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Aktuelle Berichte aus Brasilien – Politik, Kultur und Naturschutz

Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brasilien: “Stoppen Sie Agrarsprit aus Brasilien!”

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Gemeinsame Pressemitteilung von
> Rettet den Regenwald / ROBIN WOOD / FDCL / KoBra / BLUE 21


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> Regenwaldrodung per Regierungsabkommen
> Frau Merkel: „Stoppen Sie Agrarsprit aus Brasilien!”
>
> Bundeskanzlerin Angela Merkel will den Import von Agrarsprit aus Übersee
> durch ein Energieabkommen zwischen Deutschland und Brasilien fördern,
> damit Deutschland die hohen Beimischungsziele einhalten kann. Am 12. Mai
> wird Merkel nach Brasilien fliegen, um den Pakt zur Vernichtung des
> Regenwaldes zu unterschreiben. In einem offenen Brief an die Kanzlerin
> protestieren deutsche und brasilianische Organisationen gemeinsam gegen
> das Abkommen und die Zerstörung von Regenwäldern für die
> Rohstoffversorgung Deutschlands und der EU.
>
> Um mehr Agrarsprit nach Deutschland exportieren zu können, sollen in
> Brasilien neue Anbauflächen erschlossen werden. Schon jetzt dringt dort
> die Agrarindustrie in immer neue Gebiete vor, bedroht unmittelbar
> wertvolle Ökosysteme wie Cerrado, den Amazonas-Regenwald und den Pantanal,
> vermindert die regionale Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, unterminiert
> kleinbäuerliche Landwirtschaft und gerät immer stärker in Konflikt mit der
> Agrarreform.
>
> In Brasilien wird derzeit auf sieben Millionen Hektar Zuckerrohr angebaut.
> Etwa die Hälfte des geernteten Zuckerrohrs wandert als Ethanol in den
> Autotank. Nach Einschätzung der brasilianischen Regierung ist das
> Marktpotential für Zuckerrohr so groß, dass sich die Plantagen auf 30
> Millionen Hektar ausweiten ließen. „Die erhöhte Nachfrage nach Rohstoffen
> wegen des Agro-Energiebooms hat fatale Folgen für die lokale Bevölkerung,
> die Artenvielfalt und die Umwelt”, sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Steph
> Grella. „Wir appellieren dringend an Frau Merkel, Verantwortung für Mensch
> und Natur zu übernehmen und das Abkommen nicht zu unterzeichnen.”
>
> „Was hierzulande fälschlicherweise immer noch als „Bio”-Sprit bezeichnet
> wird, bedeutet auf der anderen Seite der Erde Vertreibung von Menschen und
> Vernichtung von Regenwäldern”, erläutert Klaus Schenck von der
> Organisation Rettet den Regenwald. Die brasilianische Umweltministerin
> Marina Silva beteuert zwar, für die Produktion von Ethanol würden keine
> Tropenwaldgebiete in Anspruch genommen, aber die Wahrheit sieht anders
> aus: „Die monokulturelle Plantagenwirtschaft belegt Flächen, die vormals
> als Weideland genutzt wurden, so dass die Viehwirtschaft in die
> Regenwaldgebiete vordringt”, erklärt Guadalupe Rodríguez von Rettet den
> Regenwald.
>
> „Wo es bereits vorher Landrechtskonflikte gab, werden diese durch die
> Ausweitung des Anbaus von Agrokraftstoffen und den daraus folgenden Run
> auf Landflächen massiv verschärft”, erklärt Kirsten Bredenbeck vom
> landesweiten Netzwerk der Brasiliensolidarität Kooperation Brasilien –
> KoBra aus Freiburg. Christian Russau vom Forschungs- und
> Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika – FDCL ergänzt, dass
> Zuckerfabriken gezielt Land pachten, um es der Umverteilung im Rahmen der
> Agrarreform zu entziehen. Aufgrund des Anstiegs der Bodenpreise kann der
> Staat kaum noch den Landankauf für Kleinbauern im Rahmen der Agrarreform
> finanzieren. „Es darf nicht sein, dass das geplante deutsch-brasilianische
> Energieabkommen für die Füllung deutscher Autotanks dazu beiträgt, die
> Agrarreform in Brasilien zu verhindern!”, appelliert Russau.
>
> Die Klimabilanz des vermeintlichen „Bio”-Kraftstoffs ist negativ. Durch
> Landnutzungsänderungen und Brandrodungen werden bei der Herstellung von
> Ethanol mehr Treibhausgase freigesetzt, als sie durch Ersatz von
> Kraftstoffen auf Erdölbasis durch Agrarsprit eingespart werden können. Die
> ökologischen Folgen der Zuckerrohrplantagen sowie anderer Monokulturen für
> den Anbau von Biomasse sind verheerend. “Von «CO2-Neutralität» zur
> Verbesserung der Klimabilanz zu reden, ist im Fall großflächiger
> Monokulturen für den Agrokraftstoffanbau ein Hohn”, urteilt Sandra
> Schuster von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und
> Entwicklung – BLUE 21.
>
> Zudem werden durch den intensiven Einsatz von Pestiziden und Dünger Boden
> und Wasser vergiftet. Besonders davon betroffen sind die lokale
> Bevölkerung und die Plantagenarbeiter. Vor allem in trockeneren Gebieten
> wird der Wasserhaushalt gestört. Je nach Region werden für die Herstellung
> eines einzigen Liters Ethanol aus Zuckerrohr bis zu 3.500 Liter Wasser
> benötigt.
>
> „Wir wollen diese fatale Entwicklung aufhalten.” heißt es in dem offenen
> Brief der NGOs an die Kanzlerin. „Deshalb fordern wir von Bundeskanzlerin
> Merkel: Nehmen Sie die obligatorischen Beimischungsziele auf
> bundesdeutscher und europäischer Ebene zurück! Stoppen Sie alle Importe
> von Agrarkraftstoffen und von Rohstoffen aus Energiepflanzen aus Übersee
> einschließlich Brasilien! Stoppen Sie das deutsch-brasilianische
> Energieabkommen! Ethanol aus Brasilien ist umwelt- und sozialschädlich!
> Wer die Menschenrechte und den Vorsitz der UN-Biodiversitätskonferenz
> ernst nimmt, muss Ethanol und andere Agrarenergien aus Brasilien und
> anderen tropischen Staaten STRIKT ablehnen! Setzen Sie sich endlich für
> eine grundlegende ökologische Energiewende hierzulande ein!”

Umweltjournalist Norbert Suchanek aus Rio de Janeiro:

Genfutter fuer Brasiliens Masthuehner

Parallel zur Ausweitung der Soja-Monokulturen stieg in den vergangenen 20 Jahren die tierquaelerische Massenproduktion von Masthaehnchen in Brasilien steil an. Heute ist das Land einer der weltweit groessten Exporteure fuer Huehnerfleisch, das vor allem auch in die EU gelangt. Weil den Huehnermaestern Nordostbrasiliens nun aber offensichtlich das nationale Futter zu teuer wird, will Brasiliens Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes den Import von Gen-Mais erlauben. Dies werde noch in diesem Monat in der nationalen Biosicherheitskommission CTNBio (Comissáo Técnica Nacional de Biossegurança) beraten, so Stephanes. “Und es gibt keinen Grund den Import nicht zu erlauben, weil die Kommission ja bereits das Anbauen von zwei transgenen Maissorten erlaubt hat.”

Fast tagtaeglich werden wir von Umweltministern und Regierungen aus Brasilien und Deutschland informiert, dass Brasiliens Agrarenergieboom die Nahrungsmittelproduktion nicht beeintraechtige. Aber warum will dann der Landwirtschaftsminister der Regierung Lula da Silva Gen-Mais fuer Tierfutter importieren?

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 09. Mai 2008 um 15:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Naturschutz, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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