Klaus Hart Brasilientexte

Aktuelle Berichte aus Brasilien – Politik, Kultur und Naturschutz

Brasilien, Regierungskrise 2016: “Noch ein bißchen, und wir sind raus aus der Regierung.” Karikatur in größter Qualitätszeitung ” Folha de Sao Paulo” über die brasilianische Partei PMDB.

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“Die Partei der demokratischen Bewegung Brasiliens (PMDB) zog ihre sechs Minister aus der Regierung ab.” Regierungssender Deutsche Welle Ende März 2016. Alle sechs Minister sind indessen weiter im Amt. Staatschefin Rousseff sagte Anfang April, vor Kongreßabstimmungen über eine Amtsenthebung keine Kabinettsumbildung vorzunehmen.

“Die Partei PP wird in den Ermittlungen über Bestechungsgelder am meisten genannt – aber eigenartigerweise scheint die PP-Verwicklungen die Medien nicht zu interessieren.” O Globo Febr. 2016

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17.4. 2016, US-Hinterhof Brasilien – Pro-Impeachment-Kundgebung auf der Avenida Paulista in Sao Paulo.Daß Eduardo Cunha die Abstimmung im Abgeordnetenhaus leitet, degradiert nach Ansicht vieler Brasilianer das Land zur Bananenrepublik. 

Brasiliens Bischofskonferenz CNBB, einzelne Bischöfe verweisen immer wieder darauf, daß die derzeitige Ermittlungsaktion “Lava Jato” sich sehr selektiv nur gegen die Arbeiterpartei Lulas richte. Indessen gingen alle Parteien illegal vor – was von der Justiz aufgeklärt werden müsse.

In dem im Unterschied zu entwickelten Nachbarstaaten stark indianisch geprägten Brasilien erinnert die aktuelle Regierungskrise in vielen Aspekten an Stammeskonflikte, Reibereien zwischen Stämmen.

Wie tief Brasilien in der Mentalitätsfalle steckt, korrupt-unehrliches Verhalten zur Alltagsnormalität gehört, zeigt sich überall: Der Taxifahrer regt sich auf dem Weg zum Flughafen von Sao Paulo fürchterlich auf über die Korruption, Unehrlichkeit an der Staatsspitze – doch am Flughafen angekommen, nennt er einen um 50 Prozent höheren Fahrpreis als auf dem Taximeter angegeben, begründet dies unverfroren mit dem Wechsel von einer Stadt in die andere. Der Taxifahrer auf dem Rückweg von Flughafen schaltet auf dem Taximeter tagsüber erst einmal den teureren Nachttarif ein, hat wohl gedacht, der im allgemeinen für blöd gehaltene Ausländer merkt das nicht. Was man im brasilianischen Alltag ständig im Kleinen erlebt, vollzieht sich u.a. auf der Staats-und Wirtschaftsebene in großem Maßstab – nicht wenige Unternehmer der Ersten Welt wenden sich daher angewidert von solchem Gebaren ab, suchen sich Staaten mit anderen Verhaltensnormen. 

Brasiliens führende Wirtschaftszeitung “Valor economico” über lügende Top-Manager:”Studie über 330 Top-Manager zeigt, daß Entscheider die Angestellten, Kunden und sogar die Regierung anlügen.” Top-Entscheider-Sprüche werden weltweit fast problemlos in die Medien durchgeschaltet – mit bekanntem Ergebnis. **

tags: 

 ”Os dirigentes brasileiros mentem.”

Laut Valor economico haben die Top-Manager eingeräumt, daß in ihren Unternehmen das Lügen gängig sei – in Angelegenheiten, die Angestellte, Zulieferer, Partner und sogar die Regierung betreffen. “Sie sagen eine Sache, und tun etwas ganz anderes.” 74 Prozent hätten zugegeben, daß der offizielle Diskurs das Gegenteil von dem sei, was in der Praxis geschehe. In den brasilianischen Unternehmen sei Autoritarismus vorherrschend. Von demokratischer Führung zu reden, sei eine große Lüge. Unter Top-Managern jemanden “Amigo” zu nennen, bedeute garnichts, da hinter dessen Rücken” jeder mit dem Messer auf diesen einsticht”. Klassischer Fall sei, daß der Manager etwas abstreite, was er tatsächlich gesagt habe. 

Parallelen zu anderen Ländern sind natürlich wie immer rein zufällig…

Brasiliens Dauerkrise und die andere Sicht in deutschsprachigen Büchern:

“Brasilien ist auf dem Weg zum modernen Industriestaat. Aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen schüren die Erwartung, dass Brasilien bald zu den mächtigsten Staaten der Welt gehören wird.

Worin liegt diese Entwicklung begründet? An welchen Faktoren kann die Modernisierung der brasilianischen Wirtschaft festgemacht werden? Diesen und anderen Fragen widmet sich der vorliegende Band.” Amazon-Buchbeschreibung

“Brasilien boomt. Lange als Land der Zukunft beschworen, muss man mit Blick auf heutige Verhältnisse sagen: Die Zukunft ist jetzt! »Das ewige Versprechen« wirft einen lebhaften Blick auf die schillernde und faszinierende Vielfalt der brasilianischen Kultur, von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Ob in Musik, Malerei, Mode oder Architektur – Brasilien war immer schon stilprägend.” Amazon-Buchbeschreibung

 

“Brasilien hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt und weltpolitisch erheblich an Gewicht gewonnen.” Amazon-Buchbeschreibung

“Brasilien gilt als Schwellenland mit einer fragilen Demokratie. Korruption und soziale Missstände bestimmen nach wie vor den politischen Alltag. Trotz all dieser Faktoren ist Brasilien auf dem Weg zum modernen Industriestaat.” Amazon-Buchbeschreibung

(Laut elektronischer Statistik finden die Wirtschaftsthemen  dieser Website bei den Lesern das größte Interesse, werden Wirtschaftstexte am meisten angeklickt.)

Mentalität, soziokulturelle Faktoren: http://www.hart-brasilientexte.de/2013/04/07/brasilien-das-land-der-selbsttauschung-philosoph-und-psychoanalytiker-andre-martins-analysiert-vor-deutschlandjahr-2013-die-situation-des-tropenlandes-aufgebaute-fassade-hinter-der-unsere-g/

http://www.hart-brasilientexte.de/2014/07/07/brasilien-verstos-gegen-gesetze-nimmt-zu-laut-studie-bruch-von-normen-und-regeln-immer-leichter/

http://www.hart-brasilientexte.de/2013/12/30/brasiliens-mentalitat-soziokulturelle-faktorenwir-sind-tatsachlich-nichtig-belanglos-oberflachlichschriftstellerin-heloisa-seixas-nach-der-ruckkehr-von-einer-deutschlandreise-dem-besuch-der/

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/04/03/brasilien-regierungskrise-2016-noch-ein-bisschen-und-wir-sind-raus-aus-der-regierung-karikatur-in-groesster-qualitaetszeitung-folha-de-sao-paulo-ueber-die-brasilianische-partei-pmdb/

Brasiliens politische und wirtschaftliche Krise – grotesker Humor in der auflagenstärksten Qualitätszeitung “Folha de Sao Paulo”: “Nenn mich Piranha, Miststück, Hure…” ” Mädchen, das ist Sex, kein Panelaco”(Protestform, bei dem die Menschen auf Töpfe schlagen und hochrangige Politiker, etwa die Staatschefin, beschimpfen). **

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Ausriß.

“Brasiliens Staatschefin wurde von den Linken gewählt – und regiert für die Rechten.” Analyse nationaler Politikexperten 2015

“Brasilien gilt längst nicht mehr nur als Schwellenland, sondern hat den Sprung in die Riege der führenden Industrienationen geschafft.” öffentlich-rechtlicher Sender Deutschlands

 

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Angeli, Brasiliens größte Qualitätszeitung “Folha de Sao Paulo” zu Lula und Castro:”Sag mal, wie gehts denn der brasilianischen Rechten?””Der gehts optimal! Ich habe mich mit ihr verheiratet!”

 

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/04/01/hillary-clintons-anti-corruption-partner-mired-in-corruption-scandals-brazilian-president-praised-by-clinton-for-fighting-corruption-now-faces-impeachment-the-washington-free-beacon-2/

Brasilianische Soziologen wie Antonio Engelke(O Globo, 2.4. 2016) weisen auf den in der jetzigen politisch-wirtschaftlichen Krise gängigen Denkfehler, den “Markt”, also die Wirtschaft, wirtschaftliche Interessen, nicht als politischen Akteur wahrzunehmen. Das Problem der Korruption werde durchweg in der Sphäre der Politik gesehen. “Ziel der Empörung ist immer der korrupte Politiker, nie der korrumpierende Unternehmer.” Der Markt als Macht wirke auf die Politik ein  – doch von der Öffentlichkeit werde das gewöhnlich nicht bemerkt. 

“Die großen Unternehmen, ob Banken, Baufirmen oder Großgrundbesitzer, investierten massiv in Rousseffs Präsidentschaftswahlkampagne – über 100 Millionen Real – betrachteten dies als Investition, verlangen jetzt von Rousseff Gegenleistungen. Sie unterwirft sich diesen Interessen.” Waldemar Rossi, Leiter der Arbeiterseelsorge in der Erzdiözese Sao Paulo.

Zu den Manipulationstricks im deutschen Mainstream gehört, die extrem wichtige Rolle des politischen Akteurs Privatwirtschaft in der aktuellen Krise Brasiliens zu unterschlagen. 

Lula – seine internationalen und nationalen Auszeichnungen:https://pt.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%AAmios_e_honrarias_recebidos_por_Luiz_In%C3%A1cio_Lula_da_Silva

Viel internationales Lob und Auszeichnungen für Lula.

Nach der Enthüllung des Mensalao-Skandals um Abgeordneten-und Parteienkauf war die Popularität von Lula in Mitteleuropa, darunter in der NGO-Szene, deutlich gewachsen, was auf entsprechende Wertvorstellungen schließen ließ.

http://www.hart-brasilientexte.de/2012/03/20/brasiliens-mega-skandal-um-parteien-und-abgeordnetenkauf-mensalao-beginnt-vermutlich-erst-nach-rio20-bereits-7-jahre-seit-enthullung-vergangen/

Wertvorstellungen an der EU-Spitze. 

Viel Lob für Lulas Regierungsstil aus der EU – “…dieser ehrliche Mann, integer und bewundernswert”:

“El presidente de Brasil se ha convertido en el líder indiscutible de América Latina y una referencia para todos los políticos…En ese empeño sigue este hombre honesto, íntegro, voluntarioso y admirable, convertido en una referencia inexcusable para la izquierda del continente americano al sur de Río Grande. Tiene una visión del socialismo democrático que pone el acento en la inclusión social y en la justicia medioambiental para hacer posible una sociedad más justa, decente, fraterna y solidaria.” Zapateros Bewertungen von 2009, nach der Enthüllung des Mensalao-Skandals, so muß festgehalten werden, waren keineswegs ironisch gemeint.

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/11/jose-zapatero-spaniens-premierminister-lobt-lula-uber-alle-masen-der-mann-der-die-welt-uberrascht-esse-homem-honesto-integro-e-admiravel-von-amnesty-international-angeprangerte-folter/

Vor dem Hintergrund der gravierenden Menschenrechtslage und anderer Negativfaktoren im Lande erhielt Lula zahlreiche hohe ausländische Auszeichnungen: http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/06/lula-erhalt-in-paris-am-27-september-ehrendoktor-der-sorbonne-melden-landesmedien-interessante-sorbonne-auswahlkriterien/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/08/23/unesco-zeichnet-lula-in-paris-wegen-forderung-des-friedens-und-der-rechtsgleichheit-aus-preis-mit-150000-dollar-dotiert-jury-von-henry-kissinger-gefuhrt/

Leonardo Boff: “Lula machte die größte Revolution der sozialen Ökologie des Planeten, eine Revolution für die Bildung, ethische Politik.“

Billiger Boff-Agitprop für Lula – auch den straff gesteuerten deutschen Mainstream-Medien jahrelang stets höchst willkommen. 

http://www.hart-brasilientexte.de/2010/01/29/lula-macht-laut-wertekriterien-des-weltwirtschaftsforums-in-davos-alles-richtig-hohe-ehrung-mit-preis-global-statesmanship-wirtschaftsethik-und-menschenrechtslage-weltsozialforum-2010/

Luiz Ruffato, Mitglied der offiziellen brasilianischen Buchmesse-Delegation, in der Neuen Zürcher Zeitung 2013: 

  “Allerdings sind wir im Alltag noch immer mit einer institutionalisierten Barbarei konfrontiert, die sich nicht nur in einer konstanten physischen Bedrohung, sondern auch in der Korruption und in der absoluten Missachtung des menschlichen Lebens äussert. In Brasilien ist der Begriff des «wilden Kapitalismus» keine Metapher.”

 

“Brasilien hat die Krise abgeschüttelt wie eine lästige Fliege.” Manager-Magazin. Ethik und Politik. Lula – “Darling der Weltwirtschaft.” Qualitätszeitung “O Globo”: “Lula – Sohn des Kapitals.” Wirtschaftsinteressen und “Morro dos Macacos”. **

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,666074,00.html

“Die hohen Zinsen machen zwar Kredite und Investitionen in Brasilien teuer, sie locken aber ausländisches Kapital an – besonders über die wieder auflebenden Carry Trades, in denen Geld beispielsweise zu null Zinsen in den USA geliehen und dann hochrentabel in Brasilien angelegt wird.”

Lula: “In sieben Regierungsjahren hat sich der einstige Bürger-und Börsenschreck zum Darling der Weltwirtschaft gemausert.”

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/04/17/bankiersliebling-lula-und-der-starke-real2-spekulanten-uber-neue-leitzinserhohung-begeistert-viele-exportorientierte-industrien-noch-mehr-geschadigt/#more-357

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/11/04/europaische-wirtschaftspresse-bestatigt-heute-heiner-flassbeck-erstmals-gefahren-dieser-spekulantentaktik-fur-brasilien-und-andere-lander-betont/

Brasilianische Wirtschaftsexperten und Kommentatoren haben immer wieder darauf hingewiesen, wer die Zeche für diese Lula-Politik zahlt.

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/19/lula-sohn-des-kapitals-grosunternehmen-die-von-lula-stark-begunstigt-wurden-finanzierten-spielfilm-uber-den-arbeiterfuhrer-lula-o-filho-do-capital-o-globo-lula-war-nie-ein-li/

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Obdachloser vor der lateinamerikanischen Leitbörse in Sao Paulo. http://images.google.de/images?hl=de&source=hp&q=hart+brasilientexte&btnG=Bilder-Suche&gbv=2&aq=f&oq=

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/09/brasilianer-weiter-gravierend-von-krise-betroffen-massenarbeitslosigkeit-durch-entlassungen-seit-2008-verscharft-lohnverluste/

“Beifall von Wirtschaftszeitschrift Economist”, London: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/08/beifall-vom-economistist-ein-wenig-wie-die-umarmung-durch-ahmadinedschad-brasiliens-schriftsteller-verissimo-in-seiner-medienkolumne-zur-neuesten-lob-story-der-britischen-wirtschaftszeitschrift/

Ethik und Politik: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/09/16/scheiterhaufenstadt-rio-de-janeiro-der-grausame-tod-einer-48-jahrigen-frau-in-der-microondas-laut-lokalzeitung/

Morro dos Macacos: http://www.hart-brasilientexte.de/2009/10/17/krieg-auf-dem-morro-dos-macacos-von-rio-de-janeiro-youtube-anklicken-bope-im-einsatz/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/12/09/gegen-amnestie-fur-folterer-brasilianische-menschenrechtsaktivisten-mobilisieren-die-offentlichkeit/

http://www.hart-brasilientexte.de/2009/11/26/was-gut-ist-stellen-wir-gros-heraus-was-schlecht-ist-verstecken-wir-rubens-ricupero-brasilianischer-politiker-ex-finanzminister-karrierediplomat-vertreter-brasiliens-in-uno-organisationen/

Regierungskrise Brasiliens 2016 – Hintergrund:

. Ist die PT etwa mächtigste Partei im Parlament von Brasilia? Von wegen: Das Abgeordnetenhaus  hat 513 Sitze – doch auf die PT entfallen gerade einmal 57(!).  Und man stelle sich auch dies im deutschen Bundestag vor: Insgesamt 25 Parteien sind im brasilianischen Abgeordnetenhaus vertreten – das Regierungslager zählte meistens rund  20 Parteien des rechten bis linken Spektrums, derzeit sind es etwa zehn.  Alle Regierungsparteien haben Minister, besetzen eine Unzahl anderer hoher Posten in der Regierungs-und Staatsbürokratie – sind daher im Zusammenspiel mit an Regierungsaufträgen interessierten Konzernen erheblich stärker in Korruptionsskandale verwickelt als die Arbeiterpartei Lulas. Die hält von 23 Ministerposten gerade einmal fünf.

Eine Koalition von SPD, DIE LINKE mit der NPD? In Deutschland undenkbar – doch in Brasilien sind solche politischen Konstellationen normal. Zur Rousseff-Koalition zählen Rechtsextremisten, Befürworter von Militärdiktatur und Folter, Fans lateinamerikanischer Diktatoren wie Pinochet. Parteidisziplin nach mitteleuropäischen Begriffen gibts im brasilianischen Abgeordnetenhaus nicht – eine unbekannte Zahl von Oppositions-Abgeordneten  unterstützt  die Regierung –  und eine ebensowenig bekannte Zahl von Politikern der Regierungsparteien votiert gegen Rousseff. Abgeordneten-und Stimmenkauf, darunter vor wichtigen Abstimmungen,  waren seit jeher Normalität im brasilianischen Nationalkongreß, auch während der Lula-Regierung. Derzeit agieren Lula und Rousseff hinter den Kulissen mit allen politischen Tricks und Postenschacher, um jene 172 Abgeordnetenstimmen zusammenzubekommen, mit denen sich ein Impeachment abschmettern ließe. Ob es gelingt, wird sich zeigen. Denn die Regierungsgegner arbeiten ebenfalls mit allen Mitteln, nutzen die allgegenwärtigen privaten Medienkonzerne, um die politische Krise weiter anzuheizen. Aus Sicht der katholischen Kirche besonders hinterhältig, weil künstlich gefördertes politisches Chaos die gravierende Wirtschaftskrise zusätzlich verschärft, für noch mehr Arbeits-und Obdachlose, Verelendete, Hungernde sorgt. Sie werden zur Manövriermasse des rechten, rechtsextremen Lagers. Für den  angesehene Menschenrechtsbischof Demtrio Valentini soll  der Eindruck erweckt werden, als wolle ganz Brasilien, daß Rousseff weg müsse. „Ein Impeachment hätte keinerlei rechtliches Fundament.“

Auch die vielen Sozialpastoralen der katholischen Kirche sind gegen eine Amtsenthebung, zumal  die nächste Regierungskoalition noch weit schlechter als die jetzige ausfiele.

Paulo Pedrini, Leiter der Arbeiterseelsorge in Sao Paulo:“Jetzt wird so getan, als hätte die Arbeiterpartei in Brasilien die Korruption erfunden – verlogener gehts nimmer. Viele Parteien sind in Skandale verwickelt. Ein Impeachment würde die Lage der einfachen Menschen nur noch stärker verschlimmern. Doch die Rousseff-Regierung verteidigen wir nicht!  Seit Lulas Amtsantritt von 2003 wurden völlig unakzeptable Bündnisse mit übelsten Rechtsparteien geschlossen, werden die Interessen der Beschäftigten attackiert.“ Intellektuelle der Kirche plädieren für rasche Neuwahlen nebst verfassungsgebender Versammlung, die Brasiliens absurdes Parteiensystem neudefiniert. Also Schluß mit 25 Parteien im Parlament…

Brasiliens Regierungskrise 2016 und die Manipulationstricks im mitteleuropäischen gesteuerten Mainstream. Brasilianische Privatwirtschaft als Hauptbestecher, wichtigster politischer Akteur in der aktuellen Krise völlig ausgeblendet – auch von brasilianischen Privatmedien. Putin und Goldman Sachs – Medien-Tabu Panama Papers und ukrainische Oligarchin Timoschenko(“Russen abschlachten”). **

Die brasilianische Privatwirtschaft hat sich gemäß landesüblichen Gepflogenheiten seit Jahrzehnten durch Bestechungsgelder Regierungsaufträge jeder Größenordnung verschafft – zudem wurden Politikern die Wahlkämpfe finanziert, um später entsprechende Gegenleistungen einzufordern. Brasilianische Industrielle haben zudem immer wieder kritisiert, daß in ihrem Land eine regelrechte wirtschafts-und entwicklungsfeindliche “Bankendiktatur” existiere. Ein Blick auf die derzeitige Berichterstattung europäischer Mainstreammedien(fast durchweg in privatwirtschaftlicher Hand) zeigt indessen, daß diese wichtigen Aspekte permanent ausgeklammert, verschwiegen werden. Unbedarfte Medienkonsumenten müssen daher zwangsläufig den Eindruck gewinnen, die Regierung von Staatschefin Dilma Rousseff und ihre Arbeiterpartei PT seien einzig und allein an der aktuellen Regierungs-und Wirtschaftskrise schuld – als ob die Privatwirtschaft als wichtigster politischer Akteur – und Bestecher –  nicht existiere.  Nur sehr selten wird wenigstens in der privaten brasilianische Presse auf diese Zusammenhänge hingewiesen – indessen zählt nur ein sehr geringer Bruchteil der Brasilianer zu den Zeitungslesern. Die noch vor Jahren sehr interessanten und an Information sehr reichen brasilianischen Zeitungen sind indessen in einem Qualitätsabsturz ohnegleichen begriffen – ähnlich wie in Deutschland ist man inzwischen gezwungen, den Wahrheitsgehalt journalistischer Texte nachzurecherchieren, wenn man sich für ein Bild von den tatsächlichen Vorgängen, Ereignissen, Hintergründen interessiert. Immer mehr wichtige Fakten zum Verständnis brasilianischer Politik, Wirtschaft etc. werden von brasilianischen Medien nicht mehr, wie früher üblich, veröffentlicht. 

In deutschsprachigen Medien entfällt derzeit gewöhnlich jeder Hinweis darauf, daß zur Speerspitze des Lagers der Regierungsgegner rechtsextremistische Anhänger bzw. Aktivisten der Militärdiktatur gehören, die zumeist bisher zur Regierungskoalition zählten, u.a. stark in den Parteien PMDB, PP vertreten sind. So wurde 2013 von der Öffentlichkeit mit großem Interesse wahrgenommen, daß einer der wichtigsten Drahtzieher des derzeitigen Amtsenthebungsverfahrens, Kongreßsenator Aecio Neves(PSDB), 2013 in einer Rede den Militärputsch von 1964 als “Revolution” bezeichnete – und somit die damalige Diktion der Foltergeneräle benutzte.

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Ausriß.

Die Foltergeneräle betonten in der Begründung des Putsches immer wieder die “kubanische Gefahr”. Neves garantierte vor wenigen Jahren gemeinsam mit anderen Rechten, Rechtsextremisten in Brasilia einen großen Bahnhof im Nationalkongreß für die kubanische Regierungsgegnerin Yoani Sanchez – seit sich die Affinität von Sanchez zu Diktatur-und Folterbefürwortern herumsprach, hat sich das bislang gigantische Interesse auch deutscher Medien für sie auf kuriose Weise sehr rasch und sehr stark abgekühlt. 

Die politischen Gruppierungen um Neves hat nicht zufällig besonders verärgert, daß unter der Lula-Dilma-Regierung die kommerziellen Beziehungen zu Kuba ausgeweitet, u.a. rund 14000 kubanische Ärzte nach Brasilien geholt wurden, um die katastrophale bzw. nichtexistiente medizinische Betreuung in den Armen-und Elendsvierteln zu verbessern. Denn dort weigern sich die fast durchweg der hellhäutigen Mittelschicht entstammenden brasilianische Ärzte, Dienst zu tun, Arztpraxen zu übernehmen. Zudem ist nicht zu übersehen, daß der Einsatz kubanischer Ärzte gewisse soziokulturelle Sprengkraft mit sich bringt. Denn zum ersten Mal erleben brasilianische Angehörige der Unterschicht, von Medizinern zivilisiert, professionell, menschlich, nichtrassistisch behandelt zu werden – die kubanischen Ärzte sind in Brasilien bei ihrer Klientel ausgesprochen populär, angesehen. Das rechtsgerichtete Neves-PSDB-Lager hatte mit großem Aufwand versucht, den Einsatz kubanischer Ärzte zu hintertreiben – nach einer Amtsenthebung von Dilma Rousseff ist damit zu rechnen, daß das entsprechende Abkommen mit Kuba gekündigt wird, die Ärzte zurückgeschickt werden. Indessen besorgen sich selbst US-Regierungen per gezielter Abwerbung seit Jahrzehnten bevorzugt kubanische Ärzte – die Einstufung der Qualität des US-Gesundheitswesens in internationalen Rankings spricht Bände…

Obama nach Kuba 2016:http://www.hart-brasilientexte.de/2016/02/19/america-will-always-stand-for-human-rights-around-the-world-friedensnobelpreistraeger-barack-obama-mit-kuriosem-offenbar-nicht-ironisch-gemeintem-twitter-eintrag-zu-kuba/

Auf den derzeitigen Anti-Rousseff-Kundgebungen fällt das ausgesprochen primitive Denken vieler Regierungsgegner ins Auge, die u.a. auf Plakaten, Spruchbändern just ausgerechnet Lula und Rousseff als Kommunisten kubanischer Prägung einstufen. Kubas wichtigster Wirtschaftszweig ist der Export von Fachkräften in zahlreiche unterentwickelte kapitalistische Staaten sowie in Programme der UNO, darunter in Afrika. Daß die Lula-Rousseff-Regierung ihre Kontakte zu Kuba populistisch auch etwas ideologisch verbrämte, ist verständlich, entbehrt jedoch  jeder Grundlage, wie u.a. ein Blick auf die Zusammenarbeit des erklärten Nicht-Linken Lula mit der Militärdiktatur, und danach mit berüchtigten Diktaturaktivisten zeigt. Gleiches gilt für Dilma Rousseff – die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Brasilien betreffen fast durchweg die Unterprivilegierten, Armen, Verelendeten.http://www.hart-brasilientexte.de/2012/04/12/brasilianische-menschenrechtsorganisationen-fordern-von-staatschefin-rousseff-definitive-erklarung-das-sie-folter-nicht-tolerieren-und-mit-allen-kraften-bekampfen-werde/

http://www.hart-brasilientexte.de/2008/02/15/wem-nutzen-banditendiktatur-und-immer-mehr-no-go-areas/

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Ausriß, Reiche und Berühmte unter sich.

Der Einsatz von kubanischen Ärzten in Brasilien hat einen kuriosen Nebeneffekt in Kuba: Möglicherweise etwas blauäugige Teile der kubanischen Staatsführung hatten bisher den Kubanern weismachen wollen, Brasilien habe eine Linksregierung, verfolge politisch-ideologisch ähnliche Ziele wie Kuba. Als Kubareisender wurde man just bis zum Einsatz der kubanischen Ärzte von Kubanern mit derartigen Positionen konfrontiert – den brasilianischen Spielfilm “Tropa de Elite” hatten zwar die meisten gesehen, aber als unglaubwürdig eingestuft. Nun berichten die in Brasilien eingesetzten kubanischen Mediziner ihren Landsleuten kontinuierlich über die tatsächliche Situation im archaisch-neoliberalen Partnerstaat – und schon hat sich die Meinung in der kubanischen Bevölkerung über Brasilien spürbar verändert, trifft man in Kuba inzwischen sogar auf Angehörige keineswegs intellektueller Berufe, die wissen, daß die Rousseff-Regierung in Brasilia einen knallharten neoliberalen Kurs fährt. 

http://www.hart-brasilientexte.de/2014/04/18/brasiliens-prekares-gesundheitswesen-unter-lula-dilma-rousseff-boses-erwachen-fur-kubanische-arzte-die-grauenhafte-gewaltgepragte-elendsviertel-geschickt-werden-in-denen-brasilianische-arzte-nicht/

http://www.hart-brasilientexte.de/2016/04/01/hillary-clintons-anti-corruption-partner-mired-in-corruption-scandals-brazilian-president-praised-by-clinton-for-fighting-corruption-now-faces-impeachment-the-washington-free-beacon-2/

HillaryClintonRousseffKorruption 2012

http://www.hart-brasilientexte.de/2015/08/24/brasilien-und-aktuelle-manipulationsmethoden-wie-medienkonsumenten-teils-ueber-jahrzehnte-fuer-dumm-verkauft-werden-mottowas-kuemmert-mich-mein-geschwaetz-von-gestern-prof-robert-kappel-darf-na/

 

Ausriß.

”Das System hier ist einfach verfault.” Weltsozialforum-Erfinder Oded Grajew 2010 im Website-Interview, als Deutschlands gesteuerter Mainstream noch die Lula-Rousseff-Regierung über den grünen Klee lobte…

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Jüdischer Weltsozialforum-Erfinder Oded Grajew beim Website-Interview in Sao Paulo.

Der brasilianischen Wirtschaftselite wirft Grajew vor, falsch zu handeln – gegen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen, sogar die ganz persönlichen Interessen: Unternehmer finanzieren den Politikern zwar die Wahlkampagnen, fordern aber, was sich besonders verheerend auswirkt, kein besseres Bildungswesen ein.»Dieses Volk nicht zu bilden, ist ein regelrechtes politisches Projekt des reaktionären Teils der Elite, um die Leute besser manipulieren zu können«

»Waffenverkäufer wollen Regierungen, die Kriege machen – 95 Prozent des weltweiten Waffenhandels werden von Herstellerländern getragen, die dem UNO-Sicherheitsrat angehören!« Dass sich Politik und Politiker ökonomischer Macht unterwerfen, nennt er ein Krebsgeschwür, das zum Ende der Menschheit führen könne.

Warum Kopenhagen scheiterte – jüdischer Weltsozialforum-Erfinder Oded Grajew:”Die Regierenden unterwarfen sich der ökonomischen Macht, die ihre Wahlkampagnen finanziert. Diese Politiker sind Angestellte, Interessenvertreter der Großunternehmen…Die Waffenverkäufer wollen Regierungen, die Kriege führen.”

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/wissenschaft/1897202/

Der jüdische, in Israel geborene Unternehmer, Präsident des von progressiven Unternehmern getragenen Ethos-Instituts in Sao Paulo, sagte im Website-Interview weiter: “Das politische System ist verfault – man muß es ändern und nicht nur die Regierenden auswechseln, die stets in diesem System gefangen bleiben. Ich will echte, wahre Demokratie – doch frei von den ökonomischen Machthabern. Die Politik der ökonomischen Macht unterworfen – dies ist heute das Krebsgeschwür, das zum Ende der Menschheit führen kann. In Kopenhagen sah man das ganz genau – die Regierenden wollen sich nicht gegen jene stellen, die ihre Wahlkampagnen finanzieren. Die Öl-und Autoindustrie beispielsweise will nun einmal Regierungen, die das jetzige zerstörerische System der Mobilität und des Transports beibehalten. Die Waffenverkäufer wollen Regierungen, die Kriege führen. Daher muß die Macht der Wirtschaft über die Politik gebrochen werden. “

Jeder kennt heute meist sogar persönlich Leute, die nach dem Motto vorgehen:  “Grün” öffentlich daherreden, umweltfeindlich denken und handeln – die Resultate sprechen Bände.

 

Brasilien – Daten, Statistiken, Rankings:http://www.hart-brasilientexte.de/2011/09/20/brasilien-daten-statistiken-bewertungen-rankings/

Brasiliens führende Wirtschaftszeitung “Valor economico” über lügende Top-Manager:”Studie über 330 Top-Manager zeigt, daß Entscheider die Angestellten, Kunden und sogar die Regierung anlügen.” Top-Entscheider-Sprüche werden weltweit fast problemlos in die Medien durchgeschaltet – mit bekanntem Ergebnis.

Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 03. April 2016 um 01:29 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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