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	<title>Klaus Hart Brasilientexte</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Kündigung, Verlängerung des deutsch-brasilianischen Atomvertrags aus der Diktaturzeit. Hintergrund zu den Positionen von Grün-Rot. Die Zeit: &#8222;Brasilien rüstet auf.&#8220; &#8222;Aber dieser Teil der Ankündigung Lulas trägt nun einmal mehr zum Wettrüsten als zur Armutsbekämpfung bei.&#8220;</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/18/kundigung-verlangerung-des-deutsch-brasilianischen-atomvertrags-aus-der-diktaturzeit-hintergrund-zu-den-positionen-von-grun-rot/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 23:23:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch-brasilianischer Atomvertrag]]></category>

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		<description><![CDATA[http://www.cl-netz.de/foren/cl.politik.wirtschaft/Fw:-Verb%E4nde-fordern-K%FCndigung-des-deutsch-brasilianischen-Atomvertrages-43846.pdf &#8222;1994 hatte die SPD-Fraktion noch von der damaligen Regierung gefordert, diese Kooperation zu beenden. Selbst an der Macht, ließ die rot-grüne Bundesregierung ihrerseits die nächste Kündigungsfrist 1999 ungenutzt verstreichen.&#8220; Deutsche NGO Urgewald 2004 http://www.zeit.de/online/2006/11/schlauch http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/18/brasiliens-neue-atomkraftwerke-energieminister-edson-lobao-betont-weiterfuhrung-des-atomprogramms-nach-fukushima/ Ausriß. http://www.handelsblatt.com/politik/international/bundesregierung-verlaengert-atomabkommen-mit-brasilien/2957294.html Hintergrund von 2003: Stark enttäuscht ist Greenpeace von der neuen brasilianischen Umweltministerin Marina Silva, die bislang jede [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.cl-netz.de/foren/cl.politik.wirtschaft/Fw:-Verb%E4nde-fordern-K%FCndigung-des-deutsch-brasilianischen-Atomvertrages-43846.pdf"><strong>http://www.cl-netz.de/foren/cl.politik.wirtschaft/Fw:-Verb%E4nde-fordern-K%FCndigung-des-deutsch-brasilianischen-Atomvertrages-43846.pdf</strong></a></p>
<p><strong>&#8222;1994 hatte die SPD-Fraktion noch von der damaligen Regierung gefordert, diese Kooperation zu beenden. Selbst an der Macht, ließ die rot-grüne Bundesregierung ihrerseits die nächste Kündigungsfrist 1999 ungenutzt verstreichen.&#8220; Deutsche NGO Urgewald 2004</strong></p>
<p><a href="http://www.zeit.de/online/2006/11/schlauch"><strong>http://www.zeit.de/online/2006/11/schlauch</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/18/brasiliens-neue-atomkraftwerke-energieminister-edson-lobao-betont-weiterfuhrung-des-atomprogramms-nach-fukushima/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/18/brasiliens-neue-atomkraftwerke-energieminister-edson-lobao-betont-weiterfuhrung-des-atomprogramms-nach-fukushima/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/09/angra12.JPG" alt="angra12.JPG" /></p>
<p>Ausriß.</p>
<p><a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/bundesregierung-verlaengert-atomabkommen-mit-brasilien/2957294.html"><strong>http://www.handelsblatt.com/politik/international/bundesregierung-verlaengert-atomabkommen-mit-brasilien/2957294.html</strong></a></p>
<p><strong>Hintergrund von 2003: </strong></p>
<p><strong>Stark enttäuscht ist Greenpeace von der neuen brasilianischen Umweltministerin Marina Silva, die bislang jede klare Stellungnahme zu Angra 3 vermieden hat.  Sie gehört zu Lulas Arbeiterpartei PT. Sergio Dialetachi, Greenpeace Brasilien: &#8222;Die Wahrheit ist, daß die Arbeiterpartei von den Umweltorganisationen nie viel gehalten hat, sie auch jetzt verachtet. Bislang haben wir die Umweltministerin geschont, haben abgewartet.  Doch jetzt zeigt sich, daß wir im Umweltschutz alle Kämpfe verlieren können. Und gehen deshalb in die offene Konfrontation mit Lula und Marina Silva. Die Lage ist ziemlich kompliziert, chaotisch und frustrierend.&#8220; </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/17/brasilien-erleidet-wegen-seines-atomprogramms-bereits-einen-lieferboykott-sagt-wissenschafts-und-technologieminister-sergio-rezende-der-landespresse-brasilien-bekommt-aus-nachvollziehbaren-motiven/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/17/brasilien-erleidet-wegen-seines-atomprogramms-bereits-einen-lieferboykott-sagt-wissenschafts-und-technologieminister-sergio-rezende-der-landespresse-brasilien-bekommt-aus-nachvollziehbaren-motiven/</strong></a></p>
<p><strong>Dialetachi 2007: &#8222;Die deutsche Regierung ist vom Atomvertrag nicht zurückgetreten, weil sie im Geschäft bleiben will, Nutzen ziehen möchte aus der Vermittlung von Ausrüstungskäufen durch Framatome.&#8220; Denn Angra 3 würde vom deutsch-französischen Atomkonzern Framatome fertiggebaut, zu dem Siemens gehört. Dem Vernehmen nach hätte eine Kündigung des Atomvertrags auch das Ende von Hermes-Bürgschaften für Nuklearexporte nach Brasilien bedeutet.</strong></p>
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<p><strong>Atomkraftboom in Brasilien: </strong></p>
<p><strong>Regierung kündigt vier neue Atomkraftwerke, Uranexport, Ausbildung von Fachleuten an(2004)</strong></p>
<p><a href="http://www.zeit.de/online/2007/28/Brasilien-baut-Atomkraft-aus"><strong>http://www.zeit.de/online/2007/28/Brasilien-baut-Atomkraft-aus</strong></a></p>
<p><span id="more-10831"></span></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Die brasilianische Regierung von Staatschef Luis Inacio Lula da Silva sieht die Atomkraft weltweit wieder im Aufschwung und will davon profitieren: Durch den Export angereicherten Urans, die Montage von Atomreaktoren im Ausland. In dem Tropenland stehen bereits zwei Atommeiler. Nun sollen ein von Siemens-KWU begonnenes Atomkraftwerk fertiggebaut und vier weitere Meiler errichtet werden.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Im Präsidentschaftswahlkampf von 2002 hatte der frühere Gewerkschaftschef Lula bewußt offengelassen, was er im Nuklearbereich vorhatte. Bekannt war lediglich,  daß Lula und die Spitze seiner Arbeiterpartei keineswegs prinzipiell gegen Atomkraft sind, die konservativen Koalitionspartner sogar zu den erklärten Befürwortern zählen. Und jetzt, nach rund zweijähriger Amtszeit, fallen in der immerhin dreizehnten Wirtschaftsnation, flächenmäßig 24-mal größer als Deutschland &#8211;  die ersten Entscheidungen. Lulas Technologieminister Eduardo Campos von der Sozialistischen Partei ging jetzt vor die Presse, erklärte die Phase des Abwartens, Beobachtens, Sondierens für beendet. Brasiliens ziviles Atomprogramm sei wiederaufgenommen worden, erlebe eine neue Konjunktur, habe für die Regierung Priorität.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>“Brasilien braucht gut ausgebildete Kernkraftfachleute, entsprechende technische Kapazitäten. Und die bekommen wir nur, wenn wir unser Atomprogramm in allen Bereichen fortsetzen. Das Programm sah  sieben Atomkraftwerke vor – vier davon im Nordosten des Landes. Denn diese Region litt am meisten unter unserer letzten Energiekrise – als vor drei Jahren im ganzen Lande Strom fehlte.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Und diese vier Atommeiler sollen in den nächsten Jahren entstehen. Zwei davon mit einer Leistung von 1300 Megawatt, genau so viel wie das von Siemens-KWU errichtete Atomkraftwerk Angra zwei in einer Atlantikbucht bei Rio de Janeiro, das seit vier Jahren Strom liefert. Inzwischen hat Siemens-KWU den Kernenergiebereich mit dem staatlichen französischen Konzern Framatome fusioniert – beide Unternehmen halten sich zu den neuen brasilianischen Atomprojekten noch bedeckt.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>“Derzeit lebt unser Atomprogramm tatsächlich wieder auf, beraten wir über neue Atomkraftwerke“, präzisiert Gustavo Souza, Sprecher des Technologieministeriums auf Anfrage. „Doch vorrangig geht es um den  Fertigbau von Angra drei. Schließlich haben wir dafür seit den achtziger Jahren schon eine Menge Ausrüstungen gekauft.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Sie stammen von Siemens-KWU, sind abgesichert mit Hermesbürgschaft und werden am Bauplatz in jener Atlantikbucht gleich neben den Meilern Angra eins und zwei gelagert. Angra eins war vom nordamerikanischen Unternehmen Westinghouse errichtet worden und braucht eine Generalüberholung, Modernisierung. Dabei schlägt Brasilien derzeit zwei Fliegen mit einer Klappe. Um künftig auch außerhalb des Landes Atomreaktoren montieren zu können, kooperieren die brasilianischen Staatsunternehmen Eletronuclear und Nuclep mit dem deutsch-französischen Framatome-Konzern.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>„Bei Angra eins erwirbt Nuclep derzeit wichtige technologische Kenntnisse, macht zweifellos Fortschritte, kann neue Herausforderungen annehmen“, meint Ministeriumssprecher Souza.  „Denn wenn Nuclep weiß, wie Atomreaktoren errichtet werden, kann es dann natürlich auf diesem Markt mitkonkurrieren.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Laut Minister Campos setzt man in der ganzen Welt wieder auf die Atomkraft, werde sich ihr Anteil an der Stromerzeugung in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren von derzeit siebzehn auf  25 Prozent erhöhen. In Frankreich, dem Land von Framatome, liegt er bereits bei 75 Prozent. Brasilien möchte da nicht abseits stehen und zudem am Geschäft mit angereichertem Uran profitieren, dessen Weltumsatz derzeit bei jährlich über sechs Milliarden Euro liegt. Gerade hat in Resende bei Rio de Janeiro eine Anreicherungsfabrik den Betrieb aufgenommen, die zunächst nur die eigenen Reaktoren mit Kernbrennstoff versorgen soll. Brasilien besitzt die sechstgrößten Uranreserven der Erde, doch weil bisher nur auf  einem  Viertel der Landesfläche nach dem edlen Rohstoff  gesucht wurde, geht die Regierung von weit größeren Vorkommen aus. Und möchte künftig besonders den wichtigen Wirtschaftspartner China, der bis zu dreißig Atomkraftwerke plant,  mit angereichertem Uran beliefern.</strong></p>
<h3>Lulas Lob der Atomenergie(2006)</h3>
<p><strong>&#8222;Atomkraft sauber und sicher&#8220;<br />
Einweihung der Urananreichungsfabrik bei Rio de Janeiro<br />
Unmittelbar vor der Einweihung erster Produktionsanlagen der bereits  seit langem versuchsweise produzierenden Urananreicherungsfabrik in  Resende bei Rio hat Staatschef Lulas neuer  Wissenschafts-und  Technologie-Minister Sergio Rezende in Brasiliens Medien die Bedeutung  der Atomenergie betont. Diese werde in diesem Jahrhundert eine wichtige  Rolle spielen, da erneuerbare Energien wie Windkraft und Solarenergie  zur Ersetzung fossiler Brennstoffe nicht taugten. „Atomenergie erweist  sich als Alternative – fähig dazu, den Bedarf selbst in großen  Dimensionen zu decken, in sauberer und sicherer Weise. Die Regierung von  Präsident Lula unterstützt mit Festigkeit das brasilianische  Atomprogramm.“<br />
Dem Minister zufolge soll die Urananreicherungsfabrik neben den beiden  bei Rio de Janeiro bestehenden Atomkraftwerken Angra I und Angra II auch  das dort im Bau befindliche Angra III versorgen. Die Fertigstellung des   vom Windkraft-und Atomkonzern Siemens begonnenen Atomkraftwerks bis  2013 sei fest eingeplant, die Bauarbeiten dürften noch dieses Jahr  starten.   Geplant seien sieben weitere AKW.  Für Brasilien sei die  Selbstversorgung mit angereichertem Uran strategisch wichtig. Das  Tropenland verfüge über die sechstgrößten Uranvorräte der Welt – jedoch  sei erst auf 30 Prozent des Territoriums überhaupt nach Uran gesucht  worden. Gemäß früheren Ankündigungen soll angereichertes Uran auch  exportiert werden. Rezende betonte, daß Brasiliens Atomprogramm,  eingeschlossen die Urananreicherung, von der Internationalen  Atomenergiebehörde autorisiert worden sei.<br />
Wegen des Streits um die Urananreicherung im Iran zog es Lula dem  Vernehmen nach entgegen früheren Plänen vor, die offizielle Einweihung  in Resende am 5. Mai besser nicht selbst vorzunehmen, sondern seinem  Technologieminister Rezende zu überlassen. Dieser erklärte dabei, es sei  nicht zu befürchten, daß sich Brasiliens öffentliche Meinung gegen die  Fertigstellung von Angra III wende. Die Krise um die Gaslieferungen aus  Bolivien hätten die Argumente der Gegner geschwächt. &#8222;Atomenergie hat am  wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen.&#8220;</strong></p>
<p><strong>  </strong><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>  </strong>  <strong>Die Lula-Regierung sieht die Atomkraft international wieder  im Aufschwung und will davon profitieren &#8211; durch den Export  angereicherten Urans, die Montage von Atomreaktoren im Ausland. In  Brasilien stehen bereits zwei Atommeiler. Nun sollen ein von Siemens-KWU  begonnenes Atomkraftwerk fertiggebaut und vier weitere Meiler errichtet  werden. Die technologische Kooperation mit dem weltweit führenden  deutsch-französischen Atomkonzern Framatome wurde bereits intensiviert.  Entsprechende ausführliche Berichte der sich auf Regierungsquellen  berufenden Qualitätszeitung „O Globo“ sind von Brasilia nicht dementiert  worden, womöglich, um die Reaktion der öffentlichen Meinung zu testen.  Bereits lange vor den Präsidentschaftswahlen von 2002 war bekannt, daß  Lula und die Spitze der Arbeiterpartei PT die Nutzung der Atomkraft  keineswegs prinzipiell ablehnen. Und jetzt, nach rund zweijähriger  Amtszeit, fallen in der dreizehnten Wirtschaftsnation offenbar die  ersten Entscheidungen. Lulas Technologieminister Eduardo Campos von der  Sozialistischen Partei ging vor die Presse, erklärte die Phase des  Abwartens, Beobachtens, Sondierens für beendet. Brasiliens ziviles  Atomprogramm sei wiederaufgenommen worden, erlebe eine neue Konjunktur,  habe für die Regierung Priorität. “Brasilien braucht gut ausgebildete  Kernkraftfachleute, entsprechende technische Kapazitäten. Und die  bekommen wir nur, wenn wir unser Atomprogramm in allen Bereichen  fortsetzen. Das Programm sah  sieben Atomkraftwerke vor – vier davon im  Nordosten des Landes. Denn diese Region litt am meisten unter unserer  letzten Energiekrise – als vor drei Jahren im ganzen Lande Strom  fehlte.“<br />
</strong><strong> Und diese vier Atommeiler sollen in den nächsten Jahren entstehen. Zwei  davon bis 2010, mit einer Leistung von 1300 Megawatt, genau so viel wie  das von Siemens-KWU errichtete Atomkraftwerk Angra zwei des Biblis-Typs  in einer Atlantikbucht bei Rio de Janeiro, das seit vier Jahren Strom  liefert. Inzwischen hat Siemens-KWU den Kernenergiebereich mit dem  staatlichen französischen Konzern Framatome fusioniert – beide  Unternehmen halten sich zu den neuen brasilianischen Atomprojekten noch  bedeckt. Doch das Technologieministerium erklärte auf Anfrage, daß  derzeit tatsächlich über neue Atomkraftwerke beraten werde. Aber  vorrangig gehe es um den  Fertigbau von Angra drei. Schließlich habe man  dafür seit den achtziger Jahren schon eine Menge Ausrüstungen gekauft.<br />
Sie stammen von Siemens-KWU, sind abgesichert mit Hermesbürgschaft und  werden am Bauplatz in jener Atlantikbucht gleich neben den Meilern Angra  eins und zwei gelagert. Angra eins war vom nordamerikanischen  Unternehmen Westinghouse errichtet worden und braucht eine  Generalüberholung, Modernisierung. Dabei schlägt Brasilien derzeit zwei  Fliegen mit einer Klappe. Um künftig auch außerhalb des Landes  Atomreaktoren montieren zu können, kooperieren die brasilianischen  Staatsunternehmen Eletronuclear und Nuclep mit Framatome.<br />
„Wenn Nuclep weiß, wie Atomreaktoren errichtet werden, kann es dann  natürlich auf diesem Markt mitkonkurrieren“, hieß es aus dem  Technologieministerium. Der Atom-und Windkraftkonzern Siemens sowie die  Bundesregierung halten sich bei der  nuklearen Zusammenarbeit mit  Brasilien strikt an das von Helmut Schmidt 1975 mit den Generälen der  Militärdiktatur geschlossene Atomabkommen, außerdem an den  Atomwaffensperrvertrag. So hatte Rot-Grün auf der New Yorker  Überprüfungskonferenz dieses Vertrags , ohne durchaus mögliche  Gegenvoten Joseph Fischers, folgenden Text des Abschlußdokuments  unterzeichnet:“Die Konferenz erkennt die Vorteile der friedlichen  Atomenergienutzung und nuklearer Techniken an“, heißt es da, „und ihren  Beitrag, um in den Entwicklungsländern nachhaltige Entwicklung zu  erreichen sowie generell das Wohlergehen und die Lebensqualität der  Menschheit zu verbessern.“ Atomenergie sei daher überall auf dem Erdball  zu fördern. Auch Trittin hat sich davon nie distanziert.<br />
Laut Minister Campos setzt man in der ganzen Welt wieder auf die  Atomkraft, werde sich ihr Anteil an der Stromerzeugung in den nächsten  zehn bis fünfzehn Jahren von derzeit siebzehn auf  25 Prozent erhöhen.  In Frankreich liegt er bereits bei 75 Prozent. Brasilien möchte da nicht  abseits stehen und zudem am Geschäft mit angereichertem Uran  profitieren, dessen Weltumsatz derzeit bei jährlich über sechs  Milliarden Euro liegt.<br />
&#8211;Konflikt wegen Uranfabrik bei Rio—<br />
Gerade hat in Resende bei Rio de Janeiro eine von den Militärs  entwickelte Anreicherungsfabrik den Betrieb aufgenommen, die zunächst  nur die eigenen Reaktoren mit Kernbrennstoff versorgen soll. Brasilien  besitzt die sechstgrößten Uranreserven der Erde &#8211;  doch weil bisher nur  auf  einem  Viertel der Landesfläche nach dem edlen Rohstoff  gesucht  wurde, geht die Regierung von weit größeren Vorkommen aus. Und möchte  künftig besonders den wichtigen Wirtschaftspartner China, der bis zu  dreißig Atomkraftwerke plant,  mit angereichertem Uran beliefern. Eine  enge atomare Zusammenarbeit hatte Lula im Mai während seines  Chinabesuchs vereinbart.<br />
Indessen steht Brasiliens Atompolitik international weiter im Zwielicht,  weil die Lula-Regierung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO  nach wie vor keine lückenlose Kontrolle der Anreicherungsfabrik erlaubt.  Dort könnte selbst laut brasilianischen Angaben auch atomwaffenfähiges  Uran hergestellt werden. Brasilia dementiert derartige Absichten. Der  Atomwaffensperrvertrag werde natürlich eingehalten.<br />
Mehr als zehnmal waren Inspektoren der Wiener UNO-Behörde bereits in  Resende – doch auch bei der jüngsten Visite im Oktober wurde ihnen nicht  einmal ein Blick auf die wichtigsten Anlagenteile, vor allem die  Zentrifugen, erlaubt.<br />
“Die mit sehr hohen Kosten entwickelte Anreicherungsmethode“, so ließ  die Regierung mehrfach offiziell erklären, „wird auf jeden Fall  geheimgehalten. „Brasiliens Zentrifugen arbeiten weit energiesparender,   mit höherer Lebensdauer als die anderer Länder – der Schutz solcher  Industriegeheimnisse ist daher vordringlich. Schließlich handelt es sich  um einen wirtschaftlich so wichtigen Bereich wie die Energieerzeugung.“<br />
In den USA und Europa befürchtet man indessen, daß ein gefährlicher  Präzedenzfall entstünde, falls die IAEO Brasiliens Haltung akzeptiert.  Denn dann könnten Länder wie der Iran ebenfalls auf eingeschränkten  Kontrollen ihrer Anreicherungsfabriken bestehen.<br />
Rückenwind bekommt Brasilia jedenfalls von der Presse des eigenen  Landes, besonders vom führenden Medienkonzern „Globo“, der  sogar  nationalistische Töne anschlägt.<br />
“Logisch, daß wir keine Atombombe bauen wollen, um sie etwa auf  Argentinien zu werfen“, betont Globo-Starkommentator Arnaldo Jabor in  Radio und Fernsehen. „Doch am wissenschaftlichen Fortschritt wollen wir  teilhaben. Hinter dem ganzen Streit um die Inspektionen steckt doch nur  der Wunsch des Auslands, unsere Industrie rückständig zu halten, unsere  Technologie zu überwachen – wir erleiden eine deutliche geopolitische  Diskriminierung – man will von Brasilien politischen Gehorsam.  Doch wir  zeigen ihnen nicht alles &#8211; Brasilien macht es genau richtig. “<br />
Selbst angesehene  Atomphysiker  wie Rogerio Cerqueira Leite nennen es  extrem intelligent und opportun, die Inspektoren nicht in den  sensibelsten Abschnitt der Urananreicherungsanlage zu lassen.<br />
Doch Öl ins Feuer goß jetzt die angesehene Wissenschaftszeitschrift  „Science“ aus den USA, derzufolge Brasilien dank der  neuen  Anreicherungsanlage von Resende in der Lage sei,  jährlich sechs  Atomsprengköpfe herzustellen. Dafür gebe es derzeit zwar keine  Anzeichen, doch könnte das Tropenland ja künftig seine Politik ändern.  Denn unvergessen ist das geheime Atomprogramm der Militärs aus der  Diktaturzeit, das Atomtestgelände in Amazonien. Und unvergessen sind  auch Äußerungen von Staatschef Lulas erstem Wissenschafts-und  Technologieminister Roberto Amaral zugunsten des Baus einer Atombombe.  Brasilien, so Amaral letztes Jahr, müsse die nötigen Kenntnisse besitzen  – für den Fall, daß sich die Weltlage ändere. Minister Amarals  Nachfolger Eduardo Campos wies die Angaben der Zeitschrift „Science“ auf  der Stelle als falsch und leichtfertig zurück, ebenso den Verdacht, daß  Brasilien die wahre Herkunft seiner Uranzentrifugen verschleiern wolle.  Denn die Science-Autoren schlossen nicht aus, daß Brasilien in Wahrheit  Zentrifugen des europäischen Anreicherungskonsortiums Urenco kopierte,  über deutsche Fachleute an die Technologie herangekommen war.</strong></p>
<p><strong>&#8222;Aqui, o presidente e a ministra Dilma seguem defendendo novas usinas, alem de Angra 3&#8243;. &#8222;O Estado de Sao Paulo&#8220;, Washington Novaes</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/08/12/brasiliens-kirche-gegen-atom-u-boot-flotte-und-rustungswettlauf-landeseliten-uber-militarisches-atomprogramm-gespalten-caritas-prasident-demetrio-valentini-und-oded-grajew-der-die-idee-zum-weltsozi/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/08/12/brasiliens-kirche-gegen-atom-u-boot-flotte-und-rustungswettlauf-landeseliten-uber-militarisches-atomprogramm-gespalten-caritas-prasident-demetrio-valentini-und-oded-grajew-der-die-idee-zum-weltsozi/</strong></a></p>
<h2>Brasiliens Militärdiktatur &#8211; Überlebende von  Verfolgung und Folter: Clarice Herzog, Witwe des ermordeten jüdischen  Journalisten Vladimir Herzog, und Regimegegner Waldemar Rossi, heute  Führer der bischöflichen Arbeiterseelsorge in Sao Paulo. Wer mit den  Folterdiktatoren eng kooperierte. Brasiliens Massengräber.  Diktaturgeneräle und deutsch-brasilianischer Atomvertrag, geheimes  Atomwaffenprogramm. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=12904" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p>Tags: <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/brasiliens-militardiktatur/" rel="tag">Brasiliens Militärdiktatur</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/clarice-herzog/" rel="tag">Clarice Herzog</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/deutsch-brasilianischer-atomvertrag/" rel="tag">deutsch-brasilianischer Atomvertrag</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/geheimes-atomwaffenprogramm/" rel="tag">geheimes Atomwaffenprogramm</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/hans-dietrich-genscher/" rel="tag">Hans-Dietrich Genscher</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/waldemar-rossi/" rel="tag">Waldemar Rossi</a>, <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/willy-brandt/" rel="tag">Willy Brandt</a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/04/herzogrossi.JPG" alt="herzogrossi.JPG" /></p>
<p><strong>Clarice Herzog und Waldemar Rossi auf Veranstaltung des Stadtparlaments zu Ehren von Kardinal Paulo Evaristo Arns.</strong></p>
<p><a href="http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html"><strong>http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html</strong></a></p>
<p><strong>Waldemar Rossi, Führer der Arbeiterpastoral der Erzdiözese   Sao  Paulo, wurde damals vom Militärregime eingekerkert, gefoltert &#8211; die    auch von der SS benutzte Foltermethode der Papageienschaukel(das  Opfer   wird mit den Kniekehlen mit dem Kopf nach unten an einer  Eisenstange   aufgehängt,Handgelenke werden an den Fußgelenken oder der  Stange   befestigt; dazu täglich stundenlang Elektroschocks. Dom Paulo  macht   Druck, alarmiert den Vatikan, holt Waldemar Rossi und andere    Widerstandskämpfer heraus, besucht sie vorher in ihrer Zelle &#8211; heute    Teil des Widerstands-Memorials von Sao Paulo.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/30/brasiliens-geschichtslehrbucher-unter-lula-rousseff-der-militarputsch-von-1964-war-von-demokratischem-geist-durchdrungen-die-pressezensur-war-bedingung-fur-den-fortschritt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/30/brasiliens-geschichtslehrbucher-unter-lula-rousseff-der-militarputsch-von-1964-war-von-demokratischem-geist-durchdrungen-die-pressezensur-war-bedingung-fur-den-fortschritt/</strong></a></p>
<p><strong>Dem Vernehmen nach sind Clarice Herzog und Kardinale Paulo  Evaristo Arns für eine brasilianische Wahrheitskommission vorgesehen,  die sich mit der Aufklärung der Diktaturverbrechen befassen soll.  </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/14/parabens-dom-paulo-evaristo-arns-der-deutschstammige-kardinal-sao-paulos-ist-90-hochengagiert-im-kampf-gegen-das-militarregime-der-foltergenerale1964-1985-wer-mit-den-diktatoren-eng-kooperierte/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/14/parabens-dom-paulo-evaristo-arns-der-deutschstammige-kardinal-sao-paulos-ist-90-hochengagiert-im-kampf-gegen-das-militarregime-der-foltergenerale1964-1985-wer-mit-den-diktatoren-eng-kooperierte/</strong></a></p>
<h2>Deutsch-brasilianischer Atomvertrag und  Ermordung des jüdischen  Journalisten Herzog durch die Militärdiktatur  1975 unter General  Ernesto Geisel &#8211; Brasiliens größte Qualitätszeitung  “Folha de Sao  Paulo” erinnert an historische Fakten. Willy Brandt,  Hans-Dietrich  Genscher. Grass-Gedicht und Reaktionen in Brasilien. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=12901" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/20/goethe-institut-sao-paulo-seminar-mit-marianne-birthler-uber-vergangenheitsbewaltigung-in-brasilien/"><strong> http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/20/goethe-institut-sao-paulo-seminar-mit-marianne-birthler-uber-vergangenheitsbewaltigung-in-brasilien/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/willy-brandt-und-ernesto-geisel/" rel="tag"> </a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/04/folhaatomherzog5.JPG" alt="folhaatomherzog5.JPG" /></p>
<p><strong>In einer großen Ausstellung in der City Sao Paulos erinnert   die Qualitätszeitung an die beiden für das Jahr 1975 bedeutenden   historischen Fakten &#8211; die Unterzeichnung des Atomvertrages unter   Schmidt-Genscher mit der brasilianischen Militärdiktatur sowie die   Folterung und Ermordung des jüdischen Journalisten Herzog durch das   Militärregime unter dem deutschstämmigen General Ernesto Geisel. Die   Herzog-Familie war aus Jugoslawien vor dem Nazismus nach Brasilien   geflüchtet &#8211; die brasilianische Militärdiktatur war laut   Historikerbewertung nazistisch-antisemitisch orientiert. </strong></p>
<p><strong>Laut historischen Daten startete die brasilianische   Militärdiktatur nach dem Abschluß des mit der Bundesrepublik Deutschland   geschlossenen  Atomvertrages ein geheimes Atomwaffenprogramm,   errichtete ein Atomtestgelände in Amazonien. 1990 wird es vom damaligen   Präsidenten Collor de Mello geschlossen.</strong></p>
<p><strong>Fünf Jahre nach dem 1975 unterzeichneten   deutsch-brasilianischen  Atomvertrag vereinbarten laut Landesmedien die   Regierungen in Brasilia  und Bagdad ein Geheimabkommen zur nuklearen   Kooperation. Ehemalige  Minister der Militärdiktatur haben danach   zugegeben, daß der Irak unter  anderem angereichertes Uran erhalten hat.   Brasilianische  Kernkraftexperten seien auch an der Errichtung des  1981  von der  israelischen Luftwaffe bombardierten Atomreaktors Ozirak   beteiligt  gewesen.  </strong></p>
<p><a href="http://www.dw.de/dw/article/0,,1165227_page_0,00.html"><strong>http://www.dw.de/dw/article/0,,1165227_page_0,00.html</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens nukleare Vision:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/20/brasiliens-nukleare-vision-o-globo-kolumnist-merval-pereira-analysiert-die-position-von-vizeprasident-jose-alencar-wonach-eine-atombombe-des-iran-der-abschreckung-diente-den-frieden-garantierte/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/20/brasiliens-nukleare-vision-o-globo-kolumnist-merval-pereira-analysiert-die-position-von-vizeprasident-jose-alencar-wonach-eine-atombombe-des-iran-der-abschreckung-diente-den-frieden-garantierte/</strong></a></p>
<p><strong>“Mit Atomwaffen würde Brasilien international mehr respektiert sein.”  </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/25/lulas-vize-jose-alencar-fur-nukleartechnologie-zur-entwicklung-von-atomwaffen-lander-mit-atomwaffen-verschaffen-sich-mehr-respekt/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/25/lulas-vize-jose-alencar-fur-nukleartechnologie-zur-entwicklung-von-atomwaffen-lander-mit-atomwaffen-verschaffen-sich-mehr-respekt/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/15/brasiliens-militardiktatur-uberlebende-von-verfolgung-und-folter-clarice-herzog-witwe-des-ermordeten-judischen-journalisten-vladimir-herzog-und-regimegegner-waldemar-rossi-heute-fuhrer-der-bisch/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/15/brasiliens-militardiktatur-uberlebende-von-verfolgung-und-folter-clarice-herzog-witwe-des-ermordeten-judischen-journalisten-vladimir-herzog-und-regimegegner-waldemar-rossi-heute-fuhrer-der-bisch/</strong></a></p>
<p><strong>“Juni 1975. Brasilien und Deutschland schließen Abkommen zum Bau von Atomkraftwerken in Angra dos Reis.</strong></p>
<p><strong>1. November 1975. Etwa 8000 Menschen nehmen am Gottesdienst   auf dem Sé-Platz zur Erinnerung an den Journalisten Vladimir Herzog   teil, ermordet unter der Folter.</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/08/brandtgeisel.JPG" alt="brandtgeisel.JPG" /></p>
<p><strong>Diktator Ernesto Geisel, in dessen Amtszeit der jüdische   Journalist Herzog gefoltert und ermordet wurde &#8211;  und Willy Brandt,   Ausriß.   <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/16/helmut-schmidt-und-lula-lulas-sonderbeziehungen-zu-deutschland/">http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/16/helmut-schmidt-und-lula-lulas-sonderbeziehungen-zu-deutschland/</a></strong></p>
<p><strong>“Die Zeit” 1974 über den General der Folter-Diktatur, Ernesto Geisel:</strong> <strong>“In   Brasilien ist am Freitag voriger Woche der 65jährige Ernesto Geisel  als  brasilianischer Präsident vereidigt worden. Die Zeremonie fand  unter  strengen Sicherheitsmaßnahmen statt: die Kontrolleure  verweigerten sogar  dem neuen Industrieminister, einem aus Japan  stammendem Brasilianer,  wegen seines „fremden” Aussehens den Zutritt.  Ehrengäste waren die drei  Staats- bzw. Regierungschefs Pinochet  (Chile), Banzer (Bolivien) und  Bordaberry (Uruguay). Die Vereinigten  Staaten wurden durch Patricia  Nixon und den stellvertretenden Leiter  des CIA vertreten.”</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/09/diktaturopfercpi.JPG" alt="diktaturopfercpi.JPG" /></p>
<p><strong>Diktaturopfer &#8211; getötete Regimegegnerin, Foto von kirchlichen Menschenrechtsaktivisten.</strong></p>
<p><strong>Treffen Nixon &#8211; Brandt in Florida 1971, laut US-Dokumenten &#8211; die Frage des Verhältnisses zur Militärdiktatur der Foltergeneräle:</strong></p>
<p><strong>“President Nixon asked for the Chancellor’s view on Brazil.</strong></p>
<p><strong>Chancellor Brandt stated that Germany has some trade and   investment there, especially in the Sao Paolo area. He noted that   political relations are good.”</strong></p>
<p><strong>Nixon über Militärdiktator General Ernesto Geisel :</strong> <strong>“On the other hand, the Brazilian leader<a title="fnref9" name="fnref9"></a><a href="http://history.state.gov/historicaldocuments/frus1969-76v40/d336#fn9" title="fnref9"><sup>9</sup></a>   has been good for Brazil and we continue to maintain that if he takes   no foreign policy actions against us, then what he does is acceptable.”</strong></p>
<p><strong>Wer war Herzog?</strong> <a href="http://educacao.uol.com.br/biografias/vladimir-herzog.jhtm"><strong>http://educacao.uol.com.br/biografias/vladimir-herzog.jhtm</strong></a></p>
<p><strong>Nach Folter und Mord an dem jüdischen Journalisten Herzog   rief der deutschstämmige Kardinal Paulo Evaristo Arns in Sao Paulo zu   einer ökumenischen Trauerfeier in die Kathedrale, zelebrierte mit zwei   Rabbinern die Messe,die mit etwa 8000 Teilnehmern zu einem Symbol des   Protestes gegen die Folter-Diktatur wurde. Nach der Beerdigung von   Herzog auf dem jüdischen Friedhof von Butantá streikten etwa 30000 von   35000 Studenten der Bundesuniversität USP von Sao Paulo &#8211; Herzog war   dort Professor. </strong></p>
<p><strong>Auffällig, daß außer Brandts Äußerung,  die politischen   Beziehungen  zur Militärdiktatur unter General Ernesto Geisel seien gut,   zumindest im Internet keinerlei Brandt-Bewertung der  Diktaturverbrechen  zu finden ist. </strong></p>
<p><a href="http://womblog.de/die-brasilianische-bombe"><strong>http://womblog.de/die-brasilianische-bombe</strong></a></p>
<p><strong>Die Diktatur begann mit dem Militärputsch von 1964 &#8211; 1969   schloß Bonn mit dem Militärregime laut Jahreschronik ein   Kulturabkommen.  </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/12/16/die-beruchtigten-ausnahmegesetzeai-5-der-brasilianischen-folter-diktatur-82-prozent-der-brasilianer-haben-noch-nie-davon-gehort/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/12/16/die-beruchtigten-ausnahmegesetzeai-5-der-brasilianischen-folter-diktatur-82-prozent-der-brasilianer-haben-noch-nie-davon-gehort/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/04/dik2.JPG" alt="dik2.JPG" /></p>
<p><strong>“Wo sind unsere Toten?” (Protestkundgebung in Sao Paulo 2012)<br />
</strong></p>
<p><strong>Wie Brasiliens katholische Kirche betont, wissen sehr viele   Angehörige von “Verschwundenen” der Militärdiktatur bis heute nicht, was   mit diesen geschah.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/02/brasiliens-vergangenheitsbewaltigung-wo-sind-unsere-toten/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/02/brasiliens-vergangenheitsbewaltigung-wo-sind-unsere-toten/</strong></a></p>
<p><strong>Brasiliens Militärdiktator Emilio Medici, Vorgänger von Geisel,  laut Wikipedia: </strong></p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/19._M%C3%A4rz" title="19. März">19. März</a>: Der deutsche <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeskanzler_%28Deutschland%29" title="Bundeskanzler (Deutschland)">Bundeskanzler</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Brandt" title="Willy Brandt">Willy      Brandt</a> trifft sich im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erfurt" title="Erfurt">Erfurter</a> Hotel <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erfurter_Hof" title="Erfurter Hof">Erfurter      Hof</a></em> mit dem Ministerpräsidenten der DDR <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Stoph" title="Willi Stoph">Willi      Stoph</a>.</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/25._M%C3%A4rz" title="25. März">25. März</a>: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Brasiliens#Milit.C3.A4rdiktatur" title="Geschichte Brasiliens">Brasilien</a> erweitert durch ein Dekret      seines Präsidenten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Em%C3%ADlio_Garrastazu_M%C3%A9dici" title="Em?lio Garrastazu Médici">Emílio Garrastazu Médici</a> sein      maritimes Hoheitsgebiet von zwölf auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/200-Meilen-Zone" title="200-Meilen-Zone">200      Seemeilen</a>.</li>
</ul>
<p><a href="http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html"><strong>http://www.bundestag.de/dasparlament/2010/12/Beilage/006.html</strong></a></p>
<p><strong>“Bereits im Juni 1968 hatte BRD-Außenminister Willy Brandt   bei einem Besuch in Brasilien das deutsche Interesse dargelegt,   Brasilien mit Nukleartechnologie zu beliefern.  1969 unterzeichneten   Brasilien und Deutschland ein bilaterales Abkommen zu wissenschaftlicher   und technischer Kooperation. “Dominik Hauber, “Was passiert in  Resende?</strong></p>
<p><strong>Der Spiegel 1975, im Jahr der Ermordung des jüdischen   Journalisten Herzog, zu den Beziehungen des Außenministers Hans-Dietrich   Genscher(FDP) zur brasilianischen Militärdiktatur:</strong></p>
<p><strong>Zugleich hofft Genscher, seiner FDP mit solchen Ideen das   Image einer Fortschrittspartei zu erhalten, zumal die Freidemokraten   nach seiner Ansicht “das Wählerpotential haben, das das am ehesten   versteht”.</strong></p>
<p><strong>Die außenpolitische Tauglichkeit seines Plans wollte Genscher   vor allem in Brasilien überprüfen, das ihm als “Schwellenmacht zum   Industriestaat” (AA-Definition) als Testobjekt besonders geeignet   scheint. Das Regime des deutschstämmigen Generals Ernesto Geisel   versucht sich mit Macht aus der alten Abhängigkeit von Washington zu   lösen und hält in Europa nach potenten Partnern für seine ehrgeizigen   Industrialisierungspläne Ausschau.</strong></p>
<p><strong>Die Bundesrepublik gilt den Brasilianern als erste Wahl, denn   die Deutschen halten im volkreichsten Staat Südamerikas (über 100   Millionen Einwohner) in der Rangliste ausländischer Investoren hinter   den USA den zweiten Platz. Mehr als 500 westdeutsche Unternehmen   produzieren bereits im Lande. Friedrich Wilhelm Christians,   Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und gemeinsam mit anderen   Wirtschaftsgrößen in Genschers Begleitung, schätzt die Summe der   westdeutschen Anlagewerte auf mittlerweile vier bis viereinhalb   Milliarden Mark.</strong></p>
<p><strong>Erst recht als Schlaraffenland für Exporteure gilt Brasilien,   seit es der deutschen Wirtschaft den fettesten Ausfuhrauftrag ihrer   Geschichte versprochen hat: den Bezug von acht Kernkraftwerken samt   Zusatzeinrichtungen im Wert von mindestens zwölf Milliarden Mark.</strong></p>
<p><strong>Politisch ist das Atomgeschäft nicht ohne Sprengkraft. Um den   Vorwurf zu entkräften, Brasilien könne mit deutscher Hilfe künftig   Atombomben bauen, machte die Bundesregierung ihre Zustimmung von einem   Abkommen zwischen Bonn, Brasilia und der Internationalen   Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien abhängig, das regelmäßige   Überwachungen durch IAEO-Inspektoren garantieren soll.</strong></p>
<p><strong>Damit geriet die Bundesregierung unversehens in Konflikt mit   der verzwickten brasilianischen Innenpolitik. Denn starke   nationalistische Gruppen fordern nun von der Regierung Geisel, sie   müsse, um den Großmachtanspruch Brasiliens zu wahren, die Option für den   Bau der Bombe offenhalten.</strong></p>
<p><strong>Unmittelbar nach Genschers Abflug reiste eine Bonner   Expertendelegation an, die in Brasilia die dreiseitige Übereinkunft   aushandeln soll. Prompt verbreiteten “gut unterrichtete Kreise”   (Nachrichtenagentur Reuter), Brasilien werde sich gegen jede Verabredung   wehren, die IAEO-Mitarbeiter jederzeit ins Land lasse. Setzen sich die   Kontrollgegner durch, wäre das Atomgeschäft gefährdet, und Genscher,  der  die Nuklear-Allianz mit den Südamerikanern befürwortet, müßte  erkennen,  daß sich die Vision vom weltweiten Engagement der  Bundesrepublik  leichter entwickeln als durchsetzen läßt.</strong></p>
<p><strong>Auf seinem Südamerika-Trip konnten derlei Widrigkeiten die   gute Laune des Bonner Chefdiplomaten nicht beeinträchtigen. Da sonnte er   sich, zwischen Rio und Lima, im Gefühl, den großen Wurf gelandet zu   haben. Bankier Christians: “Dem Genscher macht das richtig Spaß, der   kriegt eine ganz lange Zunge.”</strong></p>
<p><strong>Der Spiegel zum deutsch-brasilianischen Atomgeschäft:</strong> <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41019615.html"><strong>http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41019615.html</strong></a></p>
<p><a href="http://www.investidura.com.br/biblioteca-juridica/artigos/relacoes-internacionais/168037-o-acordo-teuto-brasileiro-de-cooperacao-nuclear.html"><strong> http://www.investidura.com.br/biblioteca-juridica/artigos/relacoes-internacionais/168037-o-acordo-teuto-brasileiro-de-cooperacao-nuclear.html</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/03/bundesprasident-christian-wulff-dilma-rousseff-und-der-zugige-bau-des-neuen-atomkraftwerks-angra-3-bei-rio-de-janeiro-mit-deutscher-bundesburgschaft/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/03/bundesprasident-christian-wulff-dilma-rousseff-und-der-zugige-bau-des-neuen-atomkraftwerks-angra-3-bei-rio-de-janeiro-mit-deutscher-bundesburgschaft/</strong></a></p>
<p><strong>In den Archiven des Weltkirchenrates in Genf lagern Dokumente   der brasilianischen Kirche, die laut Brasiliens Medien für das   Diktaturjahr 1970 von “Bürgerkrieg” und etwa 12000 politischen   Gefangenen sprechen. Die Diktatur erlaubte dem Internationalen Roten   Kreuz nicht den Zugang zu den Gefängnissen, Diktator Medici erklärte, es   gebe keine politischen Gefangenen in Brasilien. 1971 wurde ein Appell   an die UNO wegen der gravierenden Menschenrechtsverletzungen gerichtet.   In den Dokumenten des Weltkirchenrates werden die sadistischen   Foltertechniken detailliert beschrieben, Folter werde als politische   Waffe angewendet. Die Zahl der Folterzentren wird mit 242 angegeben,   weibliche Gefangene seien häufig vergewaltigt worden. Zu den Taktiken   gehörte, Oppositionelle in Gegenwart ihrer Ehepartner, teils sogar ihrer   Kinder zu foltern.  </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/25/brasilien-rund-3500-arbeiter-errichten-das-neue-atomkraftwerk-angra-3-bei-rio-de-janeiro-laut-nationalen-wirtschaftsmedien-nuklearteile-aus-deutschland-doppelseitige-regierungspropaganda-fur-angra/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/25/brasilien-rund-3500-arbeiter-errichten-das-neue-atomkraftwerk-angra-3-bei-rio-de-janeiro-laut-nationalen-wirtschaftsmedien-nuklearteile-aus-deutschland-doppelseitige-regierungspropaganda-fur-angra/</strong></a></p>
<p><strong>Grass-Gedicht:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/13/grass-gedicht-und-kritische-reaktion-in-brasilien-sein-fuhrer-in-der-jugend-adolf-hitler-hatte-es-nicht-besser-gesagt-groste-qualitatszeitung-folha-de-sao-paulo/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/13/grass-gedicht-und-kritische-reaktion-in-brasilien-sein-fuhrer-in-der-jugend-adolf-hitler-hatte-es-nicht-besser-gesagt-groste-qualitatszeitung-folha-de-sao-paulo/</strong></a></p>
<p>Hintergrundtext:</p>
<h1>Brasiliens Massengräber</h1>
<p><em><br />
</em><em> </em></p>
<p><strong>„Wenn die Toten da reingeschmissen werden, sind das Szenen wie in diesen<br />
Holocaustfilmen“, beklagen sich Anwohner von Massengräber-Friedhöfen der     größten lateinamerikanischen Demokratie. In der Tat wird seit der     Diktaturzeit vom Staat die Praxis beibehalten, nicht identifizierte, zu     „Unbekannten“ erklärte Tote in Massengräbern zu verscharren.</strong></p>
<p><strong>Die Kirche protestiert seit Jahrzehnten dagegen und sieht   darin ein   gravierendes ethisch-moralisches Problem, weil es in einem   Land der   Todesschwadronen damit auch sehr leicht sei, unerwünschte   Personen   verschwinden zu lassen. In der Megacity Sao Paulo mit ihren   mehr als 23   Millionen Einwohnern empört sich der weltweit angesehene     Menschenrechtspriester Julio Lancelotti: „In Brasilien wird monatlich     eine erschreckend hohe Zahl von Toten anonym in Massengräbern     verscharrt, verschwinden damit Menschen auf offiziellem Wege, werden als     Existenz für immer ausgelöscht. Wir von der Kirche nehmen das nicht     hin, versuchen möglichst viele Tote zu identifizieren, um sie  dann  auf    würdige Weise christlich zu bestatten. Wir brauchten einen großen     Apparat, ein großes Büro, um alle Fälle aufklären zu können – dabei  ist    dies eigentlich Aufgabe des Staates!“</strong></p>
<p><strong>Padre Lancelotti erinnert daran, daß während der 21-jährigen Diktaturzeit in<br />
Sao Paulo von den Machthabern 1971 eigens der Friedhof Dom Bosco     geschaffen wurde, um dort zahlreiche ermordete Regimegegner heimlich     gemeinsam mit jenen unbekannten Toten, den sogenannten Indigentes, in     Massengräber zu werfen. Wie die Menschenrechtskommission des     Stadtparlaments jetzt erfuhr, wurden seit damals allen Ernstes 231.000     Tote als Namenlose verscharrt – allein auf <em>diesem </em>Friedhof. Heute kommen Monat für Monat dort zwischen 130 und 140 weitere Indigentes hinzu.</strong></p>
<p><strong>Nach einem Massaker an Obdachlosen Sao Paulos kann Priester     Lancelotti zufällig auf dem  Friedhof Dom Bosco beobachten, wie sich   der   Staat der Namenlosen entledigt: “Als der Lastwagen kommt und   geöffnet   wird, sehe ich mit Erschrecken, daß er bis obenhin voller   Leichen ist.   Alle sind nackt und werden direkt ins Massengrab   geworfen. Das wird   zugeschüttet – und fertig. Sollten wir später noch   Angehörige ermitteln,   wäre es unmöglich, die Verstorbenen in der  Masse  der Leichen   wiederzufinden. Was sage ich als Geistlicher dann  einer  Mutter?“   Lancelotti hält einen Moment inne, reflektiert: „Heute  hat  das   Konzentrationslager keinen Zaun mehr, das KZ ist sozusagen  weit  verteilt   – die Menschen sind nach wie vor klar markiert,  allerdings  nicht auf   der Kleidung, sondern auf dem Gesicht, dem  Körper. Und sie  werden   verbrannt, verscharrt, wie die Gefangenen  damals, und es gibt  weiter   Massengräber.“</strong></p>
<p><strong>Was in Sao Paulo geschieht, ist keineswegs ein Einzelfall. In   der   nordostbrasilianischen Millionenstadt Fortaleza leiden die   Anwohner des   Friedhofs „Bom Jardim“ seit Jahren bei den hohen   Tropentemperaturen   unter grauenhaftem Leichengeruch. „Die Toten werden   oft schon verwest   hergebracht, wie Tiere verscharrt, wir müssen   zwangsläufig zusehen, es   ist grauenhaft“, klagt eine Frau. „Fast jeden   Tag kommt der Leichen-LKW –   doch bei den heftigen Gewitterregen wird   die dünne Erdschicht über den   Toten weggeschwemmt, sehen wir die   Massengräber offen, wird der Geruch   im Stadtviertel so unerträglich,   daß viele Kopfschmerzen kriegen,   niemand hier eine Mahlzeit zu sich   nimmt.“ Der Nachbar schildert, wie   das vergiftete Regenwasser vom   Friedhof durch die Straßen und Gassen des   Viertels läuft: „Das Wasser   ist grünlich und stinkt, manchmal werden   sogar Leichenteile   mitgeschwemmt – und weggeworfene Schutzhandschuhe der     Leichenverscharrer. Die Kinder spielen damit – haben sich an die     schrecklichen Vorgänge des Friedhofs gewöhnt. Wir alle haben Angst, daß     hier Krankheiten, Seuchen ausbrechen.“</strong></p>
<p><strong>Selbst in Rio de Janeiro sind die Zustände ähnlich, werden   zahllose   Menschen von Banditenkommandos der über 1.000 Slums   liquidiert und   gewöhnlich bei Hitze um die 35 bis 40 Grad erst nach   Tagen in   fortgeschrittenem Verwesungszustand zum gerichtsmedizinischen   Institut   abtransportiert. Wie aus den Statistiken hervorgeht, werden   in den   Großstädten monatlich stets ähnlich viele Tote als  „Namenlose“  in   Massengräber geworfen wie in Sao Paulo, der reichsten  Stadt ganz    Lateinamerikas.</strong></p>
<p><strong>Priester Julio Lancelotti und seine Mitarbeiter stellen immer   wieder   Merkwürdigkeiten und verdächtige Tatbestände fest. „Werden   Obdachlose   krank und gehen in bestimmte öffentliche Hospitäler, bringt   man an ihrem   Körper eine Markierung an, die bedeutet, daß der Person   nach dem Tode   zu Studienzwecken Organe entnommen werden. Die Männer   registriert man   durchweg auf den Namen Joao, alle Frauen als Maria.   Wir streiten heftig   mit diesen Hospitälern und wollen, daß die   Obdachlosen auch nach dem   Tode mit den echten Namen geführt werden.   Schließlich kennen wir diese   Menschen, haben über sie Dokumente. Man   meint eben, solche Leute sind   von der Straße, besitzen also weder eine   Würde noch Bürgerrechte. Wir   haben in der Kirche eine Gruppe, die  den  illegalen, kriminellen   Organhandel aufklären will, aber rundum  nur  auf Hindernisse stößt. Denn   wir fragen uns natürlich auch, ob  jenen  namenlos Verscharrten vorher   illegal Organe entnommen werden.“</strong></p>
<p><strong>Fast in ganz Brasilien  und auch in Sao Paulo sind   Todesschwadronen   aktiv, zu denen Polizeibeamte gehören, wie sogar das     Menschenrechtsministerium in Brasilia einräumt. Tagtäglich würden     mißliebige Personen außergerichtlich exekutiert, heißt es. Darunter sind     auch Obdachlose, von denen allein in Sao Paulos Zentrum weit über     zehntausend auf der Straße hausen. Wie Priester Julio Lancelotti  betont,    ist zudem die Zahl der Verschwundenen auffällig hoch. „Auf  den  Straßen   Sao Paulos werden viele Leichen gefunden. Denn es ist  sehr  einfach, so   einen Namenlosen zu fabrizieren. Man nimmt ihm die   Personaldokumente   weg, tötet ihn und wirft ihn irgendwo hin. Wir gehen   deshalb jeden Monat   ins gerichtsmedizinische Institut, um möglichst   viele Opfer zu   identifizieren. Die Polizei ist immer überrascht und   fragt, warum uns   das interessiert. Das Identifizieren ist für uns eine   furchtbare,   psychisch sehr belastende Sache, denn wir müssen   monatlich stets   Hunderte von Getöteten anschauen, die in großen   Leichenkühlschränken   liegen – alle schon obduziert und wieder   zugenäht. Und man weiß eben   nicht, ob da Organe<br />
entnommen wurden.“</strong></p>
<p><strong>Solchen Verdacht hegen nicht wenige Angehörige von Toten, die     seltsamerweise als „Namenlose“ im Massengrab endeten. In der     nordostbrasilianischen Küstenstadt Maceio ging letztes Jahr der     69-jährige Sebastiao Pereira sogar mit einem Protestplakat voller Fotos     seines ermordeten Sohnes auf die Straße. Dem Vater hatte man im     gerichtsmedizinischen Institut die Identifizierung der Leiche verweigert     – diese dann mysteriöserweise auf einen Indigentes-Friedhof  gebracht.    Kaum zu fassen – ein Friedhofsverwalter bringt es fertig,  Sebastiao    Ferreira später  mehrere Leichenteile zu zeigen, darunter  einen Kopf.    „Mein Sohn wurde allein am Kopf von vier MG-Schüssen  getroffen – und    dieser Kopf war doch intakt! Ich setzte eine  DNA-Analyse durch – der    Kopf war von einem Mann, das Bein von einem  anderen, der Arm wiederum    von einem anderen – doch nichts stammte von  meinem Sohn“, sagt er der    Presse.</strong></p>
<p><strong>In Sao Paulo hat Priester Lancelotti durchgesetzt, daß ein   Mahnmal   auf dem Friedhof Dom Bosco an die ermordeten Regimegegner,   aber auch an   die mehr als 200.000 „Namenlosen“ erinnern wird.</strong></p>
<p><strong>Neuerdings macht der Friedhof in Brasilien immer wieder   Schlagzeilen,   allerdings nicht wegen der Massengräber von heute.   Progressive   Staatsanwälte versuchen das Oberste Gericht in Brasilia zu   überzeugen,   den zur Diktaturzeit für den Friedhof verantwortlichen   Bürgermeister   Paulo Maluf und den damaligen Chef der Politischen   Polizei, Romeu Tuma,   wegen des Verschwindenlassens von Oppositionellen   vor Gericht zu   stellen. Erschwert wird dies jedoch durch den   Politikerstatus der   Beschuldigten: Paulo Maluf ist Kongreßabgeordneter   und Romeu Tuma sogar   Kongreßsenator – beide gehören zum   Regierungsbündnis von  Staatspräsident  Lula.</strong></p>
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