Realitätsfremde deutsche Auslandskorrespondenten, die meist aus fernen Ländern über Brasilien berichten, gar nicht vor Ort sind, nur rudimentäre Sprachkenntnisse besitzen, hatten allen Ernstes Vorwahl-Umfragen für bare Münze genommen, stets einen deutlichen Vorsprung Lulas betont, die Stärke des Bolsonaro-Lagers völlig unterschätzt. Vorhersehbar kam es anders – in einem Land der gekauften Umfragen. Völlig ausgeblendet wurde, daß Lula einst nur durch starke Unterstützung der evangelikalen Sekten die Präsidentenwahl gewonnen hatte. Inzwischen sind die Sekten jedoch auf der Seite von Bolsonaro – dem Vernehmen nach bleibt dem Lula-Lager nichts weiter übrig, als im Parallelstaat der Slums zwecks Stimmenfang mit dem organisierten Verbrechen zu kooperieren, die dort herrschenden Banditenkommandos Druck auf die Pflichtwähler ausüben zu lassen. Wie es heißt, drohen die Banditenchefs mit barbarischer Gewalt: „Wer für Bolsonaro votiert – Kopf ab“. Entsprechend viele Pflichtwähler verheimlichen daher ihr Votum. Die Methode, Slumbewohner zur Stimmabgabe für bestimmte Kandidaten zu zwingen, sogar vielerorts zu kontrollieren, wer für wen votiert, ist in Brasilien keineswegs neu. Aber auch in Mittelschichtsvierteln von Millionenstädten wie Sao Paulo hielten Pflichtwähler 2022 selbst vor Familienmitgliedern, Freunden geheim, welche Kandidaten ihre Sympathien haben. Gewalt-Repressalien, heißt es, wurden nicht aus dem Bolsonaro-Lager erwartet, sondern aus dem Lula-Lager. Nicht zufällig ist Brasilien seit langem strategischer Partner der deutschen Bundesregierung.
Auffällig war, mit welcher seltsamen, verräterischen Vehemenz einst angesehene führende Zeitungen wie Folha de Sao Paulo und O Estado de Sao Paulo dazu aufriefen, Lula unbedingt schon im ersten Wahldurchgang zum Sieg zu verhelfen. Dies könnte mit den außenpolitischen Aspekten der Präsidentenwahl zu tun haben. Das Lula-Lager wird gesteuert/instruiert von Parteien mit klarem Feindbild Rußland – vor allem von SPD und Sozialistischer Internationale. Bolsonaro-Brasilien zählt zum BRICS-Länderblock, hält gute Beziehungen zu Rußland und China, schließt sich westlichen Sanktionen gegen Rußland nicht an, agiert in der UNO bei Resolutionen gegen Rußland wie China oder Indien – mit Stimmenthaltung. Ein Lula-Wahlsieg schon im ersten Wahlgang hätte die außenpolitische Orientierung Brasiliens abrupt verändert. Folha de Sao Paulo und O Estado de Sao Paulo sind in Qualität und Seitenzahl zu armseligen Blättern geschrumpft, einst angesehene Reporter, Redakteure, Kommentatoren sind nicht mehr im Blatt – auch Brasiliens führender Karikaturist Angeli verlor offenbar schon vor Jahren die Lust, angesichts des bizarren Richtungs-und Klimawechsels in der Folha de Sao Paulo weiterzumachen, wurde womöglich sogar „gegangen“. In Drittwelt-Ländern wie Brasilien ist nicht ausgeschlossen, daß führende, doch inzwischen wirtschaftlich stark angeschlagene Medien von interessierter westlicher Seite „gekauft“ und kräftig instrumentalisiert wurden – und als seriöse Informationsquelle inzwischen kaum noch in Frage kommen.
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Lula und die SPD – Berlin 2020:
„Olaf Scholz hat auf Lula gesetzt, nun könnte auch Bolsonaro Präsident Brasiliens bleiben.“ Tagesspiegel. (Wenn Scholz Lula will, müssen deutsche Auslandskorrespondenten natürlich dasselbe wollen) „Olaf Scholz war noch gar nicht Kanzler, da hatte er Lula schon getroffen.“
Ausriß.
„Die guten Beziehungen zwischen den Präsidenten von Brasilien und Russland, Jair Bolsonaro (links) und Wladimir Putin, haben durch den Ukrainekrieg nicht gelitten.“ Tagesspiegel