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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; Emanoel Araujo</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Brasilien: Emanoel Araujo, Menschenrechtsaktivist, Künstler, &#8222;Filho de Ogum&#8220;, Direktor des &#8222;Museu AfroBrasil&#8220; in Sao Paulo. &#8222;Es gibt sehr gute schwarze Künstler, die in Brasilien nicht bekannt sind, die man aber in Europa kennen sollte.&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 16:40:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[„Noch nehmen sie mich und dieses Museum nicht ernst in der hiesigen Kulturszene und in der Politik &#8211;  aber das wird kommen”, sagt der 68-jährige Schwarze Emanoel Araujo ironisch. „Und zwar über die Sicht von draußen, über die Wahrnehmung durch das Ausland. Denn in Brasilien ist das stets der ausschlaggebende Faktor.” Araujo ist keineswegs enttäuscht [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2008/12/araujo1.JPG" alt="araujo1.JPG" /></p>
<p><strong>„Noch nehmen sie mich und dieses Museum nicht ernst in der hiesigen Kulturszene und in der Politik &#8211;  aber das wird kommen”, sagt der 68-jährige Schwarze Emanoel Araujo ironisch. „Und zwar über die Sicht von draußen, über die Wahrnehmung durch das Ausland. Denn in Brasilien ist das stets der ausschlaggebende Faktor.” Araujo ist keineswegs enttäuscht oder entmutigt, sondern optimistisch, sich seiner Sache sicher. </strong></p>
<p><strong><span id="more-1367"></span>In der bildenden Kunst des Tropenlandes zählt er heute zu den wichtigsten, außergewöhnlichsten Akteuren. 1940 als Sklavennachfahre in Bahia geboren, hat der „Afro-Minimalist” inzwischen weltweit als Bildhauer, Zeichner, Maler und Grafiker, doch auch als Kämpfer gegen Brasiliens Apartheid einen Namen. Das von Oscar Niemeyer für Sao Paulos Ibirapuera-Stadtpark projektierte Museum für afro-brasilianische Kunst bietet seinem Direktor und Kurator elftausend Quadratmeter Experimentierfläche, wie er sie sich immer gewünscht hatte. AraÃºjo blickt von seinem Büro auf tropische Vegetation, auf Bäume hoch wie im Amazonasurwald “ von der geballten Häßlichkeit des Betonmeers der abgasverseuchten kosmopolitischen Megacity, die ja sogar Lateinamerikas Kulturhauptstadt ist, sieht und spürt er hier nichts. „Das Museum gibts erst vier Jahre “ bis es eine Art Bestseller wird, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Zuvor war ich zehn Jahre lang Direktor der städtischen Pinakothek, habe schwer gekämpft, bis sie endlich auch internationalen Ruf erlangte. Danach bin ich dort weg und hierher. Ich war ja der einzige, der ständig auf ein afrobrasilianisches Museum gedrungen hatte, unentwegt dafür stritt. Von meiner Generation der schwarzen bildenden Künstler Brasiliens bin nur ich übrig. Von den anderen beiden in Rio de Janeiro verlor einer den Verstand, der andere verschwand von der Bildfläche. Die Wahrheit ist, daß heute die Bedingungen für schwarze Künstler schlechter sind als Jahrhunderte zuvor. Denn damals waren diese Künstler an eine wenngleich dekadente Struktur angebunden. Heute gibt es indessen keinerlei Struktur mehr, nichts, was einen Künstler unterstützt, sich selbständig zu entwickeln. Es sei denn, er gehört zu einer gesellschaftlichen Elite, die ihm hilft.” AraÃºjo weiß es aus der eigenen Familie. Seine Vorfahren sind zwar schwarze Sklaven Bahias, doch gleichzeitig Angehörige der hochgeachteten, für den Prunk der Kolonialepoche so wichtigen Goldschmiedezunft. Die reichen Portugiesen zogen es damals gewöhnlich vor, statt der eigenen Söhne talentierte Sklaven auf die Schulen, auch die Kunstschulen, zu schicken. „Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde Kunst in Brasilien vornehmlich durch Schwarze geschaffen. Ob Malerei oder Bildhauerei, Verzierungen und Schmuck “ der brasilianische Barock zählte großartige schwarze Künstler. Selbst in der brasilianischen Barockmusik gaben dunkelhäutige Komponisten wie Mauricio Nunes Garcia den Ton an. Und als nach 1808 der Kaiser französische Maler und Bildhauer ins Land holte, die Akademie der schönen Künste gegründet wurde, bildete man dort der Tradition folgend auch talentierte Schwarze aus. Daß all diese Künstler heute in der Kulturgeschichte Brasiliens nicht oder kaum genannt werden, präsent sind, ist ein Reflex des perversen, scheinheiligen Rassismus. Im „Museu AfroBrasil” hat AraÃºjo bereits über 4000 Kunstwerke zusammengetragen “ darunter auch Tonkunst. Hochgeschätzt unter Kunstliebhabern der ganzen Welt ist Â der dunkelhäutige Antonio Francisco Lisboa, genannt Aleijadinho, wichtigster Bildhauer des brasilianischen Barock, dazu Architekt und Maler. Seine Kirchen, die 12 Prophetenstatuen in Congonhas do Campo, seine Skulptur von Jesus, der das Kreuz trägt, zählen zu den außergewöhnlichsten, auch international bekanntesten Werken. Aber wer kennt schon den Schwarzen Estevao Silva, der zu den besten Stilleben-Malern des 19. Jahrhunderts gerechnet wird?  Mehrere seiner Werke, darunter Künstlerporträts und die von der Kunstkritik seinerzeit so überschwenglich gefeierten Stilleben mit tropischen Früchten, wie Mangos und Jaboticabas, hängen heute im Museu AfroBrasil von Sao Paulo. Allem ebenbürtig, was man aus dieser Kunstepoche in europäischen Museen kennt. Zeitgenosse von Estevao Silva war Emmanuel Zamor, sein Meisterstück, die zwei an einer Hauswand lehnenden schwarzen Kinder, ist im Museu AfroBrasil ebenso zu besichtigen wie Firmino Monteiros naturalistische tropische Landschaften am Atlantik. Kunst aus Afrika “ ebenfalls ständig im Museum zu sehen. Derzeit ist Benin Schwerpunktland. Von dort kam ein Großteil der Sklaven, die in Goldminen und Zuckermühlen den immensen Reichtum der portugiesischen Kolonie begründeten. Direktor AraÃºjo legt Wert darauf,Â  auch herausragende dunkelhäutige Persönlichkeiten jenseits der Kunst vorzustellen “ derzeit den Ingenieur Theodoro Sampaio aus Bahia, einziger Parlamentsabgeordneter in der Geschichte Brasiliens, der noch als Sklave geboren worden war, und dem es gelang, die eigene Mutter und die drei Geschwister freizukaufen. Im Museu AfroBrasil begegnet man ferner Schwarzenporträts des Fotografen Walter Firmo, einer Karikaturensammlung “ und nicht zuletzt einem Dutzend Werken von Direktor AraÃºjo selbst. „Weil mein Vater Goldschmied war, zur unteren Mittelschicht gehörte, konnte ich in Salvador da Bahia auf die Kunstakademie gehen, war dort der einzige Schwarze. Mit Ach und Krach hielt ich mich als Künstler, wurde in den siebziger Jahren Aktivist gegen den Rassismus, schrieb das erste Buch über sämtliche wichtigen Schwarzen in der brasilianischen Kunstgeschichte, von Musik bis Literatur, war zwei Jahre Gastprofessor an der Kunstakademie von New York.” Künstlerkollege Mauricio Pestana aus Sao Paulo leitet die einzige nationale Schwarzenzeitschrift: „Brasilien ist das rassistischste Land der Erde “ überall auf der Welt haben die Strategien des Rassismus nicht funktioniert, zum Beispiel in Südafrika, den USA oder Teilen Europas. Doch hier in Brasilien hat es geklappt, wirkt die rassistische Maschinerie seit jeher sehr intelligent. Dunkelhäutige sind die typischen Slumbewohner.” AraÃºjo stimmt Pestana zu, doch Idealisierungen und politische Korrektheit sind ihm fremd. Er erinnert daran, daß Schwarze bedeutende Sklavenhändler waren, damit enorme Reichtümer anhäuften. Und daß schwarze Sklaven, die freikommen konnten, in Brasilien sofort Sklaven kauften, mit ihren eigenen Brüdern handelten. Bei einem großen Sklavenaufstand in Bahia wurden die Revoltierenden durchweg von anderen Sklaven denunziert, die feindlichen Stämmen und Völkern angehörten. Derartiges wirke sich bis heute aus. „Interessant ist, daß sich die Schwarzen hier in den Sambaschulen organisieren oder in Fußball-Fanclubs &#8211;  aber eben nicht in der Kunst. Ich kann nicht sagen, warum. Und die Schwarzen organisieren sich auch nicht effizient, um soziale Forderungen zu stellen. Dabei haben wir in Brasilien immerhin etwa 60 Prozent Dunkelhäutige.” Im museu afrobrasil stellt AraÃºjo derzeit 140 Werke der größten schwarzen Maler aller Kunstepochen aus, die indessen, wie er betont, allesamt tragisch scheiterten, zumal nach dem offiziellen Ende der Sklaverei gegen die rassistischen Widerstände nicht ankamen, Selbstmord begingen, verrückt wurden, in Misere, an Tuberkulose starben. </strong></p>
<p><strong>Längst zählt AraÃºjo zu den wichtigsten Bildhauern Brasiliens, ist zudem Maler, Zeichner, Grafiker &#8211;  die in-und ausländische Kunstkritik stuft ihn als Afro-Minimalisten und Konstruktivisten ein, der sich von afrikanischer Ornamentik, afrikanischen Stammessymbolen inspirieren läßt. Seine teils monumentalen, über drei Meter hohen Skulpturen, bevorzugt in Rot und Schwarz, gehören zum Stadtbild Sao Paulos, seine Reliefs sind Blickfang an modernen Gebäuden. AraujÃ³ nennt sich selbst einen  „Filho de Ogum”, einen Anhänger der afrikanischen Gottheit Ogum &#8211;  und solche Personen gelten als kohärent, couragiert, impulsiv, streitbar, hartnäckig, neugierig und jeder Routine abhold. So einer wie AraÃºjo bringt es daher fertig, als frischgebackener Kulturstaatssekretär Sao Paulos 2005 nach nur zwei Monaten dem Präfekten in einem offenen Brief, unzufrieden mit armseligem Etat und aufoktroyierter Elite-Kultur, seine Entlassung vor die Füße zu knallen. Und mit „Filho de Ogum” zu unterschreiben. So einer stürzt nicht ab, hat noch viel vor. ”Für die Schwarzen muß dieses Museum ein Spiegel werden, in dem sie sich betrachten, sich identifizieren mit schwarzer Kultur und Geschichte, mit allen schwarzen Künstlern, allen schwarzen Persönlichkeiten, die für Brasilien sehr wichtig waren. Dieses Museum will die Suche nach Selbstwertgefühl, nach schwarzem Bewußtsein fördern. Wir sorgen dafür, daß die Schwarzen ein für alle Mal klar definiert zum Begriff von brasilianischer Kunst gehören. Es gibt  sehr gute schwarze Künstler, die in Brasilien nicht bekannt sind &#8211;  die man aber in Europa kennen sollte.”</strong></p>
<p><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/09/26/brasilien-ist-das-rassistischste-land-der-erde-mauricio-pestana-herausgeber-von-raca-brasil-der-einzigen-schwarzen-zeitschrift-des-tropenlandes/</strong></p>
<p><strong><font size="3"> <a href="http://www.museuafrobrasil.com.br/">www.museuafrobrasil.com.br</a></font></p>
<p><strong>Parque do Ibirapuera, Portao 10, Sao Paulo</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2008/12/araujo2.JPG" alt="araujo2.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2008/12/araujo3.JPG" alt="araujo3.JPG" /></p>
<p><strong>Emanoel Araujo, der zehn Jahre lang Sao Paulos Pinakothek leitete und bereits in Frankfurt/Main ausstellte, vor eigenem Werk.</strong></p>
<p></strong><strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/23/libyenkrieg-gaddafi-sohn-saif-al-islam-in-sao-paulo-maler-und-architekt-video-anklicken/">http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/23/libyenkrieg-gaddafi-sohn-saif-al-islam-in-sao-paulo-maler-und-architekt-video-anklicken/</a></strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/08/brasilien-kultur-und-gesellschaft-sammelbandtexte/">http://www.hart-brasilientexte.de/2013/11/08/brasilien-kultur-und-gesellschaft-sammelbandtexte/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Brasiliens Schwarze contra Rassismus. &#8222;Dia da Consciencia Negra&#8220; am 20.November. Deutscher Bundespräsident Walter Scheel, FDP: “Die Toleranz ist das Grundprinzip der brasilianischen Rassendemokratie. Konflikte friedlich zu lösen, ist alte Tradition in ihrem Land.” Scheel zeichnete den Folterdiktator Ernesto Geisel während der Militärdiktatur mit dem Großkreuz zum Bundesverdienstorden der Sonderklasse aus.</title>
		<link>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/11/18/brasiliens-schwarze-contra-rassismus-dia-da-consciencia-negra-am-20november/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 11:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Megacity Sao Paulo ist Brasiliens Stadt mit der größten Schwarzenbevölkerung “ deshalb wird der „Dia da Consciencia Negra”, der nationale Tag des schwarzen Bewußtseins, am 20. November stets besonders intensiv und vielfältig begangen. In der Kathedrale der City die „Missa Afro”,  der „Encontro das Congadas”, danach ein Protestmarsch, den ganzen Tag über in der [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Megacity Sao Paulo ist Brasiliens Stadt mit der größten Schwarzenbevölkerung “ deshalb wird der „Dia da Consciencia Negra”, der nationale Tag des schwarzen Bewußtseins, am 20. November stets besonders intensiv und vielfältig begangen. In der Kathedrale der City die „Missa Afro”,  der „Encontro das Congadas”, danach ein Protestmarsch, den ganzen Tag über in der ganzen Stadt Konzerte von in-und ausländischen Musikern.</strong></p>
<p><span id="more-1254"></span><strong> Indessen:  „Grund zum Feiern haben wir auch diesmal nicht”, sagt der Schwarzen-Aktivist und Künstler Emanoel Araujo, Kurator des „Museu Afro-Brasil” in Sao Paulos Ibirapuera-Park. „Vor 120 Jahren wurde zwar die Sklaverei offiziell abgeschafft, doch immer noch gibt es unzählige Sklavenarbeiter in diesem Riesenland”, prangert Araujo an. Der weiße Chico Whitaker, Träger des Alternativen Nobelpreises, pflichtet ihm bei:”Wir sind ein Land der Apartheid und nur eine Fassaden-Demokratie!” Nach Nigeria hat Brasilien die größte dunkelhäutige Bevölkerung des Erdballs, haben über die Hälfte der Einwohner afrikanische Vorfahren so wie Barack Obama. Dennoch haben es Schwarze noch nie bis in den Präsidentenpalast geschafft, ist die Rassendiskriminierung ungleich schärfer als in den USA. Deshalb kämpft auch  die bischöfliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, in der Chico Whitaker aktiv ist, auf der Seite der dunkelhäutigen Brasilianer, kooperiert mit derÂ  Schwarzen-Seelsorge. Bischof Joao Alves dos Santos, der die „Pastoral Afro-Brasileira” leitet, kommt gerade von der Wallfahrt schwarzer katholischer Gemeinden in Brasiliens wichtigsten Pilgerort Aparecida bei Sao Paulo. Sie findet landesweit alljährlich kurz vor dem 20. November statt und ist zugleich größte nationale Demonstration für Schwarzen-Bürgerrechte. „Wir sind immer noch ein Land der Apartheid”, sagt auch Bischof Santos „nur sehr langsam zeichnen sich Fortschritte ab.” Dunkelhäutige seien die typischen Slumbewohner, hätten die geringsten Bildungschancen “ die Kirche suche daher die Sklavennachfahren auf verschiedenste Weise zu befähigen, wirkungsvoller für ihre Interessen zu kämpfen. Der Pastoralbischof weist auf das sehr erfolgreiche Bildungsprojekt des Franziskanerordens namens EDUCAFRO, das Schwarzen über ein Kurssystem den Zugang zu ihnen gewöhnlich verschlossenen Universitäten sowie zu höher qualifizierten, besser bezahlten Berufen öffnen soll. Der schwarze Franziskaner Frei David dos Santos hatte solche Kurse 1993 erstmals in Elendsvierteln Rio de Janeiros gestartet “ inzwischen funktioniert das EDUCAFRO-Netz landesweit. Santos, heute geradezu eine Symbolfigur der brasilianischen Schwarzenbewegung, ergeht es wie vielen kirchlichen Menschenrechtsaktivisten “ er bekommt Morddrohungen, nicht nur die Kirche bangt um sein Leben.Im Franziskanerkloster Sao Paulos leitet der quirlige, temperamentvolle Ordensbruder Valnei Brunetto alle regionalen EDUCAFRO-Projekte, organisiert kämpferische Schwarzen-Demos, bei denen seine Kurs-Studenten im City-Gewühl unüberhörbar große Â Afro-Trommeln bearbeiten. „Was wir hier machen, ist auch Befreiungstheologie in der Praxis!” Glatt könnte man sagen, Brunetto habe die falsche Hautfarbe “ denn er ist weiß. Natürlich hat sich Brunetto die einzige nationale Schwarzenzeitschrift „Raça Brasil” mit ins Boot geholt “ Herausgeber Mauricio Pestana, ein exzellenter Rhetoriker und Karikaturist, kommt alle paar Tage ins Franziskanerkloster. „Brasilien ist das rassistischste Land der Welt”, sagt er unumwunden. Aus seiner Sicht sind rassistische Strategien überall auf der Welt fehlgeschlagen “ ob in den USA, Südafrika oder Teilen Europas. In Brasilien, so Pestana mit ironischem Unterton, funktioniere der „Racismo” dagegen geradezu perfekt, wirke dessen Maschinerie sehr intelligent. Damit die Vorherrschaft der Weißen nicht in Gefahr gerate, habe man den Dunkelhäutigen nur zu oft die eigene Identität geraubt. Rassismus werde häufig schlichtweg verdrängt, vielen sei die perfide Diskriminierung garnicht bewußt. Dabei brauche man in Sao Paulo, Lateinamerikas reichster Stadt, sich nur die von Misere gezeichneten Schwarzen-Ghettos und die bourgeoisen Weißen-Viertel anzuschauen. „Rassentrennung pur”. Unter Politikern, Führungskräften seien „Negros” die Ausnahme. Â „Gegen all dies kämpfen wir an “ auch mit Hilfe der Kirche.”</strong></p>
<p><strong>Hintergrund:</strong></p>
<h1>Fünf-Sterne-Rassismus</h1>
<h2>Schwarze fahren keine Importautos</h2>
<p><strong>Der Ehemann ist weiß, die Ehefrau ist schwarz. Am Hoteleingang verwehrt ein Wächter der Ehefrau den Zutritt: Prostituierte dür­fen nicht mit aufs Zimmer. Wer glaubt, dieser Vorfall wäre die Ausnahme, irrt. Unter der Oberfläche scheinbarer In­tegration zeigt sich das Bild einer verdeckten Apartheid.</strong></p>
<p><strong>Die Schwarzen müs­sen wis­sen wo ihr Platz ist, lautet eine uralte, immer noch hochaktuelle Redewendung in Bra­silien. Ge­meint ist damit: Sklavennachfah­ren haben nichts in der Mittel- und OberÂschicht, deren Krei­sen und Ambiente zu suchen. Sie werden entsprechend stigmatiÂsiert und behandelt. Wie dies in der Praxis funk­tioniert, bekam jetzt der Züricher Fritz Müller, Fach­direktor der Cre­dite-Suisse-Bank, in Rio de Janeiro zu spüÂ­ren. Als er mit seiner schwarzen, aus Rio stammenden Ehefrau Adriana nach einem RestaurantÂbeÂ­such ins First-Class-Hotel In­tercontinental zu­rückkehrte, wurÂde Adriana von einem mus­ku­löÂsen Wachmann grob geÂ­stoppt: Eine Garota de Programa, so hei­ßen Prostitu­ierte im Rio-Slang, dür­fe nicht mit aufs Zim­mer. Direktor Müller ließ sich von seiner Frau über­setzen worum es ging und schlug gehö­rigen Krach, stellte den WachÂmann zur ReÂ­de, verlangte von der Ho­tel­leiÂtung eine formelle Entschul­diÂ­gung. Denn ohne ent­sprechende Vor­schrift hätte der Wächter kaum so gehandelt.</strong></p>
<p><strong>Rassismus &#8211; Machismus</strong></p>
<p><strong>Die Zeitung O Globo beÂschrieb den Fall unter der tref­fenden Überschrift &#8222;Fünf-Sterne-Ras­sismus&#8220;. Kaum ein mit einer dunkel­häutigen BrasiliaÂnerin beÂfreundeter oder verheirateter EuÂropäer, der in Rio, Sao Paulo, Sal­vador de Bahia oder Fortaleza nicht ähnliche Erfahrungen geÂ­macht hat. Wer brasilianisches Portugiesisch nicht versteht, be­kommt kaum mit, daß der Gang über die Strandpromenade für sei­ne Partnerin ge­legentlich eiÂnem Spießrutenlauf gleicht. Wei­ße Mit­telschichtsmachos der übel­sten Sorte, in Brasilien alles andere als dünn ge­sät, lassen eine Bösartigkeit oder Obszöni­tät nach der anderen fallen, ge­hen davon aus, daß der tumbe Gringo sicher nichts ver­steht und wohl im­mer noch glaubt, was die mei­sten Reiseführer kolportieÂren: Brasilien, ein wunÂdervoller SchmelzÂtiegel der Rassen, ein Beispiel gelun­gener Integration verÂschiedener Hautfarben, von DisÂkriminierung keine Spur.<br />
Wer aber die Oberfläche, die schil­lernde Er­scheinungsebene ver­läßt, stößt auf Brasiliens hocheffi­ziente verdeckte Apart­heid. Die ist von den schwachen, wenig respektierten SchwarzenÂorÂ­ganisationen weit schwerer zu packen und zu attackieren als die aus SüdÂ­afrika bekannte ofÂ­fene RasÂ­sentrenÂ­nung. Schwarze, MuÂ­lattÂ­Innen gehören in die Slums, in die Unterschicht, in die drekÂkig­sten, schlechtbezahltesten Be­ruÂfe. Schwarze Frauen sind gemäß diesem Denk- und Verhal­tensmuster Hausdienerinnen, Reine­machefrauen, bestenfalls SuperÂmarktkassiererinnen. Oder aber: Schwarze Frauen sind bis zum Beweis des Gegen­teils Prostituierte, Touristenhuren, die man entsprechend behandeln kann.<br />
Untersuchungen belegen, daß inforÂmelle Mechanismen ge­wöhn­lich den AufÂ­stieg Dunkel­häutiger in gutbezahlte qualifi­zierte Mittel­schichtsberufe verhin­dern. PrivatbanÂken bilden da keine Ausnahme. Bei meh­reren spricht das gängige System der zwei Kundenschlangen Bände. Wer besser verdient und umgeÂ­rechÂ­net mindestens einige tauÂ­send Mark auf seinem Konto hat, steht in der kürzeren Fila, wird bevorzugt behandelt und ist geÂwöhnlich weiß. Wer zu den Schlecht­bezahlten gehört, aber glück­lich ist, dennoch ein Konto besitzen zu dürfen, muß in der längeren Schlange gelegentlich Stunden warten, schaut nei­disch, frustriert oder mit Groll auf die Be­vorzugten mit dem dickeren Geld­beutel. Welche Hautfarbe in der langen Fila domi­niert, läßt sich in Rio gut beobachten.<br />
Wer mit dunkler Haut denÂnoch den sozialen Aufstieg schafft, hat im Alltag fast pau­senÂlos Ã„rger. In Sao Paulo wird eine e­folgreiche schwarze Schau­spielerin von weißen Ma­dames im­mer wieder auf der Straße gefragt, ob sie nicht als Haus­dienerin anfangen wolle, sie sehe so gut und gesund aus. Der schwarze Sänger und Komponist DicrÃ³ wird in Rio de Janeiro von Sicherheitsleuten zu seiner eige­nen Show nicht auf die Bühne ge­lassen. Ironisch erklärt er: &#8222;MehrÂmals haben sie mich auch schon ge­schnappt, als ich meinen eigenen Wa­gen klauen wollte.&#8220; Wie überführte Autodiebe wer­den ebenfalls immer wieder gut­ver­dienende schwarze FußballÂ­spieler traktiert, die teure Im­portwagen fahren. Oleude Ri­beiro vom Verein Portuguesa von Sao Paulo wurde mit Blau­licht in seinem Ford-Jeep gestoppt und mit dem Revolver am Kopf gründlich durchsucht: &#8222;Mein tiefentsetzter kleiner Sohn wollÂte danach wissen, ob diese Männer Ban­diten waren. SchwieÂrig, ihm zu erklären, daß alles nur geschah, weil wir Schwarze sind.&#8220;<br />
Der auch in EuÂropa bekannte schwarze brasilianiÂsche Musiker Djavan erläutert: &#8222;Wenn du berühmt wirst, ver­lierst du sozusa­gen deine Hautfarbe. Das heißt nicht, daß dich die Leute auf einmal mögen. Sie beginnen nur, dich zuzulas­sen.&#8220;</strong></p>
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