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Organisiertes Verbrechen Sao Paulos bedroht Bischöfe und Priester mit Mord

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In Lateinamerikas wichtigster Wirtschaftsmetropole Sao Paulo werden laut Kirchenangaben erstmals Bischöfe und Priester vom organisierten Verbrechen mit Ermordung bedroht. Der für die von Slums übersäte Stadtregion Brasilandia zuständige Bischof Josè Benedito Simao erklärte, unter diesen Bedingungen sei die Seelsorgearbeit eine große Herausforderung. “Wenn wir unser Leben für die Sache des Evangeliums geben müssen, werden wir dies tun.”

Laut Simao hat Brasiliens stärkste Verbrecherorganisation, das “Erste Kommando der Hauptstadt”(PCC) die letzten Jahre seine Macht an der Slumperipherie Sao Paulos stark ausgedehnt und “benutzt Guerillataktiken”. Der PCC agiere subtil und intelligent, vermeide ständige Konfrontationen mit der Polizei, wie es die Banditenkommandos von Rio de Janeiro täten. In den Slums von Sao Paulo, wo der Staat nicht präsent sei, erkaufe sich der PCC die Sympathie der Bewohner durch Hilfen gegen die Misere, verteile Milch für die Kinder sowie Kochgasbehälter. Man versuche die Menschen davon zu überzeugen, daß solche Slum-Strukturen negativ seien. “Das organisierte Verbrechen nimmt mehr als es gibt – zwar erhält eine Kate Milch, doch dafür rekrutiert es von dort zwei Jugendliche.” Der einzelne Mensch, die unterstützten Familien könnten sich nie mehr aus einer Situation der “Unterwerfung, Versklavung und  des Leidens” befreien, betonte Bischof Simao. Das Verbrechen fordere, daß die Menschen über alle Vorgänge schwiegen. Besonders bedroht würden katholische Hilfseinrichtungen, die drogensüchtige Jugendliche betreuten. “Das organisierte Verbrechen wirft uns vor, Kundschaft wegzunehmen – doch wir haben keine Angst.” Der Bischof rief den PCC auf, die Priester von Brasilandia nicht länger zu bedrohen. Auch der zuständige Regionalpräfekt Felipe Sigollo soll ermordet werden. Laut Polizeiangaben hat der PCC in den Slums Sondergerichte installiert, verhängt Todesurteile und verscharrt die Opfer auf geheimen Friedhöfen. Es handelt sich um die gleiche Praxis wie in Rio de Janeiro und anderen Millionenstädten der größten Demokratie Lateinamerikas. 2006 hatte der PCC in Sao Paulo eine Attentatsserie gestartet, in deren Verlauf weit über fünfhundert Menschen, darunter zahlreiche Polizisten und Feuerwehrleute sowie völlig Unbeteiligte getötet worden waren. In der U-Bahn explodierten damals Bomben, Hunderte von Bussen standen in Flammen. Dem Vernehmen nach erreichte der Staat erst durch Verhandlungen mit der PCC-Führung einen Stopp der Anschläge.   

Dieser Beitrag wurde am Montag, 03. März 2008 um 16:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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