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	<title>Klaus Hart Brasilientexte &#187; Dia de Finados</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Brasiliens &#8222;Dia de Finados&#8220;, Tag der Toten.</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 11:35:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Friedhofskultur in Brasilien &#8211; Urnenfächer in Sao Paulo, mit dem Auto bis ans Nobel-Grab. ** http://www.hart-brasilientexte.de/2008/11/01/mit-dem-auto-immer-direkt-bis-ans-grab-ein-friedhof-in-sao-paulo/ Friedhof in Morrete/Paraná. TiraUngezählte Obdachlose sterben auf der Straße &#8211;  teils an Krankheiten, mit denen sie sich wegen des geschwächten Immunsystems leichter infizieren, teils infolge von Unterernährung. Hintergrundtext von 2010: Brasiliens Massengräber  „Wenn die Toten da reingeschmissen werden, sind das [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Friedhofskultur in Brasilien &#8211; Urnenfächer in Sao Paulo, mit dem Auto bis ans Nobel-Grab. <a href="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-admin/post.php?action=edit&amp;post=6565" title="Beitrag bearbeiten">**</a></h2>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/tag/julio-lancelotti/" rel="tag"> </a></p>
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<p><span id="more-11416"></span></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskultururnensp2.JPG" alt="friedhofskultururnensp2.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskultursp.JPG" alt="friedhofskultursp.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskultursp3.JPG" alt="friedhofskultursp3.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskultursp4.JPG" alt="friedhofskultursp4.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskultursp5.JPG" alt="friedhofskultursp5.JPG" /></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofmorrete2.jpg" alt="friedhofmorrete2.jpg" /></p>
<p><strong>Friedhof in Morrete/Paraná.</strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2010/09/friedhofskulturtiradentes.jpg" alt="friedhofskulturtiradentes.jpg" /></p>
<p><strong>Tira</strong><strong>Ungezählte Obdachlose sterben auf der Straße &#8211;  teils an  Krankheiten, mit denen sie sich wegen des geschwächten Immunsystems  leichter infizieren, teils infolge von Unterernährung.</strong></p>
<p><!--more--></p>
<p>Hintergrundtext von 2010:</p>
<p><strong>Brasiliens Massengräber</strong><strong> </strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-includes/js/tinymce/themes/advanced/images/spacer.gif" alt="weiter..." height="10px" width="100%" /></p>
<p><strong>„Wenn die Toten da reingeschmissen werden, sind das Szenen      wie in diesen Holocaustfilmen“, beklagen sich Anwohner von      Massengräber-Friedhöfen der größten lateinamerikanischen Demokratie. In      der Tat wird seit der Diktaturzeit vom Staat die Praxis beibehalten,      nicht identifizierte, zu „Unbekannten“ erklärte Tote in  Massengräbern   zu   verscharren.  Die Kirche protestiert seit  Jahrzehnten dagegen und    sieht  darin ein gravierendes  ethisch-moralisches Problem, weil es in    einem  Land der  Todesschwadronen damit auch sehr leicht sei,    unerwünschte  Personen  verschwinden zu lassen. </strong></p>
<p><strong>In der Megacity Sao Paulo   mit  ihren  mehr als 23 Millionen  Einwohnern empört sich der weltweit    angesehene   Menschenrechtspriester Julio Lancelotti: „In Brasilien wird    monatlich   eine erschreckend hohe Zahl von Toten anonym in   Massengräbern    verscharrt, verschwinden damit Menschen auf offiziellem   Wege, werden   als  Existenz für immer ausgelöscht. Wir von der Kirche   nehmen das  nicht   hin, versuchen möglichst viele Tote zu   identifizieren, um sie   dann  auf  würdige Weise christlich zu   bestatten. Wir brauchten einen  großen   Apparat, ein großes Büro, um   alle Fälle aufklären zu können –  dabei ist   dies eigentlich Aufgabe des   Staates!“</strong><strong>Padre  Lancelotti   erinnert daran, daß   während der 21-jährigen Diktaturzeit  in Sao Paulo   von den Machthabern   1971 eigens der Friedhof Dom Bosco  geschaffen wurde,   um dort   zahlreiche ermordete Regimegegner  heimlich gemeinsam mit jenen     unbekannten Toten, den sogenannten  „Indigentes“, in Massengräber zu     werfen. Wie die  Menschenrechtskommission des Stadtparlaments jetzt     erfuhr, wurden  seit damals allen Ernstes 231000 Tote als Namenlose     verscharrt –  allein auf d i e s e m Friedhof. Heute  kommen Monat für     Monat dort  zwischen 130 und 140 weitere Indigentes hinzu. Nach einem     Massaker  an Obdachlosen Sao Paulos kann Priester Lancelotti zufällig  auf    dem   Friedhof Dom Bosco beobachten, wie sich der Staat der  Namenlosen     entledigt: “Als der Lastwagen kommt und geöffnet wird,  sehe ich mit     Erschrecken, daß er bis obenhin voller Leichen ist. Alle  sind nackt und     werden direkt ins Massengrab geworfen. Das wird  zugeschüttet &#8211; und     fertig. Sollten wir später noch Angehörige  ermitteln, wäre es  unmöglich,    die Verstorbenen in der Masse der  Leichen wiederzufinden.  Was sage  ich   als Geistlicher dann einer  Mutter?“ </strong><strong>Lancelotti   hält   einen Moment inne,  reflektiert: „Heute hat das   Konzentrationslager   keinen Zaun mehr, das  KZ ist sozusagen weit   verteilt – die Menschen sind   nach wie vor klar  markiert, allerdings   nicht auf der Kleidung, sondern   auf dem  Gesicht, dem Körper. Und sie   werden verbrannt, verscharrt, wie   die  Gefangenen damals, und es gibt   weiter Massengräber.“ </strong><strong>Was    in Sao Paulo geschieht,  ist  keineswegs ein Einzelfall. In der    nordostbrasilianischen   Millionenstadt Fortaleza leiden die Anwohner des    Friedhofs „Bom   Jardim“ seit Jahren bei den hohen Tropentemperaturen    unter   grauenhaftem Leichengeruch. „Die Toten werden oft schon verwest      hergebracht, wie Tiere verscharrt, wir müssen zwangsläufig zusehen,  es     ist grauenhaft“, klagt eine Frau. „Fast jeden Tag kommt der   Leichen-LKW  –   doch bei den heftigen Gewitterregen wird die dünne   Erdschicht über  den   Toten weggeschwemmt, sehen wir die Massengräber   offen, wird der  Geruch   im Stadtviertel so unerträglich, daß viele   Kopfschmerzen  kriegen,   niemand hier eine Mahlzeit zu sich nimmt.“ Der   Nachbar  schildert, wie   das vergiftete Regenwasser vom Friedhof  durch  die  Straßen und Gassen des   Viertels läuft: „Das Wasser ist  grünlich  und  stinkt, manchmal werden   sogar Leichenteile  mitgeschwemmt – und   weggeworfene Schutzhandschuhe der    Leichenverscharrer. Die Kinder   spielen damit – haben sich an die    schrecklichen Vorgänge des Friedhofs   gewöhnt.  Wir alle haben Angst,  daß   hier Krankheiten, Seuchen   ausbrechen.“</strong><strong>Selbst in  Rio  de  Janeiro sind die   Zustände ähnlich, werden zahllose Menschen  von   Banditenkommandos der   über 1000 Slums liquidiert und gewöhnlich  bei   Hitze um die 35 bis 40   Grad erst nach Tagen in fortgeschrittenem    Verwesungszustand zum   gerichtsmedizinischen Institut  abtransportiert.   Wie aus den   Statistiken hervorgeht, werden in den  Großstädten monatlich   stets   ähnlich viele Tote als „Namenlose“ in  Massengräber geworfen wie  in  Sao   Paulo, der reichsten Stadt ganz  Lateinamerikas. </strong><strong>Priester     Julio Lancelotti und seine  Mitarbeiter stellen immer wieder     Merkwürdigkeiten und verdächtige  Tatbestände fest. „Werden Obdachlose     krank und gehen in bestimmte  öffentliche Hospitäler, bringt man an  ihrem    Körper eine Markierung  an, die bedeutet, daß der Person nach  dem Tode    zu Studienzwecken  Organe entnommen werden. Die Männer  registriert man    durchweg auf den  Namen Joao, alle Frauen als Maria.  Wir streiten  heftig   mit diesen  Hospitälern und wollen, daß die  Obdachlosen auch  nach dem   Tode mit  den echten Namen geführt werden.  Schließlich kennen  wir diese    Menschen, haben über sie Dokumente. Man  meint eben, solche  Leute sind    von der Straße, besitzen also weder  eine Würde noch  Bürgerrechte.  Wir   haben in der Kirche eine Gruppe,  die den illegalen,  kriminellen    Organhandel aufklären will, aber  rundum nur auf  Hindernisse stößt.  Denn   wir fragen uns natürlich auch,  ob jenen  namenlos Verscharrten  vorher   illegal Organe entnommen  werden.“</strong><strong>Fast  in  ganz   Brasilien  und auch in Sao  Paulo sind Todesschwadronen aktiv,   zu denen   Polizeibeamte gehören,  wie sogar das   Menschenrechtsministerium in   Brasilia einräumt.  Tagtäglich würden   mißliebige Personen   außergerichtlich exekutiert,  heißt es. Darunter   sind auch Obdachlose,   von denen allein in Sao  Paulos Zentrum weit  über  zehntausend auf der   Straße hausen. Wie  Priester Julio  Lancelotti  betont, ist zudem die Zahl   der  Verschwundenen auffällig  hoch. </strong><strong>„Auf  den Straßen  Sao   Paulos werden viele  Leichen gefunden. Denn es ist  sehr einfach, so    einen Namenlosen zu  fabrizieren. Man nimmt ihm die  Personaldokumente    weg, tötet ihn und  wirft ihn irgendwo hin. Wir gehen  deshalb jeden  Monat   ins  gerichtsmedizinische Institut, um möglichst  viele Opfer zu     identifizieren. Die Polizei ist immer überrascht und  fragt, warum uns     das interessiert. Das Identifizieren ist für uns eine  furchtbare,     psychisch sehr belastende Sache, denn wir müssen  monatlich stets     Hunderte von Getöteten anschauen, die in großen  Leichenkühlschränken     liegen &#8211; alle schon obduziert und wieder  zugenäht. Und man weiß eben     nicht, ob da Organe entnommen wurden.“</strong><strong>Solchen   Verdacht    hegen nicht wenige Angehörige von Toten, die seltsamerweise   als    „Namenlose“ im Massengrab endeten. In der nordostbrasilianischen      Küstenstadt Maceio geht letztes Jahr der 69-jährige Sebastiao  Pereira     sogar mit einem Protestplakat voller Fotos seines ermordeten  Sohnes auf     die Straße. Dem Vater hatte man im gerichtsmedizinischen  Institut  die    Identifizierung der Leiche verweigert – diese dann   mysteriöserweise  auf   einen Indigentes-Friedhof gebracht. Kaum zu   fassen – ein    Friedhofsverwalter bringt es fertig, Sebastiao Ferreira   später  mehrere    Leichenteile, darunter einen Kopf zu zeigen. „Mein   Sohn wurde allein  am   Kopf von vier MG-Schüssen getroffen – und dieser   Kopf war doch  intakt!   Ich setzte eine DNA-Analyse durch – der Kopf   war von einem  Mann, das   Bein von einem anderen, der Arm wiederum von   einem anderen –  doch nichts   stammte von meinem Sohn“, sagt er der   Presse. </strong><strong>In  Sao   Paulo hat Priester Lancelotti   durchgesetzt, daß ein Mahnmal auf  dem   Friedhof Dom Bosco an die   ermordeten Regimegegner, aber auch an  die mehr   als 200000   „Namenlosen“ erinnern wird.</strong><strong> Neuerdings    macht der   Friedhof in Brasilien immer wieder Schlagzeilen, allerdings    nicht   wegen der Massengräber von heute. Progressive Staatsanwälte    versuchen   das Oberste Gericht in Brasilia zu überzeugen, den zur    Diktaturzeit   für den Friedhof verantwortlichen Bürgermeister Paulo Maluf    und den   damaligen Chef der Politischen Polizei, Romeu Tuma, wegen des      Verschwindenlassens von Oppositionellen vor Gericht zu stellen.      Erschwert wird dies jedoch durch den Politikerstatus der Beschuldigten:      Paulo Maluf ist Kongreßabgeordneter und Romeu Tuma sogar    Kongreßsenator  –  beide gehören zum Regierungsbündnis von    Staatspräsident Lula.</strong></p>
<p><strong>“Das bestehende System ent-erzieht uns. Nur so ist es    möglich,  dass für einen Menschen ein Kratzer an seinem neuen Auto    schlimmer sein  kann, als dass ein Mensch vor seiner Haustür an Hunger    stirbt.” Frei  Betto, Brasiliens wichtigster Befreiungstheologe</strong><br />
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