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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; Konsum und Kaufkraft in Brasilien</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Wie Brasilianer &#8222;konsumieren&#8220; &#8211; die &#8222;Kaufkraft&#8220; im Tropenland unter Lula-Rousseff. Hälfte der Einkommensbezieher hat pro Tag nur zwischen 2,6 und 5 Euro umgerechnet zur Verfügung, Fixkosten inclusive, laut Landesmedien. Über 30 Millionen Brasilianer in extremer Armut &#8211; und die Milliardäre.</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/07/wie-brasilianer-konsumieren-die-kaufkraft-im-tropenland-unter-lula-rousseff/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 18:56:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum und Kaufkraft in Brasilien]]></category>

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		<description><![CDATA[ http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/25/nine-most-horrible-places-in-the-world-favela-slums-von-rio-de-janeiro-aus-sicht-des-bric-staats-china-subkultur-von-umweltzerstorung-armut-und-gangstern-cubatao-bei-sao-paulo-an-sieb/ Wer die Bevölkerungsmehrheit Brasiliens beim &#8222;Konsumieren&#8220; beobachtet, beispielsweise im Supermarkt in deren Einkaufskörbe schaut, sieht die neuesten statistischen Angaben über Realeinkommen bestätigt. Denn mit diesen lassen sich angesichts des keineswegs niedrigen Preisniveaus schwerlich größere Sprünge machen. Mit einem Haushaltseinkommen von umgerechnet 500 Euro zählt man gemäß den allseits belachten Statistiktricks bereits zur Mittelschicht. Einfach [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/25/nine-most-horrible-places-in-the-world-favela-slums-von-rio-de-janeiro-aus-sicht-des-bric-staats-china-subkultur-von-umweltzerstorung-armut-und-gangstern-cubatao-bei-sao-paulo-an-sieb/"><strong> http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/25/nine-most-horrible-places-in-the-world-favela-slums-von-rio-de-janeiro-aus-sicht-des-bric-staats-china-subkultur-von-umweltzerstorung-armut-und-gangstern-cubatao-bei-sao-paulo-an-sieb/</strong></a></p>
<p><strong>Wer die Bevölkerungsmehrheit Brasiliens beim &#8222;Konsumieren&#8220; beobachtet, beispielsweise im Supermarkt in deren Einkaufskörbe schaut, sieht die neuesten statistischen Angaben über Realeinkommen bestätigt. Denn mit diesen lassen sich angesichts des keineswegs niedrigen Preisniveaus schwerlich größere Sprünge machen. Mit einem Haushaltseinkommen von umgerechnet 500 Euro zählt man gemäß den allseits belachten Statistiktricks bereits zur Mittelschicht. Einfach mal im Selbstversuch testen, ob das geht&#8230;<br />
</strong></p>
<p><strong>Die Einkommenslage in Brasilien:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/04/leben-wie-die-halfte-der-einkommensbezieher-brasiliensamtliche-angaben-fur-samtliche-ausgaben-pro-tag-umgerechnet-zwischen-26-und-5-euro-zur-verfugung/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/04/leben-wie-die-halfte-der-einkommensbezieher-brasiliensamtliche-angaben-fur-samtliche-ausgaben-pro-tag-umgerechnet-zwischen-26-und-5-euro-zur-verfugung/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/02/boomland-brasilien-was-verdient-man-in-industrie-dienstleistungssektor-handel/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/02/boomland-brasilien-was-verdient-man-in-industrie-dienstleistungssektor-handel/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/11/brasiliens-armutsgrenze-staatliche-hilfen-aktuelle-zahlen-2011/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/12/11/brasiliens-armutsgrenze-staatliche-hilfen-aktuelle-zahlen-2011/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/12/c5.JPG" alt="c5.JPG" /></p>
<p><strong>Wo bitte gehts hier zum Konsum, in die &#8222;Ära der Prosperität&#8220;?</strong></p>
<p><strong>Ab 65 Euro Monatsverdienst offiziell nicht mehr arm in Brasilien &#8211; testen Sies mal im Selbstversuch! <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/28/brasiliens-kuriose-armutsgrenze-wer-umgerechnet-etwa-65-euro-verdient-gilt-nicht-mehr-als-arm/">http://www.hart-brasilientexte.de/2010/06/28/brasiliens-kuriose-armutsgrenze-wer-umgerechnet-etwa-65-euro-verdient-gilt-nicht-mehr-als-arm/</a></strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/11/cach36.JPG" alt="cach36.JPG" /></p>
<p><strong>Aktivisten der katholischen Basisgemeinde von Cachoeirinha.   “Das ist gegen die Menschenwürde, so viele Leute in diesem Schlamm,   diesem Moder hausen zu lassen. So viele Familien, mit vielen Kindern,   leben hier nur in einem einzigen Hüttenraum, vor der Türöffnung hängt   ein Lappen &#8211; so ist das. Die Mafia der Drogengangster ist hier sehr   stark, die beobachten alles und jeden hier, das ist furchtbar. Wer   jemanden aus dem Drogenmilieu, aus der Sucht rausholen will &#8211; also   jemanden, der für deren Profit sorgt, da werden die böse, da wird man   gnadenlos verfolgt. Die Polizei kommt und geht wieder &#8211; aber die   Banditenkommandos bleiben, terrorisieren, zwingen den Bewohnern das   Gesetz des Schweigens auf. Wer sich nicht unterwirft, weiß, was ihn   erwartet. 2014 ist die Fußball-WM, da will man Brasilien als Land der   Ersten Welt erscheinen lassen &#8211; aber hier an der Peripherie ist es nach   wie vor triste. Die meist kinderreichen Familien haben monatlich nur so   um die 200, 220 Real maximal(200 Real &#8211; umgerechnet etwa 83 Euro). Doch im Ausland wird verbreitet, alles   toll, alles gut in Brasilien. </strong></p>
<p><a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1624771/"><strong>http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1624771/</strong></a></p>
<p><strong>Wir merken, es ist schwierig, Menschen von   außerhalb für diese Situation zu sensibilisieren, die das hier nicht   kennen, es sich nicht vorstellen können. Wir haben unsere christlichen   Kriterien, und wir haben Ausdauer &#8211; das macht den Unterschied. Denn   entweder ist man Christ &#8211; oder ist mans nicht, halbe-halbe geht nicht.” </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/06/wirtschaftliche-falschprognosen-fur-2011-alles-lacht-uber-die-analytiker-und-ihre-hochbezahlten-verstarker-in-den-wirtschaftsmedien/</strong></a></p>
<p><strong>Sklavenarbeit und Teilnahme am &#8222;Konsum&#8220;:</strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/03/sklavenarbeit-in-brasilien-neuer-rekord-bei-zahl-moderner-sklavenhalter-laut-landesmedien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/03/sklavenarbeit-in-brasilien-neuer-rekord-bei-zahl-moderner-sklavenhalter-laut-landesmedien/</strong></a></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/11/cach3.JPG" alt="cach3.JPG" /></p>
<p><strong>Slums und Massenkonsum: “Die Wirtschaftskrise hat Brasilien kaum gespürt”(WAZ)   Kloakegraben &#8211; nur einige Schritte vom Platz des Adveniat-Gottesdienstes   entfernt. </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/10/26/die-fakten-widerlegen-das-wir-eine-reprasentative-demokratie-sind-streng-genommen-sind-wir-nicht-einmal-eine-demokratie-joao-ubaldo-ribeiro-bestsellerautor-in-einer-politischen-analyse-am-ta/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/10/26/die-fakten-widerlegen-das-wir-eine-reprasentative-demokratie-sind-streng-genommen-sind-wir-nicht-einmal-eine-demokratie-joao-ubaldo-ribeiro-bestsellerautor-in-einer-politischen-analyse-am-ta/</strong></a></p>
<p><strong>Lateinamerikas teure Lebensmittel &#8211; Preissteigerungen um 40 Prozent in den letzten vier Jahren &#8211; Gefahr für Hungerbekämpfung:</strong> <a href="http://exame.abril.com.br/economia/mundo/noticias/precos-dos-alimentos-na-america-latina-sobem-40-em-4-anos--2"><strong>http://exame.abril.com.br/economia/mundo/noticias/precos-dos-alimentos-na-america-latina-sobem-40-em-4-anos–2</strong></a></p>
<p><strong>&#8222;Konsum&#8220; und Massenelend:</strong> <strong>Laut Befreiungstheologe Frei Betto, unter Lula ein Jahr lang Präsidentenberater für das des fragwürdige Anti-Hunger-Programm, leben immer noch über 30  Millionen Brasilianer in extremer Armut, betroffen von Hunger und Elend,  obwohl es sich bei Brasilien um die siebtgrößte Wirtschaftsnation  handelt.  In deutschsprachigen Ländern wird indessen der  Lula-Rousseff-Regierung häufig bescheinigt, Hunger und Elend sehr  erfolgreich bekämpft zu haben.</strong></p>
<p><strong>Wie stehts es um die Konsumierfähigkeit in den über 2600 Slums der reichsten lateinamerikanischen Stadt &#8211; Sao Paulo? Vor Ort in Cachoeirinhas:</strong> <strong>Weihnachten im Slum 2011  &#8211; Christus in Brasilien</strong></p>
<p><span id="more-12031"></span></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Kobras, Ratten, Gewalt und viel Überlebensmut</strong></p>
<p><strong>„Bei diesem Leben hier brauchen wir Hoffnung auf Gottes   Beistand“, sagt die tiefreligiöse Cleide de Souza Nascimento in ihrer   Elendskate – und wünscht sich nur eins:“Weihnachten darf es nicht   schütten – sonst sind wir geliefert.“ Direkt vor der Bretterhütte   schwillt bei starken Tropengewittern der barbarisch stinkende Kloakebach   an – ebenso übelriechendes Abwasser dringt dann von hinten in die Kate   herein und fließt wasserfallartig von der Eingangsluke, da, wo die   Dreißigjährige steht, den Grabenhang hinunter, trifft sich mit der   Kloake. „Abwasser läuft sogar aufs Bett – mein kleinster Sohn hat   chronische Asthma, für den ist das hier besonders schlecht.“ </strong><strong>  </strong></p>
<p><strong>Modrig-feucht ist es auch bei Sonne in der fensterlosen Kate –    vier alte, zerschlissene Matratzen für die sechs Bewohner, ein Herd   mit blauem Kochgasbehälter, das bißchen Kleidung baumelt an Wandhaken.   „Weihnachten gibts keine Geschenke, nichts, dafür reicht das Geld nicht,   ein bißchen Weihnachtsschmuck ist auch nicht drin. Heiligabend wärs  für  uns alle zu eng in der Kate – wir machens wie die Nachbarn, treffen  uns  oben auf der Gasse, da ist mehr Platz.“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Als noch unter Staatschef Lula die Regierung 2003 das   Anti-Hunger-Programm startet, kämpft und streitet Cleide solange mit der   Staatsbürokratie, bis sie die sogenannte „Bolsa Familia“ endlich für   ihre vier Kinder kriegt – 198 Real monatlich, macht umgerechnet rund 21   Euro pro Kind. Der Liter pasteurisierte Frischmilch kostet in Sao Paulo   umgerechnet einen Euro dreißig, auch andere Grundnahrungsmittel sind  in  Brasilien, dem Niedrigstlohnland, auffällig teurer als im  Hochlohnland  Deutschland. </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Was geben Sie so vor Weihnachten aus?</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Brasilien zählt längst nicht mehr zu den Billigpreisländern, merken selbst deutsche Touristen verärgert an der Copacabana. </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Cleide macht Gelegenheitsarbeit, Tagelöhnerei, wäscht bei   Mittelschichtsfamilien, putzt denen die Wohnung:“Mein Mann ist   behindert, taub – der macht manchmal den Einweiser auf Parkplätzen.“ So   werden es dann wenigstens 31 Euro pro Kopf, für  jeden der sechs   monatlich – der Fahrschein für den Bus raus aus der Favela kostet über   einen Euro.  42 Prozent aller Empfänger von Bolsa Familia seien nach wie   vor verelendet, melden die Landesmedien. Der Slum von Cleide zeigt es   anschaulich.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Wird es in der Weihnachtszeit ein bißchen besser, gibts da   spendenfreudige Leute? „Gottseidank kriegen wir von der  Kirche stets   Pakete mit Grundnahrungsmitteln – da sind Reis, Bohnen, Zucker, Speiseöl   dabei – Kleidung wird auch verteilt!“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Brasilien ist die siebtgrößte Wirtschaftsnation, Sao Paulo   die reichste Stadt ganz Lateinamerikas – läßt sich wenigstens mal ein   Sozialarbeiter in dieser Favela Cachoeirinha blicken, aus der am ersten   Advent vom ZDF der Adveniat-Gottesdienst übertragen wurde? Cleide   verneint:“Hier kommt nie mal einer von der Präfektur, vom Staat vorbei –   man muß unheimlich bei den Behörden hinterher sein, um Bolsa Familia  zu  kriegen. Wer von den vielen Halb-und Voll-Analphabeten hier das  nicht  weiß, geht leer aus. Sechs Monate haben sie mir die Bolsa Familia  unter  einem Vorwand gesperrt – das war für uns grauenhaft. So viele  haben  eigentlich ein Anrecht, kriegen aber keinen Centavo.“ Übertreibt  sie da  nicht ein bißchen?    </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong> Zahlreiche Katen kleben wie die von Cleide in dem   Kloakegraben, die Eingänge wirken wie dunkle Löcher – auch wegen der   Sicherheit, um nicht beklaut zu werden, gibts keine anderen Öffnungen,   in die Tageslicht fallen könnte. Starken Hautausschlag, viel Grind und   Bläschen am Mund bemerkt man bei vielen Slumbewohnern – Tuberkulose und   sogar Lepra finden beste Ausbreitungsbedingungen. Hier holt man sich   rasch Elendskrankheiten, sagen Slumpriester, weil das Immunsystem der   Bewohner  stark geschwächt ist.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Cleide haust seit 14 Jahren in dieser Hütte – nur einen   Steinwurf entfernt hat Cleyton dos Santos, 22,  für seine Frau Erica und   die zwei kleinen Kinder eine Holzkate direkt an einen breiten   Abwasserbach gebaut. „Die Kinder bitten uns, Lichter, ein bißchen   Weihnachtsschmuck an die Wand zu hängen – aber das ist unmöglich, wir   haben tagtäglich so viel Dringenderes im Kopf! Jetzt, im Hochsommer,   regnets alle paar Tage heftig, tritt der Bach über die Ufer, trägt   stinkenden Schlamm in die Gasse, waten wir notgedrungen drin herum. Hier   gibt es massenweise Ratten, die Krankheiten übertragen, müssen wir   besonders wegen der Kinder aufpassen.“ Cleyton, entsetzlich mager, ist   arbeitslos – Erica kriegt als Reinemachfrau  maximal 550 Real im Monat –   das macht für alle vier umgerechnet höchstens 57 Euro pro Kopf –   Weihnachtsgeschenke, Weihnachtsschmaus am Heiligabend? Fehlanzeige. „Wir   setzen uns zu den Hüttennachbarn auf die Gasse – jeder gibt was für   einen Teller mit Essen. Ich habe gehört, die Regierung erzählt draußen   in der Welt, daß es den Brasilianern jetzt viel besser geht und allen   geholfen wird. Das ist gelogen – man läßt uns hier im Slum total im   Stich!“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Rosilene, 33, Cleytons Nachbarin, wird just um Weihnachten   herum niederkommen – es ist das siebte Kind. „Weihnachten“, lacht sie   bitter-ironisch, „Gott im Himmel, was soll ich da schon machen? Ich   hocke in der Kate wie immer, hoffe auf die Hilfe der Nachbarn. Ich   kriege ja vom Staat garnichts, nur ein bißchen Geld von den Vätern   meiner Kinder. Wenns mal 200 Real im Monat werden, bin ich direkt   zufrieden…“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>200 Real – umgerechnet  rund 12 Euro monatlich für jedes der   sechs Kinder, für Rosilene – wie soll das gehen, bei den Preisen? „Mein   ältester Sohn kann schon ein bißchen arbeiten, der organisiert uns  immer  mal was zu essen, sorgt für ein bißchen Reis und Milch, das  Kochgas –  meine Nachbarn sind zwar wunderbar, aber die haben ja selber  nichts. Ich  schlage mich irgendwie durch – ja – ich lebe noch!“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Pedro, der Gelegenheitsarbeiter, kam mit seiner Frau, den   fünf Kindern zu spät – weil nirgendwo noch eine Hütte hingepaßt hätte,   baut er sie mitten in den Abwässerbach – ausgerechnet am Eingang mündet   ein Kloakegraben hinein, vergrößert den Gestank noch mehr. „Letzte   Weihnachten haben wir die Kate eingeweiht – feiern jetzt einjähriges   Überleben. Das Abwasser steigt bei Gewitterregen nicht zu uns hoch –   aber Ratten, sogar weiße, und Kobras klettern nachts hinein – wir müssen   unheimlich auf der Hut sein. Denn das Dumme ist – Hauskatzen helfen   nicht, die hauen vor den Rattenhorden ab. Egal, wir haben uns dran   gewöhnt. Ich beklage mich nicht – grade vor Weihnachten gibts für mich   mehr Jobs, schaufle ich mal Erde weg, repariere, streiche, schleppe was.   Aber Heiligabend sind wir alle in der Kate, feiern Christi Geburt. Die   Leute im Slum beten sehr viel – bitten Gott um spirituelle Kraft, um   Hilfe in dieser Misere. Der Mann da neben Dir – den kenne ich – das ist   doch der Padre, der jetzt vor Weihnachten die Lebensmittelpakete und  das  Spielzeug verteilt!“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Pedro meint Slumpfarrer Bernardo Daly, einen Iren, der mit   seiner Schar hochengagierter kirchlicher Menschenrechtsaktivisten trotz   bescheidenster Mittel weit schlimmeres Elend und krassesten Hunger   verhindert – und die Räumung des Slums, die Vertreibung der Favelados   durch die Polizei. Todesschwadronen, Drogenbanditen-und Polizeigewalt,   dazu immer wieder Hüttenbrände, bei denen Kleinkinder verkohlen  &#8211; Daly   muß als Seelsorger tagtäglich mit Situationen fertigwerden, Dinge   verkraften, die das Vorstellungsvermögen der meisten Deutschen   übersteigt.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Der Padre wirkt erstaunlich ruhig und besonnen – doch   manchmal macht er seiner Empörung Luft. Wie an der Kate von Elise, die   direkt am Kloakegraben haust. „Ich kriege 134 Real Bolsa Familia, weil   die ältere meiner beiden Töchter geistig behindert ist, ständig meine   Betreuung braucht – mehr Geld haben wir nicht im Monat.“ 134 Real – also   umgerechnet rund 18 Euro für jede der drei. Padre Daly ist   geschockt:“Das ist doch unmöglich. Wer so lebt, muß manchmal das   eigentlich Unmögliche tun, weil es keinen anderen Ausweg gibt…“ Der   Geistliche läßt offen, was er konkret meint – nicht nötig, deutlicher zu werden.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>„Jetzt, vor Weihnachten, kämpfe ich dafür, daß mehr   Nahrungsmittelspenden in den Slum gelangen – auch zu denen, die garnicht   wissen können, wo es Ausgabestellen gibt, also Alte, Behinderte,   Kranke“, sagt  Eliane Takeko, 46, engste Mitstreiterin von Padre Daly,   zudem Präsidentin der Bewohnerassoziation. “Ein bißchen  mehr Spielzeug   für die Kinder – das müßte doch drin sein, auch dafür streite ich mich   mit der Präfektur herum. Die Lage im Slum macht mich traurig und wütend    – Brasilien ist doch soooo reich – die Mittel sind da! Wir von der   katholischen Kirche akzeptieren nicht diese grauenhafte Logik, daß es   Arme, Verelendete nun mal gibt und immer geben wird. In den über 2600   Slums von São Paulo gibts viele sogenannte Kirchen, die nichts fürs   Soziale tun. Wir legen uns mit denen `oben` an.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Dieses Jahr ist der Slum noch voller, noch dichter bewohnt   als letzte Weihnachten, meint Eliane Takeko. „Manche Slums werden  von   der Polizei geräumt und zerstört, vor der Fußball-WM werden Obdachlose   aus der City vertrieben – die kommen notgedrungen zu uns an die   Peripherie. Deswegen wird es immer enger in den Hütten.“ Aber warum gibt   es dann keine Massenproteste der Slumbewohner? „Die Menschen haben   Angst“, sagt Padre Daly. „Nicht wenige hatten sich engagiert, haben   resigniert aufgegeben. Zudem ist das Bildungsniveau in Brasilien   entsetzlich niedrig – Leute ohne Bildung, Analphabeten wissen garnicht,   wie man das macht – sich organisieren, auf die Straße gehen,   Bürgerrechte durchsetzen. Die kennen ihre Rechte já garnicht.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Eliane Takeko stimmt zu: „Es liegt auch am Hunger – wer sich   nur schlecht ernährt, in solchen Katen haust, kann nicht richtig  denken,  ist schnell kaputt, noch dazu bei Tropenhitze. Und wer zu oft  den Mund  aufmacht, fliegt raus, kriegt nicht mal eine Tagelöhnerarbeit.   Auch ich  muß aufpassen.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Selbst in ihrer engen Kate gibts keinen Weihnachtsschmuck –   denn auch sie schlägt sich mit Gelegenheitsarbeit durch, wie die   Tochter. „Wir beide kommen auf höchstens 500 Real im Monat – das muß für   alle sechs in der Kate reichen. Mein Mann ist behindert, hatte einen   Unfall. Da heißt es, irrsinnig sparen.“  Maximal umgerechnet 200 Euro   monatlich, für sechs Leute – wie macht sie das?</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Körperlich und geistig Behinderte – auffällig, wie viele in   den Slums hausen. Laut Studien sind es 23, 91 Prozent der   brasilianischen Bevölkerung, gegenüber rund einem Prozent in   hochentwickelten Staaten wie Deutschland. Immer wieder geschieht, daß   geistig behinderte Mädchen und Frauen der Favelas vergewaltigt werden.</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Über 30 Millionen Brasilianer leben laut Kirchenangaben noch   in extremer Armut. Nimmt man jedoch die offizielle  Regierungseinstufung,  zählen Eliane Takeko und ihre Familie nicht mehr  dazu, liegen oberhalb  der amtlich allen Ernstes auf umgerechnet etwa 29  Euro angesetzten  Pro-Kopf-Grenze, sind nur noch „arm“ &#8211;  Rosilene mit  den sechs Kindern  und Elise aber liegen darunter…</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/04/12/elendsbeseitigung-in-brasilien-karikatur-von-angeli-in-der-grosten-qualitatszeitung-des-landes-folha-de-sao-paulo-von-2011/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/04/12/elendsbeseitigung-in-brasilien-karikatur-von-angeli-in-der-grosten-qualitatszeitung-des-landes-folha-de-sao-paulo-von-2011/</strong></a></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Haben alle in gewisser Weise sogar „Glück“, Weihnachten im   Slum einer reichen Wirtschaftsmetropole wie Sao Paulo zu feiern? Denn   Brasiliens grauenhafteste Elendsviertel liegen nicht hier, sondern in   den kraß unterentwickelten Regionen des Nordens und Nordostens.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/04/brasiliens-kauf-wohnraum-in-grosstadten-wurde-2011-um-durchschnittlich-26-prozent-teurer-eine-schlechte-nachricht-fur-armere-wenigverdienende/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/01/04/brasiliens-kauf-wohnraum-in-grosstadten-wurde-2011-um-durchschnittlich-26-prozent-teurer-eine-schlechte-nachricht-fur-armere-wenigverdienende/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/26/zdf-und-adveniat-in-favela-cachoeirinha-von-sao-paulo-verschiedene-sichtweisen-der-gravierenden-menschenrechtslage-brasiliens-je-nach-wertvorstellungen-und-vorschriftenkatalog/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/11/26/zdf-und-adveniat-in-favela-cachoeirinha-von-sao-paulo-verschiedene-sichtweisen-der-gravierenden-menschenrechtslage-brasiliens-je-nach-wertvorstellungen-und-vorschriftenkatalog/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/03/11/18-brasilianische-milliardare-auf-neuer-forbes-liste-schuler-in-buchkirchenosterreich-spenden-fur-verelendete-kinder-in-der-achtgrosten-wirtschaftsnation-brasilianer-eike-batista-ist-mit-27-milliar/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/03/11/18-brasilianische-milliardare-auf-neuer-forbes-liste-schuler-in-buchkirchenosterreich-spenden-fur-verelendete-kinder-in-der-achtgrosten-wirtschaftsnation-brasilianer-eike-batista-ist-mit-27-milliar/</strong></a></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/12/06/der-alltag-brasilianischer-jugendlicher-unterscheidet-sich-gar-nicht-so-stark-von-dem-der-deutschen-schwabische-post-entspannt-und-fleisig-in-brasilien/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2010/12/06/der-alltag-brasilianischer-jugendlicher-unterscheidet-sich-gar-nicht-so-stark-von-dem-der-deutschen-schwabische-post-entspannt-und-fleisig-in-brasilien/</strong></a></p>
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