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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; Ballet Contemporaneo</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Richard Cragun(1944-2012), Tänzer, Ballettdirektor, Rio de Janeiro. &#8222;DeAnima, Ballet Contemporaneo&#8220;. &#8222;Wir sind eigentlich verrückt, sowas hier zu machen.&#8220; Roberto de Oliveira. Brasiliens zerstörte Paartanz-Kultur.</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 23:35:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Cragun beim Website-Interview in seinem Haus in Santa Teresa. http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/06/ballettstar-richard-cragun-in-rio-de-janeiro-mit-68-gestorben/ Nach Angaben seines langjährigen Partners Roberto de Oliveira  verlor Cragun als Folge des Schlaganfalls etwa 14 Prozent des Gehirns. Dies führte u.a. zu Gedächtnisproblemen. http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/07/welt-ballettstar-richard-cragun-gestorben-die-todesursache/ Laut “O Globo” war Cragun zuletzt mit der früheren Ballett-Tänzerin und Tanzlehrerin Rosalia Verlangieri verheiratet, nannte seine finanzielle Situation “fürchterlich” [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/06/cragun2.jpg" alt="cragun2.jpg" /></p>
<p><strong>Cragun beim Website-Interview in seinem Haus in Santa Teresa.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/06/ballettstar-richard-cragun-in-rio-de-janeiro-mit-68-gestorben/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/06/ballettstar-richard-cragun-in-rio-de-janeiro-mit-68-gestorben/</strong></a></p>
<p><strong>Nach Angaben seines langjährigen Partners Roberto de Oliveira   verlor Cragun als Folge des Schlaganfalls etwa 14 Prozent des Gehirns.  Dies führte u.a. zu Gedächtnisproblemen.</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/07/welt-ballettstar-richard-cragun-gestorben-die-todesursache/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/07/welt-ballettstar-richard-cragun-gestorben-die-todesursache/</strong></a></p>
<p><strong>Laut “O Globo” war Cragun zuletzt mit der früheren  Ballett-Tänzerin und Tanzlehrerin Rosalia Verlangieri verheiratet,  nannte seine finanzielle Situation “fürchterlich” und lebte seit 2010 im  Rio-Stadtteil Botafogo in einer Zwei-Zimmer-Mietwohnung. “Ich wohne  mitten in Kisten, es ist alles eingepackt.” Cragun mußte während seiner Zeit in Rio de Janeiro u.a. wegen nicht eingehaltener Finanzierungszusagen immer wieder aus eigener Tasche beitragen.</strong></p>
<p><strong>Da könnte sich die Frage  aufdrängen, warum  Bekannte, Freunde, Ex-Kollegen aus dem Stuttgarter  Umfeld nicht die Initiative ergriffen und den gesundheitlich  angeschlagenen Cragun aus dieser mißlichen Lage befreiten, ihn  beispielsweise nach Deutschland zurückholten.<br />
</strong></p>
<p><strong> “Cragun pensa em incluir a historia de sua bisexualidade numa autobiografia.”</strong><strong><br />
<a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/"></a></strong></p>
<p><a href="http://www.deanima.com.br/">http://www.deanima.com.br/</a></p>
<p><strong>Hintergrund von 2004:</strong><br />
<strong>„Wir beide sind eigentlich verrückt, so etwas hier zu   machen.”</strong></p>
<p><strong>Die Stuttgarter Ballettlegende Richard Cragun  &#8211;  neuer Start am   Zuckerhut mit dem brasilianischen Choreographen Ricardo de Oliveira.</strong></p>
<p><strong>Morgens um zehn in der chaotischen, entsetzlich lauten City   von Rio de Janeiro, das wunderschöne Theatro Municipal, der alten Oper   von Paris nachempfunden, wie ein Fels in der Brandung, verkehrsumtost   &#8211;  überragt von häßlich funktionalen Zweckbauten. Drinnen im Theatro   die andere Welt des Richard Cragun, Idealist, wie er im Buche steht.</strong></p>
<p><strong>Der Korrepetitor greift in die Tasten, vor hohen Spiegeln   proben Tänzerinnen, Tänzer &#8211; ein Augenschmaus &#8211; die Ballettmeister &#8211;   alles Russen, seit Cragun hier das Zepter übernahm. Er hätte in  Europa,  in Deutschland bleiben können &#8211;  warum gerade Brasilien?</strong></p>
<p><strong>”Da ist zuerst die große Beziehung durch Marcia Haydee, die   berühmte brasilianische Ballerina, mit der ich verheiratet war sechzehn   Jahre lang und auch in Stuttgart vierunddreißig Jahre mit ihr zusammen   getanzt habe. Und durch diese Beziehung habe ich Brasilien   kennengelernt. Und eines Tages sage ich mir, wenn ich aufhöre zu   tanzen, möchte ich nach Brasilien ziehen und und hier irgendetwas   anfangen. Ich habe so viele, viele gute Jahre gehabt, durch London,   Stuttgart, ich habe sehr hart gearbeitet, es war eine goldene Zeit.   Diese ganzen Probleme hier &#8211;  das ist wie die andere Seite des Mondes.   Ich muß auch das kennenlernen, um ein lebenserfahrener Mensch zu werden.   Ich muß lernen, nicht nachzulassen, hier kein Selbstmitleid zu haben  &#8211;  nur sagen, vorwärts, Cragun, vorwärts. Die hier wissen nicht, was sie   tun. Man muß einfach sagen, okay, ich bin hier, euch zu helfen!”</strong></p>
<p><strong>Richard Cragun &#8211;  einst  gefeierter Stargast in  Rio de   Janeiro &#8211;  seit zwei Jahren auf einmal Direktor dieses einzigen   klassischen Balletts von Brasilien, des wichtigsten von ganz   Lateinamerika. Ballettdirektor in einem Land der Dritten Welt, mit den   entsetzlichsten Sozialkontrasten &#8211;  Nobelviertel der Weißen neben   Slums, Schwarzenghettos. Dazu der  unerklärte Bürgerkrieg mit rund   55000 Gewaltopfern jährlich, mehr Getöteten pro Jahr als im Irakkrieg.   Der Start in Rio wie böses Erwachen?</strong></p>
<p><strong>”Tolle Überraschung!”</strong></p>
<p><strong>Cragun meint es ernst und ironisch zugleich. ”Das   brasilianische Volk hat ein außerordentliches Gefühl für Musik,   Rhythmus, Tanz und Humor. Das sind wirklich Elemente, die man unbedingt   braucht für eine Tanzkarriere. Was sie nicht haben, ist genügend   klassisches Ballett. Die haben zwar verschiedene Schulen, aber die sind   die letzten Jahre sehr heruntergekommen. Das System, die Ausbildung   eines Tänzers sind sehr zurückgeblieben die letzten Jahre &#8211; wie wohl   überall in der Welt. Die große Epoche des Tanzes reichte von den 60er   Jahren bis spätestens in die 80er Jahre, schon in den 90ern ging es   bergab &#8211;  ziemlich stark.&#8220;</strong></p>
<p><strong> Der Dirigent und Komponist John Neschling wechselte 1997    von Deutschland nach Sao Paulo, übernahm das heruntergewirtschaftete   Sinfonieorchester der Metropole, initiierte eine regelrechte   lateinamerikanische Klassik-Kulturrevolution &#8211;  durch Neschlings zähe   Anstrengungen hat Brasilien, hat Lateinamerika erstmals in der   Geschichte ein Orchester von internationalem Niveau, dessen CDs auch in   deutschen Plattenläden stehen. Richard Cragun versucht das gleiche mit   seinem Ballett in Rio, hat heute sehr ähnliche Probleme wie Neschling   damals.</strong></p>
<p><strong> ”Es ist wahnsinnig kompliziert. Viele Leute fragen mich,   Cragun, warum bleiben sie hier, machen sie das immer noch.   Vorauszuplanen ist leider nicht die Methode in Brasilien. In Deutschland   planen wir manchmal zwei, drei, vier Jahre voraus,  weiß man, was in   Berlin und Stuttgart dann läuft. Wir versuchen hier, für mein nächstes   Programm diesen Oktober einen Sponsor zu finden. Zu finden! Wir haben   noch keinen Sponsoren. Und durch diesen Sponsoren wird das finanziert.”</strong></p>
<p><strong>Die Gagen der Tänzer wenigstens werden pünktlich vom   Bundesstaat Rio bezahlt &#8211;  umgerechnet zwischen achthundert und 1700  Euro &#8211;  doch dem Ballettdirektor selbst &#8211;  und sogar ausländischen  Solisten,  Choreographen bleibt man den Lohn monatelang schuldig. Wird  deren  Idealismus schamlos ausgebeutet?</strong></p>
<p><strong>”Ich soll eine feste Summe bekommen, aber zwei Monate schon   wird mir nichts gezahlt. Und das ist viel, wirklich sehr viel. Ich kann   das nicht mehr erlauben , daß die Versprechungen machen für Künstler  des  Auslands. Neulich, ich habe das erlebt, daß die erst fünf Monate  nach  der Premiere bezahlt haben. Was glauben sie, was ich für E-Mails   bekommen habe aus Deutschland! Cragun, sie haben uns angelogen!  Ich   sage Kinder, Kinder, das ist Brasilien. Deshalb bin ich wütend geworden,   habe gesagt, ich will aufhören hier.”</strong></p>
<p><strong>Und &#8211;  kaum zu glauben, weil die Kulturbürokratie den   Ballettdirektor einfach übergeht, fehlen den Tänzern immer wieder sogar   die Schuhe.</strong></p>
<p><strong>”Die Schuhe waren zu spät bestellt von der Verwaltung &#8211;    warum, das Geld war noch nicht da. Die sagen manhamanhamanha. Es war zu   spät, die Tänzer hatten keine Schuhe zur Vorbereitung, hat man also   einige Vorstellungen abgesagt. Ich habe mich auf die Seite der Tänzer   gestellt &#8211;  die können doch nicht ohne Schuhe tanzen!”</strong></p>
<p><strong>Doch Ärger, Streit hat Cragun selbst mit einem Teil des   Ensembles &#8211;  bereits viel zu alt, weit über vierzig, doch unkündbar, mit   Beamtenmentalität. Neueinstellungen fast unmöglich.</strong></p>
<p><strong>”Ich habe 91 Tänzer, und ich würde sagen, ungefähr 45, 48   kann ich einsetzen. Die anderen können nicht tanzen. Die kriegen ihr   Geld, müssen ihr Training machen &#8211;  und das ist alles. Was kann ein   Ballettdirektor mit diesen Leuten tun? Die bleiben nicht aus   Bösartigkeit, haben ja keinen anderen Job. Aber jedes Jahr, das die   Company älter wird, und kein frisches  Blut hinzukommt,geht es auf eine   Katastrophe zu. Das ist der Tod jeder Company!”</strong></p>
<p><strong>Aus all diesen Gründen leere Häuser, böse Kritiken? Genau das   Gegenteil, denn das Ensemble tanzt deutlich besser. Vor Cragun war   Ballett nur ein Elitevergnügen, Eintrittskarten absolut unerschwinglich   für die Masse jener, die Stundenlöhne um die fünfzig Cents umgerechnet   bekommen. Cragun boxte durch, daß die Eintrittspreise halbiert werden  &#8211;   manche Vorstellungen kosten gar nur 28 Cents. Auch deshalb volle  Häuser,  viel mehr Vorstellungen, erstmals sogar sehr viele Slumbewohner  in dem  noblen Theater mit dem Schriftzug „Goethe” an der Vorderfront.   Slumbewohner, Arme ohne Bildung, ohne eine Idee von der Kunst des   Balletts. Cragun macht daher dasselbe wie Dirigent Neschling in Sao   Paulo, spricht zum Publikum, ”…um denen beizubringen, um was es geht.   Ein bißchen Kunsthistorie.  Ich rede mit ihnen, lade ein paar auf die   Bühne, damit sie einen Spitzenschuh anfassen können. Oder ich spreche   mit der Tänzerin Ana Botafogo. Das ist enorm erfolgreich, man muß nur in   die Gesichter schauen.”</strong></p>
<p><strong> Die zierliche Ana Botafogo &#8211;   beste, auch populärste   Solistin des Theatro Municipal. Sie betont vor allem den Qualitätssprung   durch Cragun.</strong></p>
<p><strong>”Für uns ist er ein Geschenk &#8211;  wenngleich er sehr viel   fordert, sehr hohe Ansprüche an uns hat. Er will Technik u n d Seele,   setzt besonders auf die Interpretation. Cragun gibt uns sehr viel   Sicherheit, weil er ja selbst Tänzer war, und weiß, wie unser Leben ist,   unser Alltag. Cragun hat einfach sehr gute Ideen. Durch ihn wurde  unser  Theatro Municipal auf einmal weltweit bekannt &#8211;  alle Welt weiß,  daß  hier in diesem so fernen Brasilien derzeit etwas Wichtiges, Großes   passiert. Cragun leidet sehr unter dieser Bürokratie, diesen   Geldproblemen. Denn manchmal denkt er noch, er sei in Deutschland, wo   doch im Vergleich zu hier alles funktioniert. Er muß verstehen, daß er   jetzt in Brasilien ist.”</strong></p>
<p><strong>Immer wieder Übernahmen aus Stuttgart &#8211;  darunter den Onegin, von John Cranko.</strong></p>
<p><strong>Und schon wirbt man Cragun Tänzer ab &#8211;  etwa ans Royal  Ballett  in London. Das zählt für ihn ebenso wie Stuttgart, Leningrad,  New York  zu den A-Kompagnien, zur Weltspitze.</strong></p>
<p><strong>”Ich zähle unsere am Theatro Municipal zur B-Kategorie, die   sind noch nicht auf dem A-Level, aber die machen gute Fortschritte, die   sind sehr professionell. Neulich sagte einer: Die Staatsoper in Berlin   ist gar nicht besser wie das hier. Das waren Ballettouristen aus   Deutschland.”</strong></p>
<p><strong>Richard Cragun ärgert sich über den Rassismus in Brasilien &#8211;    und attackiert ihn sogar im Theater. “Natürlich gibt es Rassismus &#8211;  und manchmal ist er sogar sehr stark.” Erstmals in der Ballettgeschichte   Brasiliens gibt er einem Schwarzen eine Hauptrolle &#8211;  dem einzigen   Nicht-Weißen in seinem Ensemble. Jener Bruno Rocha tanzt den Albrecht im   Ballett Giselle, als Partner von Ana Botafogo.</strong></p>
<p><strong>”Es war ein Riesenerfolg &#8211;  er war der erste Schwarze in der   ganzen Geschichte von Brasilien und dem Theatro Municipal “ in fast   hundert Jahren. Man fragte mich vorher, warum haben sie ausgerechnet   einen Schwarzen da eingesetzt. Ich habe gesagt, ja, ist der schwarz &#8211;    ich habe das nicht bemerkt. Der ist ein toller Tänzer, der ist elegant,   der hat alle Fähigkeiten &#8211;  daß der schwarz ist, oder grün oder blau,  das  ist mir egal. So habe ich darauf reagiert.”</strong></p>
<p><strong>Und Bruno Rocha?</strong></p>
<p><strong>”Damit wurde sozusagen ein Tabu gebrochen &#8211;  denn nie hat ein   Schwarzer hier eine Hauptrolle getanzt. Erst seit ich Solist hier bin,   fühle ich mich gleich wie die anderen hier, glaube ich an mich.”</strong></p>
<p><strong>Nachmittags wechselt Cragun im Sauseschritt vom noblen   City-Opernhaus ins arg heruntergekommene Hafenviertel, in einen dunklen   früheren Lagerschuppen. Wieder intensive Proben, ein Korrepetitor.</strong></p>
<p><strong>Craguns zweiter Arbeitsplatz &#8211;  abgewetzt, extrem simpel und   provisorisch eingerichtet, Lärm der Hafenstraße dringt herein. Das   DeAnima-Ballett für zeitgenössischen Tanz &#8211;  vor zweieinhalb Jahren hat   er es mit dem Brasilianer Roberto de Oliveira gegründet, zuvor   Solotänzer und Hauschoreograph in Stuttgart. DeAnima hat sechzehn feste   Bailarinos, Bailarinas &#8211;  im angeschlossenen Sozialprojekt zusätzlich   zweihundert Talente aus den Slums, zu 99 Prozent Schwarze. Sprach-und   Informatikkurse, für die Zeit nach dem Tanzen.  Probleme, weit   komplizierter als im Theatro Municipal. Präfekt Cesar Maia hatte Cragun   und Oliveira nach Rio eingeladen, DeAnima sollte die offizielle   Tanzkompagnie der Zuckerhutstadt sein, finanziert von der Präfektur.   Doch schon bald kommt kein einziger Centavo mehr.</strong></p>
<p><strong>„Für mich eine sehr große Enttäuschung &#8211;  alles war von einem Tag auf den anderen futsch.”</strong></p>
<p><strong> Die Rettung kommt kurioserweise aus Deutschland.</strong></p>
<p><strong>”Das ist der Witz, und ich bin dermaßen froh und dankbar.   Deutsche Sponsoren, die Firma Bosch. Wir haben auch von Siemens in   Deutschland Geld bekommen. von der Birgit-Keil-Stiftung.”</strong></p>
<p><strong>Wenigstens schlossen sich zwei Stiftungen Rios an. Roberto de   Oliveira &#8211;  Star der Stuttgarter Bühne, hochgelobt von den deutschen,   europäischen Ballettexperten. Doch hier werden der Choreograph und sein   DeAnima-Ballett von der Tanzszene, den anderen freien Gruppen der   Zehn-Millionen-Stadt extrem negativ empfangen, von den Medien, in denen   die Gegner stark sind, mit furchtbaren Kritiken niedergemacht.  Oliveira,  DeAnima werden als lästige Konkurrenz behandelt, die nicht  hochkommen  soll. Craguns, Oliveiras Biographie zählt hier nur wenig.</strong></p>
<p><strong>”Wir beide sind eigentlich verrückt, so was hier zu machen.   Manchmal denke ich, ach, ich packe jetzt meine Koffer und kehre zurück   nach Europa. Ich denke das oft bis heute. Die Situation hier ist   kompliziert, nicht so einfach, wie ich dachte. Die Atmosphäre in   Brasilien ist sehr wenig kreativ heute. Selbst die Ballettkompagnie   Grupo Corpo, die wichtigste von Brasilien, bringt nur alle zwei Jahre   ein neues Stück heraus. Wir haben dagegen schon 28 Stücke im Repertoire,   zweieinhalb Jahre nach der Gründung. Wir haben einfach die europäische   Mentalität mitgebracht. In Stuttgart hatten wir jährlich drei  Premieren,  vier Wiederaufnahmen, dort produziert man viel, schafft man  viel Neues.  Ich glaube, Brasilien ist in vielen Dingen noch ganz am  Anfang, man ist  neidisch, engstirnig, kleinlich. Doch das Schlimmste  haben wir hinter  uns, jetzt stabilisieren wir DeAnima. Und stopfen  unsern Gegnern den  Mund &#8211;  erst jetzt wird unsere Qualität langsam  anerkannt. Jetzt sehen es  die Leute!”</strong></p>
<p><strong>Immer wieder stoßen Talente aus den mehr als 800 Rio-Slums hinzu.</strong></p>
<p><strong>”So unglaublich es klingt, von Richard Cragun hörte ich   erstmals, kurz bevor ich hier als Fester anfing”, sagt Marcus Dias aus   Brasilia. „Der hat keine Starallüren, der mag dieses Land, tanzt sogar   Samba. DeAnima fordert viel, holt viele neue Choreographen, wie keine   andere Ballettkompagnie hier &#8211;  phantastisch für uns.”<br />
</strong></p>
<p><strong>”Hier werde ich nicht reich, aber eine Persönlichkeit”,   urteilt der Schwarze Claudio Cardoso.  „Viele meiner Freunde sind zu   den Banditen gegangen, alle schon tot. Roberto und Richard zeigen uns   hier Alternativen, andere Perspektiven.”</strong></p>
<p><strong>”Nur durch Roberto habe ich überhaupt entdeckt, daß ich   Ballett mag, daß mir das liegt”, meint Thiago de Silva   aus dem Slum   Vila de Joao, „ich will Tänzer und Choreograph werden. Falls ich hier   keine Anstellung kriege, versuche ichs eben im Ausland &#8211;  dort schätzt   man ja Kultur viel mehr als hier. Immer diese Schießereien in Vila de   Joao finde ich furchtbar.”</strong></p>
<p><strong>Drei Schwarze, mühsam ausgebildet, wurden bereits für sehr   gute Gagen nach Europa abgeworben, zwei davon sogar nach Deutschland &#8211;    stets ein Verlust für uns, ein Jammer, wie Cragun beklagt.</strong></p>
<p><strong>Roberto zeigt auf zwei hochbegabte Jungen &#8211;  deren Brüder sind Killer, die Mutter ist Prostituierte.</strong></p>
<p><strong>”Oft können wir mit Slumjugendlichen nicht arbeiten, weil die   Gangsterkommandos es verbieten. Für ein Ballett im Theatro Municipal   hatte ich für vierzig Leute Gratiskarten besorgt. Doch niemand kam! Die   Gruppe war in ein Feuergefecht rivalisierender Banditenmilizen geraten,   alle wären um ein Haar erschossen worden. Und sowas passiert hier  viel!  Unsere Jugendlichen leben wie in einem Parallelstaat, unter einer   Parallelmacht! Deshalb ist unser Sozialprojekt so wichtig. Aber für  all  das braucht man  viel Idealismus, Selbstvertrauen, Beharrlichkeit,   unendlich viel Geduld…”</strong></p>
<p><strong>Mit der Zeit bemerkt Cragun, daß man am Opernhaus seinen   Idealismus auf absurdeste Weise ausbeutet, Projekte sabotiert. Rio de   Janeiros Opernhaus hatte das unverschämte Glück, einen der fünf besten,   wichtigsten Tänzer des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts, als   Ballettdirektor engagieren zu können &#8211; nutzte diese Chance indessen   nicht, kein Einzelfall in Brasilien. Cragun kündigt: “Ich habe es   einfach satt, es geht nicht mehr &#8211; angesichts von Inkompetenz und   Fehlplanung in diesem Haus. Ich habe acht Ballette absagen müssen. Ich   konnte nicht ein einziges Mal eine Produktion mit unterschriebenem   Vertrag anfangen. Das alles bedeutet für den Ballettdirektor einen   Streß, du glaubst es nicht.” </strong></p>
<p><strong>Als es um die Aufführung des   Dornröschen-Balletts von Tschaikowsky geht, möchte die zuständige   Kulturfunktionärin wissen, wer eigentlich die Musik geschrieben habe.   “Und wieviel müssen wir dann Herrn Tschaikowsky für die   Aufführungsrechte bezahlen?”, wird Cragun gefragt. Wie Neschling in Sao   Paulo hat er auch Probleme mit brasilianischen Gewerkschaften, eine   ganz besondere Sorte. “Es ist teilweise zum Weinen hier. Ein Tänzer ist   immer wieder kurz vor einer Vorstellung besoffen. Er fehlt bei Proben,   ruft aus Sao Paulo an, daß er nicht kommen könne, weil der Hund krank   ist. Der Tänzer hat immerhin eine Hauptrolle!” Cragun will ihn   entlassen, doch die Tänzergewerkschaft setzt per Anwalt durch, daß er   bleibt, die wegen der Probenausfälle gestrichenen Gagen dennoch bekommt.   Cragun steht da wie ein Hampelmann, ohne Autorität. “Das System   blockiert sich selbst.” </strong></p>
<p><strong> Die mittelmäßige, provinzielle Tanzszene Rios   macht weiter auch über die wichtigsten Medien gegen DeAnima mobil &#8211;   Intrigen, absurd schlechte Kritiken, Verleumdungen. “Das ist eine Mafia,   ein Komplott. Die wollten mich hier nicht haben, die wollten DeAnima   nicht.” Typisch Brasilien &#8211; Cragun und Oliveira werden nicht als   Bereicherung empfunden, sondern als lästige Gegner, Konkurrenten. Denn   beide hätten Qualitätsmaßstäbe gesetzt, an denen alle Tanzkompagnien   Brasiliens, Rios künftig gemessen würden. Oliveira sagt:”Die Atmosphäre   in Brasilien ist sehr wenig kreativ, man ist neidisch, engstirnig,   kleinlich, will keine Ausländer. Die Situation ist kompliziert, nicht so   einfach, wie ich dachte. Ich denke oft, ach, ich packe meine Koffer  und  gehe zurück nach Europa.” Auch Cragun, inzwischen in Rio überfallen  und  ausgeraubt worden, ist skeptisch:”Die hier haben nicht die  Klugheit,  die Tanzszene attraktiv zu machen. Die Leute in Europa werden  die hier  einfach auslachen und sagen, das gibts doch nicht, das ist  nicht  diskutabel.”</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2012/03/cragunstuttgartballettsp.JPG" alt="cragunstuttgartballettsp.JPG" /></p>
<p><strong>Richard Cragun &#8211; gefeiert mit dem Stuttgarter Ballett in Sao Paulo. </strong>(Programmheft)</p>
<p><strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/22/kulturminister-gilberto-gils-amtszeit-eine-grausige-bilanz-fur-brasilien/">http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/22/kulturminister-gilberto-gils-amtszeit-eine-grausige-bilanz-fur-brasilien/</a></strong></p>
<p><strong>Brasiliens absichtlich zerstörte Paartanz-Kultur, Severino Araujo. &#8222;Bailes estao morrendo?&#8220;(Tanzzeitung &#8222;Dance&#8220;): </strong> <strong> <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/04/brasilien-severino-araujo-dirigent-des-seelenvollsten-dienstaltesten-ballorchesters-der-welt-mit-95-gestorben/">   http://www.hart-brasilientexte.de/2012/08/04/brasilien-severino-araujo-dirigent-des-seelenvollsten-dienstaltesten-ballorchesters-der-welt-mit-95-gestorben/</a></strong></p>
<p><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Cragun">http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Cragun</a></strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/06/cragun1.jpg" alt="cragun1.jpg" /></p>
<p><strong>Richard Cragun &#8211; eine außergewöhnliche Persönlichkeit &#8211; sinnlich und hochsensibel.</strong></p>
<p><strong>Cragun sprach gegenüber O Globo auch über seine Bisexualität,  die zur Trennung von Marcia Haydee geführt habe. Cragun habe ein  Verhältnis mit dem Masseur des Stuttgarter Balletts gehabt &#8211; was die  Trennung bewirkte. “Vier Monate tanzten wir nicht mehr zusammen. Bis sie  sagte: Ricky, ich habe Sehnsucht, wieder mit dir zu tanzen. Laß es uns  versuchen. Marcia ist meine beste Freundin und die Frau meines Lebens.”</strong></p>
<p><strong>Brasilien gilt als größtes bisexuelles Land der Welt.</strong></p>
<p><a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgarter-ballett-ballett-legende-cragun-ist-tot.77855238-5146-4eb7-808c-b6faa534f658.html"><strong>http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgarter-ballett-ballett-legende-cragun-ist-tot.77855238-5146-4eb7-808c-b6faa534f658.html</strong></a></p>
<p><strong>Mit welchem kulturellen Umfeld Richard Cragun konfrontiert  war, das ihn tagtäglich auch psychisch stark belastete &#8211; Brasilien auf  dem UNO-Index für menschliche Entwicklung nur Platz 84 &#8211; die  entsetzliche Gewaltkultur von Rio de Janeiro, siehe  Website-Fotoserie”Rio+20.Brasiliens Zeitungen, brasilianischer  Fotojournalismus”. Für einen Idealisten wie Cragun war grauenhaft, in  einer Scheiterhaufen-Stadt zu leben, die aus seinem früheren deutschen  Lebensumfeld viel Lob, Hudel, Bewunderung erhielt.  <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/668242/">http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/668242/</a></strong><strong><br />
</strong></p>
<p><strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/"> http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/</a></strong></p>
<p><strong>Roberto de Oliveira in Website-Interviews</strong>:  <strong>“Wir haben die europäische Mentalität mitgebracht. Dort  produziert man viel, schafft man viel neu.Das hängt von einem  kulturellen Apparat ab, der in Brasilien leider nicht existiert. Der  Brasilianer ist sehr neidisch, sehr kleinlich, wenn es darum geht, die  Arbeit, das Talent anderer anzuerkennen…Wir mußten unser Sozialprojekt  schon dreimal stoppen, weil das Geld fehlte. Die Präfektur hat uns im  Stich gelassen &#8211; das war das Problem. Der Präfekt ist leider eine Person  mit dem denkbar schlechtesten Charakter, er lügt. Das schuf für uns  eine sehr komplizierte Situation. Das Problem hier ist auch die  Desinformation. In Brasilien wird die Kultur in Sao Paulo gemacht. Ich  arbeite hier nur, weil ich an das glaube, was ich hier schaffe. Und das  hat für mich keinen Preis. Unsere berufliche Vergangenheit interessiert  hier nur sehr wenig. Tanzen &#8211; da überträgt ein Körper die Geheimnisse  des anderen Körpers &#8211; das ist für mich etwas Spirituelles.”(Zitate aus  langen Interviews) </strong></p>
<p><strong>http://www.maisde50.com.br/editoria_conteudo2.asp?conteudo_id=7088</strong></p>
<p><strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2009/01/25/der-fall-john-neschling-musikkritiker-von-le-monde-alain-lompech-verurteilt-die-entlassung-des-osesp-dirigenten-unermeslicher-verlust-fur-die-brasilianische-kultur-adeus-a-musica/#more-1692">http://www.hart-brasilientexte.de/2009/01/25/der-fall-john-neschling-musikkritiker-von-le-monde-alain-lompech-verurteilt-die-entlassung-des-osesp-dirigenten-unermeslicher-verlust-fur-die-brasilianische-kultur-adeus-a-musica/#more-1692</a></strong></p>
<p><strong>John Neschling 2011: <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/01/07/bye-bye-brasil-dirigent-und-komponist-john-neschling-verlast-brasilien-nach-14-jahren-kritisiert-fehlende-kulturpolitik-paralysierende-und-unsensible-staatsburokratie-brutalen-umgang-mit-kult/">http://www.hart-brasilientexte.de/2011/01/07/bye-bye-brasil-dirigent-und-komponist-john-neschling-verlast-brasilien-nach-14-jahren-kritisiert-fehlende-kulturpolitik-paralysierende-und-unsensible-staatsburokratie-brutalen-umgang-mit-kult/</a></strong></p>
<p><strong><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2010/11/30/rio-de-janeiro-wo-sind-die-waffen-und-die-banditen-fragt-qualitatszeitung-o-globo-ruckzug-mit-guerrilhataktik-offenbar-wie-immer-gelungen-gute-geschaftsbedingungen-derzeit-im-mega-slum-ro/">http://www.hart-brasilientexte.de/2010/11/30/rio-de-janeiro-wo-sind-die-waffen-und-die-banditen-fragt-qualitatszeitung-o-globo-ruckzug-mit-guerrilhataktik-offenbar-wie-immer-gelungen-gute-geschaftsbedingungen-derzeit-im-mega-slum-ro/</a></strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2009/06/cragun1.jpg" title="cragun1.jpg"></a></p>
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