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	<title>Klaus Hart Brasilientexte</title>
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	<description>Aktuelle Berichte aus Brasilien - Politik, Kultur und Naturschutz</description>
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		<title>Brasiliens Sklavenarbeit unter Lula-Rousseff: Erstmals mehr internationale Aufmerksamkeit wegen Anzeigen gegen Modekette &#8222;Zara&#8220;des spanischen Inditex-Konzerns. Brasiliens katholische Kirche prangert derartige Menschenrechtsverletzungen seit Jahren an. Demokratie und Sklavenarbeit.</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 20:54:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Klaus Hart]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte unter Lula-Rousseff]]></category>
		<category><![CDATA[Sklavenarbeit in Brasilien]]></category>

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		<description><![CDATA[http://www.boerse-go.de/nachricht/Zara-unter-Verdacht-Zwangsarbeit-in-Brasilien-Inditex,a2621102.html &#8222;Die Arbeiter wurden Bedingungen analog der Sklaverei unterworfen. Zara ist direkt verantwortlich.&#8220; Brasiliens Staatsanwältin Fabiola Zani. Bestätigung von Uralt-Anklagen der katholischen Kirche in der größten Demokratie Lateinamerikas. http://www.hart-brasilientexte.de/2010/05/02/sklavenarbeit-unter-lula-angeprangert-vom-deutschstammigen-kardinal-odilo-scherer-im-protest-gottesdienst-am-1-mai-in-der-kathedrale-sao-paulo/  http://www.hart-brasilientexte.de/2011/03/29/brasiliens-bischofskonferenz-fordert-kongresabstimmung-uber-wichtiges-gesetz-gegen-sklavenarbeit-seit-2003-auf-eis-gelegt/ &#8222;Sklaverei mit Etikett&#8220;- O Estado de Sao Paulo zum Zara-Fall. &#8222;Es gibt Sklaverei unter uns, sogar in Sao Paulo.&#8220; José de Souza Martins, Soziologe. Brasiliens [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.boerse-go.de/nachricht/Zara-unter-Verdacht-Zwangsarbeit-in-Brasilien-Inditex,a2621102.html"><strong>http://www.boerse-go.de/nachricht/Zara-unter-Verdacht-Zwangsarbeit-in-Brasilien-Inditex,a2621102.html</strong></a></p>
<p><strong>&#8222;Die Arbeiter wurden Bedingungen analog der Sklaverei unterworfen. Zara ist direkt verantwortlich.&#8220; Brasiliens Staatsanwältin Fabiola Zani.</strong> <strong>Bestätigung von Uralt-Anklagen der katholischen Kirche in der größten Demokratie Lateinamerikas. </strong></p>
<p><img src="http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2011/08/odiloscherer1mai.jpg" alt="odiloscherer1mai.jpg" /></p>
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<p><strong>&#8222;Sklaverei mit Etikett&#8220;- O Estado de Sao Paulo zum Zara-Fall. &#8222;Es gibt Sklaverei unter uns, sogar in Sao Paulo.&#8220; José de Souza Martins, Soziologe. </strong></p>
<p><strong>Brasiliens Sozialpolitik unter Lula und Rousseff erhält viel Lob aus Mitteleuropa. </strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/05/13/leben-einer-sklavin-120-jahre-nach-der-abschaffung-der-sklaverei-in-brasilien-o-globo-berichtet-uber-kinder-als-sklavenarbeiter-unter-der-lula-regierung/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/05/13/leben-einer-sklavin-120-jahre-nach-der-abschaffung-der-sklaverei-in-brasilien-o-globo-berichtet-uber-kinder-als-sklavenarbeiter-unter-der-lula-regierung/</strong></a></p>
<p><strong>Hintergrund von 2007:</strong></p>
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<p><strong>Der Papst und die Sklavenarbeiter</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Kirche kämpft seit Jahrzehnten gegen „moderne“ Sklaverei in Lateinamerika</strong></p>
<p><span id="more-10485"></span></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Im Mai reist Benedikt XVI nach Brasilien und wird sich auch über den Kampf der Kirche gegen die Sklavenarbeit informieren. In Lateinamerikas größter Demokratie gibt es laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation immerhin noch bis zu 40000 „Trabalhadores Escravos“. Der größte Teil davon wird auf Großfarmen Amazoniens ausgebeutet, vor allem im nördlichen Teilstaate Parà, wo der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler einen schweren Stand hat. Weil Kräutler gemeinsam mit den Menschenrechtsaktivisten der Landseelsorge die Sklavenhalter von heute anprangert, erhält er immer wieder Morddrohungen, steht derzeit unter Polizeischutz. Der Papst reist in die Wirtschaftsmetropole Sao Paulo, drittgrößte Stadt der Welt, in der eine besonders perfide Form der Sklavenarbeit existiert. Im Zentrum der Megacity, nur wenige Fußminuten von Bankenpalästen und der lateinamerikanischen Leitbörse entfernt, kommt man an mehrgeschossigen Gebäuden vorbei, die von außen wie normale Wohnhäuser aussehen. Doch fast alle Appartements sind vollgestopft mit Industrie-Nähmaschinen, an denen Frauen und Männer aus Bolivien von morgens bis spät in die Nacht Hosen und Shorts, Blusen und Hemden nähen. Über hunderttausend solcher Textilarbeiter sind es in ganz Sao Paulo, doch auf den Straßen trifft man relativ selten einmal einen Bolivianer. Luiz Bassegio leitet die Migrantenseelsorge der brasilianischen Bischofskonferenz und kennt die Hintergründe sehr genau: “Diese Bolivianer waren in ihrer Heimat arbeitslos, stammen aus den Slums von La Paz oder aus dem bitterarmen Hinterland,  wurden von gerissenen Anwerbern hierhergeschleust, haben keine Aufenthaltspapiere, schuften 16 bis 18 Stunden täglich ohne Arbeitsvertrag in etwa dreitausend illegalen Textilfabriken, in denen sie auch schlafen. Sie werden dort regelrecht eingesperrt, kriegen schlechtes Essen, haben höchstens den Sonntag frei. Das sind sklavenähnliche Bedingungen!“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Um das Honorar für die Anwerber zurückzuzahlen, bekommen die Bolivianer gewöhnlich ein halbes Jahr und länger überhaupt keinen Lohn – man nimmt ihnen den Paß oder sonstige Ausweise ab, hindert sie selbst mit Gewalt daran, die Fabrik zu verlassen. Wer aufmuckt, dem wird angedroht, ihn bei der brasilianischen Fremdenpolizei anzuzeigen. Pedro ging es so:“Mein Boß hat mir die Papiere weggenommen, mich eingesperrt – aber ich habe es geschafft, bin geflüchtet.“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Abeiterinnen werden häufig vergewaltigt. </strong></p>
<p><strong>Von zehn Fällen klarer Menschenrechtsverletzungen betreffen sechs stets Frauen. Die Bolivianer sind Analphabeten oder haben nur geringste Schulbildung, sprechen meist kein Portugiesisch. Die Besitzer der Fabriquetas, wie man hier sagt, sind Brasilianer, Koreaner – doch größtenteils ebenfalls Bolivianer, die eine Marktlücke entdeckten: Durch ihr Ausbeutungssystem unterbieten sie die Preise brasilianischer Hersteller und selbst Chinas bei weitem, beliefern gewinnbringend sogar große Textilkaufhäuser und Boutiquen. Luiz Bassegio:“Auch Ketten wie C &amp; A und andere Multis nehmen viel Ware ab!“</strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Ein Bolivianer, der beispielsweise schicke, modische Shorts herstellt, arbeitet daran pro Stück etwa zwei Stunden – und bekommt dafür dann umgerechnet allerhöchsten 45 Cents. Theoretisch. Denn im Migrantenzentrum der katholischen Kirche ist die häufigste Klage der Bolivianer, daß Fabriqueta-Besitzer überhaupt nichts zahlten, die Arbeiter nach einiger Zeit feuerten – und aus Bolivien neue anheuerten. Ein Mutter mit drei Kindern hatte aufgemuckt, landete sofort auf der Straße – und berichtete, was eigentlich mit den vielen bolivianischen Kindern wird:“Zur Schule gehen sie alle nicht, werden neben den Nähmaschinen angebunden, damit sie nicht stören, oder in ein Zimmer gesperrt.“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Wie kann die Kirche diesen Arbeitern helfen? “Wir sind in einer schwierigen Lage“, sagt Migrantenseelsorger Bassegio. „Die meisten dieser Textilfabriken sind zwar illegal, doch die staatlichen Aufsichtsbehörden würden nur bei einer Anzeige reagieren. Die Arbeiter ohne Aufenthaltserlaubnis haben natürlich Angst, die Polizei zu rufen. Würden wir von der Kirche Anzeige erstatten, verlören all die Bolivianer ihre Arbeit, flögen auf die Straße. Das kommt daher natürlich nicht in Frage.“ Die behördliche Kontrolle ist zudem eher ein schlechter Witz. Wird doch einmal ein Fabriqueta-Boß gestellt, droht man ihm hohe Bußgelder und sogar die Ausweisung an, wenn er nicht binnen zehn Tagen ordentliche Dokumente, auch die Arbeitspapiere der Näherinnen und Näher, vorlegt. Gemäß einer Staatsanwältin passiert dennoch nichts:“Innerhalb der zehn Tage wird die Fabrik kurzerhand an einen unbekannten Ort verlegt.“ Und Sao Paulo ist eben riesig, dort leben 24 Millionen Menschen. Seelsorger Bassegio hat daher sehr bizarre Probleme zu lösen, wird gelegentlich zum Detektiv, um die bolivianischen Sklavenarbeiter zu unterstützen:“Wir versuchen möglichst vielen von ihnen klarzumachen, daß sie aufgrund bilateraler Abkommen durchaus Rechte haben. In unserem Migrantenzentrum haben wir bereits elftausend Bolivianern dabei geholfen, eine Aufenthalts-und Arbeitserlaubnis zu bekommen, haben mit ihnen die nötigen Formulare ausgefüllt, verlangte Dokumente besorgt. Die meisten wissen, daß das geht, haben aber Angst, es zu versuchen.“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Nötig ist beispielsweise ein polizeiliches Führungszeugnis aus Bolivien – aber wie das beschaffen, wenn man in der Fabrik eingesperrt ist, zudem gar kein Geld für eine Reise nach Bolivien hätte? „Die Bosse wollen natürlich verhindern, daß ihre Arbeiter sich Rechte erwerben, solche Dokumente haben.“ </strong></p>
<p><strong>  </strong></p>
<p><strong>Brasiliens Kirche hält für mehr als absurd, daß ausgerechnet in Lateinamerikas reichster Stadt noch diese Art von Sklavenarbeit existiert – und unter den Augen des Staates immer mehr Bolivianer in dunklen, muffigen Hinterhoffabriken voller Ratten und Schaben an Tuberkulose und tödlichem Denguefieber erkranken. Migrantenseelsorger Bassegio: „Brasilia muß endlich handeln. Die Kirche macht deshalb Druck auf die Regierung, die offenbar nicht weiß, wie sie mit diesen vielen Bolivianern umgehen soll. Alle zurückschicken? Wir meinen – hier geht es um universelle Bürgerrechte. Keine einzige Gewerkschaft nimmt sich der Bolivianer an. Bei unserer Arbeit bekommen wir Hilfe von den deutschen Katholiken, von Misereor und Adveniat – dafür sind wir sehr dankbar!“</strong></p>
<p><strong>&#8222;Eine der größten Schwierigkeiten des kulturellen Beobachters angesichts der politischen Szenerie Brasiliens ist, nicht der Versuchung zu Fatalismus oder Zynismus nachzugeben. Schließlich sind es soviele Dinge, die sich seit so langer Zeit wiederholen&#8230;&#8220; Daniel Piza, O Estado de Sao Paulo</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/19/brasilien-atomkraftwerke-angra-3-im-bau-bei-rio-de-janeiro-doppelseitige-regierungspropaganda-in-qualitatszeitungen-energie-fur-neue-zeiten/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2011/08/19/brasilien-atomkraftwerke-angra-3-im-bau-bei-rio-de-janeiro-doppelseitige-regierungspropaganda-in-qualitatszeitungen-energie-fur-neue-zeiten/</strong></a></p>
<p><strong>Sklaverei unter Indianerstämmen Brasiliens:</strong></p>
<p><a href="http://www.hart-brasilientexte.de/2008/12/29/sklaverei-unter-indianerstammen-lateinamerikas-vor-der-ankunft-der-portugiesen-war-im-heutigen-brasilien-gemas-historischen-quellen-die-sklaverei-bereits-unter-den-indianern-ublich/"><strong>http://www.hart-brasilientexte.de/2008/12/29/sklaverei-unter-indianerstammen-lateinamerikas-vor-der-ankunft-der-portugiesen-war-im-heutigen-brasilien-gemas-historischen-quellen-die-sklaverei-bereits-unter-den-indianern-ublich/</strong></a></p>
<p><strong>Amnesty International 2002:</strong></p>
<h2>Sklavenarbeit nimmt wieder zu</h2>
<p><strong>BRASILIEN</strong></p>
<p><strong>SKLAVENARBEIT NIMMT WIEDER ZU</strong></p>
<p><strong>Erst im Jahre 1888 hat Brasilien die Sklaverei offiziell  abgeschafft,  doch es gibt sie bis heute. Vor allem im Norden und  Nordosten wird sie  von etlichen Großgrundbesitzern in modifizierter  Form weitergeführt.  Gleichzeitig nimmt die Zahl der Morde an  Landgewerkschaftern zu.</strong></p>
<p><strong>Für viele brasilianische Zeitungen war es unlängst der  Aufmacher: Zum  ersten Mal wurde ein “moderner” Sklavenhalter in  flagranti ertappt und  sofort hinter Gitter gebracht – das gab es noch  nie seit Brasiliens  Rückkehr zur Demokratie im Jahre 1985. Vielen  erschien das als  beachtlicher Fortschritt. Nur – und das vermeldeten  die Blätter nicht –  ging die Sache wie üblich aus: “Nach drei Tagen war  der betroffene  Großgrundbesitzer Max Cangussi wieder frei. Er wurde  lediglich  verpflichtet, seinen Sklavenarbeitern den zustehenden Lohn zu  zahlen.  Kein Prozess, keine Enteignung des Großgrundbesitzes, wie  eigentlich  vorgeschrieben,” sagt Antonio Canuto von der kirchlichen  Organisation  CPT, die solche Fälle immer wieder aufdeckt. Ihre  Informationen leitet  die Initiative auch an die Internationale  Arbeitsorganisation ILO  weiter.</strong></p>
<p><strong>Max Cangussi hatte in Maranhão, dem ökonomisch am wenigsten  entwickelten  Teilstaat Brasiliens, Männer anwerben lassen, um 230  Kilometer vom  nächsten Ort entfernt Weideland einzäunen und Bäume und  Sträucher  entfernen zu lassen. Für die viermonatige schwere Arbeit  zahlte er kein  Geld, sondern vergütete die Arbeiter lediglich durch  Nahrungsmittel. Die  Männer wurden in einer brüchigen Lehmhütte  untergebracht – ohne  Toilette und Wasseranschluss. Wasser gab es nur in  einem lehmigen Bach.  Wer gegen diese Zustände protestierte,  berichteten die Sklavenarbeiter  später der Polizei, wurde von Cangussi  mit der Waffe bedroht.</p>
<p>“Seit dem vergangenen Jahr nimmt die Zahl solcher Berichte deutlich  zu”,  erläutert Canuto. “Auf manchen Farmen wurden von der Bundespolizei  bis  zu fünf Mal hintereinander Sklavenarbeiter entdeckt.” Meist ohne  Folgen.  Vor allem im riesigen Amazonas-Teilstaat Pará – er ist um ein   Vielfaches größer als Deutschland – regiert laut CPT inzwischen fast   völlige Straffreiheit: Bußgelder – umgerechnet etwa hundert Mark für   jeden entdeckten “Sklaven” – werden nicht gezahlt, Prozesse kommen nicht   voran. Dem kleinen Team der Bundespolizei, das die Farmen überwachen   soll, wurden Gelder, Personal und Transportmittel, darunter   Hubschrauber, gekürzt. Die Spezialisten reagieren fast nur noch auf   Anzeigen und kommen gewöhnlich viel zu spät: häufig vergeht ein ganzer   Monat. In der Zwischenzeit haben die betreffenden Großgrundbesitzer   längst Wind von der Anzeige bekommen und die Sklaven schon davongejagt.</p>
<p>Laut Antonio Canuto ist Schuldsklaverei am üblichsten: Angeworbenen  wird  gute Bezahlung versprochen, doch werden Kosten für Arbeitsgeräte,   Transport und Verpflegung vom Lohn abgezogen. Das Leistungspensum setzt   der Farmer dann extrem hoch an. Lebensmittel gibt es nur im Farmladen   und zu überhöhten Preisen. Ergebnis: Am Monatsende erhalten die  Arbeiter  nicht nur kein Geld – man eröffnet ihnen auch noch, dass  zuerst die  entstandenen Schulden abzutragen seien. Vor Fluchtversuchen  wird  gewarnt. Gewöhnlich stehen bewaffnete Aufseher mit scharfen Hunden   bereit.</p>
<p>Allein in Pará sind im vergangenen Jahr 1100 Fälle von Sklavenarbeit   registriert worden; im Jahr 2000 waren es rund 350. Nach Angaben des   Arbeitsministeriums ist davon auszugehen, dass auf jeden von der   Sondereinheit befreiten Landarbeiter drei weitere kommen, die unter   sklavenähnlichen Bedingungen leben müssen.</p>
<p>Dem Terror von Großgrundbesitzern und bezahlten Killerkommandos sind   besonders in Pará Führer der Gewerkschaften und der Landlosenbewegung   ausgesetzt, weil sie die neuzeitliche Sklaverei öffentlich anprangern.   Allein zwischen Juli und Oktober 2001 wurden acht Aktive erschossen – in   ganz Brasilien waren es 2001 über 25. “Im Auftrag der  Großgrundbesitzer  werden immer mehr bewaffnete Milizen gebildet”,  kritisiert Bischof  Tomas Balduino, Präsident der CPT: “Das grenzt an  Bürgerkrieg.”</p>
<p>Auf Sklavenarbeiter wirkt zudem einschüchternd, wie die Behörden   Polizeigewalt decken: 1996 hatten bei einem Massaker rund 200   Militärpolizisten einer Sondereinheit nach amtlichen Angaben 19 Landlose   getötet – kirchliche Kreise nannten weit höhere Opferzahlen. Alle   Beteiligten, auch die Offiziere, sind weiter auf freiem Fuß und noch   immer im Dienst. Wann es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist völlig   offen.</p>
<p>Klaus Hart</p>
<p></strong><strong>Der Autor arbeitet als Korrespondent in São Paulo.</strong></p>
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