Klaus Hart Brasilientexte

Aktuelle Berichte aus Brasilien – Politik, Kultur und Naturschutz

Ehrenmord-Kultur nun auch zügig in Deutschland eingepflanzt, sogar in der Hauptstadt Berlin. Ehrenmorde in Brasilien – fast täglich in den Medien registriert. Neuester Fall: Lokalpolitikerin wird bei Rio de Janeiro von Ehemann geköpft.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/tatverdaechtiger-festgenommen-schiesserei-in-flughafenstrasse-auch-die-schwester-ist-gestorben/7639066.html

 “Der Doppelmord in einer Neuköllner Bäckerei schockiert die Berliner.” Lokalzeitung

 http://www.ehrenmord.de/faq/wieviele.php

“Köln-Kalk-Ehrenmord:  http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/23/koln-kalk-ehrenmord-ehrenmorde-gewalt-haufig-in-kolns-neuer-partnerstadt-rio-de-janeiro/

Das Einpflanzen der Ehrenmord-Kultur wird von den politisch Verantwortlichen im Zuge des neoliberalen Wertewandels offensichtlich als Fortschritt empfunden.

Ehrenmord bei Rio:  http://odia.ig.com.br/portal/rio/vereadora-suplente-%C3%A9-degolada-pelo-marido-em-nova-igua%C3%A7u-1.536481

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/brasilien-gewalttaten-in-den-schulen-haeufen-sich/4037582.html

GeköpfteNE15

Kein IS-Terror – Medienfoto von Geköpften aus Brasilien – strategischer Partner der Merkel-Gabriel-Regierung. Ausriß.

Brasiliens Gewaltkultur – Fotoserie: http://www.hart-brasilientexte.de/2010/09/05/brasiliens-zeitungen-eine-fundgrube-fur-medieninteressierte-kommunikations-und-kulturenforscher/

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/01/18/brasilien-taglich-mehr-gewalttoteweit-uber-100-als-in-aktuellen-kriegen-zeitgeist-karikaturen-von-angeli-2013/

Infolge der von den Autoritäten praktizierten Sicherheitspolitik ist 2012 in Städten wie Sao Paulo und Rio de Janeiro die Kriminalität spürbar gestiegen. In Umfragen wird dies u.a. von der Bevölkerung Sao Paulos bekräftigt. In den Inforadios erläutern Polizeioffiziere der Megacity, daß Motorradfahrer vor allem abends und nachts als potentielle Straßenräuber zu betrachten und entsprechend zu berücksichtigen sind. Peripheriezonen der Slums sollten vor allem nach Einbruch der Dunkelheit unbedingt gemieden werden. In der ganzen Stadt, so die Polizeioffiziere, seien ständig zahlreiche bewaffnete Straßenräuber unterwegs, die ihre Chance zum Überfall suchten. Ab 22 Uhr beginne in Sao Paulo die gefährlichste Zeit. 2012 wurden in Sao Paulo vom organisierten Verbrechen über 100 Polizeibeamte bei gezielten Anschlägen ermordet. Polizisten sind daher auch in der Freizeit entsprechend achtsam. Alltagsgespräche haben zunehmend selbst miterlebte Straftaten, vor allem Überfälle, zum Inhalt. Selbst bei der Zahnbehandlung kann man vom Arzt hören: “Mein Bruder ist Polizist – heute morgen hat ihn ein bewaffneter Straßenräuber überfallen. Doch mein Bruder konnte ihn erschießen – wir sind alle sehr erleichtert.”  

Auch in Rio de Janeiro gehört zum “Ehrenkodex” der Banditen, Überfallene zu erschießen, wenn bei der Tat festgestellt wird, daß es sich bei dem Opfer um einen Polizisten handelt.

 http://g1.globo.com/sao-paulo/noticia/2013/01/sensacao-de-inseguranca-e-mais-alta-em-sp-desde-2008-diz-estudo.html

Brasiliens Bürgerfreiheiten brasilianischer Lebensstil:  http://www.hart-brasilientexte.de/2011/10/20/brasiliens-burgerfreiheiten-uber-8o-prozent-veranderten-wegen-zunehmender-gewalt-und-kriminalitat-die-lebensgewohnheiten-54-prozent-verlassen-nachts-nicht-mehr-das-haus-laut-neuer-studie/

Hintergrund:

Brasiliens Ehrenmorde(2005)
Strafrechtsänderungen sollen Machismus schwächen.

Im Macholand Brasilien werden jährlich über 45000 Menschen ermordet, sehr viele Opfer sind Frauen. Oseias Brito in der Amazonas-Großstadt Manaus beispielsweise hatte seiner Ehefrau Maria strikt verboten, zu arbeiten und abends einen Berufskurs zu machen. Wenn er zu seiner Geliebten ging und Maria das kritisierte, schlug er sie jedesmal brutal zusammen, daß Blut floß.

Als die 25-jährige sich im März schließlich von ihm trennen wollte, brachte Oseias sie sofort auf sadistische Weise um, hackte ihren Körper in Stücke “ gar kein untypischer Fall. Noch unlängst wäre er vor Gericht mit dem Argument durchgekommen, in „legitimer Verteidigung der Ehre” gehandelt zu haben. Jetzt hat Oseias Brito weit schlechtere Chancen auf Freispruch. Denn anläßlich des Internationalen Frauentags sanktionierte Brasiliens Staatschef Lula mehrere Strafrechtsänderungen,die mit dem absurden Argument der Ehrenrettung Schluß machen sollen.

Dekanin Maria Clara Bingemer von der Katholischen Universität Rio de Janeiros begrüßt, daß das völlig obsolete, patriarchalische Strafrecht von 1940 modernisiert wird –  auf  Druck der Frauenbewegung des Landes. „Endlich etwas mehr Menschenwürde für die Brasilianerinnen – die neuen Gesetze könnten dazu beitragen,die machistische Mentalität in unserem Land zu verändern.” Dann zitiert sie landesübliche Macho-Überzeugungen:”Frauen mögen es, verprügelt zu werden.” Oder:”Wenn du eine Frau schlägst, weißt du vielleicht nicht warum –  aber sie weiß genau, weshalb sie Prügel verdient hat.”

In den Texten des „Rio-Funk”, zur Zeit in Deutschland hoffähig gemacht, taucht immer wieder auf, daß man Frauen ruhig immer mal eine reinhauen sollte, da sie dies ja sogar mögen. Selbst Caetano Veloso sang eine solche Version in Konzerten.

Brasiliens Zeitungen melden täglich zahlreiche Fälle von Macho-Gewalt. So absurd es klingt –  getötet werden keineswegs selten die bereits rechtmäßig von dem Täter geschiedene Ex-Frau,oder die frühere Freundin, die Geliebte oder Ex-Geliebte. „Selbst der Ehebruch war bisher strafbar –  angeklagt und verurteilt wurden jedoch stets nur Frauen”, erläutert der Abgeordnete Antonio Carlos Biscaia aus Staatschef Lulas Arbeiterpartei. „Jetzt fällt dieser Paragraph. Und bei Morden bleibt künftig die These von der legitimen Verteidigung wirkungslos.” Unglücklicherweise geschähen solche Verbrechen eben nicht nur in fundamentalistischen arabischen Ländern, sondern auch in Brasilien. Neu unter Strafe gestellt werde Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution.

Dennoch entspricht das brasilianische Strafrecht damit noch längst nicht der Verfassung von 1988, die erstmals Frauen und Männer völlig gleichstellt. Die nationale Frauenbewegung hatte entsprechende Vorschläge gemacht “ doch wegen des starken konservativen Lagers im Kongreß sind sie noch nicht durchsetzbar. ”Erreicht wurden nur kleine Änderungen – aber sie sind es wert, gefeiert zu werden”, meint die Soziologin Wania Pasinato vom Forschungszentrum über Gewaltfragen, an der Universität von Sao Paulo. „Denn dafür haben viele Frauen Brasiliens die letzten zwanzig Jahre hart gekämpft.” Nur die formale Streichung des Arguments von der „legitimen Verteidigung der Ehre” bedeute indessen zunächst noch wenig, da der Durchschnittsbrasilianer dieses Argument immer akzeptiert habe. Die Justiz dürfte es weiterhin benutzen. „Man muß die Mentalität des Justizapparats, der ganzen Gesellschaft in Bezug auf Gewalt gegen Frauen ändern –  und das ist viel, viel schwieriger.” Auch der Begriff „ehrbare Frau” sei endlich gefallen, aberdie Anwälte dürften andere Argumente konstruieren, die in der Gesellschaft existieren, um Frauen vor Gericht herabzusetzen. In allen Klassen und Schichten Brasiliens, bei den Reichsten, aber auch den Ärmsten, am wenigsten Gebildeten,dominiere weiterhin ein patriarchalisches Beziehungsmodell, wonach die Frau unterwürfig sein müsse und Eigentum des Mannes sei.

Auch Staatschef Lula gab selbstkritisch zu, seine Frau Marisa früher wie eine „Sklavin” behandelt zu haben. Machosprüche gehen ihm jedoch immer wieder bei öffentlichen Reden über die Lippen. „Marisa habe ich gleich am ersten Tag der Ehe geschwängert –  anders kommt es bei einem richtigen Pernambucaner gar nicht in Frage”, rühmte er sich einmal, wie die Landesmedien berichteten. Wie klänge so etwas aus dem Munde eines deutschen Staatschefs? Sprüche gegen Homosexuelle gehören ebenfalls zu Lulas Repertoire. In der südbrasilianischen Stadt Pelotas sagte er einmal abfällig, diese Stadt exportiere doch nur Schwule.

Soziologin Pasinato beobachtet, daß sich Anwälte vor allem in den Großstädten bereits geschickt auf das veränderte Strafrecht einstellen. Das Argument „legitime Verteidigung der Ehre” wird ersetzt durch „plötzliche unkontrollierbare Gefühlsaufwallung” – also Handeln im Affekt, selbst wenn der Mord lange und sorgfältig vorausgeplant worden war. Und das funktioniere vor Gericht ebenfalls bestens. ”Wenn der Mann weiß, daß seine Frau oder Freundin sich trennen will, wenn sie vorhat, arbeiten zu gehen oder zu studieren, wenn sie ihm das Essen nicht machte oder sich gar einen Geliebten anschaffte, dann kann er eben ab jetzt einfach kurzerhand eine solche Gefühlsaufwallung erleiden und die Frau umbringen.” Wahrscheinlich habe maninzwischen noch ganz andere Argumente erfunden, um gewalttätige Männer freizusprechen. „Wir müssen also weiter für Frauenrechte und ein modernes Justizsystem kämpfen.”

Die Uni-Expertin unterstützt jedoch nicht das in Deutschland übliche, „politisch korrekte” Schwarz-Weiß-Bild von Männer-und Frauen-Verhalten. „Machismus unter den Brasilianerinnen ist wohl die größte Herausforderung “ denn Machismus ist nicht nur ein Charakteristikum des brasilianischen Mannes –  der brasilianischen Frau ebenfalls.” Macho-Ideologie werde von ihr sehr stark reproduziert. „All jene Industrie, die den Körper der Frau als Produkt ausbeutet, wird eben auch durch Frauen gefördert, nicht nur durch Männer.” Wania Pasinato steht mit ihrer Position keineswegs allein da. Zahlreiche brasilianische Frauen betonen ganz offen, sehr machistisch zu sein, die bei Machos verurteilten Denk-und Verhaltensmuster selber verinnerlicht zu haben, in Beziehungen die gleichen Machtspiele zu betreiben.

Vergewaltigungskultur:  http://www.hart-brasilientexte.de/2012/12/28/vergewaltigungen-in-bestimmten-brics-staaten-brasiliens-medien-berichten-ausfuhrlich/

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 Ausriß, Rio-Zeitung. In ganz Brasilien werden Fotos dieser Art täglich veröffentlicht. 

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 16. Januar 2013 um 22:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kultur, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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