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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; katholische Slum-Pastoral in Rio de Janeiro</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Brasilien &#8211; Slum-Seelsorge der katholischen Kirche existiert 35 Jahre. Gottesdienst von Rio de Janeiros Erzbischof Dom Orani Tempesta in Hangslum Santa Marta(Dona Marta).</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/09/26/brasilien-slum-seelsorge-der-katholischen-kirche-existiert-35-jahre-gottesdienst-von-rio-de-janeiros-erzbischof-dom-orani-tempesta-in-hangslum-santa-martadona-marta/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Sep 2012 19:53:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Slum-Pastoral in Rio de Janeiro]]></category>

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		<description><![CDATA[http://www.arquidiocese.org.br/cgi/cgilua.exe/sys/start.htm?infoid=9001&#38;sid=39 http://noticias.cancaonova.com/noticia.php?id=287445 http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/27/zdf-adveniat-gottesdienst-in-favela-cachoeirinha-von-sao-paulo-2011-brasiliens-kontraste-fotoserie/ Brasilien &#8211; die Pastoral das Favelas in der Erzdiözese Rio de Janeiro, Pastoralleiter Monsenhor Luis Antonio Pereira Lopes vor der Gemeindekirche in Jardim America. Katholische Kirche und gravierende Menschenrechtsverletzungen in Brasilien. ** Tags: Monsenhor Luiz Antonio Pereira Lopes, Pastoral das Favelas Monsenhor Lopes beim Website-Interview 2012. Laut Monsenhor Lopes dauert der Terror der [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.arquidiocese.org.br/cgi/cgilua.exe/sys/start.htm?infoid=9001&amp;sid=39"><strong>http://www.arquidiocese.org.br/cgi/cgilua.exe/sys/start.htm?infoid=9001&amp;sid=39</strong></a></p>
<p><a href="http://noticias.cancaonova.com/noticia.php?id=287445"><strong>http://noticias.cancaonova.com/noticia.php?id=287445</strong></a></p>
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<h2>Brasilien &#8211; die Pastoral das Favelas in der  Erzdiözese Rio de  Janeiro, Pastoralleiter Monsenhor Luis Antonio Pereira  Lopes vor der  Gemeindekirche in Jardim America. Katholische Kirche und  gravierende  Menschenrechtsverletzungen in Brasilien. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=13620" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p>Tags: <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/monsenhor-luiz-antonio-pereira-lopes/" rel="tag">Monsenhor Luiz Antonio Pereira Lopes</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/pastoral-das-favelas/" rel="tag">Pastoral das Favelas</a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/09/lopes1.jpg" alt="lopes1.jpg" /></p>
<p><strong>Monsenhor Lopes beim Website-Interview 2012.</strong></p>
<p><span id="more-13867"></span></p>
<p><strong>Laut Monsenhor Lopes dauert der Terror der Banditenkommandos   gegen die Favelabewohner weiter an &#8211; diese befänden sich angesichts der   neofeudalen Herrschaft des organisierten Verbrechens in regelrechter   “Sklaverei.”</strong> <strong>Slumbewohner berichteten 2012  im   Website-Interview, Mißliebige würden von den Banditenkommandos   willkürlich erschossen. Wer etwa ein Fahrzeug habe, werde gezwungen, für   die Gangsterorganisationen Transporte auszuführen. Ein Slumbewohner,   der einen alten LKW besaß, weigerte sich einmal, Raubgut abzuholen &#8211;   wurde sofort erschossen &#8211; die Backsteinkate, in der er mit seiner   Familie wohnte, wurde von dem betreffenden Kommando übernommen, genehmen   Slumbewohnern verkauft. Auch wer nur im Verdacht stehe, der Polizei   irgendwelche Informationen zu gebe, werde gefoltert und ermordet, hieß   es weiter.</strong></p>
<p><strong> Derartige neofeudale Machtstrukturen existieren in den Slums   von Rio seit Jahrzehnten &#8211; der dokumentarische Spielfilm “Tropa de   Elite 2? zeigt auch, wie politisch einflußreich das organisierte   Verbrechen ist. </strong></p>
<p><strong>Die Situation u.a. in den Rio-Slums 2012 zeigt anschaulich,   daß von ernsthafter Bekämpfung  der Drogenmafia keine Rede sein kann &#8211;   zumal die Wachstumsbranche Crack weiter stark im Aufwind ist. Daher wird   viel offizielle Propaganda über Drogenbekämpfung nach Europa   durchgeschaltet. </strong></p>
<p><strong>Weil die Herrschaft des organisierten Verbrechens über die   Slumbewohner von den zuständigen Autoritäten zugelassen wird, stößt auch   die Seelsorge der katholische Kirche, deren Sozial-und   Politisierungsarbeit auf immense, für durchschnittlich über Brasilien   informierte Mitteleuropäer schwerlich vorstellbare Schwierigkeiten. </strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/09/riolopeskirche1.jpg" alt="riolopeskirche1.jpg" /></p>
<p><strong>Die Kirche &#8211; von den Gemeindemitgliedern in gemeinsamer Arbeit errichtet.</strong></p>
<p><a href="http://www.ila-web.de/brasilientexte/slumdiktatur.htm"><strong>http://www.ila-web.de/brasilientexte/slumdiktatur.htm</strong></a></p>
<p><strong>Geistliche, kirchliche Menschenrechtsaktivisten wirken in den   Favelas in permanenter Lebensgefahr, erleben tagtäglich bizarre,   empörende Situationen. Das in mitteleuropäischen Ländern wie Deutschland   u.a. vom neoliberalen Mainstream gezeichnete Bild der katholischen   Kirche ist angesichts ihrer Menschenrechtsarbeit daher entsprechend.<br />
</strong></p>
<p><a href="http://www.matrizsantarosadelima.com.br/"><strong>http://www.matrizsantarosadelima.com.br/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/09/riolopeskirche2.jpg" alt="riolopeskirche2.jpg" /></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/05/rio-de-janeiros-bischofliche-slum-seelsorge-und-die-menschenrechtslage-in-der-olympia-stadt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/05/rio-de-janeiros-bischofliche-slum-seelsorge-und-die-menschenrechtslage-in-der-olympia-stadt/</strong></a></p>
<p><strong>Lage in Sao Paulo:<a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/27/zdf-adveniat-gottesdienst-in-favela-cachoeirinha-von-sao-paulo-2011-brasiliens-kontraste-fotoserie/">      http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/27/zdf-adveniat-gottesdienst-in-favela-cachoeirinha-von-sao-paulo-2011-brasiliens-kontraste-fotoserie/</a></strong></p>
<h2>Luis Antonio Pereira Lopes, Leiter der Slum-Pastoral in der Erzdiözese Rio de Janeiro. Gesichter Brasiliens. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=3371" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p>Tags: <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/luis-antonio-pereira-silva/" rel="tag">Luis Antonio Pereira Silva</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/menschenrechte/" rel="tag">Menschenrechte</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/rio-de-janeiro/" rel="tag">Rio de Janeiro</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/slum-pastoral/" rel="tag">Slum-Pastoral</a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/10/luisantoniopereirasilva.jpg" alt="luisantoniopereirasilva.jpg" /></p>
<p><strong>”Die Slumbewohner wurden ihrer Basis-Menschenrechte beraubt &#8211;    die tatsächlichen Opferzahlen werden verschleiert. In den letzten  zehn   Jahren hat sich die Zahl der Slums in Rio verdoppelt, liegt jetzt    offiziell bei 1043. Ein Drittel der Rio-Bewohner haust in Favelas.  Die   jüngsten Ereignisse haben das Desaster der Sicherheits-und    Menschenrechtspolitik offenbart.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/03/protest-gegen-massaker-an-dreisig-menschen-bei-rio-de-janeiro-durch-todesschwadron-militarpolizisten-beteiligt-fotoserie/">http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/03/protest-gegen-massaker-an-dreisig-menschen-bei-rio-de-janeiro-durch-todesschwadron-militarpolizisten-beteiligt-fotoserie/</a></p>
<p><strong>Damit die Favela-Bewohner überleben können, müssen sie sich   mit  den Banditen gut stellen, eine Politik der guten Nachbarschaft   pflegen,  wie wir es nennen. Befehle,  Regeln müssen unbedingt   eingehalten werden.  Jene jungen Gangster sind Brasilianer, denen man   keinerlei Chance gab,  sich persönlich zu entwickeln und zu bilden. Das   organisierte Verbrechen  bietet indessen Pseudo-Chancen an, alles was   ein junger Mensch möchte.  Dazu zählt schicke Kleidung, ein tolles Auto   &#8211;  doch der Preis dafür ist  eben das eigene Leben. All diese jungen   Banditen leben nur kurz,  sterben sehr früh. Doch bei solchen Gefechten   wie jetzt werden auch  viele unbeteiligte, völlig unschuldige   Slumbewohner getötet. In den  Slums fehlt der Staat, fehlen   Institutionen, die den Kindern ethische  Prinzipien beibringen. Auch die   Kirche müßte dort viel präsenter sein.  Denn wer erzieht denn die   Jugend dort, wenn deren Eltern abwesend sind,  außerhalb des Slums   irgendwo Geld verdienen müssen ? Jene, die dort  ständig präsent sind &#8211;    also die Banditen. Sie sind gerissen und wissen  gut, mit den Kindern   umzugehen, brauchen diese ja künftig als  Arbeitskräfte, damit die   kriminellen Geschäfte weiterlaufen können. Aus  all diesen Gründen hat   die Bischofskonferenz ihre diesjährige  Brüderlichkeitskampagne der   öffentlichen Sicherheit gewidmet. Und die  gespannte Lage in Rio de   Janeiro beweist, daß die Kirche ein hoch  aktuelles Thema aufgriff, das   den Menschen auf den Nägeln brennt.”</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/20/mein-sohn-war-ein-krieger-sagt-mutter-des-abgeschossenen-piloten-von-rio-de-janeiro-neue-gefechte/">http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/20/mein-sohn-war-ein-krieger-sagt-mutter-des-abgeschossenen-piloten-von-rio-de-janeiro-neue-gefechte/</a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/17/krieg-auf-dem-morro-dos-macacos-von-rio-de-janeiro-youtube-anklicken-bope-im-einsatz/">http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/17/krieg-auf-dem-morro-dos-macacos-von-rio-de-janeiro-youtube-anklicken-bope-im-einsatz/</a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/10/rioslumpastoral.jpg" alt="rioslumpastoral.jpg" /></p>
<p><strong>Mitarbeiter der bischöflichen Slum-Pastoral von Rio de Janeiro</strong></p>
<p><strong>Banditenkommandos von Rio de Janeiro nutzen immer wieder    Kirchtürme, sogar die Wallfahrtskirche im Stadtteil Penha als    Beobachtungsstützpunkte der Polizeibewegungen. </strong></p>
<h2>Brasilien: Die Aktualität von “Tropa de  Elite” &#8211; Wem nützen   Banditendiktatur und immer mehr No-Go-Areas? José  Murilo de Carvalho,   Alba Zaluar, Luiz Eduardo Soares. Ersticken von  Protestpotential,   verhinderte Politisierung. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=85" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p>Tags: <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/banditendiktatur/" rel="tag">Banditendiktatur</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/brasilien/" rel="tag">Brasilien</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/jose-murilo-de-carvalho/" rel="tag">José Murilo de Carvalho</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/lula/" rel="tag">Lula</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/menschenrechte/" rel="tag">Menschenrechte</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/organisiertes-verbrechen-und-hohe-politik/" rel="tag">organisiertes Verbrechen und hohe Politik</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/systemstabilisierung/" rel="tag">Systemstabilisierung</a></p>
<p><strong> Brasilianische Sozialwissenschaftler analysieren  die   bürgerliche Demokratie des Tropenlandes  und spezielle    Menschenrechtsverletzungen.</strong></p>
<p><strong>Die rasch wachsenden Slums der brasilianischen    Millionenstädte sind nach Darstellung von Sozialwissenschaftlern und    Sicherheitsexperten regelrechte Parallel-Staaten, No-Go-Areas, in denen    hochbewaffnete Banditenkommandos des organisierten Verbrechens   neofeudal  die Normen bestimmen, die Bevölkerung terrorisieren. Dies   habe  verheerende Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen der   Slumbewohner und  paralysiere Protestpotential. In den   Diktaturjahrzehnten habe das  Militär die Ghettos “niedergehalten “ &#8211;   heute habe das organisierte  Verbrechen diese Rolle übernommen. Immer   wieder wird daher die Frage  gestellt, wem derartige Slumstrukturen am   meisten nützen.</strong></p>
<p><strong>Brasiliens wichtigster Befreiungstheologe Frei Betto über die Präsenz hochbewaffneter Banditen in Slums von Sao Paulo:</strong></p>
<p><strong>“Ao percorrer a favela, por becos e vielas, avistei a    barreira humana formada  pelo pessoal do narcotráfico, que em plena    tarde de uma sexta-feira exibia  armas.” (2012)</strong></p>
<p><strong>„Die Tyrannei des organisierten Verbrechens verhindert    jegliche demokratische Partizipation der Slumbewohner, das    Protestpotential der Armenviertel wird von den lokalen Despoten völlig    erstickt”, analysiert Luiz Eduardo Soares, einer der renommiertesten    brasilianischen Sozialwissenschaftler, der das Bestseller-Buch zum    sozialkritischen Berlinale-Film „Tropa de Elite” mitverfaßt hatte, im    Website-Exklusivinterview.</strong></p>
<p><strong>„Das Interessante ist: Beim  Übergang von der Militärdiktatur   zur Demokratie am Anfang der achtziger  Jahre wurden in den Slums   geradezu massenhaft Verbände, Organisationen,  Bürgerrechtsgruppen   gebildet, erlebten die Sozialbewegungen einen  enormen Aufschwung. Doch   dann haben die schwerbewaffneten  Verbrecherkommandos dies alles wieder   zunichte gemacht. Sie  kontrollieren ihre Territorien mit brutaler   Gewalt &#8211;  und in Politik und  Wirtschaft kann es durchaus Leute geben,   die das begrüßen. Solche  Zustände gelten für Rio de Janeiro und alle   anderen brasilianischen  Städte &#8211;  überall wird eine Selbstorganisation   der Armen und  Verelendeten blockiert.” </strong></p>
<p><strong>Die nordöstliche Küstenstadt Fortaleza hat annähernd so viele    Einwohner wie Berlin und belegt ebenfalls die These von    Sozialwissenschaftler Soares. In den riesigen Slums der Peripherie haben    die Bewohner geradezu panische Angst vor Greueltaten, Gewaltexzessen    marodierender Banditenkommandos. Allein an den Weihnachtsfeiertagen  von   2007 wurden mehr als einhundert Menschen ermordet, waren selbst    Heiligabend überall Schüsse zu hören. Die meisten Geschäfte sind sogar    tagsüber, während der Öffnungszeiten, mit Stahlgittern verriegelt.    Abends und nachts sind die meisten Straßen und Gassen der    dichtbesiedelten Peripherie wie ausgestorben, haben sich viele Menschen    in ihren Katen hinter Gitterstäben und dem überall frei verkauften    NATO-Stacheldraht verbarrikadiert. Gesellschaftliche Apathie, Mißtrauen    und Entsolidarisierung sind in diesen No-Go-Areas deutlich zu spüren.    ”Das ist eine biblische Plage “ solche Gewalt wird bereits in der    Heiligen Schrift beschrieben”, betont Ricardo Mendes, Pastor einer der    vielen Sekten in den Slums von Fortaleza. „Hinter dieser Gewalt steckt    der Satan &#8211;  ohne das Evangelium hätten wir hier die pure Barbarei.”</strong></p>
<p><strong>Die Anthropologin Alba Zaluar, eine der führenden    Gewalt-Forscherinnen Brasiliens, argumentiert indessen ähnlich wie der    Soziologe Soares: ”Die Slum-Assoziationen waren selbst in der    Diktaturzeit sozusagen die Seele der Ghettos, hatten eine enorme    Bedeutung für das kulturelle, soziale Leben, für den Karneval und selbst    für den Fußball. Doch dann intervenierten die  Verbrecherorganisationen   und haben diese Strukturen zerschlagen. Heute  können die Slumbewohner   nicht mehr gegen die Verletzung ihrer  Bürgerrechte protestieren &#8211;  denn   sie leben in einer brutalen  Diktatur. Die Slums sind heute voller   psychisch gestörter Menschen &#8211;   dort herrschen soziales Chaos und   Verwahrlosung.”</strong></p>
<p><strong>José Murilo de Carvalho, Mitglied der brasilianischen    Dichterakademie und Lehrstuhlinhaber für Geschichte an der    Bundesuniversität von Rio de Janeiro, schlußfolgert, daß diese    bedrückende Lage indessen systemstabilisierend wirkt. ”Die Existenz des    organisierten Verbrechens in den Slums blockiert die Politisierung der    Bewohner, hält sie ruhig, verhindert eine Rebellion, Protestaktionen    jeder Art. Die Gangsterkommandos dienen damit der Aufrechterhaltung  von   politischer Stabilität im Lande &#8211;  und das ist den Autoritäten  sehr   recht, ist gut für sie. Natürlich würden sie das nie eingestehen.  Ohne   Zweifel gehört zum strategischen Kalkül auch der jetzigen  Regierung, daß   es wegen der so hilfreichen Gangsterkommandos keine  soziale Explosion   geben wird &#8211;  und das ist natürlich reiner Zynismus.  Wir haben soviele   Gewalttote wie in Bürgerkriegen.” Falls die Lage in  den Slums doch   einmal außer Kontrolle gerät, setzt der Staat die  Armee oder   Sondereinheiten der Polizei in Marsch. Nicht zufällig ist  der Spielfilm   „Tropa de Elite” der erfolgreichste und meistdiskutierte  Streifen der   letzten Jahre.</strong></p>
<p><strong>Hintergrundtext:</strong></p>
<p><strong>Aasgeier über umkämpftem Leichen-Slum Rio de Janeiro Kirche   fordert Menschenrechte für Elendsviertel der Olympia-StadtWeiter heftige   Feuergefechte zwischen Banditenkommandos und der Polizei Gefahren für   die Olympischen Spiele von 2016?</strong></p>
<p><strong>Über dem Bergslum „Morro dos Macacos“(Affenhügel) unweit der   City kreisen derzeit soviele große Aasgeier wie lange nicht. Für Carla   Rodrigues, die mitten im Gassenlabyrinth ihre Hütte hat, ein   untrügliches Zeichen. Die jüngsten schweren Gefechte zwischen   rivalisierenden Banditenkommandos haben viel mehr Tote gefordert als   offiziell gemeldet. „Wenn so viele Geier kommen, liegen noch viele   Leichen an den Hängen, im Wäldchen, wurden noch nicht entdeckt – es   traut sich ja derzeit auch keiner raus.“ Rio de Janeiros Lokalzeitungen   haben immer wieder Fotos von Geiern veröffentlicht, die Getötete   auffressen. Am Tag, als die hochgerüsteten Gangster über dem „Morro dos   Macacos“ den zweiten Polizeihubschrauber vom Himmel holen, zählen   Bewohner  vor ihren Baracken über zwanzig Leichen. Feuergefechte im   Slum, die Geierschwärme anlocken, sind leider keine Seltenheit – und   eine zusätzliche Herausforderung für die bischöfliche Favela-Seelsorge   der Erzdiözese Rio de Janeiro. “Wegen der Schießereien sind die Bewohner   vieler Slums derzeit regelrecht in ihren Hütten eingesperrt, leben in   Angst und Panik“, sagt Priester Luis Antonio Pereira Lopes, der die   Seelsorgeaktivitäten leitet. „Kindergärten, Schulen bleiben leer, weil   sich niemand heraustraut – es sind schon genug Unschuldige, Unbeteiligte   von verirrten Kugeln getötet worden!“ Padre Lopes steigt fast täglich   in die Hangslums über Rio de Janeiro hinauf, hält dort in den kleinen   Gemeindekirchen  Gottesdienste ab. Nicht selten werden sie von   Schießereien unterbrochen, müssen sich die Gläubigen auf den Boden   werfen. „Das alles ist ein Desaster – es gibt keine wirkliche   Sicherheits-und Menschenrechtspolitik des Staates, die   verfassungsmäßigen Rechte der Slumbewohner werden einfach nicht   respektiert. Die Menschen brauchen Arbeit, Bildung, ein funktionierendes   Gesundheitswesen – und keine sporadischen  Polizeieinsätze, die das   Problem nicht lösen.“</strong></p>
<p><strong>Seit Jahrzehnten ist es in Rio immer das Gleiche: Falls   Gefechte rivalisierender Gangstersyndikate von den Slums auf die   angrenzenden Mittel-und Oberschichtsviertel übergreifen, sogar   Stadtautobahnen gesperrt werden müssen, Unterricht für Zehntausende von   Schülern ausfällt,  stürmen Sondereinheiten der Polizei tagsüber in die   Armenviertel und versuchen, die Banditenkommandos zu vertreiben. Die   Beamten kommen indessen nur wenige Zeit und bleiben nie nachts.  Günstig   für die Gangster, die sich in wohltrainierter Guerillataktik kurz   zurückziehen und nach dem Abzug der Polizei sofort wieder das Zepter   übernehmen. Deshalb  prangert Brasiliens Kirche an, daß der Staat auch   in den Slums von Millionenstädten wie Rio de Janeiro nicht präsent ist   und die Bewohner sich deshalb dem neofeudalen Normendiktat der   Verbrechersyndikate unterwerfen müssen. So werden häufig Ausgangssperren   verhängt. Wer dagegen verstößt, bezahlt dies mit dem Leben. Zur   Abschreckung werden Mißliebige sogar zerstückelt oder auf Scheiterhaufen   aus Autoreifen lebendig verbrannt. Im Berlinale-Gewinner  von 2008,  dem  brasilianischen Spielfilm „Tropa de Elite“, wurde erstmals eine   Scheiterhaufen-Szene gezeigt, Rio-Zeitungen haben diese mittelalterliche   Barbarei häufig abgebildet. Padre Lopes  versucht immer wieder, auch   Gläubigen aus Europa das schwierige Los der Slumbewohner   drastisch-plastisch nachvollziehbar zu machen: “Damit die Leute dort   überleben können, müssen sie sich zwangsläufig mit den Banditen gut   stellen, sozusagen eine Politik der guten Nachbarschaft pflegen.   Befehle, Regeln müssen unbedingt eingehalten werden.“ Für Padre Lopes    und seine Mitarbeiter handelt es sich bei jenen jungen Gangstern um   Brasilianer, denen Staat und Gesellschaft keinerlei Chance gaben, sich   persönlich zu entwickeln und zu bilden. „Das organisierte Verbrechen   bietet aber Pseudo-Chancen an &#8211;  alles, was junge Menschen gerne haben   wollen:  Schicke Markenklamotten, ein tolles Auto – doch der Preis dafür   ist eben das eigene Leben. All diese jungen Banditen leben nur kurz,   sterben sehr früh, werden höchstens 25.“  Bei solchen Gefechten wie   jetzt werden zudem viele unbeteiligte, völlig unschuldige Slumbewohner   getötet.</strong></p>
<p><strong>Die Kirche unterhält in zahlreichen umkämpften Slums   Sozialprojekte, darunter sogar Schulen und Kindergärten, Hospitäler und   Arztpraxen, muß sich ebenfalls an die Banditenregeln halten. Doch  häufig  wird den Mitarbeitern sogar für Monate der Zutritt zu den   Elendsvierteln verboten, vor allem dann, wenn ein rivalisierendes   Gangstersyndikat nach langen Kämpfen die Macht übernahm. Und nicht nur   in Rio de Janeiro werden immer wieder Priester getötet. Luis Antonio   Pereira Lopes  von der Slum-Seelsorge bedrückt, daß in den Favelas die   Werte der Gewalt und der Rache dominieren, die Vermittlung christlicher   Werte sehr kompliziert ist: „Dort fehlt der Staat, fehlen  Institutionen,  die den Kindern ethische Prinzipien beibringen. Auch die  Kirche müßte  dort viel präsenter sein. Denn wer erzieht die Jugend  dort, wenn deren  Eltern außerhalb des Slums irgendwo Geld verdienen  müssen ? Jene, die  ständig präsent sind – also die Banditen. Sie sind  gerissen und wissen  gut, mit den Kindern umzugehen. Diese werden ja  künftig als  Arbeitskräfte gebraucht, damit die kriminellen Geschäfte  weiterlaufen  können. Aus all diesen Gründen hat die Bischofskonferenz  ihre  diesjährige Brüderlichkeitskampagne der öffentlichen Sicherheit   gewidmet. Und die gespannte Lage in Rio de Janeiro beweist, daß die   Kirche ein hoch aktuelles Thema aufgriff, das den Menschen auf den   Nägeln brennt.“</strong></p>
<p><strong>Der Drogenhandel ist nur ein Teilbereich der   Banditenaktivitäten – hinzu kommen Bank-und Frachtraub, Auftragsmorde,   Geiselnahmen und internationaler Waffenhandel. </strong></p>
<p><strong>Brasilien ist zwar die zehntgrößte Wirtschaftsnation, auf dem   neuesten UNO-Index für menschliche Entwicklung aber vom siebzigsten  auf  den fünfundsiebzigsten Rang zurückgefallen. Denn die sozialen  Kontraste  sind schärfer geworden, wie das rasche Wachstum der  Elendsviertel von  Rio de Janeiro zeigt. “In den letzten zehn Jahren hat  sich die Zahl der  Slums selbst nach offiziellen Zahlen auf 1043  verdoppelt“, sagt Padre  Lopes , „über zwei Millionen Menschen, also ein  Drittel der  Rio-Bewohner, hausen bereits in solchen Vierteln.“ Unweit  der umkämpften  Slums, so fällt jedermann auf, sind Kasernen von  Luftwaffe, Infanterie   und Marine – doch die Soldaten werden nicht  gegen die Gangstersyndikate  eingesetzt. Denn Teile der Eliten und sogar  Politiker profitieren von  kriminellen Geschäften, argumentieren  brasilianische  Sozialwissenschaftler. Nicht wenige Geistliche stimmen  zudem mit José  Murilo de Carvalho, Historiker und Mitglied der  nationaler  Dichterakademie, überein, der die Banditen-Diktatur über den   Parallelstaat der Slums sogar „systemstabilisierend“ nennt. „Die   Existenz des organisierten Verbrechens in den Slums“, so Carvalho,   „blockiert die Politisierung der Bewohner, hält sie ruhig, verhindert   eine Rebellion, Protestaktionen jeder Art. Das Protestpotential der   Armenviertel wird von den lokalen Despoten total erstickt. Die   Gangsterkommandos dienen damit der Aufrechterhaltung politischer   Stabilität im Lande – und das ist den Autoritäten sehr recht, ist gut   für sie. Natürlich würden sie das nie eingestehen.“ In solches Kalkül   paßt, daß man sich um die Sicherheit während der Olympischen Spiele von   2016 in Rio keine Sorgen zu machen braucht. „Die offenen Wunden der   Stadt werden dann unter einem dicken Make-up versteckt“, betonen   Pressekommentatoren.  Zudem gibt es, wie durchsickerte, während   internationaler Großveranstaltungen stets Stillhalteabkommen mit den   Gangstersyndikaten, werden zudem Unmengen von Polizei und Soldaten in   der Zuckerhutmetropole eingesetzt. </strong></p>
<p><strong>Das umstrittene Wasserkraftprojekt Belo Monte &#8211; Amazonasbischof Erwin Kräutler:</strong></p>
<p><strong>Mit heftiger Kritik an Brasilias Amazonaspolitik hat der   73-Jährige noch nie gespart – doch seine neueste Analyse in Brasiliens   Nachrichtenmagazin „Epoca“ läßt besonders aufhorchen. Erstmals nennt er   Ex-Staatschef Lula und dessen Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff   „skrupellose Amazonas-Zerstörer, die Wirkungen verursachten, durch die   sich das Klima des Planeten unumkehrbar veränderte.“ Belo Monte werde   einen Domino-Effekt haben und sei der „Dolchstoß“ mit dem Lula und Dilma   Rousseff das Herz Amazoniens tödlich träfen. „Nach meinen  Informationen  sind in Brasilien 61 Wasserkraftwerke geplant, die  meisten davon in  Amazonien.“ Derzeit werden neben Belo Monte bereits  mehrere andere  errichtet.</strong></p>
<p><strong> Wer meint, daß da ein katholischer Bischof mit seinen   Vorwürfen maßlos übertreibt, lediglich Stimmung macht, braucht nur die   Qualitätszeitungen Brasiliens aufzuschlagen. Die berichten fast täglich   über Streiks, Arbeiterrevolten auf den Baustellen, heftige  Zusammenstöße  mit der Militärpolizei, eine stark in die Höhe  geschnellte Mordrate  sowie Kinderprostitution, „Chaos und Gewalt“, dazu  die Aktionen der sich  wehrenden Indianer. </strong></p>
<p><strong>Wohl ebenso unvorstellbar in Deutschland: Wegen Massenelend   und  zunehmender Armut lösen in einem Land wie Brasilien derartige   Großbaustellen stets eine regelrechte Völkerwanderung aus, machen sich   Hunderttausende aus den Slums der südlichen Großstädte nach Amazonien   auf, kampieren direkt neben den Großbaustellen in Zelten und Hütten,   hoffen auf einen Job, eine Gelegenheitsarbeit. Bischof Kräutler hat dies   alles jetzt sozusagen vor der Haustür – und sieht sich dann als   Seelsorger gedrängt, „Schritte zu unternehmen, die man als Bischof in   Deutschland oder Österreich nicht tun müßte“. Dazu gehört, der Welt die   Vorgeschichte eines Staudammprojekts zu erklären, das die  Foltergeneräle  des Militärregimes geplant hatten, viele mit deren  Abtreten 1985 daher  auch Belo Monte für abgehakt hielten. Mit dem  Amtsantritt von Lula 2003  erst recht. Noch 2009 sichert er Kräutler im  Präsidentenpalast von  Brasilia zu: “Dieses Projekt zwinge ich niemandem  auf – Erwin, du kannst  mit mir rechnen.“ Heute urteilt der Bischof:  „Das war Theater,  politisches Spielchen, nur Show. Der Widerstand gegen  Belo Monte  identifizierte sich mit Lulas Arbeiterpartei PT. Als wir  entdeckten, daß  Lula seine Position geändert hatte, sind wir aus allen  Wolken gefallen.  Das war Verrat. Ich selbst fühle mich verraten. Lula  hat Amazonien nie  verstanden – und versteht auch die Indianer nicht.“</strong></p>
<p><strong>Aber Brasilien ist doch eine Demokratie, ein Rechtsstaat,   heißt es. Auch in diesem Punkte urteilt der Bischof auffällig   konträr:“Heute haben wir eine Zivildiktatur – denn Belo Monte wurde   aufgezwungen, ohne die Verfassung, darunter die Indianerrechte zu   respektieren.“ Das derzeitige Chaos in Altamira sei anschaulicher   Beweis, daß die Regierung eine ganze Stadt wie „Abfall“ behandele.</strong></p>
<p><strong>Hübsch politisch korrekt, mögen manche auch in Europa nur   ungern die Rolle von Staatspräsidentin Dilma Rousseff bei den   Kraftwerksplanungen kritisch hinterfragen – schließlich war sie in der   Lula-Regierung just als Energieministerin für derartige Projekte, auch   weitere neue Atomkraftwerke, zuständig. Bischof Kräutler zögert mit   Klarstellungen nicht:“Wir können soviel protestieren, wie wir wollen –   Dilma Rousseff verhindert jeglichen Dialog schon im Ansatz.  Belo Monte   ist kein Thema für eine Diskussion. Sie ist sehr hart, unnachgiebig,   akzeptiert keine abweichende Meinung. Umwelt, Indianer, die   Flußuferbewohner, das Volk von Altamira – für Dilma Rousseff zählt dies   alles nicht.“</strong></p>
<p><strong>Am Bauplatz von Belo Monte wurde bereits kräftig Urwald   abgeholzt, bewegten Bagger und Planierraupen mehrere Millionen   Kubikmeter Erde. Viele in Brasilien halten daher weiteren Widerstand   gegen den künftig drittgrößten Stausee der Erde für sinnlos. Auch   Bischof Kräutler? „Nein, keineswegs. Ich bin nicht der Typ, der klein   beigibt. Wir werden alle gewaltlosen Mittel anwenden, um dieses   Monsterprojekt doch noch zu verhindern.“</strong></p>
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