lebensstil der  anderen  Brasilianer angepasst – in einer von Stress,   Hektik,  Kriminalität und  überraschend viel Einsamkeit geplagten   Metropole.  Junge Juden heiraten  immer öfter Nicht-Juden, schicken ihre   Kinder  nicht mehr in jüdische  Schulen, stehen dem Judentum ihrer   Eltern fern.  „Im neoliberalen Kontext  der heutigen Welt kann man   sicher  relativieren.  In Sao Paulo gehen die  Leute eher oberflächlich    miteinander um – wogegen wir Juden enger  zusammenleben, besser    zusammenhalten. Doch das Klima hier prägt alle:  Wenn die Gesellschaft    egoistisch und individualistisch ist, sind wir es  in gewisser Weise    dann eben auch.“<br />
Durch die schicke Rua Oscar Freire ziehen bei Tropenhitze Gruppen     orthodoxer Juden in schwarzem Anzug mit Weste, schwarzem Mantel und     Filzhut, umringt von ihren Kinderscharen. Die Familien haben fünf bis     sieben Sprösslinge – Liberale, Reformisten oder Konservative bringen es     dagegen auf höchstens zwei. Die Orthodoxen, etwa 15 Prozent der     Gemeinde, gleichen den Rückgang nicht aus und sind, wie Roni Gotthilf     betont, gar nicht gut angesehen. Andere relativieren, sehen bei aller     Kritik auch positive Aktivitäten, wie die der Hilfsorganisation Ten  Yad    mit über 300 Freiwilligen und einer Garküche, die zudem  Sozialprojekte    der Präfektur leitet und durchweg öffentliches Lob  erntet. Die   orthodoxe  Kleiderordnung gilt indessen als lächerlich und  für die   jüdische  Gemeinde blamabel. „Wer sogar bei schwüler Hitze  mit diesen   dicken,  hochgeschlossenen Klamotten rumläuft, leidet,  schwitzt, ermüdet   rasch –  das ist doch kein Judaismus, sondern  Fundamentalismus!“,   lauten  drastische Kommentare. Andere halten den  Orthodoxen zugute, dass   sie  besonders intensiv versuchen, junge  abgedriftete Juden ins   Gemeindeleben  zurückzuholen, deren jüdische  Identität wiederzubeleben.<br />
Der konservative Schuldirektor Nelson Rozenchan stellt unbequeme Fragen.     „Zehn Rabbiner haben zur Abtreibung zehn verschiedenen  Auffassungen.“    Jetzt, nach Bin Ladens Tötung, erhitzt ihn das Thema  Folter. „Wäre  ich   absolut sicher, dass Folter Menschenleben rettet,  würde ich sie    anwenden! Ich habe in Israel selbst erlebt,wie es durch  Folter gelang,    aus Jordanien eindringende Terroristen zu fangen und  dadurch etwa 50    Menschen vor dem Tod durch Selbstmordattentate zu  bewahren. An dieser    Lebenserfahrung kann ich nicht vorbei!“<br />
Mag die Mitgliederzahl der Gemeinde auch abnehmen, die Zahl ihrer     identitätsstiftenden Aktivitäten nicht. Herausragend wirkt dabei Sao     Paulos  Hebraica-Klub, das größte jüdische Gemeindezentrum außerhalb     Israels, eine grüne Oase im Betonmeer der Megacity. Viele der jährlich     etwa 700 Veranstaltungen, ob Theater, Filmfestival, Konzerte oder   Sport,   laufen hier – dazu immer neue Aktionen gegen den   Antisemitismus.   Niemand in Lateinamerika hat soviel über   Antisemitismus geforscht und   publiziert wie Maria Luiza Tucci Carneiro   von der Bundesuniversität Sao   Paulo. „Die Gemeinde ist sehr besorgt   über zunehmenden Antisemitismus   nicht nur in Brasilien, sondern vor   allem in Europa – will, dass endlich   auch die Regierung mehr dagegen   tut.“ Der Lula-Regierung wird von den   Juden allgemein vorgeworfen,   nicht eben hilfreich gewesen zu sein – des   Staatschefs Freundschaft   zum Holocaust-Leugner Ahmadinedschad spreche   Bände. Neonazi-Gruppen   wüchsen täglich mehr in Brasilien, nazistische   Symbole, Figuren von   Hitler und Himmler würden für 350 Euro ganz offen   in Sao Paulo   verkauft, Antisemitismus entlade sich auf bizarrste Weise.   Taxifahrer   schimpfen, an Sao Paulos irrwitzigen Verkehrsstaus seien nur   die  Juden  schuld. Im auch von 15.000 Juden bewohnten Viertel   Higienopolis   schimpft ein Vater lautstark in der Impf-Schlange, dass er   nur wegen   dieser „verdammten Juden“ solange warten müsse. „Den  Impfstoff  für   dein Kind hat ein Jude entwickelt“, kontert ein  Kipa-Träger. Sei  der   dann auch ein „judeu maldito?“ Der Vater wird ganz  still.</p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/10/join17.JPG" alt="join17.JPG" /></p>
<p><strong>“Verkauft euch nicht”. Wandinschrift im deutsch geprägten Joinville.</strong></p>
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